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hersselder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 55. Donnerstag, den 9. Mai 1907.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 8. Mai 1907.

Nach der übereinstimmenden Ansicht der berufenen Stellen scheint es dringend erwünscht, Maßnahmen für die Hebung der Rindviehzucht im Kreise zu ergreifen.

In Würdigung dieser Verhältnisse hat auch der Kreis Mittel für diese Zwecke in seinen diesjährigen Voranschlag ein­gestellt.

Unter den verschiedenen Maßnahmen, welche für die Hebung der Rindviehzucht in Betracht kommen können, ist zunächst die Einfuhr männlicher Zuchttiere aus anderen Gegenden empfohlen worden, wo die Zucht der reinen Simmenthaler Rasse schon eine höhere Voll­kommenheit erreicht hat. Es soll zunächst nach dieser Richtung hin ein Versuch gemacht werden. Zu diesem Zwecke werden sich die Mitglieder der Körungskommission zu dem am 15. Mai in Gersfeld a./Rhön stattfindenden Zucht- vichmarkt begeben und männliche Zuchttiere ankausen. Diese Tiere sollen demnächst in der Stadt Hersseld öffentlich meist- bietend versteigert werden. Bei der Versteigerung würde zur Bedingung gemacht werden, daß der Käufer entweder eine kreisangehörige Gemeinde oder ein kreiseingesesiener Landwirt ist, und daß er sich verpflichtet, das ersteigerte Tier nicht ohne Zustimmung der Körungskommission zu verkaufen. Die regel­mäßige Entwickelung des Tieres vorausgesetzt würde die Ein­willigung zu seinem Verkauf vor Ablauf zweier Jahre in der Regel nicht ausgesprochen werden.

Um zu beurteilen, in welchem Maße ein Interesse an der Einsuhr männlicher Zuchttiere im Kreise vorhanden ist, und welche Zahl männlicher Zuchttiere ungefähr demnach bei der Versteigerung Liebhaber finden würde, ersuche ich die- jenigen Interessenten, welche gewillt sein würden, ein männ­liches Zuchttier auf der Versteigerung zu erwerben, mir von ihrer Absicht bis spätestens zum 13. Mai d. Js. Mitteilung zu machen. Eine Verpflichtung zur Abnahme eines Tieres entsteht hierdurch noch nicht.

I. 4156. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld/den 22. April 1907.

Die diesjährigen Impf- und Nachschau-Termine für den Kreis HerSfeld sind wie folgt anberaumt:

1. Station Hersfeld.

a. Stadt HerZfeld, Impfung.

Impfung: Mittwoch, den 29. Mai 1907, Vormittags 91/! Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 5. Juni 1907, Vormittags 9V1 Uhr.

b. Stadt Hersfeld Wiederimpfung u. Land. Impfung: Freitag, den 31. Mai 1907, Vormittags 9Vr Uhr, Nachschau: Freitag, den 7. Juni 1907, Vormittags 9Vi Uhr. Jmpflokal bei a und b: Saal des Gastwirts Constantin Otto.

2. Station S o r g a.

Impfung: Dienstag, den 28. Mai 1907, Vormittags 10 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 4. Juni 1907, Vormittags 11 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Daube.

LjMmWe.

Novelle von H. v. Z i e g l e r.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der Blick des Rittmeisters traf das junge Mädchen und heißerrötend schaute sie zu Boden. Ja, sie wußte nun, wes­halb er sie nicht mehr Maria nannte, wie er einst in den Tagen der Kindheit! Entsagen stand in seinen ernsten Augen, und sie fühlte, welch ein furchtbar schweres Wort dies sei wohl das schwerste, und noch zu lernen für ein in Liebe zuckendes Menschenherz I

Grell aus züngelten die Flammen des Lagerfeuers der Zigeuner. Ferenz setzte die Geige ab, und zwei Menschenseelen erwachten aus einem sceligen, ach so kurzem Traum.--

Brav, mein Sohn, brav," rief Baron Liszka,Du bist ein Künstler, ich wußte es gleich, als Du den Bogen ansetztest. Wie heißt Du?"

