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Der polnische Schulstreik ist seit Monaten in unaufhaltsamem Rückgänge. Streiften in den Tagen seiner Höhe (im November v. I.) etwa 48 000 Kinder, so ist die Zahl heute schon aus mehr als die Hälfte (23 000) heruntergegangen, und iver die Verhältnisse kennt, weif;, daß er nach den Oster- ferien noch rapider zurückgehen wird. Denn dann brauchen die Eltern ihre Kinder bei der Feldarbeit und empfinden die Nachsitzstunden, die den Kindern im Winter ein warmeS Zimmer und eine billige Märtyrerkrone verschafften, als eine peinliche Verkürzung der ihnen zu Gebote stehenden Arbeitskräfte. Und gegen ein solches höchst persönliches Argument vermag keine allpolnische Agitation aufzukommen.
Was in den Landtagssitzungen vom 14. und 15. März gesprochen wurde, trug darum schon durchaus den Charakter von Leichenreden. Selbst der polnische Redner rief bereits die Geschichte an, die über die preußische Schulpraxis urteilen werde, gab also auch seinerseits den Kampf von heute verloren. Und der Minister von Studt konnte sich im wesentlichen darauf beschränken, eine Geschichte der Bewegung zu geben, stellte aber doch mit dankenswerter Bestimmtheit für die Zukunft weitere Maßnahmen in Aussicht, wenn der Streik doch noch fortdauere. Besonders erfreulich war eS, daß die Polen in der Debatte ganz isoliert blieben, da selbst die ZentrumSredner und Freisinnigen den Schulstreik für durchaus verwerflich erklärten.
Der von den Polen vor einem halben Jahre frivol her- beigcsührte Schulstreik hat, das kann man also ruhig sagen, seine politische Bedeutung heute schon völlig eingebüßt. Aber er hinterläßt eine wichtige Lehre, die unsere öffentliche Meinung gut tun wird zu beherzigen. Als er im Oktober so plötzlich ausflainmte, verlor die nationale Presse bei uns sehr bald daS ruhige Blut und trug durch ihre Uebertreibungen des SachverhalteS wie durch ihre Befürchtungen ein Wesentliches dazu bei, die Gefahr zu vergrößern und die Siegeshoffnungen der Polen zu verstärken. Damals ist es die besonnene Ruhe der Regierung gewesen, welche die Situation gerettet hat. Nichts hätte in jenem Moment die Ziele der Polen besser gefördert als ein radikales Vorgehen, als eine jener schneidigen Maßregeln, die unsere Heißsporne forderten. Daß diese Maßregeln ausblieben, daß die Polen keinen anderen Märtyrer hatten als nachsitzende Schulkinder, das ist ihnen verhängnisvoll geworden.
Die ruhige Festigkeit der Regierung, die keinen Schritt zurückwich, aber auch nicht einen zu weit ging, war der Tod einer Bewegung, die ohne inner Nötigung als ein Produkt künstlicher Mache entstanden, im Volksempfinden keine tieferen Wurzeln hatte. Wir sollten daraus lernen, daß auch künftig den Polen nicht durch Nervosität imponieren werden, sondern einzig durch kalte Ruhe.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 26. März 1907.
Ihre Kaiserlichen Majestäten machten gestern nachmittag einen Spaziergang im Grunewald, heute vormittag im Tiergarten. Se. Majestät der Kaiser hatte dann eine Besprechung mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amts und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Mililärkabinetts und des Chefs des Admiralstabes der Marine. Vorher empfing Se. Majestät den Maler Prof. Knötel zur Vorlegung von Skizzen. Heute nachmittag wird Se. Majestät im Lustgarten zn Potsdam die Leib-, 3., 6. und 10. Kompagnie des 1. Garderegiments zu Fuß besichtigen, militärische Meldungen entgegennehmen und den Neubau deS Rechnungs- hoses in Potsdam in Augenschein nehmen.
