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herssel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 51.
Dienstag, den 30. April
1907.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 25. April 1907.
Nach einer Mitteilung der Obstbauanstalt zu Oberzwehren wird z. Zt. die Einrichtung einer über ganz Deutschland sich erstreckenden Organisation zur Bekämpfung der Pflanzenkrank- Heilen geplant.
Für Obstbaumkrankhciten und Schädlinge ist eine besondere Sammelstelle an der vorbezeichneten Obstbauanstalt eingerichtet. Für den hiesigen Kreis hat Herr Lehrer Schäfer dahin das Amt eines Sammlers übernommen.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises ersuche ich, die ländliche Bevölkerung auf diese Einrichtung aufmerksam zu machen mit dem Anheimstellen, Meldungen über an den Obstbäumen auftretenden Krankheiten an den hiesigen Sammler (Herrn Schäfer) zu richten.
I. I. 3714. Der Königliche Landrat.
I. V.: Thamer.
Hersfeld, den 27. April 1907.
Auf Grund des § 6 der Polizeiverordnung vom 17. Januar 1879 ordne ich hiermit an, daß die im Kreise vorhandenen angekörten Bullen alljährlich im Frühjahr gelegentlich der Körung einerNachschau durch die Körungskommission unterzogen werden.
Die Herren Ortsvorstände deS Kreises haben die Bullen- Halter hiervon alsbald in Kenntnis zu setzen mit dem Bemerken, daß die.diesjährige Körung im Laufe der nächsten Woche, vom 29. Aprilbis einschl. 4 Mai d. Is. stattfindet. I. 1. Nr. 3813. Der Königliche Landrat.
I. B.: Thamer.
Hersfeld, den 27. April 1907.
Der Herr Provinzial-Stcuer-Dircktor für Hessen-Nassau hat auf Grund eines ErlasseS des Herrn FinauzministerS vom 19. Januar 1907 III 908, betreffend die steuerliche Behandlung von Probefahrten der Kraftfahrzeuge angeordnet, daß die betreffenden Fabrikanten und Händler für die eine Steuerpflicht nicht begründenden Probefahrten sich eines besonderen Kennzeichens zu bedienen haben, das auf weißem Grunde in schwarzer Schrift sichtbar die Bezeichnung „Probefahrt" zu tragen hat.
Diese UebenvachungSmaßregel ist von den Ortspolizeibe- hördcn zur öffentlichen Kenntnis zu bringen.
I. I. 3765. Der Königliche Landrat.
J. V.: Thamer.
Saatenftand um die Mitte des Monats April 1907 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 — sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt
schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901. — I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. J. —)
Fruchtaiten
Durchschnittsnoten für den
Anzahl der von den Ver- ttauensmännern abgegebenen Noten
Staat
Reg.-Bez. Cassel
1
I
2
3
1
4
1O
5
Winterweizen
3,5
3,5
3
2
2
Sommerweizen Winterspelz
2,9
Winterroggen Sommerroggen Hafer . . Winterraps-
2,9
3,3
1
3
1
2
Rübsen .
3,5
3,3
1
1
Klee . . .
3,2
3,0
1
1
3
2
Luzerne. .
3,2
2,9
1
1
Wiesen:
Bewässerung«-
2,9
2,8
2
3
Andere
3,2
2,1
1
1
3
2
Königliches statistisches Bureau.
vr. Blenk.
nichtamtlicher teil.
Bin Wirt über Die Schweinezucht
Nachstehende interessante Ausführungen entnehmen wir dem soeben erschienenen Jahresbericht für 1906/07 der Landwirtschaftlichen Winterschule zu Fulda:
Wohl kaum ein anderer Betriebszweig der Landwirtschaft ist in den letzten Jahren rentabler gewesen als die Schweinezucht und dennoch gibt eS eine große Zahl von Landwirten, die leider gerade für diesen Betriebszweig sich nicht sonderlich interessieren. Weshalb? Weil man nicht die erforderlichen Stallräume besitzt, weil man der Ansicht ist, die Preise gehen einmal zurück und der Neubau eines Schweinestalles (ein solcher ist für einen rentablen Betrieb der Schweinezucht in der Mehrzahl der Wirtschaften hier unbedingt erforderlich) könnte sich vielleicht doch nicht rentieren. Hin und wieder mag man auch wohl schlechte Erfahrungen bei der Aufzucht der kleinen Tiere gemacht haben und scheut sich jetzt, den Versuch nochmals zu wiederholen.
