„Wirtschastsatlas" wird eine erwünschte Ergänzung des „Kleinen deutschen Kolonial-Atlas" bilden, welcher im vergangenen Jahre für sämtliche Schulen dcS hiesigen Kreises beschafft worden ist.
Wenn sich die Einführung deS Atlas in einer größeren Anzahl von Schulen ermöglichen läßt, wird das Werk zu 3 M. — unter dem Selbstkostenpreise —, ausschließlich Porto, abgegeben werden. Anderenfalls würde sich der Preis auf 5 M., ausschließlich Porto, stellen.
Um den ermäßigten Preis von 3 Mark für den Atlas zu erzielen, wird die Königliche Regierung die Bestellungen aus dem ganzen Regierungsbezirk sammeln und sie dem Kolonial- Wirtschaftlichen Komitee übermitteln.
Die Herren Bürgermeister der Schnlorte des hiesigen Kreises ersuche ich hiernach, mir recht bald, spätestens aber bis zum 25. Februar anzuzeigen, ob der fragliche Atlas für ihre Schule bestellt wird. Hierbei möchte ich der Hvsfniuig Ausdruck geben, daß bei richtigem Verständnis für die Angelegenheit die Bestellungen recht zahlreich einlaufen möchten. I. 1301. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 15. Februar 1907.
Der Bürgermeister Mathias Wolf zu Lampertsfeld ist als Ortsschätzer der Gemeinden Schenksolz und Lampertsfeld bestellt und am heutige» Tage eidlich verpflichtet worden.
A. 705. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Der Plan über die Errichtung oberirdischer Telegraphenlinien an den Wegen von Laudershausen nach Erdmannrode und von Schenklengsfeld nach Unterweisenborn liegt bei den Postämtem in Hersfcld und Schenklengsfeld vom 14. Februar ab 4 Wochen aus.
Cassel, 10. Februar 1907. Kaiserliche Ober-Postdirektion.
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Tele- graphcnlinie an dem Wege von Mecklar nach Meckbach liegt bei dem Postamte in Bebra vom 14. Februar ab 4 Wochen aus. Cassel, 11. Februar 1907. Kaiserliche Ober-Postdirektion.
nichtamtlicher Ceil.
Zm Ummtritte des Reichstages.
Der nach einem beispiellos erbitterten Wahlkampse neugewählte deutsche Reichstag tritt an diesem Dienstag am ersten Male zusammen, voraussichtlich erfolgt seine Eröffnung durch den Kaiser persönlich. Die Wahlen vollzogen sich vorwiegend im Zeichen des Zusammenhaltens der Parteien der Rechten und der Linken gegenüber dem Zentrum und vor allen Dingen der Sozialdemokiatie, entsprechend der in dem berühmten Syl- Vesterbriefe des Reichskanzlers Fürsten Bülow ausgegebenen Wahlparole. Dank diesem vereinigten Vorgehen der ersteren Parteien im Wahlkampse ist es denn auch erfreulicherweise gelungen, wenigstens der sozialdemokratischen Partei eine derartige Niederlage beizubringen, daß sie fast um die Hälfte der bisherigen Zahl ihrer parlamentarischen Verrietet geschwächt in den Reichstag zurückkehrt. In der neuen deutschen Volksvertretung ist also die Möglichkeit einer sich aus dem Zentrum nebst dessen polnisch-elsäßisch-welfischen Anhängseln und den Sozialdemokratin zusammensetzenden Mehrheit, wie sie noch an dem bedeutungsvollen 13. Dezember 1906 die unter mehr als einem Gesichtspunkt wichtigen kolonial-politischen Regierungs- sorderungen für Südwestafrika verwarf, nicht mehr vorhanden. Dafür tritt eine konservativ-liberale Mehrheit hervor, von der man wohl erwarten darf, daß sie in allen nationalen Fragen, zu denen unstreitig auch die Fürsorge für unsere Kolonien gehört, aus Seiten der Regierung zu finden sein und mit ihr vereint für die Wahrung der Würde des Reiches und des Ansehens des deutschen Namens einstehen wird.