Ferenz Baloy," antwortete der vor Erregung totbleiche Knabe.

Und wo sind Deine Eltern?"

Der wilde CzardaS hatte ausgehört, als die Geige ver­stummte. Bei der Frage des Barons drängte sich ein schmutziges, zerlumptes Weib heran.

Ich bin seine Mutter, gnädiger Herr, der Vater ist tot 1"

Schon gut," unterbrach Herr von Liszka;höre, Ferenz. Du wirst nächste Woche mit mir nach Wien reifen, um dort ein Geigenkünstlcr zu werden."

Ja, o ja, Herr Baron," rief der Knabe und sah strahlend aus; doch winselnd fiel die Mutter aus ihre Kniee.

E§ ist meine einzige Hülfe, der Ferenz," heulte sie,wenn er fortgebt muß ich verhungern."

Still Alte und lügt nicht so unverschämt," sagte der Baron, ,,da§ Kartenlegen bringt Euch genug ein, und zum Tanze spielt dann ein anderer auf. Hier sind auch noch fünfzig Gulden für Euch zum Trost."

Die Zigeunerin nahm dankend daS Geld.

Hinter den sich entfernenden Herren und Damen jubelte

3. Station Friedlos.

Impfung: Donnerstag, den 16. Mai 1907, Vormittags 10 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 23. Mai 1907, Vormittags 10 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Grebe.

4. Station Obergeis.

Impfung: Donnerstag, den 16. Mai 1907, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 23. Mai 1907, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Ernst.

5. Station SchenklengSfeld. Impfung: Mittwoch, den 15. Mai 1907, Vormittags 8 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 22. Mai 1907, Vormittags 8 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Steinhauer.

6. Station Ransbach. Impfung: Mittwoch, den 15. Mai 1907, Mittags 12 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 22. Mai 1907, Mittags 12 Uhr. Jmpflokal: Schule.

7. Station Philippsthal. Impfung: Mittwoch, den 15. Mai 1907, Nachmittags 2 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 22. Mai 1907, Nachmittags 2 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Zinn.

8. Station Asbach.

Impfung: Sonnabend, den 25. Mai 1907, Nachmittag? 3 Uhr, Nachschau: Sonnabend, den 1. Juni 1907, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Fink.

9. Station Unterhaun. Impfung: Freitag, den 17. Mai 1907, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Freitag, den 24. Mai 1907, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Großkurth.

10. Station Niederaula.

Impfung: Freitag, den 17. Mai 1907, Vormittags 9 Uhr, Nachschau: Freitag, den 24. Mai 1907, Vormittags 9 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Stein.

11. Station Frielingen. Impfung: Montag, den 27. Mai 1907, Vormittags 11 Uhr, Nachschau: Montag, den 3. Juni 1907, Vormittags 11 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schmidt.

12. Station Kirch h eim.

Impfung: Montag, den 27. Mai 1907, Nachmittag? 1 Uhr, Nachschau: Montag, den 3. Juni 1907, Nachmittags 1 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Eydt.

13. Stativ n Friedewald. Impfung: Dienstag, den 28. Mai 1907, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 4. Juni 1907, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Träger.

14. Station Widdershausen, Impfung: Donnerstag, den 30. Mai 1907, Mittags 12 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni 1907, Mittags 12 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schneider.

15. Station Heringen.

Impfung: Donnerstag, den 30. Mai 1907, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 6. Juni 1907, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Gemeindehaus.

16. Station HeimboldShausen. Impfung: Mittwoch, den 15. Mai 1907, Nachmittags 5 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 22. Mai 1907, Nachmittags 5 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Bock.

17. Station Holzheim.

Impfung: Sonnabend, den 25. Mai 1907, Vormittag? 10 Uhr, Nachschau: Sonnabend, den 1. Juni 1907, Vormittags 10 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Hochhaus.

Die Impfung geschieht unentgeltlich.