Was zunächst das Zurückgehen der Schweine-Preise angeht, so lehrt hier die Erfahrung, daß in den letzten 10 Jahren ein Steigen und Fallen der Preise von 2 zu 2 Jahren stattgefunden hat. Wir haben im Verlaufe dieser Zeit stets ca. 2 Jahre hindurch hohe, 2 Jahre hindurch verhältnismäßig niedrige Preise für Schweine gehabt. Dabei ist zu bemerken, daß der Preissturz in den schlechten Jahren nach dem Ende des Jahrzents zu von Periode zu Periode stets abgenommen hat. Auch jetzt ist wieder ein Preisrückgang bemerkbar. Soll man nun bei solchen Preisrückgängen die Schweinezucht einstellen? O nein, das soll man gewiß nicht. Rentiert die Schweinezucht infolge niedriger Preise nicht mehr, dann muß wohl eine Einschränkung staltftnden, stets ist aber dabei zu bedenken, daß man gute Preise nur dann ausnutzen kann, wenn zur rechten Zeit das erforderliche Zuchtmaterial bereit steht. Hier liegt einer der größten Fehler, der gar zu häufig gemacht wird.
Bei den wenigen oft nassen, dunklen, überhaupt unzulänglichen Stallungen, die in vielen Betrieben für die Schweinehaltung zur Verfügung stehen, ist natürlich ebensowenig an eine erweiterte Schweinehaltung wie an eine Zucht zu denken. Will der Land- wirt Schweine züchten, so muß unbedingt ein guter Stall zur Verfügung stehen. Die Baukosten, die ein -clcher Stall verursacht, sind es, die den hier gar zu sparsamen Landwirt oft von der Herstellung eines solchen Stalle? abhalten. Die Verzinsung des Kapitals auf der Dahrlehnskasse meint man, sei eine bessere, als die des zur Herstellung eines Schweinestalles verwendeten Kapitals. Zur Erläuterung dieser Frage mag Hier ein dem Schreiber dieser Zeilen bekannt gewordenes Vorkommnis erzählt sein. — Ein kleinerer Landwirt, der einen Besitz von ca. 40 bis 50 Acker Land hat, versuchte Schweinezucht zu treiben. Es wollte ihm nie recht gelingen, gute Ferkel aufzuziehen und daS einfach aus dem Grunde weil der Stall nichts taugte. Da war kein ordentlicher Jauche- abfluß vorhanden, die Tiere mußten stets in dem jauchigen Stall bei fast vollständiger Dunkelheit gehalten werden. Junge Ferkel, namentlich solche von edleren Rassen, können natürlich das nicht vertragen, daher also stets daS Unglück. Der betreffende Land- wirt entschloß sich, einen neuen Schweinestall zu bauen, trotzdem er das Geld hierzu im Betrage von ca. 1200 Mark leihen mußte. Seit ca. 2 Jahren ist der Stall fertig uub schon im Herbst vorigen Jahres konnte der Betreffende, wie er selber sagt, mit Hülfe seiner 5 bis 6 Zuchtsauen, die er in dem neuen Stall halten kann, das angeliehene Geld auf Heller und Pfennig zurückzahlen. — Es dürfte somit immerhin daS Anlagekapital für einen Schweinestall sich noch rentieren.
Hat jemand einmal mit der Aufzucht junger Ferkel erfolglos sich versucht, so kann das sehr wohl verständlich sein. Alles will erlernt sein und nicht zuletzt die Aufzucht junger Ferkel. Man darf nicht durch einen Mißerfolg sich abschrecken lassen, sondern soll untersuchen, worin dieser Mißerfolg begründet lag und streben die Ursachen abzustellen. Mit Energie und gutem Willen läßt sich viel erreichen. Der Mißerfolg kann in einer mangelhaften Stallung, er kann in einer ungenügenden Einstreu, in Mangel- hafter Bewegung, Fütterung und sonstigen Ursachen begründet liegen. Der Stall muß trocken und warm, die Einstreu reichlich sein. Nach einem Alter von 14 Tagen sollten die Ferkel möglichst täglich einige Stunden ins Freie kommen. Vom gleichen Zeitpunkte ab müssen die kleinen Tiere nach und nach neben der Muttermilch andere Futterstoffe an einem Ort, der nicht von dem Muttertier erreicht werden kann, vorgelegt erhalten; zunächst am besten etwas Milch, Weizen usw. Holzasche und Sand sollten den Ferkeln immer zur Verfügung stehen. Bei zunehmendem Alter werden unter die bereits gern genommenen Futterstoffe nach und nach andere gemengt und so schließlich eine vollständige Entwöhnung von der Mutter herbeigeführt. Bevor nicht wenigstens das Alter von 6 Wochen erreicht ist, sollte eine vollständige Entfernung der Ferkel von der Mutter nicht stattfinden.
