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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 16.
Dienstag, den 5. Februar
1607.
Amtlicher Ceil.
RtiWGimhl hetrcfienö.
Mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 29. Januar er. bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Ermittelung des Ergebnisses der am
Dienstag, den 5. Februar er. stattfindenden engeren Wahl — Stichwahl —
Sonnabend, den 9. Februar d. Is.
vormittags 11 Uhr im Sitzungssaal des Königlichen Landratsamtes zu Hersseld erfolgt.
Der Zutritt steht jedem Wähler offen.
Hersfeld, den 1. Februar 1907.
Der Wahlkommissar
für den 6. Wahlkreis des Regierungsbezirks Cassel.
I. V.:
T u e r ck e, Landrat.
Hersfeld, den 1. Februar 1907.
Bon der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft in Dahlem bei Steglttz ist ein Fluglatt No. 38, betitelt: „Der Brand des Hafers und seine Bekämpfung", herausgegeben worden, das für Behörden, Körperschaften und Vereine, sowie in einzelnen Abzügen auch für Privatpersonen durch die vorgenannte Anstalt u n e n t g e l t li ch zu beziehen ist.
Eine Anzahl Exemplare dieses Flugblattes wird den Herren Ortsvorstäuden des Kreises in den nächsten Tagen zur Ver- teilung von hier zugehen.
1. 10593. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Berlin, den 16. Januar 1907.
Die deutsche Feldarbeiter-Zentralstelle zu Berlin hat neben ihren Vermittelungsämtern in Neuberun, Kreis Pleß und Myslowitz, Kreis Kattowitz weitere Vermittelungsämter eingerichtet in Rosenberg, Kreis Rosenberg, Kreuzburg, Kreis Kreuzburg, Wilhelmsbrück, Kreis Kempen, Grabow, Kreis Schildberg, Skalmierzyce und Ostrowo, Kreis Ostrowo.
In allen Vermittelungsämtern werden für die vermittelten ausländischen Saisonarbeiter nach Maßgabe der an die Herren Oberpräsidenten ergangenen Runderlasse vorn 12. Januar 1906 — II b 98 und vom 23. März 1906 II b 1048 — von der Deutschen Feldarbeiter-Zentralstelle Legitimationskarten ausgestellt, welche von der zuständigen Ottspolizeiverwaltung geprüft und beglaubigt werden. Diese Legitimationskarten sind als ausreichende Äusweispapiere im Sinne des § 3 des Paßgesetzes vom 12. Oktober 1867 (B. G. B. S. 33) an- zusehen.
Um öre und Namen.
Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau. (Fortsetzung.)
„Ich glaube eher, daß ich mich freue, liebe Lady Belty," sagte Juliana; „es ist mir ein tröstlicher Gedanke, daß ein solcher Mann nun dahingegaugen ist, wo er verstanden werden wird. Früher kannte ich meinen Onkel nur sehr wenig, erst während der Zeit, die ich in seinem Haus verbrachte, lernte ich sein gutes, treues Herz, seinen edlen Charakter so recht kennen und schätzen."
Eine kleine Pause trat ein, dann sprach Lady Betty ihre Teilnahme für die junge Witwe aus. Juliana erschauderte. Von jetzt an würde es stets eine Marter für sie sein, den Namen Diana Armands nennen zu hören. Sie legte ihren Kopf auf die seidene Decke, welche über die Kranke gebreitet war und seufzte tief.
„Ja, es ist eine recht schwere Zeit für Sie, mein Kind," sagte Lady Betty in mitleidigem Tone, „aber ich bin überzeugt, sie wird vorübergehen und die Sonne wird die düsteren Wolken zerteilen."
„Ich möchte Sie um etwas bitten," begann Juliana nach einer Weile, „ich möchte, daß Sie über die Vergangenheit, über jene traurige Geschichte mit mir sprechen, liebe Lady Betty."
Die schmale Hand der Kranken umschloß Julianas kalte Finger.
„Welchen Nutzen kann dies für Sie haben, mein Kind?"
„Es wird mich darüber beruhigen, daß ich nicht den unrichtigen Weg Angeschlagen habe, eS wird mir über entsetzliche Schwierigkeiten hinweghelseu. Wir haben nie darüber gesprochen und so wissen Sie gar nicht, welchen Verdacht ich in meinem Herzen hege."
Ein Schatten legte sich über die bleichen Züge der alten Dame.
„Manchmal glaube ich es zu wissen, Juliana, zu andern Zeiten wieder scheint es mir, als ob ich mich irrte."
Das junge Mädchen errötete heiß.
„Das rührt daher, weil ich Ihnen gegenüber nicht ehrlich
Für die polnischen und die für die Provinz Schlesien bestimmten tschechischen Arbeiter werden rote Legitimationskarten in deutscher und polnischer Sprache, für die ruthenischen Arbeiter gelbe Legitimationskarten in deutscher und ruthenischer Sprache, für alle übrigen ausländischen Arbeiter weiße Legitimationskarten in deutscher Sprache ausgesertigt.