Der die norddeutschen Bundesstaaten und Elsaß-Lothringen umfassende DeutscheKriegerbund hat, wie die Parole mitteilt, vom 1. Januar d. J. bis zum 20. März für Unterstützungen 59 000 Mk. verwandt. Außerdem wurden am 22. März für Witwenunterstützungen 33 200 Mk. abgeschickt. Das sind zusammen für Wohlfahrtspflege in noch nicht einem Vierteljahre 102 200 Mk.
Durch die Zeitungen gehen mehrfach Berichte, daß in Kriegcrvereinsbibliothekenbeidicscrhalbangestell- tm Nachforschungen Bücher gefunden worden feien, welche für katholische Kameraden nicht nur anstößig, sondern geradezu beleidigend sein. Hierzu bemeckt die Kyffhäuser-Korrespondenz, daß diese Bibliotheken private Angelegenheit der Vereine seien. Wenn sich Bücher in ihnen finden, die nach irgend einer Richtung anstößig sind, so sind sie von den Vereinen selbst angeschafft worden. Die oberste Leitung des Kriegervereinswesens steht der Sache ganz fern.
Aus Handwerkerkreisen wird darüber Klage geführt, das an manchen Orten bei den Meister- und Gesellenprüfungen zu geringes Gewicht auf die Behandlung deS theotretischen Teiles des Prüfungsstoffes gelegt und insbesondere bei den Meisterprüfungen häufig daS für den selbständigen Handwerker so überaus wichtige Buch- und Rechnungsführungs- wesen nicht genügend berücksichtigt werde. Der HandelS- minifter hat deshalb nach dem Ministerialblatt der HandelS- und Gewcrbeverwaltung Veranlassung genommen, die Aus- , sichtsbehörden der Handwerkskammern anzuweisen, gegebenenfalls aus eine Abstellung der erwähnte Mängel hinzuwirken.
In Kreseld ist der bekannte Zentrumsabgeordnete Prinz von Arenberg gestorben, der schon seit einiger Zeit hoffnungslos darniederlag. Er ist daS erste Mitglied deS neuen Reichstages, das der Tod dahingerafft hat. Er war im Zentrum einer der wenigen, welche die kolonialen Fragen sachlich und ohne Voreingenommenheit prüften. Ihm mag die neue Richtung im Zcntrnm, wie sie Erzberger und Gröber repräsentieren, nicht minder widerwärtig gewesen sein wie den nationalen Parteien. Die Szenen vor der ReichStagSauflösung hat er nicht mehr mitgemacht; wenn er aber zugegen gewesen wäre, hätte er sicher alles versucht, sie daran zu verhindern. Der Tod deS Prinzen Arenberg bedingt eine Ersatzwahl im Reichstagswahlkreise Malmedy-Montjoic-Schleiden.
Die deutsche ärztliche Wissenschaft muß einen überaus schweren Verlust verzeichnen, einer ihrer hervorragendsten Vertreter, der berühmte Berliner Chirurg Prosessor von Bergmann, ist in Wiesbaden am Montag den Folgen einer Darmoperation erlegen. Herr v. Bergmann weilte seit einigen Tagen zur Kur in WieSbaden, wo er plötzlich an Darmverschluß erkrankte. Eine sofort an ihm vorgenommene Operation, welche der telegraphisch herbeigeruscne Professor Schlange aus Hannover auSsührte brächte nur eine momentane Erleichterung, es machte sich ein nochmaliger operativer Eingriff nötig und wenige Stunde hieraus erlöste der Tod den großen Arzt und Gelehrten von seinen Leiden. Ernst v. Bergmann erreichte ein Alter von 71 Jahren.
Der aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika rühmlichst bekannte Oberst v. Deimling ist anläßlich der definitiven Beendigung deS Ausstandes in Südwestafrika vom Kaiser des Kommandos über die dortige Schutztruppe unter Beförderung zum Generalmajor enthoben worden. Zum neuen Kommandeur der Schutztruppe in Südwestafrika wurde Oberstleutnant von Estorff, der schon seit geraumer Zeit die Operationen gegen die Aufständischen leitete, ernannt.