Außer denjenigen, welche sich aus freier Entschließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1907

1. jedes im Jahre 1906 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat,

2. Die Kinder, die im Jahre 1906 oder früher ohne Erfolg

die Zigeunerbande begeistert drein, am lautesten Ferenz selbst, während aus dem Gebüsch ein krauser Mädchenkopf hcrvor- lugte, dessen Augen wild flammten, während zwei magre Fäuste drohend durch die Luft fuchtelten.

Ich will auch in die Welt hinaus," zischte Selka zornig, und will berühmt werden wie der Ferenz, benn-er soll mich ansehen, mich ganz allein, und nicht die fremde Dame. O, wie ich sie hasse.

Wenn ich ihr nur das schöne Kleid herabreißen, die Haare zausen dürfte, das wäre ein Festtag für mich! Aber ich werde eine Künstlerin werden und dann kommt noch alles so, wie ich es haben will!"

*

Rittmeister von Welheim ritt auf dem Heimwege neben der jungen Gräfin, welche ausfallend still geworden war.

Hat Sie des Zigeuners Geigenspiel auch so erschüttert, Gräfin?" frug er halblaut, und sie blickte voll und ernst zu ihm auf. Seine Stimme klang so weich und innig; ein tiefes, nie geahntes Weh erfaßte diese junge Mädchenseele.

Welch eine Welt von Leidenschaft kann doch die Künstler­hand dem toten Instrument entlocken," fuhr er fort;ich be­neide den Knaben, welcher das Herrliche in Töne kleiden kann, daß auch mir die Seele aufwühlt in jubelndem Weh und schmerzlichem Entzücken."

In solch dunkler Sturmnacht legte sich auch alles so be= klommen auf die Menschenseele," meinte Maria gedankenvoll.

Aber Sie haben doch noch keine Last zu tragen, Gräfin?" frug Welheim erstaunt,Sie sind wie eine Waldblume, fern von der Welt erblüht."

Aber die Welt, das Schicksal kommt auch zu mir."

Was meinen Sie damit, Kind?"

Mein Vater ist streng und adelSstolz er hat mich verlobt, als ich noch ein Kind war und ich muß mich seinem strengen Willen fügen."

Arme Maria" flüsterte v. Welheim.

Stammbaum und Wappenschild bedecken daS arme Mädchenherz, welches darunter zuckt und ringt. Aber ich will stark sein, Herr von Welheim, mein Vetter Gras Ginlay

oder gar nicht geimpft worden sind, sofern sie nicht nach ärztlichem Zeugnisse die natürlichen Blattern überstanden haben,

3 .jeder Schüler einer öffentlichen Schule oder Privatschule welcher

a. in diesem Jahre das 12. Lebensjahr zurückgelegt, bezw. zurücklegt, oder

b. den Nachweis der geschehenen Impfung, oder wenn er über 12 Jahre alt ist, auch nicht den der Wiederimpfung erbracht hat.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben Vorstehendes namentlich die Termine aus ortsübliche Weise zu wiederholten Malen bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß alle zu impfenden Kinder und Schüler an Ort und Stelle sind.

Bei der Bekanntmachung der Termine ist gleichzeitig aus- drücklich darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 14 deS oben erwähnten Gesetzes Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche es unterlassen, den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder oder Pflegebefohlenen erfolgt oder aus einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mk. und Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflege­befohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz amtlicher Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Nachschau entzogen geblieben sind, mit Geldstrafe bis zu 50 Mk. oder mit Hast bis zu 3 Tagen bestraft werden. Die Herren Lehrer haben ebenfalls als Vorsteher der Schulanstalten die Verpflichtung, bei der Aufnahme von Schülern durch Einfordern der vorgeschriebenen Bescheinigungen festzustellen, ob die gesetzliche Impfung erfolgt ist, bezw. dafür zu sorgen, daß die während des Besuches der Anstalt impfpflichtig werdenden Zöglinge dieser Verpflichtung genügen.

Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß gemäß der zur Sicherung der gehörigen Ausführung des JmpsgeschäftS ergangenen Vorschriften ein Vertreter der OrtSpolizeibehörde und (für die Wiederimpfung) ein Lehrer in dem betreffenden Jmvf- geschäftstermine zur Unterstützung des Jmpfarztes und Aufrecht- erhaltung der Ordnung zu erscheinen haben.