Euere Hochgeboren ersuche ich ergebenst, von Vorstehendem den Nachgeordneten Behörden ungesäumt Kenntnis zu geben.
Der Minister des Innern. J. A. gez.: Lindig.
An den Herrn Regieiungs-Präsidenten in Cassel. (II b 215.)
* *
Cassel, den 24. Januar 1907.
Abschrift mit Bezug auf die Verfügungen vom 22. Januar 1906 — P. 160/geb. 7 und vom 27. April 1906 P. 770 — zur Kenntnisnahme.
Die Herren Landräte ersuche ich, die Polizeibehörden in Kenntnis zu setzen. (P. 194.)
Der Regierungs-Präsident. I. V.: Mejer. An die Herren Landräte und an die Herren Polizeidirektoren des Bezirks.
* *
Hersseld, den 1. Februar 1907.
Vorstehendes wird den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnis gebracht.
I. 1058. Der Königliche Landrat.
I. V. : Thamer.
Hersseld, den 1. Februar 1907.
Im Monat Januar d. Js. sind diesseits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 4/1. dem Leutnant a.D. F.RebezuBuseugraben beiVacha,
„ 5/1. „ Amtsrat Freist in Bingartes,
„ 10/1. „ Kaufmann Franz Aumann aus Hamburg,
„ 10/1. „ Fabrikanten Ludwig Braun in Hersfeld,
„ 26/1. „ Butterhändler Friedrich Ried in Frielingen, b. unentgeltliche:
„ 2/1. „ Königlichen Förster Troch in Meckbach,
„ 2/1. „ „ Hegemeister Prenzel in Kachus,
„ 11/1. „ „ Förster Kurth in Bengcndorf
B. Tagesjagdscheine:
„ 5/1. „ Königlichen Regierungs-Bauführer Conrad in Eiterfeld.
Der Königliche Landiat.
I. B.:
T h a m e r.
war. O, Sie ahnen nicht, welche bitteren Vorwürfe ich mir schon darüber machte. Soll ich mich näher erklären? Es erscheint mir fast grausam und doch fühle ich, daß ich Ihnen volle Offenheit schulde."
„Sprechen Sie sich auS, mein Kind," sagte Lady Betty sonst, „wenn es Ihnen Erleichterung gewährt."
Juliana erhob sich und richtete sich hoch auf. Ihre dunklen Augen glänzten fast unheimlich in dem farblosen Antlitz.
„Ich spiele eine Rolle," klagte sie sich an; „ich wurdezur Heuchlerin um Walters willen — um etwas über sein Geschick zu erfahren. Der einzige, der etwas von ihm wissen kann, ist Alfred Merivale; darum bezwäng ich mich, freundlich mit ihm zu verkehren, ja ihm die Hand zu reichen, während ich ihn im innersten Herzen verachte."
Lady Betty antwortete nicht sogleich.
„Das ist furchtbar," sagte sie endlich in traurigem Tone.
„O wenden Sie sich nicht von mir ab!" bat Juliana mit gebrochener Stimme. „Ich sehe jetzt ein, daß ich unrecht handelte, meine Herzensangst trieb mich dazu."
„Aber warum zweifeln Sie an Alfred?" fragte Lady Betty nach einer Weile. „Mir scheint er durchaus ehrenhaft. Eben noch baten Sie mich, jenen alten Kummer wieder auszufrischen; wenn ich Ihren Wunsch erfüllte, mein Kind, kann ich nur von dem bittern, aufrichtigen Herzeleid dieses Mannes erzählen."
Wieder knieete Juliana neben dem Sofa nieder, diesmal färbte eine warme Röte ihre Wangen.
„Liebe Lady Betty" sagte sie eifrig, „Sie glauben doch nicht, daß Ihr Junge einer schlechten Tat fähig gewesen wäre. Ich weiß, in Ihrem Herzen hielten Sie Walter nie für einen Dieb und Fälscher."
Die Kranke lächelte traurig.
„Aber kann ich denn nicht Walter und Alfred gleichzeitig vertrauen?" fragte sie leise.
„Nein," entgegnete Juliana rasch, „das ist unmöglich. Sie selbst haben noch nie von dem Verlust Ihrer Juwelen mit mir gesprochen, aber ich kann nicht begreifen, warum jedermann als selbstverständlich annahm, daß Walter und nur Walter der Schuldige fein könne."
Halb unbewußt beobachtete sie während des Sprechens
nichtamtlicher teil.
Ae PsrgWk in SnKlenii.
Plock, 2. Februar. Heute wurde hier der Gendarmerieoberst Bielski während eines Spazierganges in der Nähe der polnischen Kirche erschossen. Der Mörder entkam.
Warschau, 2. Februar. In einer Anzahl von Arbeiterhäusern der Czerniakowskastraße fand heute eine Haussuchung statt, die zur Verhaftung von mehr als hundert Arbeitern führte.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin den 2. Februar 1907.