Nach den dem Reichstage ^gegangenen amtlichen Nach- weisungen sind an I n v a l i d c n - und Altersrenten für das Jahr 1905 fast 137 Millionen Mark, an BeitragS- erstattungen über 8 Millionen Mark gezahlt worden. Seit dem Bestehen deS Gesetzes sind an Renten und Beitragserstattungen zusammen rund 1090 Millionen Mark gezahlt worden. An Unfallrenten und Entschädigungen wurden im Jahre 1905 über 135 Millionen Mark gezahlt. Insgesamt übersteigen die seit Bestehen des Gesetzes gezahlten Unfallrenten die Summe von 1 Vr Milliarden Mark.
Frankreich plant infolge der Ermordung des französischen Arztes Dr. MauchampS in M a r a k a s ch die vorläufige Besetzung des marokkanischen Platzes Udscha unweit der Grenze von Oran (Algerien.) Die beiden nach Tanger entsandten französischen Kriegsschiffe haben die für eine Landung nötigen Truppen und das erforderliche Material an Bord.
Die Bauernrevolten inRumänien ziehen noch immer ihre verderblichen Kreise, die fanatisierten Bauern verüben fortgesetzt die größten Greueltaten; daS militärische Eingreifen geschieht nur zögernd und planlos. Zwar ist nun infolge der Bauernunruhen das bisherige Ministerium Cantacu- zene in Bukarest zurückgetreten und hat einem Kabinett Sturdza Platz gemacht, es bleibt aber sehr abzuwarten, ob dieser Kabinettswechsel auf die Bauernrevolte von Einwirkung sein wird. Vorerst hat das neue Kabinett alle Präsekten ihres Dienstes enthoben. Die bulgarische Regierung hat ihren Behörden an der Donau den Auftrag gegeben, den rumänischen, nach den bulgarischen Donaustädten kommenden Flüchtlingen ohne Unterschied der Konfession Aufnahme und Hilfe zuteil werden zu lassen und ferner die Militärkommandanten an der rumänischen Grenze beauftragt, sich für alle Fälle bereit zu halten. Aus den rumänischen Bezirken Teleorman und Alexandria laufen immer schlimmere Nachrichten ein; es soll zu großen Metzeleien gekommen sein. Große Scharen aufständischer Bauern schicken sich an, gegen Bukarest zu marschieren. Die Generale Corniceanu und Cheorgiu erhielten von der Regierung den Befehl, mit ihren Truppen den Schutz der Hauptstadt zu übernehmen; über viele Distrikte ist der Belagerungszustand verhängt. — Nach einer Meldung der Neuen Freien Presse aus Bukarest sind die aufrührerischen Bauern in viele Städte cin- gedrungen und plündern daselbst. Zwischen den Truppen und den Bauern finden an vielen Orten blutige Kämpfe statt. Die Behörden von Giurgenow forderten die Entsendung von Geschützen zur Niederwerfung deS Ausstandes. Viele Familien flüchten andauernd nach Bukarest oder nach Bulgarien.
JnSanFrancisko ist für 1913 eine Weltausstellung geplant, welche aber nicht die Zustimmung des Gouverneurs von Calisornicn findet. Er will gegen die bereits im Kongreß zu Washington eingebrachte Gesetzesvorlage, die eine Million Dollars für eine Welt-Ausstellung in San Francisco fordert, ein Veto einlegen. Er erklärt, die Vorlage sei lediglich aus Sympathie für das so schwer betroffene San Francisco eingcbracht. Der Plan einer Weltausstellung sei undurch sührbar.
Aus Provinz u. DachbargebieL
* Verliehen wurde dem Gerichtsdiener Wilhelm Mühlhenrich zu Niederaula, Kreis Hersfeld, das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens.
* DieLehrer-, Staatsbeamten-uird Mili- tärinvaliden-Gehälter sowie die Zivilpensionen werden diesmal schon am Sonnabend, den 30. März ausgezahlt, weil der letzte und der erste ein Festtag ist; dagegen werden die Veteranenbcihülsen und Witwen- und Waisen- gelder erst am 2. April gezahlt.