Für Bereithaltung deS Jmpflokal? und Stellung der erforder­lichen Schreibhülfe beim Jmpfgeschäft ist seitens der Herren Bürgermeister der Jmpfstationsorle Sorge zu tragen. DaS Jmpf­lokal muß gehörig feucht gereinigt und gelüftet sei" Auch muß es mit zweckmäßigen Sitzgelegenheiten für den Jmpfarzt und die Mütter der Impflinge, mit einem Tisch zum Aufstellen der Impf, geräte und mit der nötigen Waschgelegenheit ausgestattet sein. Wo diese Einrichtungsgegenstände fehlen, müssen sie beschafft und rechtzeitig bereit gestellt werden.

I. I. 3532. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

Warnung vor dem Bezüge mehltaukranker Stachelbersträucher und mit Bakterienbrand behafteter Kirschbäume.

Alle Obstbaum- und Gartenbesitzer werden hierdurch aus den amerikanischen Stachelbeermehltau und den Bakterienbrand der Kirschbäume aufmerksam gemacht.

Der amerikanische Stachelbeermehltau erzeugt auf den Früchten und jungen Triebspitzen der Stachelbeeren und gelegentlich auch der Johannisbeeren anfangs mehlweiße, sehr bald aber kastanienbraun werdende, silzige Flecke, unter denen die Früchte nicht ausreifen, platzen und ungenießbar werden; die Trieb­spitzen verkümmern. Er ist im Stande, die ganze Beerenernte zu vernichten und die Sträucher selbst schwer zu schädigen.

Der Bakterienbrand der Kirschbäume gibt zum Absterben

kommt nun bald, um mich zu seiner Gemahlin zu machen."

Achtzehn Jahre alt und schon unglücklich. DaS ist hart, das ist furchtbar!" flüsterte mit bebenden Lippen von Welheim.

Eine Weile ritten beide stumm nebeneinander, beide nach Fassung ringend.

Noch niemals war dem jungen Mädchen ihr Schicksal so düster und schwer erschienen, wie heute unter dem tiefen, teil­nehmenden Blicke jener emsten Männeraugen.

Und Welheim wußte genau, welcher Weg vor ihm lag. Er mußte entsagen, durfte dieS edle, liebe und schöne Mädchen nicht in feine Arme nehmen, er mußte fliehen nach einem weltverlorenen Erdenwinkel, denn sie gehörte ja schon längst einem anderen!

Die Reiter hatten ihr Tempo gemäßigt und schweigend ritten sie alle bis zum Schlosse. An der Freitreppe trat ein Kurier auf den Grafen zu und überreichte ihm wichtige Schrifl- stücke, mit denen er sogleich in sein Zimmer eilte.

Gräfin Maria und der Rittmeister verabschiedeten sich ebenfalls von einander mit einem schlichtenGute Nacht," aber der Blick und der Händedruck des stattlichen Mannes trieben dunkle Glut in des Mädchens Wangen; hastig flog sie die Treppe hinauf in ihr Stäbchen, schob den Riegel vor und brach in heiße, trostlose Tränen auS.--

Drei Tage waren seitdem verstrichen, die Herren reisten am nächsten Morgen ab, Ferenz begleitete sie, um in Wien auf dem Konservatorium untergebracht zu werden. Heute nun wurden der Graf und Rittmeister v. Welheim zurückerwartel.

Der Wagen, welcher sie abholen sollte, war zur Station gefahren, und Maria hatte sich ans Klavier gesetzt, um durch Musik ihre erregten Sinne zu beruhigen.

Ihr Schicksal lag dort drüben unter dem wappengeschmückten Kuvert, welches von Vetter Giulay von Landry gekommen^ Die Freiheit ging zu Ende, ein gegebenes Wort mußte ein» gelöst werden.

Die schlanken, eiskalten Finger blätterten in einem Noten- Heft, die schwermütigen Augen hasteten an einem Liebe:

Ob ich Dich liebe, Das frage die Sterne."