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Qmfeföer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 19.
Dienstag, den 13. Februar
1907.
Amtlicher Cell.
Bekanntmachung.
Bei der am 5. d. Mts. stattgefundenen engeren Wahl eines Abgeordneten für den Reichstag sind nach der heute erfolgten Ermittelung des Wahlergebnisses im Ganzen 14 873 gültige Stimmen abgegeben worden, wovon
11 084 Stimmen aus den Redakteur Ludwig Werner in Charlottenburg und
3789 Stimmen aus den Rentier Richard Müller in Fulda gefallen sind.
Der Er lere ist hiernach als Reichstagsabgeordneter für den aus den Kreisen Hers- seld-Rotenburg a/F.-Hünfeld bestehenden 6. Wahlkreis des Regierungsbezirkes Cassel gewählt worden.
Hersfeld, den 9. Februar 1907.
Der Wahlkommissar für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel.
I. V.:
T ü r ck e, Königl. Landrat.
nichtamtlicher Ceil.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag wurde nach kurzer Diskussion der Titel „Minister" bewilligt. Beim Kapitel „Generalkommission" erklärte Unterstaatssekretär v. Conrad, daß ein Gesetzentwurf über die Umgestaltung der Generalkommisfionen int Landwirtschaftsministerium ausgearbeitet sei und zunächst dem Staatsministerium vorgelegt werden müsse. Beim Kapitel „Landwirtschaftliche Hochschulen und andere Lehranstalten" trat Abg. v. Pappen- heim (kons.) für eine stärkere Betonung der praktischen Ausbildung in den mit den Hochschulen verbundenen Versuchsanstalten sowie für eine ausgiebigere Förderung des ländlichen Fortbildungsschulwesens ein. Minister v. Armin gab eine entgegenkommende Erklärung ab. Von der Rechten wurden im weiteren Verlaufe der Beratungen noch Wünsche nach höherer Unterstützung der Pferderennen und der Viehzucht geäußert.
Aittrikl imü Man.
Die Sensationsnachrichten der New Docker Zeitung über eine mögliche kriegerische Zuspitzung heS bekannten Konfliktes zwischen der japanischen und der amerikanischen Regierung wegen der Schulfrage in San Francisco haben sich rasch als unbegründet herausgestellt. Japan hat keinerlei Ultimatum durch seinen Botschafter in Washington in Sachen des Schul • streites überreichen lassen, auch hat überhaupt die Gefahr eines
Um Ehre und Namen.
Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau. (Fortsetzung.)
Vierundzwanzigstes'Kapitel.
Lady Diana Armands befanbg sich infolge der erlittenen Gemütserschütterungen und des furchtbaren Schreckens, den sie durchgemacht, inffeincm7Zustand gänzlicher Erschöpfung. Man hatte sie in der Nacht in das Haus einer intimen Freundin gebracht, die ihr die sorgsamste, liebevollste Pflege angedeihen ließ. Auf ihren eigenen Wunsch wurde Doktor Anderson gerufen, der, wie jedermann, die Nachricht von der Feuersbrunst mit Entsetzen vernommen hatte. Er fand Lady Diana sehr schwach und angegriffen, jedenfalls außer stande, ein Verhör zu bestehen. Und doch konnte ihr diese Pein nicht ganz erspart bleiben, denn sie war es gewesen, die das Feuer entdeckt und die Hausgenossen aus dem Schlafe geweckt hatte, sie allein konnte also möglicherweise einigen Ausschluß über die Ent- stehungsnrsache geben. Ihrer Freundin hatte sie eine etwas unklare Schilderung über daS Vorgefallene gemacht.
„Ich konnte keine Ruhe finden," erzählte sie mit gebrochener Stimme, „immer wieder zog es mich nach bem Sterbezimmer, um an Eduards Sarg zu beten, und jetzt quält mich die furchtbare Angst, daß ich vielleicht an allem die Schuld trage, denn ich hatte seine Leiche mit brennenden Kerzen umgeben, ohne zu überlegen, daß dies gefährlich werden könnte."