* (Steigerung d er Holzp reise.) Bei den in den letzten Tagen stattgesundenen Frühjahrs-Auktionen von Holz in den verschiedensten Gegenden Kurhessens hat sich eine abermalige Steigerung der Holzpreise um 10—15 Proz. ergeben. 4 Kubikmeter Buchenscheitholz kosteten 30—36 Mk:, 4 Kubikmeter Buchenknüppel 20—26 Mk. und 20 Kubikmeter Buchenastreis 10—14 Mk.
* Der Reichskanzler (Reichsschatzamt) hat folgende Grundsätze über die Verwendung deS Frach turkundenstem- pelsimEisenbahnverkehr aufgestellt: Stempelpflichtig sind sowohl im inneren deutschen Eisenbahnverkehr einschließlich des Kleinbahn- und Schmalspurbahnverkehrs als auch im Verkehr mit dem Auslande Frachturkunden über» 1. Gütersendungen, wenn die Fracht zu den Sätzen des Wagenladungs- tariss für mindestens 5000 Kilogr. berechnet wird; 2. Fahrzeuge, wenn Wagenladungsfracht für mindestens 5000 Kilogramm oder Kilometersracht für die Achse oder den Wagen berechnet wird; 3. Tierscnduugen, wenn Wagenladungssracht berechnet wird; 4. Militärgutsendungen, wenn die Fracht nach dem Militärtarif für den Wagen berechnet wird. Der Stempelbetrag bestimmt sich nach der Höhe der Fracht und dem Ladegewicht deS Wagens. Er ist, wenn mehrere Wagenladungen aus ein Frachtpapier ausgegeben sind, für jeden Wagen getrennt zu berechnen. Dies gilt auch für Gepäck- und Güterwagen in Sonderzügen. Die Belastung eines Wagens über das Ladegewicht hinaus bis zur Tragfähigkeitsgrenze ist auf die Höhe des Stempels ohne Einfluß. Wenn die Eisenbahn für eine Sendung statt eines Wagens mehrere zur Verfügung stellt, sind diese als ein Wagen anzusehen. Dies gilt auch für ein zusammengehöriges Wagenpaar, z. B. Schemel- oder Kuppel- wagen.
*ZudenBestimmungenüberdieFernsprech- a n s ch l ü s s e ist soeben eine nicht unwichtige Ergänzung getreten. Dadurch wird bestimmt, daß die Inhaber von Hauptanschlüssen Nebenstellen anderen Personen nicht gewerbsmäßig überlassen dürfen.
Cassel, 26. März. Im Casseler Landkrankenhaus verstarb der aus Breuna hierhergeschaffte Carl Rabe an den Folgen eines Siechtums, das er sich durch Verschlucken von 5 Schrote föruern zugezogen hatte. Die Körner, die er vor längerer Zeit bei einer Feldhühnermahlzcit zu sich genommen hatte, da er infolge seines schlechten Gebisses das Vorhandensein der Fremdkörper nicht bemerkt hatte, waren in den Darm gelangt und dort sestgedrückt worden. Seit dieser Zeit litt er an heftigen inneren Schmerzen, deren Ursache er sich nicht erklären konnte, bis bei der erforderlichen Operation der Sachverhalt aufgeklärt wurde. Trotz der Entfernung der Körner mußte in Cassel eine Nachoperation vorgenommen werden, die jedoch den Tod nicht mehr verhindern konnte, da die Vereiterung der inneren Organe bereits zu sehr vorgeschritten war. Die Leiche wurde nach Breuna geschafft unb dort am 22. d. MtS. auf dem Friedhof
begraben. So sönnen kleine Ursachen die schwersten Folgen nach sich ziehen. Der Vorfall mahnt daran, das Auftreten ürperlicher Beschwerden nicht aus die leichte Achsel zu nehmen, andern in allen derartigen Fällen einen Arzt zu Rate zu ziehen.
