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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 21. Sonnabend, den 16. Februar 1967.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 11. Februar 1907.

Die Termine für die Ahhaltung der nächsten L e h r k u r s e z u r A u s b i l d u n g v o n B a u m w ä r t e r n in der Obst­bauanstalt zu Oberzwehren sind unter Vorbehalt etwaiger Abänderung wie folgt festgesetzt:

6 wöchentlicher Hauptkursus vom 11. März bis 27. April (mit Osterpause vom 28. März bis 3. April),

2 wöchentlicher Sommernachkursus vom 8. bis 20- Juli,

2 wöchentlicher Herbstnachkursus vom 21. Oktober bis 2. November.

Die drei Kursabschnitte bilden einen zusammenhängenden Lehrgang. Die Herren Ortsvorstände des Kreises mache ich unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 22. Januar 1907 J. L 545 (Kreisblatt Nr. 15) hierauf besonders aus- mersam.

I. 1354. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 15. Februar 1907.

Gemäß § 21 des Reglements zur Ausführung des Wahl­gesetzes für den Reichstag haben die Herren W a h l Vor­steher a ll c bei der stattgehabten Reichstags-Hauptwahl bezw. der engeren Wahl abgegebenenStimmzettel nebst den zugehörigen Umschlägen, welche nicht nach § 20 des Reglements dem Protokolle beizusügen sind, i n Papier einzuschlagen und zu versiegeln und solange auszubewahren, bis der Reichstag die Wahl de­finitiv für gültig erklärt hat.

Nach einer Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 6. d. Mts. ist obige Bestimmung, wie sich verschiedentlich ergeben hat, nicht genau befolgt worden. Die Herren Bürger­meister des Kreises ersuche ich daher, soweit sie nicht selbst Wahlvorsteher gelegentlich der letzten Wahlen waren, sich bei den Herren Wahlvorstehern davon zu überzeugen, daß die am 25. Januar er. bezw. am 5. Februar er. abgegebenen Stimm­zettel nebst zugehörigen Umschlägen vorschriftsmäßig in Papier verpackt worden sind und aufbewahrt werden. Eventuell ist das Erforderliche nachträglich noch sofort zu veranlassen.

Gleichzeitig ersuche ich dafür zu sorgen, daß die Um­schläge, weiche bei den Wahlen nicht ver­wendet und bisher nicht an mich zurückgeliefert worden sind, innerhalb der nächsten 8 Tage anher e i n g e s a n d t werden.

1. 1403. Der Königliche Landrat.

J. V:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Zum Eintritt in das Ostasiatische Detachement können sich Mannschaften der Reserve unb der Landwehr 1. Aufgebots aller Waffen bei dem Bezirkskommando melden.

Persönliche Meldung ist erwünscht, damit gleichzeitig die ärztl. Untersuchung auf Tropcndienstsähigkeit erfolgen kann. Die Militärpapiere sind mitznbringen. Reisekosten können nicht erstattet werden.

Die zur Einstellung in daS Detachement bestimmten Mannschaften müssen sich für die Zeit bis zum 30. 9. 09 zum Dienst in Ostasien vor der Einstellung vertraglich ver­pflichten. Vor Ablauf der übernommenen Dienstzeit können sie jedoch entlassen werden, sofern ihre Dienste in Ostasien früher entbehrlich werden.

Es wird noch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es unzweckmäßig ist, lediglich auf die Meldung zum Eintritt hin, bereits die Stellungen zu kündigen oder sonstige Vorbe­reitungen zu treffen.

Außer der zuständigen Löhnung usw. wird den Mann­schaften für die Deiner des Anfenthaltes auf chinesischem Boden eine Teuerungszulage gezahlt, welche gegenwärtig 4,00 Mk. täglich für Portepee-Unteroffiziere und Unteroffiziere mit den Gebührnissen der Vizefeldwebel, 1,75 Mk. täglich für die übrigen Unteroffiziere und 1.00 Mk. täglich für Gefreite nnd Gemeine beträgt.

Hersfeld, den 12. Februar 1907.

