Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, tsa
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- I gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.,» vsxrr« I
Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. Dienstag, den 14. Mai 190^
Amtlicher teil.
Technischer Leitfaden, betr. Schweineseuche.
(Fortsetzung.)
Endlich ist bekannt, daß sich geringgradige, mit einer Störung des Allgemeinbefindens nicht verbundene, entzündliche Veränderungen an der Lunge, besonders an den Spitzen der vorderen Lungenlappen nicht selten in Beständen finden, in denen Verluste von Schweinen oder ein über das in der Schweinehaltung gewöhnliche Maß hinausgehendes Kümmern einzelner Tiere nicht beobachtet werden.
Daher können die veterinärpolizeilichen Maßregeln auf die Fülle von Schweineseuche beschränkt bleiben, in denen die Seuche als ansteckende und verlustbringende Krankheit auftritt.
Als Schweineseuche im veterinärpolizeilichen Sinne ist daher die vorstehend beschriebene, ansteckende, in der Regel in der Form einer Entzündung der Brustorgane verlaufende Krankheit der Schweine nur anzusehen, sofern sie mit erheblichen Störungen des Allgemeinbefindens einhergeht.
Solche Erscheinungen treten in die Erscheinung
a) bei lebenden Tieren:
in Fieber, Störung der Futteraufnahme, Mattigkeit oder (in chronischen Fällen) in Abmagerung;
b) bei toten Tieren:
in trüber Schwellung oder fetter Metamorphose der Leber, des Herzmuskels, der Nieren, unter Umständen Schwellung sämtlicher Lymphdrüsen und der Milz, auch Gelbfärbung sämtlicher Gewebe oder (in chronischen Fällen) in Abmagerung.
Wenn bei einem geschlachteten Schweine nur der chronischen Schweineseuche ähnliche Veränderungen der Brustorgane ohne weitere Erscheinungen der vorgedachten Ar) ermittelt werden, so ist dieser Befund nicht zum Ausgangspunkt von veterinärpolizeilichen Maßregeln zu machen.
VI. Diffcrentialdiagnose.
Mit der Schweineseuche können Erkrankungen der Schweine verwechselt werden, die wie die Schweineseuche mit Veränderungen der Brustorgane einhergeyen. (Ss sind dies die durch den Strongylus paradoxus bedingte Lungenwurmkrankheit, die Lungentuberkulose, die durch Ansaugung von Fremdkörpern in die Luftwege hervorgerufene Lungenentzündung und die im Anschluß an Wundinfektionen vorkommendell metastatischen Entzündungen der Lunge und des Brustfells.
Alle diese Erkrankungen können bei den lebenden Tieren Krankheitserscheinungen hervorrufen, die mit denen der Schweineseuche Aehnlichkeit haben. Die angeführten Krankheiten können auch mit Ausnahme der durch Ansaugung von Fremdkörpern bedingten Lungenentzündung gehäuft auftreten und dadurch den Eindruck einer ansteckenden, von Tier zu Tier übertragbaren Krankheit machen, weil die Krankheitskeime häufig zu gleicher Zeit bei einer größeren Zahl von Schweinen schädlich werden. So können die Lungenwurmbrut auf der Weide, die Tuberkelbazillen mit dem Milchfutter und die Wundinsektionserreger nach Operationen, wie nach der Kastration, von dem größeren Teile eines Bestandes gleichzeitig ausgenommen werden.
Sämtliche hier in Frage kommenden Krankheiten lassen sich durch die Untersuchung getöteter Tiere von der Schweineseuche unterscheiden.
a) Lungenwurmkrankheit.
Bei der Lungenwurmkrankheit findet man in den Verzweigungen der Luftröhre, namentlich an der Lungenbasis, den Strongylus paradoxus in großer Zahl. Die Würmer bilden oft förmliche Knäuel, die nach Eröffnung der Luftröhrenäste leicht feststellbar sind. Die von den Wümern befallenen Luftröhrenäste sind zum Teil erweitert; ihre Schleimhaut ist geschwollen und mit Schleim bedeckt. Außerdem können kleinere umschriebene Teile des Lungengewebes im Bereiche der von den Lungenwürmern befallenen Luftröhrenäste entzündet sein. Die vorderen Lungen- abschnitte sind bei der Lungenwurmkrankheit von Veränderungen gewöhnlich frei.