„Du sollst so wenig wie möglich denken unb sprechen, meine Liebe", unterbrach sie die gütige Freundin, aber Lady Diana hörte nicht auf sie. Unter fortwährendem Stöhnen fuhr sie fort:
„Und dann war ich so erschöpft, daß ich auf einem Stuhl in meinem Zimmer einschlief, und plötzlich glaubte ich, ersticken zu müssen. Ich stürmte hinaus und sah große Flammen aus Eduards Zimmer hervorbrechen; da kam ich ganz von Sinnen. Ich weiß nicht mehr ma3 ich tat. Ich klingelte, ich schrie, ich eilte die Treppe hinaus. Sie schliefen alle so fest, aber sie wurden alle gerettet, nicht wahr? Ja, alle!"
amerikanisch-japanischen Krieges in dieser Angelegenheit nicht bestanden. In diesen Erklärungen und Versicherungen stimmt das Kabinett von Tokio mit dem Präsidenten Roosevelt durchaus überein, und so kann denn dieser amerikanisch-japanische Zwischenfall wieder als abgetan betrachtet werden. Indessen, schon jetzt ist es kaum zweifelhaft, daß früher oder später doch einmal eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten erfolgen wird, bei der es um nichts mehr und nichts weniger als um die Herrschaft über den Stillen Ocean geht. Längst sind die Bestrebungen des ehrgeizigen ostasiatischen Jnselreiches darauf gerichtet, sich diese Vorherrschaft zu erringen, welchem Zwecke auch der Krieg gegen Rußland mit dienen mußte, und in der Tat ist Rußland durch seine vollständige Niederlage, welche es in dem ostasiatischen Kriege zu Wasser und zu Lande erlitt, aus lange hinaus in der Konkurrenz um die Sceherrschast auf dem Stillen Ocean ausgeschaltet worden. Dafür begegnen dort aber die Japaner einem anderen und gefährlicheren Rivalen, den Vereinigten Staaten. Seitdem die Philippinen und Hawaii amerikanischer Besitz geworden sind, hat sich die Union als Südseemacht „auf getan“ und eifrig ist sie bemüht, diese Stellung zu befestigen und zu erweitern, um sich die gewaltigen politischen, militärischen unb kommerziellen Vorteile zu sichern, welche die Vorherrschaft im Stillen Ocean dem betreffenden Staate bringen muß. Diese Vorteile hat man aber auch in Tokio schon immer erkannt und darum bereits vor Jahrhunderten Verbindungen nach dem Stillen Ocean und der Südsee erstrebt und teilweise auch geschaffen, und diese Bestrebungen sind seit der Nieder- nngung des Zarenreiches durch die Japaner in der Seeschlacht bei Tschuschima, auf den Schlachtfeldern der Mandschurei und bei Port Arthur nur noch offener hervorgetreten. Mit Notwendigkeit muß aber eine solche Politik einmal zu einem Zusammenstöße zwischen den Japanern und den Dankees führen, wovon man in Washington sicherlich ebenso überzeugt ist, wie in Tokio. Nur fühlt man sich amerikanischerseits zur Zeit noch nicht kräftig und gerüstet genug, um mit bestimmter Aussicht auf Erfolg den Japanern die Spitze im Stillen Ocean bieten zu können, und darum wird jetzt auch von der Unionsregie- rnng allmählich der Rückzug vor den Forderungen Japans im Schulstreite von San Francisco angetreten. Allerdings hat Japan feine durch den Krieg mit Rußland herbeigeführte Erschöpfung noch keineswegs wieder gänzlich überwunden, namentlich nicht in finanzieller Beziehung, und ein Krieg mit dem finanzkräftigen Nordamerika müßte daher dem Lande des Mikado vor allem ungeheure Geldopfer auserlegen. Außerdem ist die Flottenmacht der Union derjenigen Japans überlegen, die Union besitzt mehr Panzerschiffe und Kreuzer als Japan, auch sind seine erstklassigen Linienschiffe stärker als diejenigen Japans, nur hinsichtlich der Zahl der Torpedofahrzeuge sind die Japaner den Amerikanern überlegen. Trotz alledem müßten aber jetzt die Amerikaner einen Kampf mit den von ihnen mit den Spottnamen „Japs" belegten tapferen Söhnen des Reiches der ausgehenden Sonne doch unter ungünstigen Chancen führen.