Der Erfahrung gemäß entwickeln sich Tiere, die von Jugend auf reichlich ernährt wurden, weit schneller als solche, die im Gegensatz hierzu von Jugend auf ein weniger kräftiges und reich- liches Futter erhielten. Man sagt, jene Tiere werden früher reif. Stets reichlich ernährte Tiere sind auch in ihrem späteren Alter mastfähiger, d. b. sie lasten sich leichter mästen und liefern ein saftigeres Fleisch als jene, welche von Jugend an weniger reichlich ernährt wurden. Vorausgesetzt bleibt dabei, daß sämtliche Tiere der gleichen Rasse angehören: denn die einzelnen Rassen weichen in Frühreife und Mastfähigkeit sehr von einander ab. Sind die von Jugend an reichlich ernährten Tiere mastfähig und frühreif, so kann man den von Jugend an weniger reichlich ernährten andere Vorteile nachrühmen. Diese Tiere sind nämlich widerstandsfähiger, fruchtbarer, werfen also durchschnittlich mehr Ferkel und sind, weil milch ergiebiger, imstande ihre Nachkommen -reich» licher zu ernähren als jene. Damit soll nun nicht gesagt sein,
Die Deicbscbau.
Erzählung von Heinrich S m i d t. (Fortsetzung.)
Marx Nagel saß hoch aus seinem Falben, auf dem er jeden Morgen über die Feldmarken seines Hofes ritt, um nach dem Rechten zu sehen und ob jeder seine Schuldigkeit täte, wie es der Vater gebot. Da kam ihm unterwegs die Nachricht von dem Tumult auf dem Boltenhofe, und mit verhängtem Zügel sprengte er dahin.
Das Erscheinen des jungen, kräftigen Bauernsohnes inmitten der tobenden Menge brächte eine schleunige Veränderung hervor.
Jan Giese und ein paar andere, die es gut mit dem Herrn meinten, jauchzten dem willkommenen Helfer zu, und der treue Großknecht lief zu der Tochter seines Herrn, die, von Schrecken überwältigt, umzusinken drohte. Der Rädelsführer Borchard schlich sich davon, und nur einige mutvollere Gesellen boten Trotz.
Rasche Reden flogen hin und her, und erst als die Nach- richt kam, daß der Kirchspielsbote mit seinen Gehülfen im Anzüge sei, rief einer: „Pah! Was stehen wir noch hier und begehren das Unsrige, das wir doch nun und nimmer bekommen werden? Laßt unS gehen und den Staub von unseren Füßen schütteln! Wir schenken dem BettelhanS das Geld, das er unS schuldet. Mag er eS als Zehrpfennig betrachten, wenn er hinauswandern muß mit dem weißen Stab in der Hand! Kommt! kommt! Wir ziehen ab mit lautem Juchhei!"
Die rohen Burschen stürmten fort, anscheinend gewaltig ausbegehrend und doch heimlich rückwärts schauend, ob nicht der junge, kräftige Bauer, der so stolz zu Roß saß, hinter ihnen drein sprengen und ihnen die Peitsche um die Ohren schlagen werde.
Marx Nagel stieg von seinem Pserde, trat zu der Altmagd, die sich um ihre junge Herrin bemühte, und sagte: „Bringe Sie die Jungfer in daS Haus und tue Sie, was not ist, sie zu pflegen ! Wenn Trina Bolt die Augen ausschlägt, sage Sie ihr, daß sie sich nicht sorgen und fürchten soll! Der Marx-
Nagel sei da, um den Boltenhof zu schützen, solange dies in eines Menschen Macht steht. Ohne ihren Willen soll kein Strohhalm vom Dache entwendet iverben.“
Mit diesem Troste ging die Altmagd zu der jungen Gebieterin, und der junge Mann blieb überlegend auf dem vereinsamten Hofe zurück, nicht imstande, den Ausweg zu finden, nach dem er so eifrig suchte.
Doch nicht lange dauerte seine Einsamkeit.
