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herrfelder KreisWatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 45. Dienstag, den^«.April 1907.
Amtlicher teil.
Die diesjährige Pferdemusteru
Am
Anfang Uhr
Bezeichnnng der Gemeinden.
27. April
9
Gersdorf mit
*
9'0
WlllmgShain Frielingen
10
HedderSdorf
10'0
Kirchheim mit
GoßmannSrode, Recke- rode und Rotterterode
11)5
GerShaufen
H45
ReimboldShaufen
1216
Kemmcrode
po
Klcba
29. April
8S0
Hattenbach
10
Niederjoffa
30. April
745
Niederaula
845
MengShausen mit
Engctbach u. SolmS
945
Kerspenhaufen mit
Hilperhaufen u. Roß-
1045
BeierShausen
H15
Asbach mit Kohlhausen
12
Eichhof
680abb.
Hof BingarteS
1. Mai
81S
KalkobeS
845
AllmerShausen mit
HeeneS
Da wo mehrere Orte zusammen gemi Ort, wo die Musterung stattfindet, unters anders bestimmt, sind die früheren Mu behalten.
Ich weise die Herren Ortsvorstände de gemeinden einschl. der GutSbezirke an, t Termine wiederholt auf o rt bekannt zu machen und ins Kenntnis der Pferdebesitzer z
Die Verzeichnisse der vorhandenen P listen), zu welchen die Formulare in den i sandt werden, sind alsbald in z w, a n z u f e r t i g e n. Hierbei ist Folgende-
1. Die bei der letzten Musterung als d unbrauchbar bezeichneten P s, in die Listen ausgenommen noch vorgefü!
im Kreise HerSfeld findet an folgenden
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden
1. Mai
2. Mai
916 045
1016
11
7
10 1080
11 1115
12
GitterSdorf
Untergeis
ObergeiS Aua
Stadt Hersfeld
Friedlos
ReiloS
Rohrbach
Tann mit Bicdebach
Mecklar mit Meckbach
3. Mai
8
Wilhelmshof mit
•
8»o 9 945
Oberrode und PeterS- bcrg
Sorga mit KathuS HermannShof MalkomeS mit
1O’°
Dünkelrode
(an der Straße
HcrSfeld-Fricdewald
Friedewald mit Herfa
ll15
1145
Lautenhaujen
HillartShausen mit
1215
Unterncurode
AuSbach mit
1
Gethsemane
RöhrigShof
stect werden, ist der richen. Wenn nicht sterungSplätze beizu-
Stadt- und Land - ie bestimmten übliche Weise besondere zur r bringen.
erde (VorführungS- lächsten Tagen über- i Exemplaren genau zu beachren.
1 uernd krieg s- r d e werden weder rt ebenso auch
nicht die d u r c kommenen Pfc
2. I n die L führen find vi a. die als kriegs! b. die vorübergel c. die durch Errci ober durch Ka lich auch die Grunde (hocht
3. Die inZu den betreffen und nicht erst am (
4. Aus die neuen VorführuagSli (durch den Gemeind
HerSfeld, den 27. März 1907. Terminen statt:
Am
Anfang Uhr
Bezeichnung der Gemeinden
4. Mai
6. Mai
8 845 gl5 94ö
1045 1130
12
8'0 915
1015
11
Philippstal HeimboldShausen Harnrode
LengerS mit WölferS- haujen u. Bengendorf Heringen Leimbach Widdershausen RanSbach Wehrs hausen HilmcS mit Motzfeld SchenklengSfeld mit
15. Mai
16. Mai
Verka b e.
sten ein lmehr: auchbar be nd (zeitig) )ung deS vc f hinzugeko i der letzte, gend, lahu ang gek e n B e ibe der ga uSsüllu m „Bestim orstchec vo
11" 12
12'°
1 115
H15 IJBO H45 12
lf pp-
zutra
zeichnetet kriegsun irgeschrie mmenen 1 Muster 1 rc.) ni omme itzeru nzen List n g b mang be r der M
OberlengSfeld, Lam- pertSfeld und Schenk- solz
Conrode
Wüstfeld mit
WiPperShain Landershausen Unterwcisenborn ItärkloS mit KruSpiS u. Holzheim Eitra SiegloS Oberhaun Unterbaun mit Rotenfce
in Abgang ge- *
gen und v 0 rzu-
Pferde, brauchbaren und jenen Alters (4 jährig) sowie selbstverständ- ung auS irgend einem cht Vorgeführten, n e n Pserdesind zuzuschreiben e nachzutragen.
r Spalte 6 der r letzten Vormusterung usterung auSzusüllen)"
mache ich besonders aufmerksam. Die Ausfüllung ist folgendermaßen abkürzcnd vorzunehmsn.
R. I. für Reitpferde I.
R. II. -„ „ II.
I. S. „ Zugpferde I. Stangen
I. V. „ „ II. Vorder
II. S. „ „ II. Stangen
II. V. „ „ n. Vorder
b. s. „ besonders schwere Zugpferde.
