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herrfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Sernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 33.

Sonnabend, den 16. März

1907.

Amtlicher teil

Hersseld, den 8. März 1907.

Am Sonnabend, den 33. März d. Js. von Vormittags 10 Nhr ab findet im Sitzungszimmer im hiesigen Laudratsamtsgebäude eine Kreistagssitzung mit nachfolgender Tagesordnung statt.

Tagesordnung:

1. Feststellung des Kreishaushalts-Etats für das Jahr 1/4. 1907/8. (§ 84 der Kreisordnung für die Provinz Hessen- Nassau vom 7. Juni 1885.)

2. Beauftragung einer Commission aus den Mitgliedern des Kreistags mit Prüfung der demnächst auszustellenden Kreis- kommunalkassen-Rechnung für das Jahr 1/4. 1906/7. (§ 87 der Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau Dom 7. Juni 1885.)

3 Wahl von je 7 Vertrauensmännern für den Ausschuß bei den Amtsgerichten Friedewald, Hersseld, Niederaula und Schenklengsseld zur Mitwirkung bei derin 1907 stattfindenden Auswahl der Schöffen und Geschworenen für das Jahr 1908. (§ 40 des Gcrichtsversasfungsgcsetzes vom 27. Januar 1877, Reichsgesetz-Sammlung Seite 49 von 1877 und § 35 des Ausführungsgesetzes zum deutschen Gerichtsver- fassungsgesetz vom 24. April 1878, Gesetz - Sammlung Seite 237 von 1878.)

4. Beschlußfassung über die Erweiterung der Diensträume im Landratsamte, über die Beteiligung des Kreises an den dadurch entstehenden Kosten, sowie über den Abschluß eines Mietsvertrages mit dem Fiskus und eines Vertrages mit dem Landrat über die Entschädigung, welche letzterer für die Unterbringung der staatlichen Bureaus in den von dem Kreise gemieteten Räumen an den Kreis zu leisten hat.

5. Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskommunalkasse hier in Höhe von 725 Mk. für die Gemeinde Heimboldshausen zur Bestreitung der durch den Bau einer Brücke über den Sterkelsbach im Orte Heimboldshausen entstehenden Kosten.

6. Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung aus der Kreiskommunalkasse hier in Höhe von 352 Mk. für die Gemeinde Ausbach zu den Kosten der in Aussicht genommenen Verbesserungen der Landwcgestrecke in der vom Zusammenlegungsverfahren ausgeschlossenen Parzelle 109 des Kartenblatts 17.

7. Beschlußfassung über die Verwendung der von der Ge­meinde Niederaula am 19. 12. 1906 zur Kreiskommunal­kasse hier gezahlten Steuer mit 30 Mk. auf Grund des § 5 des Gesetzes betreffend die Besteuerung des Wanderlagerbe- triebes vom 27. 2. 1880 (Gesetz-Sammlung Seite 174 u. ff.) und Ziffer 11 der im Amtsblatt vom Jahre 1880 Seite 81 abgedruckten ministeriellen Anweisung zur Aus­führung des Gesetzes vom 27. 2. 1880 vom 4. 3. 1880.

A. 1040. Der Königliche Landrat

v. G r u n e l i u s.

Hersfeld, den 11. März 1907.

Die Fotderungsnachweise der Vorsitzenden und Mitglieder der Voreinschätzungs-Kommissionen sind zur Auszahlung durch die hiesige Königliche Kreiskasse angewiesen. Der Vorsitzende der (Einkommensteuer: Veranlagungs-Kommission.

von Grunelius.

Hersfeld, den 11. März 1907.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich, mir die Zu- und Abgangslisten für das 2. Halbjahr 1906 bestimmt b i s zum 20. März d JS. einzureichen. Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Beran- lagungs-Kommission.

v. G r u n e l i u s.

Hersfeld, den 12. März 1907.

Die unter den Schweinen deS Metzgermeisters Peter Wolfs zu Hersfeld ausgebrochene Schweinescuche ist erloschen.

1. 2388. Der Königliche Landrat.