Bczirks-Kvmmando.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Endlich hat der s o z i a l d e in o k r a t i s ch e Partei- Vorstand in seiner katzenjämmerlichen Stimmung Worte ge­funden, um sich über die erlittenen Niederlagen zu äußern. Er tut dies in möglichst beruhigender und beschönigender Weise in einem intVorwärts" veröffentlichten, weitschweifigen Anf- rufeAn die Partei," aber die Fassnng dieses Schriftstücks muß densieggewohnten" Obergenossen sehr schwer geworden

fein; denn man merkt in jedem Satze Verlegenheit und zu­gleich ein schlechtes Gewissen. Die Ursache der Niederlage wird zunächst in allen möglichen Umständen gefunden, aber interessant ist dabei doch ein wenn auch schüchternes Schuld­bekenntnis, darunter namentlich das Geständnis, daß die sozial- demokratischen Schlagworte vonHnngerwahlen" undZoll­wucher" keine Zugkraft hatten. Indes das scheinbare Schuld­bekenntnis, das offenbar dazu dienen soll, die wahren Gründe der sozialdemokratischen Niederlage zu verschleiern, enthält doch ungeheuer große Lücken. So schweigt der Ausruf von der rein verneinenden Haltung der Parteileitung, von deren Revoluzerei, von ihrer Verherrlichung der russischen Mordbuben, von der Generalstreikdiskussion, von der Massendemonstration, von der Vergewaltigung der Gewerkschaften, von dem Kesseltreiben gegen die edlen Sechs vomVorwärts". Von etwas wie Selbst­erkenntnis, die'bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist, merkt man nichts. Nun, uns soll es recht sein. Mag die Sozialdemokratie ruhig auf dem bisherigen Wege fortschreiten ! Sicher wird das Bürgertnm dafür sorgen, daß die Sozial- demokrane noch empfindlichere Niederlagen als bei den jüngsten Wahlen erleidet.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat in der Berichtswoche nach Z^wöchiger Pause seine Beratungen wieder ausgenommen, unb die erste Sitzung, die sich mit dem Etat der landwirtschaftlichen Verwaltung beschäftigte, bot dem neuen Landwirtschaftsminister v. Arnim, der bereits im Reichs- tage anläßlich der Fleischnot-Juterpellation als Redner aus­getreten war, Gelegenheit, sich zum erstenmal dem Hause vor- zustellen. Der Minister führte sich mit einer Programmrede ein, in der er in großzügiger Weise die Ziele entwickelte, die ihm bei feinet Amtsführung leiten sollen. Den Kernpunkt seiner Rede bildet die Versicherung, daß er es als seine vor­züglichste Aufgabe betrachten werde, im allgemeinen Staats­interesse die Landwirtschaft existenzfähig zu erhalten, eine Ver­sicherung, die bei der Mehrheit des Hauses ungeteilte Zustim­mung fand.

Auch der deutsche Landsmannminister Prade in Oesterreich hielt in der Berichtswoche in Reichenberg eine programmatische Rede zur i n n e r e n L a g e i n O e st e r r e i ch , in der er sich eingehend mit der deutsch-tschechischen Verständigung und mit dem Ausgleich mit Ungarn beschäftigte. Zur Wahrung der wirtschaftlichen und nationalen Interessen der Deutschen erklärte der Minister die Zweiteilung Böhmens in nationaler Hinsicht für unerläßlich. Bezüglich Ungarns führte er aus, dem unsicheren Zustande, der gegenwärtig hinsichtlich sämtlicher Ausgleichsangelegenheiten zwischen beiden Teilen der Monarchie bestehe, müsse ein Ausgleich folgen. der eine dauernde, von störenden Einflüssen freie Sicherung der wirtschaftlichen Inte­ressen Oesterreichs innerhalb eines einheitlichen Zollgebiets ge­währleistet. Einer Ordnung der Dinge, die diesem Grundsätze widerspricht, fei die Trennung vorzuziehen. Diese Kundgebung des Ministers, der zweifellos den Standpunkt der ganzen österrcichiichen Regierung wiedergegeben hat, ist um so bedeut­samer, als von ungarischer Regiernngsseite bereits Aeußerungen gefallen sind, welche einen langfristigen Ausgleich unbedingt ablehnen. Es dürften also Zweifel nicht unberechtigt sein, ob es möglich sein wird, die bisherige wirtschaftliche Gemeinsam­keit Oesterreichs und Ungarns auf die Dauer zu erhalten.

