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herrsel-er Armblatt
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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 26. Donnerstag, den 28. Februar 1907.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 25. Februar 1907.
Mit Einzahlung der am 15. d. Mts. fällig gewesenen 4 Rate der für das laufende Etatsjahr zu entrichtenden Kreis st euer sind noch mehrere Gemeinden und Guts- bezirke im Rückstände.
Die Herren Bürgermeister und Gntsvorstehcr der in Betracht kommenden Gemeinden und Gutsbezirke ersuche ich, dafür zu sorgen, daß die Einzahlung der bezeichneten Kreissteuerrate noch alsbald, spätestens aber bis zum 1. März d. Js., bei der Kreiskommunalkasse hier erfolgt.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
von Grüne lius.
Hersseld, den 25. Februar 1907.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises, welche meine Verfügung vom 27. November 1876, I. 11906, Kreisblatt Nr. 96, betr: Bericht über die vorhandenen Personen, welche gemäß der Vorschrift im § 19 pos. 2 der Ersatz- Ordnung zur Erfüllung ihrer Militärpflicht heranzuziehen sind, bis jetzt noch nicht erledigt haben, werden hieran mit Frist bis zum 2. März d. Js. erinnert.
Ich sehe der Erledigung derselben bis dahin b e st i m m t entgegen.
I. 1867. Der Königliche Landrat.
I. V.
T h a m e r.
Hersfeld, den 26. Februar 1907.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 3. Januar 1899, A. 24, Kreisblatt Nr. 3, betreffend : Bericht über die stattgefundene Berichtigung und Offenlegung der Gemeindegliederliste, bis jetzt noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe ihrer Erledigung innerhalb 5 Tagen bestimmt entgegen.
A. 867. Der Königliche Landrat.
J. V.
Th a m er.
Hersseld, den 26. Februar 1907.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 5. Juli 1882, 1. 8773, Kreisblatt No. 53, betreffend Bericht über die stattgefundene Aufstellung des Verzeichnisses über die Pflichtfeuerwehr, bis jetzt noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe ihrer Erledigung innerhalb 6 Tagen bestimmt entgegen.
1. 1873. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Der Knopf.
Kriminal-Novelle von C. W e b st e r.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Mrs. Flietscher hörte ihn meinen.
Tom war ein vorzüglicher Komödiant.
„Und wo haben sie ihn gebettet?“ fragte er weinend.
„In der Leichenhalle, neben dem Bade-Pavillon."
Er ging schweigend zurück in das Schlafzimmer und kleidete sich sorgfältig an, dann eilte er ins Batlsinghotel, wo man die Unglückskunde weitläufig auseinandersetzte. Von dort ging der Heuchler nach der Halle und meinte in Gegenwart des Wärters um den Toten herzzerbrechend. Dann setzte er sich sogleich nieder und schrieb an Mr. Mounts, wie er das Unglück erfahren und wie er seinen armen Freund gefunden; ihm sei Long Branch förmlich verhaßt geworden, und er werde das Bad sofort nach dem Begräbnis verlassen. —
Zwar gab sich die Polizei alle Mühe, den geheimnisvollen Fall aufzuklären, aber es ward nichts eruiert, man nahm vielmehr an, daß der sich Ankleidende schwindlich geworden und in die Tiefe gestürzt fei. Auch Tom wurde gefragt,^ ob er etwas wisse, daß etwa Elgins einen Feind gehabt. „Nicht einen, glaube ich!" lautete die heuchlerische Antwort. „Dazu war er viel zu lieb und gut!“
Mr. Mounts, den die Firma zum Begräbnisse auf den nächsten Dorskirchhof sandte, fand Tom in Tränen um den Freund.
„Ach Gott," dachte er, „wie lieb hat er ihn doch gehabt! Er ist doch ein guter Kerl I"
So wurde denn der arme Georg Elgins begraben. Seinen Nachlaß nahm der Fiskus an sich, über die Geschichte wuchs Gras. Als Toni nach Ablauf seiner Ferien nach New-Iork zurückkchrtc, war im Getriebe des Großstadtverkehrs schon alles vergessen.
Mit MrS. Sounders einigte sich Tom, da zwei andere Gentlemen auf die Wohnung reflektierten, schnell; er zog in ein Quartier. Was ihn aber arg verstimmte, war der Um
Hersfeld, den 26. Februar 1907.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises, welche meine Verfügung vom 24. Januar 1907 1. 832, Kreisblatt No. 13, betreffend: Einreichung des Verzeichnisses über diejenigen un- geimpften Kinder, welche nicht in dem Gemeindebezirk geboren, sondern dahin verzogen sind, bis jetzt noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe ihrer Erledigung nunmehr innerhalb 5 Tagen bestimmt entgegen.
1. 1869. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 26. Februar 1907.