Die vorwiegende Erkrankung der Luftröhrenverzweigungen
TWsckmWe.
Novelle von H. v. Ziegler.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Wir kommen gleich nach durch den Park," rief Maria den Herren nach und rang nach der Fassung, welche die Situation erheischte.
„Ist es Ihnen hier nicht oft entsetzlich öde und langweilig, Cousinchen?" frug Ginlay, einen reservierten, tadellosen Ton anschlagend.
„O nein, ich liebe meine Heimat."
„Aber Sie gehören in die große Welt mit Ihrer Schönheit und Anmut. Sie sind §u schade, hier in die Pußta zu — zu verbauern."
Sie sah ihn groß und kühl an.
„Machen wir Ihnen hier den Eindruck von verbauerten Menschen?"
„Aber behüte, liebe Maria, eS tut mir nur so leid, Sie hier im Stillen blühen zu sehen, während Sie doch bei Hofe eine gefeierte Rolle spielen würden."
„Dazu bin ich zu still und ungewandt."
„Aber daS Leben wird doch nicht immer für Sie so bleiben?"
„Nein," entgegnete sie traurig, „ich fürchte, daß man mir eines Tages dies friedliche, sonnige Leben raubt."
„Dann aber zu ihrem Glücke, Consinchen, jedes Mädchen muß ja die Heimat ausgeben, wenn der Gatte sie entführt."
„Aber es wirb mir bann zu ihrem Glücke sein, wenn sie ihn liebt."
„Hm, Komteß, da hätten wir ja gleich den sentimentalen Grundsatz: ohne Liebe kein Gück in der Ehe."
„Gewiß," eutgegfiete sie tiefernst, „daS ist auch meine feste,
und der Nachweis der tierischen Schmarotzer sichern die Diagnose der Lungenwurmkrankheit.
b) Lungentuberkulose.
Bei der Lungentuberkulose des Schweines finden sich Knötchen und Knoten im Gewebe der Lungen. Die Knoten und Knötchen können in sämtlichen Teilen der Lunge zugegen sein. Sie sind zuerst grau, durchscheinend, werden später in der Mitte und schließlich vollkommen gelb und trübe; in den verkästen Herden können sich Kalksalze ablagern. Die gleichen Knötchen und Knoten werden in den Bronchialdrüsen angetroffen. In den veränderten Teilen sind Tuberkelbazillen nachzuweisen. Die Lungentuberkulose ist mithin durch das Auftreten von Knötchen und Knoten im Lungengewebe und in den Bronchialdrüsen sowie durch den Befund von Tuberkelbazillen von der Schweineseuche zu unterscheiden. (Fortsetzung folgt).
Die Herren Bürgermeister des Kreises weise ich an, die Losungsscheine, welche ihnen in den letzten Tagen zugefertizt worden sind, den Militärpflichtigen im Gemeindebezirk sofort auszuhändigen.
Das beigefügte Verzeichnis ist mir, nachdem der Empfang der Losnngsschcine in ihm bescheinigt worden ist, sofort wieder zurückzureichen.
Hersfeld, am 13. Mai 1907.
M. 757. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Th a m er.
nichtamtlicher teil.
3tr ulMe PrMrmister über Sie AnislUUMM
Die Offenheit, mit der Fürst Bülow jüngst im Reichstage den Standtpunkt der deutschen Regierung in der Abrüstungs- srage darlegte, hat nirgends im Auslande ihre Wirkung verfehlt, selbst nicht bei denen, die im Haag das Thema von allen Mächten erörtert zu sehen wünschten. Soweit man sich nicht in der Sache aus denselben Standpunkt stellt wie die deutsche Regierung, daß nämlich die Frage für eine Konferenz- Verhandlung viel zu wenig geklärt ist, erkennt man doch an, daß die deutsche Nichtbeteiligung an der gewünschten Diskussion aus guten Gründen beruht. Auch der Autor des Vorschlages, die Verhandlungen der Haager Konferenz mit der Abrüstungs- frage zu belasten, der englische Premierminister Campbell-Banuer- wann erklärte am 10. Mai in einer zu Manchester gehaltenen Rede: wenn man auch die Notwendigkeit, sich an der Diskussion nicht zu beteiligen, aufrichtig bedauere, so verdiene doch die freimütige Darlegung und der freundschaftliche Ton in der Rede des deutschen Reichskanzlers verständnisvolle Anerkennung.