Man suchte sie zu beruhigen, ohne weiter auf ihre Frage einzugchen. Es war besser, ihr nicht sogleich mitzuteilen, daß zwei junge Menschenleben dem Feuer zum Opfer gefallen waren; später würde sie die Nachricht besser ertragen können.
Doktor Anderson erkannte die Notwendigkeit, energische Mittel anzuwenden, um seiner Patientin Gesundheit und Vernunft zu erhalten.
„Sie muß von hier weggebracht werden," verordnete er, „die Hitze allein kann ihr verderblich werden."
Man telegraphierte an Lady Dianas Verwandte in Irland, denn jedermann glaubte, sie werde am liebsten einige Monate bei ihrer eigenen Familie verbringen. Allein plötzlich zeigte die Leidende hinreichende Fassung, um selbst ihre Entscheidung zu treffen.
„Ich will zu Harold gehen," erklärte sie, „zu dem Bruder meines guten Eduard. Ich weiß, daß er auf das törichte Mädchen erzürnt ist, weil sie eine höchst vorteilhafte Heirat ausschlug. Auch mein armer Eduard war so erregt darüber. In unserem Haufe fand eine peinliche Szene statt und dann quartierte sich Juliana bei Lady Lingard ein. Aber Harold kann jetzt nicht hart gegen mich sein, er muß mich ausnchmen. Ich sehne mich so nach dem Ort, wo mein teuerer Eduard seine Kinderjahre verlebte.
Lord Armand beantwortete Doktor Andersons telegraphische Anfrage in kürzester Frist. Der Tod feines Bruders und das unmittelbar daraus folgende schreckliche Ereignis hatten ihn sehr erschüttert und aus seinem starren Egoismus aufgerüttelt. Er überraschte jedermann durch seine Güte gegen Lady Diana, aber anderseits bemerkte man mit mit Besremden, daß Juliana ihrer Tante gegenüber nicht einmal die einfachste Höflichkeit beobachtete. Ihr Benehmen erfuhr eine scharfe Verurteilung von feiten der Personen, die sich momentan mit Lady Diana» Angelegenheiten befaßten.
Wenige Tage später befand sich Lady Diana in Begleitung ihrer treuen Zofe Emma auf dem Wege nach Mallardine. Lord Armands herzliches Entgegenkommen hatte sie selbst am meisten überrascht;' aber wie wäre sie erst erstaunt gewesen, wenn sie hätte sehen können, wie dieses falten Mannes Herz sich plötzlich seiner Tochter zuneigte. Nichts hatte aus den
Erstlich könnten sie für einen Krieg mit Japan zunächst nur den in den Gewässern des Stillen Oceans befindlichen Teil ihrer Flotte verwenden, und der könnte es allein freilich nicht mit der japanischen Flotte ausnehmen. Ehe aber die im Atlantischen Ocean stationierten Seestreitkräste der Union den langen Weg nach dem Kampfplätze im Stillen Ocean würden zurücklegen können, hätten die Japaner höchst wahrscheinlich der dortigen Unionsflotte den Garaus gemacht. Die nächste Folge einer solchen amerikanischen Niederlage zur See würde die sein, daß den Amerikanern die Philippinen und Hawaii im Handumdrehen verloren gingen, eS würde den Japanern ein leichtes sein, ihre vortrefflichen Truppen dort wie hier in genügender Stärke zu landen und dann die amerikanischen Besatzungen znr Ergebung zu zwingen. Schließlich wären Handstreiche der siegreichen japanischen Flotte auf die Häfen an der Westküste der Union keineswegs ausgeschlossen. Diese der Union ungünstige Lage kann erst nach dem Ausbau des Panama-Kanals gebessert werden, ob aber die unternehmenden Japaner der Union bis dahin Zeit lassen, ihre kriegerischen Vorkehrungen zu treffen, das ist einigermaßen fraglich.
Torpedoboots-Unglück.