Um so ungewisser ist es jedoch, ob diese Mehrheit auch in anderen Fragen, namentlich in solch wirtschaftlicher Natur, zu- sammenhalten wird. Man braucht sich z. B. nur des Unterschiedes in der Auffassung der wirtschaftspolitischen Zeit- und Streitprobleme auf Seiten der äußersten Rechten und der freisinnigen Vereinigung zu erinnern, um die Schwierigkeiten zu begreifen, auf welche eine liberal-konservative Mehrheit beim Austauchen wirtschaftspolitischer Fragen alsbald stoßen müßte. Bereits macht sich daher hier und dort die Meinung geltend, daß in solchen Fällen das Zentrum an die Stelle der liberalen Gruppen treten und sich mit der Rechten verständigen
Die nähern Umstände dieses Selbstmorde? drangen nie in die Öffentlichkeit, aber die einfache Tatsache machte vielleicht auf niemand einen tieferen Eindruck, als auf einen gewissen Engländer, der unter angenommenem Namen in Spanien lebte — dem -einzigen Land, wo die Hand der Gerechtigkeit ihn nicht erreichen konnte. Fast beneidete er seinen ehemaligen Schuldgenossen, daß er den Mut gehabt hatte, diesem elenden Leben freiwillig zu entrinnen. Von jetzt an haschte er noch eifriger nach englischen Zeitungen, um zu erfahren, was diesem Ereignis folgen würde. Schon sehr bald fiel sein Auge auf die einfache Notiz, daß Sir Walter Merivale seines Vaters Erbe angetreten und seinen Wohnsitz in Wilberforce ausgeschlagen habe. Parnell war es ein Leichtes, diesen kurzen Bericht zu ergänzen:
„Und nun wird er Fräulein Armand heiraten und lange glückliche Jahre verleben. Ich mißgönne es ihm nicht, im Gegenteil, ich freue mich darüber; auch um seinen Reichtum beneide ich ihn nicht, sondern nur allein um das Recht, die Frau, die er liebt, an den Altar und von da in sein Heim zu führen."
Und der unglückliche Verbannte vergrub sein Gesicht in den verschränkten Armen und durchkostete von neuem die Oualen, die jede Erinnerung an Sylvia Castclla für ihn brachten.
* * *
Aus Juliana's Wunsch sollte ihre Vermählung mit Walter in aller Stille in Mallardine stattfinden.
»Ich kann mein wunderbares Glück kaum fassen," sagte sie tief bewegt zu Lady Betty. „Nicht nur, daß mir Walter wieder geschenkt wurde, auch meines Vaters Liebe besitze ich endlich. Sie ahnen nicht, wie sehr ich mich in all den Jahren danach gesehnt habe. Noch der furchtbaren Dunkelheit, die ich durchwandert, fühle ich mich fast geblendet von dem hellen Licht, das plötzlich aus meinen Lebensweg gefallen ist."
Unter Tränen lächelnd zog Lady Betty das junge Mädchen an ihr Herz. Sie freute sich über Julianas Glück, aber sie litt schwer unter der Erinnerung an das Unrecht, das sie Walter zugefügt hatte. Die furchtbaren Leiden, die der arme Junge teilweise durch ihre Schuld erduldet, schwebten ihr immer
würde, womit also eine konservativ-klerikale Mehrheit gegeben wäre. Das würde freilich mit dem Konflikt zwischen Regierung und Zentrum, wie er bei der Auflösung des alten Reichstages und dann weiter in der sich auch gegen das Zentrum richtenden Wahlparole des Reichskanzlers hervortrat, nicht zu- sammenpassen, ganz abgesehen von dem Zusammengehen des Zentrums mit den Sozialdemokraten bei den Wahlen. Indessen, die Aufregungen des Wahlkampfes sind ja nun wieder vorüber, jetzt treten die Fragen der praktischen Nützlichkeit in der inneren Politik wieder in ihre Rechte, und da kann die Möglichkeit einer Wiederannäherung zwischen Regierung und Zcntrnm nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. Vielleicht gibt da schon die Haltung des ZentrumS bei der am Mittwoch im Reichstage stattfindenden Präsidentenwahl eine Andeutung, ob diese Partei noch ferner im oppositionellen Schmollwinkel verharren oder aber wieder Fühlung mit der Regierung suchen will.
Was die Fragen nach den gesetzgeberischen Aufgaben der am 19. Februar beginnenden ersten Session des neuen Reichs- tagcs anbetrifft, so darf es wohl bereits jetzt als ziemlich fest« stehend gelten, daß die Session nicht mit hochwichtigen Vorlagen belastet werden wird, vor allein, weil es schon stark auf den Frühling geht, so daß keine allzulange Dauer der Session zu erwarten steht. Soweit bekannt, sind dem Reichstage einstweilen der wiedererscheinende Nachtragsetat für Deutsch-Süd- Westafrika, der am 13. Dezember 1906 von der klerikal-pol- uisch-sozialdemokratischen Mehrheit verworfen wurde, der Rcichs- haushaltsetat für 1907 und eine Vorlage, betreffend die am 12. Juni 1907 in ganz Deutschland stattfindende allgemeine Berufszählung zugedacht. Dann sind wahrscheinlich noch einige kleinere Vorlagen, die im alten Reichstage nicht erledigt werden konnten, abermals zu erwarten; was an ganz neuem Arbeitsmaterial dem Reichstage zugehen wird, das muß vorläufig dahingestellt bleiben. Wirklich wichtige gesetzgeberische Fragen und Probleme aber, wie sie in der schon angekündigten Weiter- sührung der Sozialreform und auf wirtschaftspolitischem Gebiete nach verschiedenen Richtungen enthalten sind, dürften den neuen Reichstag vermutlich erst zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigen.