Die Herren Bürgermeister des Kreises, welche meine Verfügung vom 7. Februar 1893, 1. 834, Kreisblatt No. 18, betreffend: Bericht über stattgefundene chemische Untersuchung von Nahrungsmittelproben durch die Versuchsstation in Marburg, bis jetzt noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.
Ich sehe ihrer Erledigung bestimmt innerhalb 5 Tagen entgegen.
1. 1872. Der Königliche Landrat.
I.' V.:
T h a m e r.
Der Plan über die Errichtung einer unterirdischen Telegraphenlinie in der Hain- und Rreitcnstraße zu Hersseld liegt bei dem Postamte in Hersseld vom 26. Februar ab 4 Wochen aus.
Cassel, den 20, Februar 1907. Kaiserliche Ober-Postdirektion.
nichtamtlicher Ceil.
Str tritt Sog Scr
über den Reichshaushalt hat eine Abrechnung des Reichskanzlers Fürsten Bülow mit dem Zentrum gebracht. Der Abg. Spähn
hatte versucht, die Auflösung des Reichstags als eine unnötige Maßregel, als eine Art Ucberrumpelung darzustellen. Der Reichskanzler brächte dagegen eine noch nicht bekannte Tatsache vor: Er hatte vor Beginn der Kolonialdebatte zwei Führer des Zentrums zu sich gebeten und ihnen vom Kolonialdirektor auseinandersetzen lassen, zu welchen Enthüllungen über den Abg. Roeren und die Togomission sich Dernburg genötigt sehen werde, wenn das Zentrum nicht dafür sorge, daß Herr Roeren und Genossen aushörten, schmutzige Wäsche zu waschen. Das Zentrum hat gleichwohl den Abgeordneten Roeren und Erzberger weiter freien Spielraum gelassen und dann nach der schweren Niederlage dieser Angreifer sogar versucht, der Regierung feine Macht durch Abstriche an den Forderungen für Südwestafrika fühlen zu lassen.
stand, daß er Miß GladyS Andrewson in Trauer wiederfand, und daß Mr. Mounts ihm mitteilte:
„Zwischen Mr. Harry Elgins und Miß Gladys hat es zarte Beziehungen gegeben."
„Verdammt!" knurrte Tom in sich hinein.
Tom Scheppard blieb unangefochten, denn kein Mensch traute ihm derartiges zu.
Seit dem Tode seines Freundes führte er ein sehr eingezogenes Leben, aber er ließ sich feinere Kleidung machen und als Miß Gladys die Trauer abgelegt hatte, machte er ihr nach wie vor den Hof.
Jetzt war sie nicht mehr so abweisend, und Tom dachte: „Ach sie gibt nach! Ja, ja, Miß, die heiratslustigen hübschen Männer fallen nicht vom Himmel herab!“
Aber die Nächte! Seit der unseligen Tat waren sie gräßlich. Beständig träumte ihm, die blutige Leiche, in ein Badetuch gehüllt, stände vor ihm, vor seinem Bette und suchte ihn ins Meer hinabzuziehen. Mit einem Schrei erwachte er dann.
Eines Tages musterte Tom feine Stiesel und fand fast alle Paare reparaturbedürftig. Da erinnerte er sich der versteckten Stiefeletten. Er holte sie hervor und zog sie an. Sie paßten ganz vortrefflich.
Einige Tage hernach war es schmutzig auf der Straße. Tom, an Harrys Stelle zum Kassier ernannt, gab wegen Miß Gladys jetzt mehr auf sein Aeußeres als sonst.
So trat er zu Williams Spencers Stand und sagte herrisch:
„Stiefel putzen!"
William Spencer bückte sich und schürzte die Beinkleider des neuen Kunden auf, dann begann er die Stiesel mit Wichse zu schwärzen. Plötzlich stieß er einen Schrei aus.
„WaS haben Sie?" fragte Tom bestürzt.
„Ach, ich stieß gegen meinen Finger, der vom Frost aufgesprungen ist," entgegnete William schnell und gewandt.
Er hatte an den Stiefeletten den breitgefahrenen Knopf entdeckt, auch der Strich vom Rade war noch zu erkennen. Das waren Mr. ElginS Stiefeletten! Und die trug ein Fremder? Wer war dieser Herr?
Der Knabe war zu gewandt, sich in nutzlose Träumereien
Noch wirksamer aber waren die Vorhaltungen, die Fürst Bülow dem Zentrum über feine Wahllügen (vom persönlichen Regiment, vom Bevorstehen eines neuen Kulturkampfes rc.) und über das moralische Unrecht machte, bei den Stichwahlen aus engherziger Fraktionsarithemetik die religionsfeindliche Sozialdemokratie unterstützt zu haben. Man sah namentlich den konservativ gerichteten Elementen des Zentrums deutlich die Verlegenheit an, in die sie durch die ebenso wahren als scharfen Worte des Fürsten Bülow versetzt waren.