J. V.

T h a m e r.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Im Reichstage ist der Nachtragsetat für Deutsch-Süd- westasrika in dritter Lesung zur Annahme gelangt. Der Gegenstand, der seiner Zeit den Anlaß zur Reichstagsauflösung bot, hat bamit nunmehr feine befriedigende Erledigung ge­sunden. Die erste Probe hat der nationale Block im neuen Reichstage demnach glücklich bestanden, hoffentlich bleibt es nicht bei ihr. Es ist vielmehr dringend zu wünschen, daß die neue konservativ-liberale Mehrheit anch in anderer Hinsicht frucht­

bringende positive Arbeit verrichte. An Gelegenheit hierzu dürfte es gewiß nicht fehlen.

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde die verflossene Woche vollständig von den Verhandlungen über den Etat der Eisenbahnverwaltung ausgefüllt. Mit Recht konnte Minister Breitenbach den Eisenbahnelat als ein Spiegel­bild der glänzenden wirtschaftlichen Konjunktur bezeichnen und für das Jahr 1907 einen Ueberschuß von 739 Millionen Mark ankündigen. Mit großem Beifall wurde die Haltung des Ministers gegenüber dem gewaltigen, aus 441 000 Köpfe an­gewachsenen Heer der Beamten md Arbeiter seines Ressorts ausgenommen; es paart sich in Dieser Haltung warmherziges und wohlwollendes sozialpolitisches Verständnis mit unbeug­samer Energie gegenüber allen aus Einschmuggclung sozial­demokratischer Kontrebanve und Lockerung der Disziplin ge­richteten Bestrebungen. Aber auch sonst rief das Auftreten des Ministers aus allen Seiten des Hauses den denkbar günstigsten Eindruck hervor und stellt damit ein gedeihliches Zusammen­wirken von Regierung und Volksvertretung auf diesem für das nationale Wirtschaftsleben wichtigsten Gebiete der inneren Verwaltung Preußens für die Z 'mist in sichere Aussicht.

Aus dem Auslande hat ler Chronist der verflossenen Woche zunächst mit Genugtuung von einer Niederlage der Sozialdemokratie zu berichten. Der Streik der Pariser Elektrizitätsarbeiter, der sich als eine revolutionäre Machtprobe und ein Symptom des Klassenegoismus aller- schlimmster und brutalster Art darstellt, ist vollkommen ge­scheitert, und auch die sich daran anschließenden parlamenta­rischen Vorgänge haben den Drahtziehern der Bewegung ein gründliches Fiasko bereitet. In der französischen Deputierten- kammer interpellierte nämlich I/ c',- ber Führer der franzö­sischen Sozialdemokratie, die Regierung wegen ihres Eingreifens in den Streik durch die Heranziehung von Soldaten als Er­satz für die ausständigen Arbeiter. Er zog sich aber eine glänzende Abfuhr seitens des Ministerpräsidenten Clsmeneau zu, und die Kammer billigte das Vorgehen der Regierung durch ein mit überwältigender Mehrheit angenommenes Ver­trauensvotum. Trotzdem will es uns scheinen, als ob der ge­nannte Streik und seine Begleitumstände mit grellem Licht­schein den Abgrund erhellen, dem das französische Staatsschiff zusteuert. Seit Jahrzehnten sind von den radikalen Macht­habern Frankreichs die Geister des Sozialismus gerufen worden, unb nun wird man diese Geister offenbar nicht mehr recht los. Unwillkürlich drängt sich uns angesichts solcher Lage das Wort in die Erinnerung, das Friedrich Gentz einst vor langen Jahren geprägt hat:Frankreich wird von Form zu Form, von Kata­strophe zu Katastrophe eilen.

Die jähe Kunde von einer ruchlosen Bluttat hat während der verflossenen Woche die Blicke von neuem der Balkan- halbinsel zugewandt. In Bulgarien ist der dortige M i - nisterpräsident Petkow das Opfer eines Mcuchel- mordes geworden. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich bei diesem Verbrechen nicht um einen persönlichen Rache­akt, sondern um ein politisches Altentat handele. Petkow, der zu den markantesten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte Bulgariens gehörte, hatte sich durch fein entschiedenes unb strenges Austreten gegenüber den sozialistischen Umtrieben wie der nationalistischen Agitation den Haß weiter Volkskreise zu- gezogen. Diesem Hasse dürfte er zum Opfer gefallen sein. Eine Aenderung in dem gegenwärtigen bulgarischen Regierungs­kurse wird durch den Tod Petkows wahrscheinlich nicht her- beigeführt werden.

Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Mittwoch den zweiten Zusatz zum internationalen lleberemtommcn in Bern über den Eisen­bahnfrachtverkehr und das Vollziehungsprotokoll in erster und zweiter Lesung und führte dann die Tags vorher abgebrochene JnterpellationSbebatte über die Reform der Strafprozeßordnung weiter. Im ersten Teile der Mittwochsdiskussion sprachen die AbgeordnetenMiiller-Meiningen (fr.Volsp.», Varcnhorst(Reichsp.), v. Mierzskowsky (Pole), Rot (wirtsch. Verein)., Dove (fr. Verein.), Werner (Reformp.) und Storr l südd. Volksp.-, sowie regierungs­seitig der Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Nieberding. Die Diskussion betraf die verschiedensten Themata im juristischen Rahmen, wie die größere Heranziehung des Laienelementes zu den Strafkammern, die Frage der Gewährung von Diäten an Schöffen und Geschworene, die Beseitigung des Zeugniszwanges gegenüber Redakteuren, die Frage der Immunität usw. Die weitere Juristische Debatte zeitigte alsbald eine Polemik über die Frage der Heranziehung von Arbeitern zu Schöffen und Ke schworcncn, Die Auseinandersetzung nahn, rasch einen sehr leb­haften Charakter an, als her konservative Abgeordnete für den 9. Wahlkreis des Königreichs Sachsen, Landrichter Dr. Wagner (kons.) erklärte, er müsse für sozialdemokratisch kommandierte Schöffen und Geschworene danken, was den sozialdemokratischen Abgeordneten Singer, Stadthagen und Heine Anlaß gab, sich über Dr. Wagner und die sächsische Justiz mächtig zu entrüsten und dafür die Unantastbarreit des Genossentums zu preisen. Dazwischen kam es zu einem scharfen Wortgefecht zwischen den Abgeordneten Singer undStndthagen einerseits, Müller Meiningen, Kreth (kons.) und BruhnS (Antis.) anderseits. Zuletzt wurde die Debatte durch eine Rede des Leipziger Abgeordneten Dr. Junck, welcher auf Grund seiner Erfahrungen der Belmuptung ent­schieden widersprach, daß sich der sozialdemokratischgesinnte Ar­beiter zum Schöffen und Geschworenen nicht eigne, wieder in ruhigeres Fahrwasser gelenkt.

Der Reichstag erledigte am Donnerstag zunächst das Gesetz

betr. den Hinterbliebenen-VersicherungSfonds ohne wesentliche Debatte in erster und zweiter Lesung. Es folgte die national­liberale Interpellation, in der angefragt wird, ob das Ergebnis der Vorarbeiten zur Schaffung einer staatlichen Versicherung der Privatbeamten nunmehr vorliegt und wann die in Aussicht gestellte Denkschrift dem Reichstag zugehen wird. Abg. Freiherr Heyl zu Herrnsheim begründete die Anfrage; der Staatssekretär des Innern beantwortete sie. Graf PosadawSky teilte mit, daß die Denkschrift dem Hause noch heute zugehen werde. Er machte dabei einige Angaben über die Lasten, die die Versicherung den Privatbeamten selbst auf -eegen würde. Seine Ausführungen, die mit lebhaftem SeifaU begleitet wurden, gipfelten darin, daß die Notwendigkeit der Privatbeamtenversicherung von keiner Seite bestritten werde. Zweifel beständen nur über die Wege, die einzuschlagen seien, u.;h darüber könne eine Entscheidung erst getroffen werden, wenn die verbündeten Regierungen, der Reichstag und die beteiligten Kreise selbst sich in den Inhalt der Denkschrift nertieft hätten.

Hit Skulscht ftoihirtiMi unb bit dcutfdjen Almen.