Abgeordnetenhaus.
Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigte sich im ersten Teile seiner Sitzung vom Freitag mit nicht weniger als fünf Anträgen betreffs der Erhöhung der Beamtenbesoldungen, die schließlich sämtlich der Budgetkommission überwiesen wurden. Dann begann die Beratung des Justizetats, wobei Justizminister Beseler die Angriffe des polnischen Abgeordneten Mizerski auf die Gerichte wegen ihrer Urteilssprüche in Sachen des polnischen Schulstreiks zurückwies.
In der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses wurde bei Beratung des E i s e n b a b n e t a t s die Frage der Per- soneutarifreform zur Debatte gestellt. Nach den Mitteilungen der Regierung sollen vom 1. Mai 1907 ab die Fahrpreise für Personenzüge voraussichtlich betragen: Für ein Personenkilo- meter 1. Klasse 7 Pf., II. Kl. 4,5 Ps., III. Kl. 3 Pf., IV. Kl. 2 Ps. Die Schnellzugszuschläge in der I. und II. Klasse für 1 bis 75 km 0,50 Mk., für 76 bis 150 km 1 Mk., über 150 km 2 Mk., für die III. Klasse beziehungsweise 0,25 Mk., 0,50 Mk., 1. Mk.
Der Berichterstatter wies darauf hin, daß das Abgeordnetenhaus für die Personentarifreform drei Punkte hervorgehoben habe: 1. einfache Fahrkarten zum halben Preise der jetzigen Rückfahrtkarten, 2. Schnellzugzuschläge nur für Durchgangszüge, möglichst O-Züge, 3. einfache und billige Gestaltung der Güterabfertigung und Aufhebung des Freigepäcks. Prinzipiell solle möglichst weder eine Mehr- noch Minderausgabe aus der Reform sich ergeben. Zu 1 sei bereits eine befriedigende Lösung erfolgt, freilich wäre für die I. Klasse eine Erhöhung von 6 auf 7 Pf. pro Kilometer vorgesehen. Es sei fraglich, ob dies rationell sei, da bereits die Fahrkartensteuer die I. Klasse stärker belaste. Zu 2 fragte es sich, was unter „Schnellzügen" verstanden werde, zu 3 enthalte die erwähnte Uebersicht 14 Zonen und acht Gewichtsabstufungen. Das sei ein sehr komplizierter Tarif.
Ae Sorgän^e in WM.
In Odessa hat die „Schwarze Bande", das Werkzeug des reaktionären Bundes der russischen Leute, eine sörmlichc Schreckensherrschaft etabliert. Eine Versammlung von Odessaer Wählern beschloß, an den Minister Stolypin wegen der fortwährenden Gewalttätigkeiten der Schwarzen Bande, die ungestraft bleiben, eine Depesche zu richten. Die Wähler fordern, daß sofortige Gegenmaßregeln ergriffen werden. — Ein neuer
vor Augen und auch die Nachricht von Alfreds Selbstmord erschütterte sie aufs tiefste.
Für Juliana war es ein großer Schmerz, ihre mütterliche Freundin an ihrem Ehentag entbehren zu müssen, aber Walter bestand daraus, daß Sam Bury bei seiner Hochzeit anwesend sei.
„Sie sind mir Vater und Bruder und alles gewesen," sagte er, „mein Glück wäre nicht vollständig, wenn ich Sie nicht an meiner Seite sähe."
So geheim auch die Vorbereitungen betrieben wurden, so war doch der Tag der Trauung dem ganzen Dorfe bekannt. Alle, welche Walter und Juliana als Kinder gekannt hatten, versammelten sich vor der Kirche und als bas' glückstrahlende junge Paar aus der Tür trat, sah es sich von so vielstimmigen, so herzlichen Vivatrufen empfangen, daß Juliana's Augen sich mit Tränen füllten.
»O Walter I" flüsterte sie, als sie an der Seite ihres Gatten dahinfuhr, „es ist des Glückes fast zu viel!"