Auf dem Nagelshofe fragte der Vater nach dem Sohn und erfuhr, wohin er sich begeben hatte. In daS Pastoren- Haus gelangte die Kunde von dem Unheil, das sich auf dem Boltenhof ereignete, und der Pastor, der den freundlichen Mann gern hatte und auf dessen Tochter große Stücke hielt, bcgab sich dorthin, um Trost zu bringen und mit väterlichem Rate zur Hand zu sein.
Beide Männer näherten sich dem Boltenhofe; aber ein ergrimmter Bauer auf einem halbwilden Pferd erreicht sein Ziel eher als ein bejahrter Geistlicher, der an feinem Wanderstabe den schmalen Fußsteig geht, der über die Accker führt.
Marx Nagel sah seinen Vater kommen. Er hörte, wie dieser einem der herumlungernden Burschen gebieterisch zurief, ihm das Pferd abzunehmen. Festen Fußes erwartete er das Zusammentreffen, wenn auch mit klopfendem Hcrzeu.
„Was tust du hier?" herrschte der Vater ihn schon von weitem an.
„Er weiß es wohl, Vater!" antwortete Marx ruhig. „Hier wohnt daS Mädchen, daS ich liebe, und der ich Treue gelobt habe für das Leben!"
„Dir ist verboten, hier auf die Freite zu gehen. Du mißachtest meinen Befehl, indem du einen Fuß' auf diesen Hof setzest!"
„Dem Herzen kann ich nicht gebieten. Vater. ES zieht mich mit aller Macht hierher, und ich muß ihm gehorchen."
„Dem Vater gehorcht der Sohn und keinem andem in der Welt! Ich bin dein Herr, vor dem du den Nacken beugen sollst, solange meine Augen offen stehen! Aus der Stelle gehe nach Hause und erwarte dort, was ich dir zu sagen habe!"
„Ich kann nicht, Vater!"
„Du kannst nicht?"
„Und ich will auch nicht! Was für ein erbärmlicher Mensch wäre ich, wenn ich ein Mädchen, das sich mir im Glücke feierlich verlobte, verlassen könnte, da sie in Not geraten ist? Sei Er nicht ungerecht gegen mich, weil ich handele, wie eS mir mein Gewissen vorschreibt!"
Der Alte stand starr vor Staunen. Einen solchen Wider- spruch hatte er nicht vermutet. Aber er sah darin ein Spiegelbild seines eigenen Selbst und sagte darum in einem gelasseneren Tone, als er sonst anschlug: „Marx, du hast eine Binde vor den Augen, ich will sie dir abnchinen.
Du bist mein Erbe und als solcher der reichste und angesehenste Mann in der Marsch weit und breit. Da ist keine Tür, die sich dir nicht öffnet, wenn du anklopsst. Ich will nicht davon reden, daß der Mann, dessen Tochter du nach- läusst, mein Feind ist. Ich sage dir nur, daß er ein herab- gekommener Landläufer ist, vor dessen HauS und Hof der Spaten in der Erde steckt!"
„Das wird nicht geschehen!" unterbrach ihn der Sohn lebhaft.
„Willst du eS etwa hindern?" fragte Carsten Nagel in seiner kalten, spöttischen Weise. „Ich bin neugierig, wie tief deine Hand in den Beutel greifen kann!"
„Er spottet meiner, Vater! Aber sein Spott ist grausam!"
„Ich will mit einem Mal ins klare kommen. Dir bleibt unter zweierlei die Wahl. Entweder ich, oder das Mädchen ! Nimmst du sie, dann sagst du dich von mir los, und du magst sehen, wie weit du'mit dem Pflichtteil reichst, daS dir das Gesetz nach meinem Tode zuspricht!"
„Ich will tragen, waS ich muß, Vater. Gott wird unS nicht verlassen!"
„So verlaffe ich dich, du ungeratener, undankbarer Sohn!" brauste Carsten Nagel auf. „Geh aus die Pfarre und bestelle das Aufgebot! Fahre mit deiner Bettelbraut von Hof zu Hof und siehe zu, wie die Herrenleute dich empfangen! Tritt mit ihr an den Altar, wo ich dich erwarten werde, und wenn dein Mund sich öffnet ..."
Der Vater sah in diesem Augenblicke schrecklich aus. ES zuckte in den Mundwinkeln, aber daS entfetzenSvolle Wort, daS ihm auf der Zunge schwebte, wollte nicht über die Lippen.