5. Sämtliche Pferde sind durch die ganze Liste durchzunummerieren und müssen die Nummern deutlich unb gro 6 , den Pferden an der linken Kopfseite befestigt werden.
6. Bezüglich der bei der letzten Musterung als k r i e g s- brauchbar bezeichneten Pferde sind an der linken Seite außerdem noch die nach § 5 der PferdeauShebungSvorschrift vorgeschriebenen Bestimmungstäselchen an- zubringen. Etwa noch fehlende können von hier auS bezogen werden.
Hinsichtlich der Vormusterungen selbst gelten folgende Bestimmungen:
Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pserdenicht rechtzeitig vorsüh « ren, haben außer der gesetzlichen Strafe zu gewärtigen, daß die nicht gest eilten Pferde zwangsweise auf Kosten des Pferdebesitzers herb eigeschafft werden.
Die HerrenOrtSvorstände undimBehinde- rungSsalle ihre Stellvertreter haben sichzu den Musterungsterminen einzufinden und die angefertigten VorführungSlisten dem Commissar vorzolegem
Die VorführungSlisten vom Jahre 1905 sind ebenwohl mit zur Stelle zu bringen. (Siehe Anmerkung 3 deS Titelblattes der VorführungSliste). Dem MusterungS-Commiffar ist sofort Anzeige zu erstatten, falls Pferdebesitzer nicht sämtliche Pferde zur Vorführung bringen. Dieselben sind ferner verpflichtet, für die Gestellung der zum Ordnen und Vorsühren der Pferde erforderlichen Leute sowie insbesondere dafür zu sorgen, daß das Vorsühren genau in der Reihenfolge der VorführungSliste stattfindet. Hierzu ist erforderlich, daß die Pferde pünktlich zur angesetzten Zeit übereinstimmendmitderListenebeneinander ohne große Zwischenräume ausgestellt sind. Zur Vermeidung von unliebsamen Verzögerungen ist sodann noch streng darauf zu achten, daß die an den Pferden befindlichen Nummern und Bestimmungs- täfelchenseitenSderPferdebejitzer nicht nach Belieben gewechselt werden, sondern dieselben find st e t s aufs G e n a u e st e ü b e r e i n- st im niendmitderVorsührungSli st ezu belassen.
Schließlich bemerke ich noch, daß nur bei pünktlichster Einhaltung der angesetzten Termine und vollständiger Aus-
Die Deiebsebau.
Erzählung von Heinrich S m i d t. (Fortsetzung.)
Die Tochrer ging, nicht ohne sich nochmals nach dem Vater umzusehen. Sie konnte ihn nicht verstehen. Ein trüber Gedanke bemächtigt sich ihrer; aber nicht aus lange. Ihr fröhlicher, gesunder Sinn verscheuchte ihn, ehe er sich sestnistcn konnte. ES war wieder Sonnenschein überall.
Peter Bolt blieb lange in der weiten Dönse allein. „Aus eine Hülse vom Nagelhofe her rechne nicht!" sagte er, und er hatte ein Recht dazu, eS zu sagen. ES war ein dunkles Blatt auS vergangenen Tagen, woraus eS geschrieben stand.
* *
*
Und dieses ist daS Blatt. Unweit von dem Kirchhofe, mitten im Dorfe, stand ein Baum, der seiner Seltenheit wegen in der ganzen Hadeler Marsch berühmt war, denn vom Frei- burgischcn an bis nach Altenbruch herunter war kein zweiter zu finden. Nach allen Seiten hin breitete er seine Zweige aus, und im Frühjahr, wenn die Birnen- und Aepfelbäume Blüten ansetzten, sah er aus, als sei er von oben bis unten mit hellen, weißen Lichtern besteckt: ein Weihnachtsbaum unter dem blauen Frühlingshimmel.
Und dieser Baum beschattete ein einfaches HauS, daS gehörte dem Krüger Jakob Kreuzegger, der hier eine Schank- Wirtschaft hielt. DaS Haus stand in guter Nahrung, absonderlich an Sonntagen. Die entfernter wohnenden Marsch, bauern, die oft von weither zum Gottesdienste gefahren kamen, stellten Pferde und Wagen in der Schenke ein und fanden sich vor und nach der Kirche zu kurzer Zwiesprache und wärmendem Frühtrunk in der Schenkstube zusammen. So war eS von alters her üblich gewesen, und waS der Marsch- bauet sich einmal angewöhnte, davon läßt er nicht, bevor Deiche und Dämme brechen. Aber zu dieser Zeit kamen die jungen Männer auch an den Wochentagen, mehr alS ihnen dienlich, nicht sowohl deS stärkenden TrunkeS, als um der
schönen Schenkin willen; denn des KrügerS Tochter, ElSbeth Krenzegger, war das schönste Mädchen weit und breit. Sie hatte der Liebhaber gar viele und durfte nur die Hand aus-' strecken, so hing an jedem Finger ein Freier.