„ „Auch mein Herz ist übervoll, Geliebte," entgegnete Walter tief bewegt, „aber das ist nur natürlich nach all dem schweren Leid, das wir durchlebt."
Bald lenkte der Wagen in den Park von Wilberforce ein, denn, einer alten Sitte folgend, führte Walter seine Gattin von der Kirche direkt in sein eigenes Heim. Und hier warteten bereits die vorauSgeeilten Lieben, Lord Armand und Walters Schwester Jda, von ihren Kleinen umgeben, um das glückliche Paar willkommen zu heißen. Da der Herbst schon weit vorgeschritten war, hatten die Aerzte es für nötig gefunden, daß Walter zu seiner gänzlichen Wiederherstellung ein mildes Klima aussuche. So verließen denn die Neuvermählten wieder das prächtige alte Heim, das sie zu ihrem ständigen Wohnsitz ausersehen und reiften nach dem sonnigen Süden ab. Als sie gegangen waren, überkam ein Gefühl grenzenloser Verlassenheit den armen Sam. Er hatte seine Aufgabe vollendet und in der alten Heimat war er fremd geworden. So beschloß er denn, an den Ort zurückzukehren, wo er so viele Jahre seines Lebens zugebrachr hatte. Als Juliana davon erfuhr, widersetzte sie sich diesem Plan mit aller Macht.
(Schluß folgt.)
Skandal wird aus Petersburg gemeldet: Der „Russe" bringt sensationelle Enthüllungen über enorme Unterschlagungen staatlicher Gelder, die zum Aukaufe von Munition und Lebensmitteln für Port Arthur im russisch-japanischen Kriege bestimmt waren. Generalleutnant Bessino und Staatsrat Pawlow, der frühere Gesandte Rußlands in Söul, sind in die Schmutzgeschichte verwickelt.
Bus Jn- und Ausland.
Berlin den 17. Februar 1907.
Ihre Kaiserlichen Majestäten besuchten mit der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Holstein-Glücksburg gestern abend die Vorstellung von Klein-Dorrit im Königlichen Schauspielhause. Heute morgen hatte Se. Majestät der Kaiser eine Konferenz mit dem Reichskanzler und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes und des Chess des Marinekabinetts.
Die bei den jüngsten Reichstag-wahlen im großen und ganzen hervorgetretene Einigkeit unter den bürgerlichen Parteien gegenüber der Sozialdemokratie scheint bei den Nachwahlen hie und da in die Brüche gehen zu wollen.
So sollte im Wahlkreise Mühlhausen-Langensalza bei der Nachwahl für den freisinnigen Abgeordneten Eickhoff, der das Mandat für Lennepp-Mettmann angenommen hat, der in der Stichwahl zu Bielefeld dem sozialdemokratischen Kandidaten gegenüber unterlegene frühere preußische Handelsminister Möller als gemeinsamer Kandidat aller bürgerlichen Parteien ausgestellt werden. Inzwischen hat jedoch die freisinnige Volkspartei dieses Wahlkreises Schwierigkeiten erhoben, sie wollte Herrn Möller auf grundsätzliche Fragen ihres wirtschaftlichen Programmes festlegen, was aber der frühere Minister mit der Erklärung ablehnte, er könne kein imperatives Mandat annehmen. Wahrscheinlich wird nun die sreisin. Partei mit einer Sonderkandidatur vorgehen. Dies scheint nun den dortigen Bund der Landwirte veranlaßt zu haben, auch seinerseits einen besonderen Kandidaten aufzustellen, als welcher Gutsbesitzer Arnstadt-Großvergula proklamiert wurde; die bürgerlichen Parteien in Mühlhausen-Langensalza würden es also bei der Reichstagswahl glücklich auf drei Kandidaten gebracht haben!
Aus Belgrad wird geineldet: Leutnant Milosawljewitsch, der vor einigen Tagen wegen eines in der Pravda, dem Organ der Fortschrittspartei, erschienenen Artikels, dem Chefredakteur des Blattes Abgeordneten Pawle Marinkowitsch wegen angeblicher Beleidigung der königlichen Familie gefordert, aber eine Absage erfahren hatte, stellte heute Marinkowitsch aus der Straße, um nochmals Satisfaktion zu verlangen. Während des Wortwechsels zwischen beiden, mischte sich der liberale Abgeordnete Georgjewitsch ein und schlug den Leutnant über den Kopf, der daraus seinen Säbel zog und Georgjewitsch am Kopf verwundete. Marinkowitsch, der inzwischen den Leutnant auch tätlich angegriffen hatte, erhielt einige Rcitpeitschenhiebe ins Gesicht.