In den Nicdtilandcn hat die Ablehnung des Heeresbud- gets durch die Erste Kammer den Rücktritt des hol­ländischen Kabinetts znr Folge gehabt. Den Grund zu der Krisis bildet eine Vorlage der Regierung, von der das Parlament eine Schwächung der vaterländischen Wehrkraft be­fürchtet, da jene Vorlage einen weiteren Schritt zur Einführung des Milizsystems in Holland barfteKt. Die Regierung dürfte es nunmehr mit der Auflösung de§ bisherigen Parlaments unb der Vornahme von Neuwahlen versuchen, doch ist kaum an- zunehmen, daß die Neuwahlen eine Mehrheit für die Forde­rungen der holländischen Regierung ergeben werden.

Die japanisch-amerikanischen Differenzen haben noch rascher, als man erwartete, ihren günstigen Ab­schluß gefunden. Nach den letzten Depeschen ist bereits ein vollkommenes Einvernehmen hergestellt worden, wozu beiden Teilen Glück gewünscht werden kann. Die Veröffentlichung des Inhalts der getroffenen Vereinbarungen wird wohl nicht lange auf sich warten lassen. Man wird beu Präsidenten zu diesem Erfolge aufrichtig beglückwünschen, und im Interesse der Erhaltung des Weltfriedens ist diese Lösung der kalifor­nischen Schwierigkeiten, die schon zu allerhand KricgSgerüchtcn Anlaß gegeben hatten, gewiß nur mit Freude zu begrüßen.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch 'gelangte bei der Beratung des Forstetats eine Petition des dentsch-konservativen Wahlvereins in Berlin gegen die Veräußerung und Vernichtung von Wäldern bei Berlin zur Besprechung, die nach längerer Debatte der Re­gierung alS Material überwiesen wurde. Der Rest der Sitzung wurde mit der Erörterung von Beamtenfragen aus- gesüllt

Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses begann die Beratung des Eisenbahnetats. Der Berichterstatter führte aus, daß die Mehreinnahmen auf rund 205 Millionen, die

Mehrausgaben auf rund 150 Millionen geschätzt werden. Die Mehreinnahmen aus dem Personenverkehr werden auf 45 Millionen, aus dem Güterverkehr auf 148 Millionen ge­schätzt. Aus 'eine Anregung des Berichterstatters hinsichtlich der Entnahme von 50 Millionen für Betriebsmittel aus den Betriebsüberschüssen von 1906 erklärte der Vertreter des Finanzministers, daß die rapide Steigerung des Verkehrs sofortige Abhilfe gefordert habe. Der Berichterstatter legt dar, daß der Abschluß der Eisenbahnen ein glänzender sei, aber es ständen große Ausgaben bevor für Neuanschaffung von Wagen, Umbau von Bahnhöfen und Anlagen von dritten und vierten Gleisen. Der Minister machte einige Angaben über die Aus­gestaltung des Gütertarifs, die Gestaltung der Betriebsmittel- gemeinschaft, des elektrischen Betriebes und Eisenbahnunfälle.

Aus In- und Ausland.

Berlin den 14. Februar 1907.

S e. Majestät der Kaiser unternahm gestern nach- mittag einen Spoziergang im Grunewald bis zum Stern. Zur Abendtafel waren die Kronprinzlichen Herrschaften geladen. Heute morgen machten Beide Majestäten mit dem Prinzen Adalbert einen Spoziergang im Tiergarten. Se. Majestät der Kaiser hatte dann eine Konferenz mit dem Reichskanzler, besichtigte im Portal I des Königlichen Schlosses das Modell der neuen Charlottenburger Brücke im Beisein des Oberbürger­meisters Schustchrus und des Professors Schaede und hörte die Vorträge des Chefs des Generalstabes der Armee, des Kriegsministers, deS Chess des Ingenieur- und PionierkorpS und deS Chefs des Militärkabinetts.,