Dabei trat der englische Premierminister dem Verdacht entgegen, daß man Deutschland durch das Aufwerfen dieser Frage habe in Verlegenheit bringen wollen. Das mag am Ende für das Haupt der liberalen Partei gelten, das in dem letzten englischen Wahlkampf den Wühlern versprochen hatte einen ernsthaften Versuch zur Ermäßigung der Rüstungsausgaben zu machen, wenn die Liberalen aus Ruder kämen.
Sir Henry Campbell-Baunermann lebt aber in dem Ge
unumstößliche Ansicht, die in dem moralischen Werte des Menschen wurzelt."
„Hm! Und — wenn nun ein Mann um Sie werben sollte, °dcn Ihre Schönheit entzückt, den Sie selbst aber noch nicht lieben, was würden Sie dann wohl sagen?"
„Ich würde ihn anflehen, mich nicht elend zu machen," rief sie, tieferregt, beide Hände über der Brust salteud, daß selbst Ginlay einen Augenblick seine Augen vor den ihren niedcrschlagen mußte.
„Aber wenn nun Ihr Vater selbst ein Machtwort spräche?"
Marias Gesicht erglühte, ihre Augen stammten und den Kopf stolz znrückwerfcnd sagte sie kalt:
„Zur Beantwortung von derlei Gewissenssragen ist unsere Bekannt- oder Verwandtschaft nicht nahe genug. Wollen wir jetzt in den Park gehen?"
Hoch ausgerichtet, von Kops bis zu Fuß die unnahbare Aristokratin, schritt sie dem Grasen voran, der, sich tief verneigend, ihr die Tür öffnete, heimlich aber zähneknirschend die Fanst ballte.
„Das soll sie mir büßen, wenn sie meine Gemahlin ist. Bis jetzt hat mich noch nie ein Weil, zurechtgewiesen."
Die vier Personen trafen sich bald daraus im Park und Gras Ginlay nahm hastig den Arm seines Vetters, um ihn mit fortzuziehen.
„Ich muß dich fünf Minuten allein sprechen," sagte er hastig, „entschuldigen Sie uns, meine Herrschaften."
Der Rittmeister titib Maria traten schweigend in eine Lanbe, während die beiden Grasen in der Richtung des Schlosses sich entfernten.
WelheimS Seele kämpste furchtbar; er wollte fest und treu sein, die Versuchung war eine schwere.
„Maria, geliebtes Kind, seien Sie mutig. Machen Sie unS beiden den Abschied nicht zu schwer.
danken, daß der Verdacht gegen Deutschland bei anderem Verhalten der deutschen Regierung hätte vermieden werden können. In seiner Rede findet sich nämlich der Satz: „Hätte Deutschland nur einen einleitenden Schritt getan, so wäre England ihm freundschaftlich ohne jeden Hintergedanken cnt- gegengekommen." Wieso das? Rußland entwirft ein Programm und lädt zur Koufcrenz ein. Deutschland nimmt das Programm phne Zusatz an, England macht den Vorbehalt die Abrüstungssrage zur Sprache zu bringen. Rußland teilt das den Mächten mit, woraus Deutschland, ebenso wie andere Mächte, erklärt, es werde an Diskussionen nicht teilnehmen, von denen es sich keinen praktischen Erfolg verspreche. Das Zentrum der Verhandlungen über das Programm war also Petersburg, dorthin teilte England seinen Vorbehalt mit. Wie sollte die deutsche Regierung dazu kommen, einen „einleitenden Schritt" in Ländern zu tun wegen einer Frage, welche die englische Regierung in Petersburg angeregt hatte? Mit andern Worten, der Wunsch, die Abrüstungssrage zu diskutieren, war eine englische Angelegenheit, und besondere Schritte, um die Zustimmung Deutschlands zu erlangen, hätten sogleich und von England.ausgehen können. So lange solche Schritte unterblieben, hatte die dentsche Regierung ihre Haltung zu den KonferenzangAegeuheiten nur der Stelle kundzutun, von der ihr das Programm und der englische Vorbehalt mitgeteilt worden war.