Cassel, 27. März. Aus schreckliche Weise verunglückt ist gestern nachmittag ein Knabe beim Spielen. Vor dem Gerichtsgebäude vergnügten sich verschiedene Kinder damit aus der ziemlich steil abwärts führenden Einfassungsmauer der unteren Treppe herabzurutschen. Hierbei flog ein Knabe von der Mauer herab und geriet so unglücklich aus das eiserne Geländer des Vorgartens, daß ihm eine Eisenstange )on hinten durch das Gesäß bis in den Leib drang und so est im Körper saß, daß sie abgefeilt werden mußte. Der unglückliche Knabe wurde nach dem Landkrankenhaus gebracht.
Hauau, 23. März. Die in der Schnurstraße 7 wohnende Witwe Mouline Wilhelmi war gestern mit Fensterputzen be- chäftigt und hatte zu diesem Zwecke auf den Stuhl noch eine Tcine Fußbank gestellt. Sie lehnte sich bei der Arbeit jeden- alls zu weit heraus, die Bank kippte um und die Frau stürzte aus einer Höhe von 6 Metern aus das Pflaster, wodurch sie einen Schädelbruch erlitt und nach ihrer ^Beibringung in das LandkrankeuhauS an der erhaltenen Verletzung verschied.
Marburg, 24. März. Der Regierungspräsident gibt eine Verfügung bekannt, wonach in Zukunft Personen männlichen Geschlechts unter 17 Jahren, weiblichen Geschlechts unter 16 Jahren nicht mehr an Tanzlustbarkeiten teilnehmen dürfen.
Fulda, 23. März. Der Minister der öffentlichen Arbeiten jat die Kgl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. angewiesen, die Vorarbeiten für eine Eisenbahnverbindung zwischen Flieden und Schlüchteru auszuführen. Es handelt sich dabei um die Verwirklichung eines alten Projektes, die Strecke abznkürzen mittels eines Tunnels durch den Distelrasen und die Kopftation Elm zu entlasten. Gleich hinter Flieden fährt jetzt die Äsenbahn in starker Steigung über den Distelrasen, um dann auf ebenso starkein Gefälle den tiefliegenden isolierten Bahnhof Elm anzulaufen.
Laasphe, 24. März. Gestern vormittag wurde bei Marienhütte das fünf Jahre alte Töchterchen des Werkmeisters Jllian von Eiserfeld, das seinem Vater daS Frühstück bringen wollte, von der Eisern-Siegener Eisenbahn Überfällen und getötet.
Wiesbaden, 25. März. Professor v. Bergmann, bei dem heute früh auf seinen Wunsch noch einmal eine Operation vorgenommen wurde, ist heute vormittag 11V4 Ubr gestorben. Die Leiche wird nach Potsdam überführt werden.
Mainz, 23. März. Heute nachmittag hatte der Einjährig-Freiwillige Philipp Maschmann mit seinem Freund, dem Kaufmann Joseph Kehnnann in der Nähe des Zollhafens eine Segelfahrt stromabwärts unternommen. Der Nachen chlug dnbei um. Maschmann wurde gerettet, während Kehrmann n den hochgehenden Wellen des Rheins verschwand.
Mainz, 26. März. Gestern nachmittag stürzte an dem Hause des Metzgermeisters Schramm in der Großen Emmerans- traße der Arbeiter Franz Joses Ebert von der großen srei- tehenden Leiter, die zum Abwaschen der Hausfassade benutzt vurde, ab, in dem Augenblick, als Frau und Kind ihm den Kaffee brachten. Der Mann stand ganz oben und schlug direkt auf das Straßenpflaster auf. Mit furchtbaren Verletzungen wurde der Mann ins Spital gebracht, wo er eine Stunde danach starb.
Nordhausen, 25. März. In der Nacht zum Sonntag wurde auf Station Walkenried dem Wagenwärler Karl Bertuch von hier von einem Personenzuge beide Beine überfahren. Der Verunglückte wurde nach dem hiesigen Krankenhause überführt.