Im Januar d. Js. hat die E i n n a h m e an W e ch s elfte m p e l st e u e r im Reichspostgebiet 1 313 335,70 Mk. und im ganzen Deutschen Reiche 1 462 719,80 Mk. betragen. Im laufenden Rechnungsjahre, d. i. in der Zeit vom 1. April 1906 bis 31. Januar 1907, belies sich die Gesamteinnahme an Wechsclstempclsteuer im Reichspostgebiet auf 11967 942,60 Mk. (im gleichen Zeitraum des Vorjahres aus 10 867 942 Mk.) und im Reiche auf 13 121 293,60 (12 133 934,80) Mk. Das laufende Jahr hat also eine Mehreinnahme von 900 000- und 987 358 Mark aufzuweisen.
Aus einer Reise nach der Riviera, wo sie Erholung von eben überstandener Krankheit suchte, hat die fast 90jährige Prinzessin Klementine von Sachsen-Koburg und G o t h a , die Mutter des Fürsten von Bulgarien, in Wien der Tod ereilt. Sie war am 3. Juni 1817 in Paris als Tochter deS späteren Königs der Franzosen Ludwig Philipp von Orleans und seiner Gemahlin Prinzessin Amalie von Bourbon-Sizilien geboren. Am 20. April 1843 vermählte sie sich mit dem Prinzen August von Sachsen-Koburg und Gotha aus der in Oesterreich ansässigen Linie Kohary.
Aus Provinz u. Dachbargebiet.
* (Kostensreie Platzkarten für die D-Züge.) Eine angenehme Botschaft'kommt aus dem Eisenbahnministerium. Vom 1. Mai d. I. ab wird der Reisende einen Platz in den D-Zügen sich sichern können, ohne daß er hierfür eine Gebühr zu entrichten hat. Ebenso ist im Zusammenhang hiermit die Vorausbestellung von Plätzen. Doch bleibt die Bestellung auf die Ausgangsstationen beschränkt. Für die Kennzeichnung der
— (D er Trick mit den Hundert.) Einem schlau ausgedachten Schwindel ist dieser Tage ein Schneidermeister aus Brüssel zum Opfer gefallen. Bei einem Bäcker erschien ein Unbekannter und taufte nicht weniger als hundert Brote, erklärte aber, daß er erst später die Ware abholen und bezahlen werde. Dann begab sich der Käufer zu einem gegenüber wohnenden Schneidermeister und erstand hier einen Anzug für 110 Frank. Nachdem er die neue Kleidung angezogen hatte, zahlte er zehn Frank und meinte, den Rest werde der Schneidermeister von dem Bäcker gegenüber erhalten, da letzterer ihm noch 100 Frank schulde. Um die Angelegenheit sofort ins Reine zu bringen, ging der Unbekannte mit dem Schneidermeister hinüber in den Bäckerladen. Es war gerade Mittagszeit und das Geschäft so voller Menschen, daß der Bäcker nicht wußte, welchen Kunden er zuerst bedienen sollte. Der Schneidermeister wollte um zu seinem Gelde zu kommen, von seinem Nachbarn die 100 Frank fordern. Doch der Schwindler unterbrach ihn, klopfte dem Bäcker aus die Schulter und sagte: So, nun bin ich wiedergekommen, geben Sie die Hundert von vorhin dem Herrn da drüben!" Der Bäcker nickte Gewährung und der Fremde, der angab, daß er in der nächsten halben Stunde verreisen müsse, verschwand eiligst mit dem neuen Anzug aus dem Laden. Der Schneidermeister jedoch wartete ruhig, bis der letzte Kunde bedient war, um sich bann mit dem Bäcker aus« einanderzusetzen. Und nun kam die große Szene. Der Bäcker, der annehmen mußte, daß der andere die von dem Fremden vorhin getauften Brote abholen wollte, fragte, ob er denn einen Korb oder einen Sack zu diesem Behufe mitgebracht habe. Der Schneidermeister auf der ander» Seite, der 100 Frank erhoffte, verstand natürlich diese Frage nicht, und es dauerte eine geraume Weile, bis er begriffen hatte, daß er das Opfer eines geriebenen Schwindlers geworden war.
— Autauarivv (Madagaskar), 15. Februar. Bei Antatabe stürzte ein Teil eines im Bau befindlichen Tunnels ein. Dabei kamen der Unternehmer Kock und 6 Eingeborene ums Leben.
— Haspe, 15" Februar. Heute abend explodierte auf dem Hasper Eisen- und Stahlwerk die Gasmaschine eines Hoch- ofenS. Dadurch wurden zwei Arbeiter getötet.