Reichstag.
Der Reichstag brächte in seiner Freitagssitzung die zweite Etatslesung zum Abschlüsse. Vor der Debatte über den eigentlichen Etat wurden noch mehrere' Ergänzungsetots beraten, von ihnen zunächst jener, in welchem die Regierung 71 ■_■ Millionen Mark zur Entschädigung der Farmer in Südwestafrika fordert, welche Summe von der Budgetkommission auf 5 Millionen herabgemindert worden ist. Für Wiederherstellung der ursprünglichen Regierungsforderung sprachen Kolonialdirektor Dernburg, der zur Zeit in Deutschland weilende Gouverneur von Südwestafrika v. Lindeguist, sowie die Abgeordneten Paasche (nat.4ib.), v. Richthofen (kons.) und Lattmann (wirtfch. Vg.). Der Zentrumsabgeordnete Gröber erklärte sich gegen jede Entschädigung an die südwestasrikanischeu Farmer, während Abg. Arendt (Reichsp.) für einen von ihm gestellten Antrag, welcher die Bewilligung von 5 552 893 Mark vorschlägt, plädierte. Bei der Abstimmung lehnte das Haus zuerst die Regierungsvorlage und dann den Antrag Arendt ab, worauf es die von der Kommission beantragte auf 5 Millionen Mark reduzierte Entschädigungssumme bewilligte, und zwar mit den Stimmen der konservativ-liberalen Mehrheit. Debattelos gelangten eine Reihe kleinerer Ergänzungsetats, sowie der Etat mit den Teuerungszulagen für die mittleren und unteren Reichsbeamten zur Annahme. Eine längere Debatte entspann sich dafür beim Etat des Reichstages, welche durch den Antrag des Gesamt- vorstandes veranlaßt wurde, die annähernd 200 000 Mark betragenden Eintrittsgelder für den Besuch des Reichstages zinstragend auzulegen und die Zinsen zu außerordentlichen Unterstützungen für die Unterbeamten des Reichstages zu verwenden. Ferner schlägt der Antrag eine Herabminderung des Eintrittsgeldes vor. Der Etat des Reichstages und dieser
„Aber ich kann nie Ginlays Gattin werden," stöhnte sie- „ich hasse ihn — ich kann — nur einmal lieben!"
„Maria!"
„Papa ist streng und unbeugsam," fuhr'sie tonloS fort, „er wird einfach befehlen, daß ich Giulay heirate — und dann muß ich gehorchen, wenn auch mein Herz darüber bricht —"
„Mein Liebling! Sie leiden nicht allein; auch ich sümpfe surchtbar. Aber nicht wahr, wir werden diese Stunde nie vergessen, wo wir Aug' in Aug' uns bekannten — daß wir einander gehören in alle Ewigkeit."
Einen kurzen Augenblick ruhte sie an seinem Herzen, berührten seine Lippen die ihren. Ach, sie wagte kaum, sich zu rühren, denn es war ja nur ein flüchtiger Traum.
„Wirst Du mich immer lieben, Emmerich?"
„Für ewig und alle Zeiten, Geliebte. Droben wird unS der Allmächtige wieder vereinen, nachdem das Leben uns hier von einander riß."
♦ ♦
♦
Tiefe Abendschatten fielen bereits über den Park, am dunsten Himmel stand die glänzende Mondsichel und die Turmuhr schlug acht Mal.
,sWo bleibt Komteß?" frug Graf Landry der ältere, als der Kammerdiener soeben daS Abendessen meldete.
„Komteß lasten sich entschuldigen wegen starken Kopfwehs."
Der Hausherr unterdrückte einen Fluch, fügte dann aber laut zu dem Diener gewendet hinzu: „Ich lasse aber doch Komteß bitten, morgen früh pünktlich beim Frühstück zu sein, da der Herr Rittmeister um neun Uhr abreist."
„Aber Herr Gras, ich bitte, doch nicht um meinetwillen."
O doch, bester Welbeim, die HanSfran muß ihre Stellung Wabruehmen und den Gästen die Honneurs machen : Mädchen lärmen duldete ich niemals. Aber nun lassen wir das Thema, meine Herren; ich bitte zu Tisch.