Mit dem Mißbrauch einer parlamentarischen Macht hat eben das Zentrum eine große politische Torheit begangen. Darüber konnte auch die Berufung des Abg. Spähn auf die dem General Keim gestohlenen Briese nicht hinweghelfen. Großen Eindruck — aus den Tribünen gab es sogar wieder Händeklatschen — machte die Versicherung des Reichskanzlers, daß von einer unzulässigen Wahlbeeinflussung nicht die Rede fein könne, wenn sich die Regierung bei den Wahlen nicht daS Maul verbieten lasse, nicht wie ein Pagode dabei sitze, sondern von Wort und Schrift zur Aufklärung deS Volkes Gebrauch mache.
Zum Schluß kam Fürst Bülow aus die Paarung konservativen und liberalen Geistes, ein Wort, das er in seiner Rede vom 19. Januar zunächst von der Tätigkeit zur Entwickelung unserer Schutzgebiete gebraucht hatte. Die agra- rische Politik soll festgehalten werden, weil sie sich bewährt hat, bewährt auch bei den Wahlen. Den Liberalen eröffnete der Reichskanzler Aussichten für Verbesserung des Vereins- und Versammlungsrechts, Erhöhung der Beamtengehälter, Stras- rechts- und Strafprozeßreform, Vereinfachung im Heere, alles Dinge, über die sich, wie Fürst Bülow hofft, auch mit den Konservativen reden lassen wird. Auch die Börsengesetzgebung wurde envähnt und als Ziel einer Reform angegeben: Stärkung der Börse gegenüber dem Auslande als nationalwirtschaftlichen Instruments. In der Tat ist, wie nicht zu bestreiten, die Londoner Börse durch unsere Gesetzgebung mittelbar gestärkt worden. Zweifellos erfordert die durch die Wahlen geschaffene Situation viel guten Willen und Mäßigung von rechts und links, damit das Zentrum nicht wieder zu einem ausschlaggebenden Faktor werden kann. Die Konservativen brauchen es hieran nicht fehlen zu lassen, solange die agrarische Wirtschaftspolitik bestehen bleibt.
Reichstag.
Der neue Reichstag hatte am Montag seinen ersten wahrhaft großen Tag mit dem Beginn der Etatsberatung, die von dem ReichSschatzsckretär Frciherrn von Stengel durch eine längere Uebersicht über den Stand der Reichsfinanzen eingeleitet wurde. Er gab seiner Genugtuung Ausdruck über die wesentliche Besserung, die der Reichshanshalt durch die im vorigen Jahre zustande gekommene Steuerreform erfahren hat. Von einer Einbringung einer weiteren Steuervorlage hätten die verbündeten Regierungen zunächst abgesehen, um einstweilen
einzulassen und zu versenken. Er tat seine Pflicht und behielt den Fremden im Auge, sah ihn ins Geschäftshaus treten und folgte ihm, feinen Kasten auf dem Rücken, unbemerkt nach. Durch Zufall trat eben Miß Gladys Andrewson aus dem Hause.
William Spencer trat ihr entgegen, zog seine Mütze und fragte: „Miß, können Sie mir sagen, wer der junge Herr ist, der eben ins Haus trat?"
„Weshalb, mein Junge?"
„Ich bin Schuhputzer! Der Herr hat ein Geldstück bei mir fallen lassen! Ich wollte es ihm wieder bringen!"
„Ach so! Ein ehrlicher Schuhputzer. Der Herr ist Mr. Tom Scheppard, Staffieret bei Wilson u. Comp.!"
„Ich danke, Miß!"
Sie ging, er stand ein paar Minuten auf dem Flur still, merkte sich das Haus und die Nummer und ging dann wieder aus seinen Standort.
„Wie wars doch," sagte er dann halblaut, „ich Habs doch gelesen. Es interessierte mich, weil ich den liebenswürdigen Herrn oft bediente. Ich habe den Ausschnitt aus der Zeitung noch im Hause! Aber merkwürdig ists, daß jener Mann seine Stiesel trug, denn ich könntS beschwören, daß es dieselben sind! Hm, merkwürdig."
Er kam heute früher nach Hause als sonst. „Schon da, William?" fragte Mrs. Hopkins.
„Ja, hatte ein merkwürdiges Erlebnis!"
„Erzähl doch, William!"
Neben Frau Hopkins saß deren Schwager, der Detektive Richard Coaching.
„Ich will erst einmal meinen Zeitungsausschnitt lesen!"
Er ging an seinen Koffer, kehrte dann mit einem Blättchen zurück und sagte:
„Da ist er!"
„Nun," fragte Coaching.
Und William las gern vor. Er hatte diese Kunst, genau wie daS Sprechen, ohne Lehrer gelernt
„Vor einiger Zeit fand man nicht weit von unserem fashio- nablestcn Badeorte Long Branch die Leiche eines jungen Mannes an dem Lvckfelsen hängen. Ob hier ein Unglücksfall