In der während der abgelaufenen Woche zu Berlin ab­gehaltenen Jahresversammlung des deutschen Landwirtschasts- rates ist u. a. auch das interessante und sehr zeitgemäße Thema der Stellung der deutschen Landwirtschaft zu der Ent­wickelung und Besiedelung der Kolonien des deutschen Reiches zur Erörterung gelangt. An der Diskussion hierüber nahmen auch hervorragende Kenner unseres Kolonialwesens, wie der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, der Gou­verneur von Dculsch-Ostastika, Graf Götzen, der Gouverneur von Deutsch-Südwestasrika, v. Sinbequift, und bei bekan ite Farmer Schlettw-in aus 7. :tfä Bübroeftafrifa teil, also A es Banner, die aus eigener Erfahrung über Die Verhältffe in den Schutzgebieten zu urteilen vermögen. Von den Rednern bedauerten es namentlich die beiden Gouverneure, daß die deutsche Landwirtschaft bislang verhältnismäßig so wenig praktische Teilnahme an der Entwickelung der deutschen Kolo­nien bekundet habe. So führte Graf Götzen z. B. ü. a. aus: Wir draußen haben sehr oft schon unter dem Gefühl ge­standen, daß weitere Kreise der deutschen Landwirtschaft des­halb keine Interesse an den Kolonien hatten, weil sie deren landwirtschaftliche Produktion als Konkurrenz für die heimische Landwirtschaft befürchteten. Allein schon der erste Reserent hat darauf hingewiesen, daß solche Befürchtungen ganz unbe­gründet sind. Ich möchte auch meinerseits hervorheben, daß wir draußen in den Kolonien stets auf dem Standpunkte ge­standen haben, daß der afrikanische Boden ebenso wie der des deutschen Heimatlands ist. (Beifall.) Die vorgelegte Resolution ist ja sehr allgemein gehalten, das ist aber auch ganz berechtigt, weil sie sich das erstemal mit dieser Frage be­schäftigen. Ich hoffe aber, daß dies von nun an öfters ge­schehen wird, und daß Sie dann auf die Spezialfragen ein­gehen und schließe mich daher der Bitte des Herzvgs Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin an, daß der deutsche Land- wirtschaftsrat nach dieser Richtung hin seinen Einfluß zugunsten der deutschen Kolonien geltend machen möge. (Beifall.) Und Gouverneur v. Lindeguist seinerseits ließ sich ungefähr in folgender Weise vernehmen:In Dcutsch-Südwestaffika ist eS häufig mit Schmerz empfunden worden, das die deutsche Landwirtschaft kein großes Interesse für die Kolonien zu be­sitzen schien. Keine Kolonie ist aber unseren heimischen Ver­hältnissen so ähnlich, obwohl wieder auch große Verschieden­heiten bestehen. Für die Auswanderung wird es zunächst in Frage kommen, ob hier auch Weiße leben können. Die deutsche Landwirtschaft in Südwestafrika braucht keine Kon­kurrenz zu befürchten, denn es wird nie mehr Weizen und Vieh, oder wenigstens nur geringe Mengen mehr, produzieren, als es selbst braucht." Der Redner ging bann weiter auf die bekannten Verhältnisse der Kolonie und empfahl sie der Fürsorge der deutschen Landwirtschaft.

Man darf gewiß hoffen, daß der Appell dieser beiden ge­wiegten Kenner der Verhältnisse speziell in Deutsche Südost- und Südwestafrika an die deutschen Landwirte da? wünschens­werte Echo in deren Kreisen finden und daselbst ein lebhafteres Interesse für die deutschen Kolonien erwecken werbe. Es kann ja auch kein Zweifel daran bestehen, daß eine Hebung und Förderung unserer Kolonien der Landwirtschaft des Mutter­landes schließlich mit zu gute kommen muß und um so eher steht daher zu erwarten, daß die deutschen Landwirte endlich beginnen werden, ihre Interesse an den Kolonien in erhöhtem Maße praktisch zu beseitigen, welche Erwartung in der ge­nannten Versammlung ja auch der Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin bekundete, indem er am Schlüsse seiner Rede ausrief:Ich wünsche, daß die Vertreter der deutschen Landwirtschaft sich warmen Herzens den kolonialen Bedürfnissen nicht verschließen werden und daß sie dabei von dem Grundsätze ausgehen werden: Unser Neuland J)a draußen ist ein Teil des Deutschen Reiches! Mögen Sie sich dieser Teile des Reiches annehmen. Lebhafter Beifall folgte auch diesen Worten. Schließlich nahm ber Landwirt- wirtschastSrat eine Resolution au, welche sich für eine tat kräftige und zielbewußte Entwickelung der Landwirtschaft in den dafür geeigneten Kolonien besonders für Züchtung eines möglichst großen Viehstandes, ausspricht und ferner die Ver-