Se. Majestät der Kaiser nahm gestern die Meldung des aus Reden zurückgekehrten PrinzenFriedrichLeo- p o l d entgegen; der Prinz wurde zur Frühstückstafel gezogen. Nachmittags ritt Se. Majestät in der Bahn des Königlichen Marstalls. — Zum Thee waren Abends geladen Gräfin Wolkenstein, Generalleutnant Graf Moltke und Geh. RatJhne mit Gemahlin. Heute morgen hatte Se. Majestät eine Besprechung mit dem Reichskanzler, hörte im Königlichen Schlosse die Verträge des Staatssekretärs des Reichsmarineamts und des Chefs des Marinekabinetts, nahm um 12 V« Uhr die Rapporte der Leibregimenter entgegen und empfing den russischen Marineattachs Fürsten Dolgorukow, welcher die russische Marinerangliste überreichte.
Ihre Majestät die K a i s e r i n und Königin haben zu Gunsten der von dem Grubenunglück in R e d e n Betroffene n eine Summe von 2000 Mk. dorthin überwiesen.
Bei den am Sonnabend vorgenommenen 1 1 Stichwahlen wurden gewählt: zwei Kandidaten der Nationalliberalen, einer der Freisinnigen Volkspartei, einer der Freisinnigen Vereinigung, vier Konservative, ein Wildliberaler und je ein Kandidat der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Reichspartei. Die Konservativen verlieren zwei und gewinnen zwei, die Nationalliberalen gewinnen zwei, die Freisinnige Volkspartei gewinnt einen, die Sozialdemokratin verlieren drei und die Wildliberalen gewinnen einen Sitz.
Der Reichskanzler Fürst von Bülow hat den Münchener Neuesten Nachrichten und der Münchener Zeitung auf ihre Anfrage das folgende Telegramm gesandt: „Daß die Verbündeten Regierungen eine Verschlechterung d c s Wahlrechts planen, ist erfunden." Diese Anfrage war bedingt durch eine von feiten der bayerischen Regierung unwidersprochen gebliebene, von der sozialdemokratischen fresse ausgegnffene Ausstreuung des ultramontanen, bayerischen Kuriers, der insbesondere die bayerische Regierung mit jenen angeblichen Absichten der Verbündeten Regierungen aus Verschlechterung des Wahlrechts in Verbindung gebracht hat, die
Lady Betty's Gesichtsausdruck. Ungläubiges Staunen, dann Schmerz und schließlich Bestürzung konnte sie daraus entziffern. „Verstehen Sie, was ich meine?“ fuhr sie eifrig fort. „Da waren zwei junge Männer; den einen kannten Sie seit dem Tage seiner Grburt, der andere war erst kurz vor dem Ju- welcndicbstahl in Ihr Leben getreten. Ich für meinen Teil sehe überhaupt nirgends einen Beweis dafür, daß einer jener beiden Ihre Juwelen stahl; wenn aber der Verdacht sich auf einen der Vettern lenkte, dann begreife ich nicht, warum gerade Walter der Verdächtige fein mußte.
Nach diesen Worten beugte Juliana sich herab und preßte ihre Lippen auf die abgezehrte Hand der Kranken.
„Vergeben Sie mir," flüsterte sie, „vielleicht ist es unrecht, daß ich Zweifel in Ihr Herz zu bringen suche. Ich gebe alles darum, könnte ich mich selbst davon frei machen, aber wenn ich einer Rechtfertigung für meine Zweifel an Alfred Merivale bedürfte, so werde ich diese in Walters geheimnisvollem Verschwinden finden. Wenn sein Vetter sich wirklich freuen würde, Walters Namen reingewaschen zu sehen, wenn er wahrhast fein Freund ist, warum tut er da nicht alles, um seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen."
Voll innigen Mitleids blickte Lady Betty auf daS erregte Mädchen.
„Sie werden sich krank machen, liebes Kind," sagte sie in zärtlich besorgtem Tone. „Sie wissen gar nicht. wie matt und abgehärmt Sie auSsehen. Fassen Sie sich in Geduld. Wenn es wirklich Walter war, mit dem Sie kürzlich sprachen, dann werden mir gewiß bald von ihm hören."
Juliana erhob sich; die letzten Worte waren ihr wie ein Stich durchs Herz gegangen. Nicht zum erstenmal bemerkte sie, daß Ladp Bett» ihre Begegnung mit Walter als Hallucination und nicht als Tatsache zu betrachten begann. Sie be dauerte nur, so offen gesprochen zu haben, vielleicht hatte sie damit Walters Sache schlecht gedient. ES war nicht unmöglich, daß Ladn Betty auS reiner Güte mit Alfred über ihre heutige Unterredung sprach und ihm damit unbewußt warnte, aus seiner Hut zu sein.
Juliana strich mit der Hand über ihre Stirn. In dic'em Augenblick körperlicher Erschöpfung manfte ihr Mut, die