Der neue deutsche Reichstag wird nächstens in die Erscheinung treten, am Dienstag den 19. d. Mts. vor­mittags 11 Uhr erfolgt bekanntlich seine feierliche Eröffnung im Weißen Saale des Berliner ResidenzschloffeS und zwar voraussichtlich durch den Kaiser selbst. Mit Interesse sieht man diesmal allseitig ber Präsidentenwahl im Reichstage entgegen, da es in Hinblick auf die durch die Neuwahlen veränderte innere politische Konstellation einstweilen völlig ungewiß erscheint, ob das Zentrum als die stärkste Fraktion des Hauses, auch diesmal wieder den Präsidenten stellen wird, wie schon seit einet Reihe von Jahren. Es herrscht in dieser Beziehung vorerst ein wildes Durcheinander von allerhand Nachrichten nnd Gerüchten, sodaß also der Verlauf der Präsidentenwahl durchaus abzuwarten bleibt. Im üb­rigen wird mit keiner allzulangen Dauer dieser ersten Session des neugewählten Reichstages gerechnet, sie dürste spätestens Ende Mai geschlossen werden.

Die Gründung eines Verbandes reichstreuer Textilarbeiter ist in Gera erfolgt. Der Verband wurde in die Wege geleitet von den Arbeitswilligen, die sich an dem letzten Wcbcrstreik nicht beteiligt hatten. Ueber 300 Mitglieder sind dem Verbände bereits beigetreten. Es darf danach gehofft werden, daß ein Gegengewicht geschaffen wird zum Schutze der reichstreuen Arbeiter gegen terroristische Ueber- griffe der Sozialdemokraten.

Die erste der notwendig gewordenen Nachwahlen zum Reichstage ist jetzt zum Anstrage gelangt, diejenige im Wahlkreise Wreschen-Jaroffchm. Sie war dadurch notwendig geworden, daß der bei der Hauptwahl sowohl in Wreschen- Jarotschin als auch in einem zweiten Wahlkreise des Ostens gewählte Pole v. CzarlinSki sich für das letztere Mandat ent- schicden hatte. Bei der infolgedessen bedingten Nachwahl im Wreschener Wahlkreise ist der neue polnische Kandidat, Rechts­anwalt Seyda, glatt gewählt worden.

Das en glische Parlament ist am vergangenen Dienstag unter Anzeichen eines herannahenden politischen Sturmes eröffnet worden. Die Thronrede König Eduards mit ihrem Hinweis auf die zwischen Oberhaus und Unterhaus bestehenden bedenklichen Differenzen deutet hinlänglich schwere parlamentarische Kämpfe an, bei denen es sich um die Vor­rechte des Oberhauses handeln wird. Einstweilen ist im Unterhanse die herkömmliche langstielige Adreßdebatte im Gange, hierbei wies der Minister des Auswärtigen Grey die abfällige Kritik der konservativen Opposition an dem französisch englischen Vertrag betreffs der Neuen Hebriden als unbegründet zurück. Die neue Parlamentssession in England ist kaum eröffnet, und schon haben die Frauenrechtlerinnen wiederum einen An­sturm auf das Unterhaus versucht. Es kam hierbei zu einem förmlichen Handgemenge zwischen der Polizei und den aufge­regten Frauen, von denen etwa 30 verhaftet wurden.

Nach Meldungen aus Tanger macht die Verfolgung R a i s u l i s neue Schwierigkeiten. Es heißt, daß es ihm gelungen ist, daS Einvernehmen zwischen den verschiedenen Stämmen wieder herzustellen, so daß der Kaid der Beni Sidder nicht in bet Lage sein wird, feinen Stamm zur Unter­werfung zu veranlassen. Die Maholla soll energische Offensiv maßregeln treffen. Mac Leon, der die Mahalla begleitet, bat sich nach Fez begehen, um Instruktionen für die zukünftigen Operationen der Mahalla zu holen.

Ueber Aenderungen, die die Regierung der Vereinigten Staaten für daS bärtige EinwanderungSgesetz plant, liegen folgende Mtteilungen vor: BcrcuS seit der letzten