Nordhausen, 25. März. Eine heftige Gasexplosion entstand heute Morgen 7 Uhr in dem Hause Lessersticge 1. Ein in diesem Hause wohnender Kaufmann nahm einen starken Gasgeruch wahr und zündete beim Suchen nach der schadhaften Stelle unvorsichligerweise ein Streichholz an. Sofort schlugen gewaltige Flammen hoch. Der Kaufmann erlitt am Kopf und an den Händen lebensgefährliche Verletzungen.
Ersurt, 25. März. Das dem XI. Armeekorps zugeteilte neue Kavallerie-Regiment kommt nach Erfurt. Durch Kaiserliche Kabinettsorder wird der hiesigen Stadtgemeinde die Erlaubnis erteilt, den Exerzierplatz zu vergrößern und die nötigen Kasernements anzulegen.
Königshoseu L Gr., 25. März. Das 5 Jahre alte Söhnchen des Ockonomen Vinzenz Göbel von Althausen brächte beim Spielen mit Bohnen eine solche in die Luftröhre, von wo aus sie in die Lunge gelangte. Noch bevor ein operativer Eingriff gemacht werden konnte, verstarb das Kind an Lungen- lähmung.
Germersheim, 15. März. In Ottersheim erwürgte der Ackersmann Hilsendegen gemeinsam mit feinem Sohn den Wiesenwärter Stadtler, der in betrunkenem Zustand ihren Hund geschlagen hatte. Die Täter wurden verhaftet.
Uermischtes.
— Die See-Schießübungen auf Ballons, die vor drei Tagen in der Danziger Bucht beginnen sollten, haben erst am Montag ausgeführt werden können, nachdem der Sturm endlich nachgelassen hat. Als Vertreter des Kriegsministers wohnte General Sixt v. Armin den interessanten Uebungen bei. Der Freiballon Nr. 1 wurde durch drei Schrapnellschüsse heruntergebracht; ein zweiter Freiballon ging unverletzt landeinwärts. Der Fesselballon Nr. 3 wurde brillant heruntergeschossen.
— Berlin, 25. März. Gestern abend um 8V2 Uhr sand die von einem Ausgange heimkehrende Witwe Minna Blaurock in ihrer Wohnung im 3 Stockwerk des Hauses Eckert- straße 4 ihren Sohn, den 23 Jahre alten Kassenbeamten Reinhold Bl., dessen 23 Jahre alte Frau Bertha, geb. Voigt, und deren 7 Monate altes Kind in der Küche, bewußtlos auf dem Erdboden liegend vor. Der Gasschlauch war von dem Kochherde entfernt und der GaShahn geöffnet. Ein herbeigerusener Arzt, ein Schutzmann und zwei Feuerwehrmänner stellten Wiederbelebungsversuche an, die bei Frau Blaurock von Erfolg begleitet waren, während der Mann und das Kind bereits tot waren. Die junge Frau wurde dem Krankenhause Am Friedrichshain zugesührt. Beweggründe unbekannt.
— In der Nacht zum 23. d. MtS. erschoß in A l t c n e ss e n der österreichische Staatsangehörige Koschu seine Frau. Der Täter, der vorher stark dem Alkohol zngcsprochen hatte, wollte noch einmal nach 11 Uhr seine Wohnung verlassen, um eine Wirtschaft aufzusuchen. Seine Frau versuchte, ihn von seinem Vorhaben abzubringen. Koschu, der schon längere Zeit mit seiner Frau in Unfrieben lebte, holte daraus, wie die Rheiit.- Wcstf. Ztg. berichtet, aus einem Nebenzimmer ein Gewehr, womit er seine Frau erschoß. Mitten ins Herz getroffen, brach sie sofort tot zusammen. Der Gattenmörder, Vater von sechs unmündigen Kindern im Alter von 2 bis 14 Jahren, wurde verhaftet. Bei feiner Vernehmung vor der Polizei gab er an, seine Frau sei das Opfer eines Fehlschusses geworden. Er habe die Hauskatze erschießen wollen. Der Schuß habe sich