Es waren nicht nur die Söhne der sogenannten kleinen Leute, die sich um die schöne Elsbeth bewarben. Auch die jungen Herrenleute machten sich viel mit ihr zu schaffen und ließen sich keine Mühe verdrießen,, die Gunst des schönen Mädchens zu erwerben; allein die Elsbeth war klug und hielt alle in einer angemessenen Entfernung.
Nur ihrer zwei waren in der Gemeinde, die ließen nicht ab von ihren Bewerbungen. DaS waren die jungen Hofbesitzer Garsten Nagel und Peter Bolt. Der erstere war der bei weitem reichste und angesehenste Sein Hof war der größte, sein Boden der schwerste, und sechs Pferde waren vor dem Pfluge nötig, die Furchen tief und breit auseinanderzulegen. Dabei war der junge Bauer fest und hart wie Eisen. Was er wollte, das tat er, eS mochte biegen, oder brechen. Der Peter Bolt war freundlich und stiller. Er ließ auch andere gelten, und wenn ihm ein gutes Wort gesagt wurde, hörte er darauf und richtete sich danach, wenn es irgend möglich war. Er war von dem Großvater her und ein halber Fremder und galt den alten erbgesessenen Bauern mit ihren Wappenschildern und Schriftzeigen nicht für vollblütig.
Diese beiden warben eifrig um die Gunst der schönen Elsbeth. Sie bewachten sich mit eifersüchtigen Blicken, und kaum war der eine auf dem Wege zur Schenke, als auch der andere von der entgegengesetzten Seite herkam.
Da trat eines Morgens der Carsten Nagel an den Peter Bolt heran und sagte: „Wir spielen beide ein Spiel, das nur einer von uns gewinnen kann. Ich lasse nicht ab, und wenn ich darüber zugrunde gehen soll."
„Ich auch nicht."
„Du kannst es nicht so lange auShalten als ich," fuhr Carsten Nagel fort. „Du bist, wie der Pastor in der Kinderlehre sagte, ein Stück Wachs. Wenn man mit dem Finger darauf drückt, bleibt eine Vertiefung zurück. Du kannst nach- geben, ich nicht; darum lasse mir die Vorhand."
„Davon sprich nicht! Ich tue eS nie und nimmer!"
Der Zurückgewiesene biß sich auf die Lippen, und die Stirnaber schmoll ihm an. Aber er bezwäng den aufffeigenben Zorn und sagte, indem er seinen Nebenbuhler vertraulich untersaßte und einige Schritte mit ihm ging: „Ich weiß, wie eS mit dir steht, Peter Bolt. Du bist mit deinem Kram nicht im klaren. Kann sein, daß es nicht deine Schuld ist; aber es ist doch einmal so, und ich bin bereit, dir eine helfende Hand zu leihen!"
„Helfe mir schon selbst!"
„DaS kannst du nicht. Schon vom Vater her steckt der Boltenhos darin, und es lastet eine Hypothekenschuld daraus. Du wirst noch eine zweite Schuld machen müssen, und dein Weizen wandert zur Deckung der Zinsen in die Stadt zum Advokaten. Diese Last will ich dir abnehmen. Es soll alles gut werben unb der Boltenhos zu Ansehen kommen. Aber laß mir bei der ElSbeth die Vorhand!"
„Du willst mir meine Liebe abkaufen?" sagte Peter Bolt auswallend. „Du willst mir Geld geben, und ich soll dafür daS Herz auS der Brust reißen und dir unter deine Füße werfen, damit du eS zertrittst? Du weißt nicht, was du sprichst. Laß mich los und gehe deine Straße. Ich kann dir deinen Willen nicht tun!"
„Dann . . ." rief Carsten Nagel und erhob drohend die Faust.
Die brennenden Augen fest auf den Gegner geheftet stand er da, zum Angriff bereit. Ein Wink, eine Bewegung seines Nebenbuhlers, und ein blutiger Kamps wäre entbrannt.
„Dn, oder ich!" stammelte der Wütende.
„So meine ich eS!" entgegnete Peter Bolt rasch. „Aber wir brauchen daS nicht, wie betrunkene Knechte, mit Fäusten abznmachen. Gehen wir ehrlich und offen zn Werke und halten bei dem Vater um die Tochter an. Wem von uns daS Ja- mort zu fällt, dem soll sein Glück vergönnt sein, und der andere muß weichen. Soll das gelten ?“
Peter Bolt glaubte zu wissen, daß er einen solchen Vorschlag ohne Gefahr tun könne. Seinem Nebenbuhler aber kam eS nicht in den Sinn, daß ein Freier von den: NagelSbof zurückgewiesen werden könne, wenn er bei einem Mann an klopfte, dessen Tochter er zu freien begehre. Mit beiden Händen