Paris, 8. Februar. Dem Marineministerium ist ein Telegramm des Seepräsekten in Lorient zugegangen, welches den Unglückssall auf dem Torpedoboot 339 bestätigt. Derselbe ist durch einen Schaden am Kessel veranlaßt und ereignete sich während einer Uebung, bei der das Schiff mit großer Geschwindigkeit lief. Neun Mann, darunter ein technischer Aufsichtsbeamter, ein Bootsmann und sieben Matrosen wurden tödlich verletzt. Ein gleichfalls, jedoch nur leicht durch Brandwunden verletzter Bootsmann wird für seine ausgezeichnete Haltung während des Unglücks eine besondere Belohnung erhalten. Der Marineminister teilte dem Seepräfekten mit, daß er ihm die erforderlichen Mittel znr Hilfeleistung zur Verfügung stelle.
Lorient, 8. Februar. Ueber den Unglücksfall auf dem Torpedoboot 339 wird weiter gemeldet: Die veranstaltete Uebung war noch nicht beendet, als die Kesselexplosion erfolgte. Bon elf im Heizraum befindlichen Leuten wurden neun furchtbar verbrannt und auf der Stelle getötet, der 10. wurde schwer verletzt, der elfte ein Maschinist, blieb unverletzt. Es wurde festgestellt, daß das Unglück durch den Bruch eines von den Röhren in den Apparaten veranlaßt worden ist, die grad zur Verhütung derartiger Unfälle Angeführt worden sind, und angeblich nicht funktioniert haben. Im Arsenal verursachte die Explosion große Ansregung, da man annahm, daß die Zahl der Opfer viel größer sei. Viele Arbeiter, die Angehörige an Bord hatten, eilten in das Hospital, um die Namen der Verunglückten zu erfahren. Der Prüfest ließ die Familien der Umgekommencn benachrichtigen.
Vater einen so tiefen Eindruck gemacht, als Juliana's stolzer Entschluß, von ihm getrennt ihr Leben zu verbringen.
Ihr Verhalten in dieser Sache war eine ernste Lehre für ihn gewesen, er erkannte, daß er den Schatz ihrer Liebe gänzlich verloren habe. Obschon er an jenem entscheidenden Tage, als sie so treu zu Walter Merivale gestanden hatte, hart und rauh mit ihr Verfahren war, so war ihm doch später in der Einsamkeit von Mallardine die Erkenntnis ihres edlen, wayrhast vornehmen Charakters wie eine neue Erfahrung aufgegangen. Ein Teil der leidenschaftlichen Liebe, die er für ihre Mutter gehegt, erwachte in seinem Herzen für das einzige Kind. Dazu kam der plötzliche Tod seines Bruders der ihn mächtig gemahnte, daß auch seine Lebenszeit vielleicht bald abgelaufen sei. Eine heilsame Veränderung vollzog sich in seinem Innern, er fing an, sich selbst mit anderen Augen zu berrachren.
So vereinigte sich alles, um Lady Dianas Wünschen den Weg zu bahnen. Der Plan, bei ihrem Schwager die erste Trauerzeit zu verbringen, war allein ihrer Angst vor Juliana entsprungen. Das Mädchen hatte ihr Geheimnis entdeckt und wenn auch die ganze Welt den Ausbruch des Feuers als etwas Natürliches berrachlete, Juliana verstand dessen wahre Bedeutung. Und obgleich sie an der Leiche ihres Onkels Schweigen gelobt hatte, so war es Lady Diana bei ihrer niedrigen Dcnknngsweise kaum möglich, ihren Worten unbedingtes Ver- trauen zu schenken. Sie zitterte bei der Vorstellung, Juliana werde ihrem Versprechen untreu werden; sie sürchtetc, auch Doktor Anderson, der ihre» Gatten Krankheit so rätseltiast gesunden, könne Verdacht schöpfen und so glaubte sie, allem die Spitze abzubrechen, inbem sie bei Eduards eigenem Bruder sich einlogierte.
Nur der Vermittlung ihres ArzteS hatte sie es zu verdanken, daß sie so rasch die Stadt verlaffen durfte. Dem gerichtlichen Verhör konnte sie natürlich nicht anSweichen, aber auf Doktor Anderson's Bitte war die Untersuchung auf einige Wochen vertagt worden. Lady Diana zeigte sich ihrem Schwager sehr dankbar für ein srenndliches Entgegenkommen.
„Ich hoffe, Sie werden mein Benehmen nichr unpassend finden, Harold," sagte sie in halb bittenden: Dme, „ich bin so unstät, so voller Unruhe. Ich muß mir Bewegung machen