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hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 14. Donnerstag, den 3L Januar 1907.
Amtlicher Ceil.
MWaMchl tckesfeiih.
Hersfeld, den 29. Januar 1907.
Das Ergebnis der am 25. Januar er. stattgehabten Reichstagswahl im 6. Wahlkreis des Regierungsbezirkes Cassel, bestehend aus den Kreisen: Hersseld-Rotenburg a/F. und Hünseld ist heute, wie folgt, amtlich festgestellt worden.
Von 19242 Wahlberechtigten sind 16303 Stimmen abgegeben worden. Von diesen sind 30 Stimmen für ungültig erklärt worden.
Gültige Stimmen haben erhalten:
1. Redakteur L. Werner in Charlottenburg . . 7537
2. Rentier R. Müller in Fulda .... 3402 3. Rittergutsbesitzer Franz von Bodelschwingh in
Schwarzenhasel Kreis Rotenburg . . . 3342
4. Stadtverordneter Hrch Huhn in Cassel . . 1797
5. Schriftsteller L. Wolf in Cassel . . . . 155 Zersplittert sind.......40 Stimmen.
Da hiernach eine absolute Majorität von keinem der Kandidaten erreicht worden ist, so hat z w i s ch e n d e m Redakteur L. Werner in Charlotten bürg und dem Rentier R. Müller in Fulda, welche die meisten der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigt haben, eine engere Wahl — Stichwahl — stattzufinden.
Zur Vornahme dieser engeren Wahl — Stichwahl — setze ich gemäß § 29 des Reglements zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 28. Mai 1870 als Termin:
Dienstag, den 5. Februar er. fest.
Diese engere Wahl findet auf denselben Grundlagen und nach denselben Vorschriften statt, wie die erfolgte Hauptwahl.
Es wird ausdrücklich noch daraus hingewiesen, daß alle auf andere als die beiden obengenannten, zurengerenWahl gest eilten Kandidaten fallenden Stimmen ungültig sind.
Die Wahlbezirke, die Wahllokale und die Wahlvorsteher rc. bleiben unverändert.
Bei der engeren Wahl sind dieselben Wählerlisten zu verwenden, wie bei der Hanptwahl am 25. d. Mts.
Diese Listen werden den Herrn Wahlvorstehern mit den Formularen zu dem Wahlprotokoll und der Gegenliste unverzüglich zngehen.
Der Wahlkommissar für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel.
I. V.:
T u e r ck e, Landrat.
Hersseld, den 28. Januar 1907.
Der aus Donnerstag, den 14. Februar d. Js in der
Um Ehre und Hamen,
Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau. (Fortsetzung.)
„Ich habe nichts mehr zu ordnen," versetzte Merivale in feinem früheren schroffen Tone. „Bei der letzten Zahlung bemerkte ich Ihnen, daß es nun damit zu Ende sei."
„Das war töricht von Ihnen," sprach Parnell lächelnd, „da Sie nicht in der Lage sind, Bestimmungen zu treffen. Ich verlange die Hälfte von allem, was Sie besitzen. Ein Versuch, mich zu hintergehen, wäre zwecklos. Sie sind in meiner Hand, ich kann Sie zwingen."
„Dann tun Sie Ihr Schlimmstes und hören Sie auf mit Ihren ewigen Drohungen!" rief Sir Alfred entschlossen.
„Gemach, mein Freund," zischte Parnell, „Sie könnten mich zu weit treiben I"
Ein Achselzucken war Sir Alfreds einzige Antwort.
Dann wandte er si ch um und verließ das Zimmer. Er fühlte sich schwach und krank, aber trotzdem beschloß er, zu Lady Betty zu fahren. Vielleicht weilte Juliana bei ihrem Onkel und er konnte sie gar nicht sprechen, immerhin wollte er einen Versuch machen. Während sich seine Gedanken damit beschäftigten, erschien Parnell unter der Tür seines Schlafgemaches.
„Ich betrachte diese Sache noch nicht als erledigt, Meri vale," sagte er, „morgen früh werde ich Sie wieder anffuchen. Vielleicht haben Sie bis dahin Ihren Sinn geändert. Wenn nicht, dann ist mir mein Verhalten vorgezeichnet; ich werde augenblicklich zu Juliana Armand gehen und ihr mitteilen, lucr das plötzliche Verschwinden Walter Merivales am besten erklären kann."
Ehe Alfred Zeit zu einer Erwiderung hatte, war er verschwunden.
Neunzehntes Kapitel.
Juliana Armand harrte treulich aus in ihres Onkels Krankenzimmer. ES kam wie ein Gefühl des FriedneS, ja des Trostes über sie, als sie an seinem Lager saß und sich aller
Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 7 V< Uhr morgens begonnen werden.
I. 894. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Berlin, den 20. Dezember 1906.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten.
Auf das Schreiben vom 13. November d. Js., Nr. 8511.
Der Krieger-Sanitätskolonne in Kesselstadt, für welche der Herr Kriegsminister durch Verfügung vom 29. Oktober d. Js die Berechtigung zur Unterstützung des Kriegs-Sanitätsdienstes zurückgezogen hat, entziehen wir hiermit die unterm 4. August 1903 — M. d. g. A. M. 7863, M. d. J. M. 1612 II — erteilte Erlaubnis zum Gebrauche des Roten Kreuzes nach § 1 des Gesetzes vom 22. März 1902 (R. G. BI. S. 125).
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- Angelegenheiten. I. A. gez.: F ö r st e r.
Der Minister des Innern. I. A. v. K i tz i n g.
An das Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz in Berlin W. 64, Wilhelmstraße 73. (M. d. g. A. M. No. 8412./M. d. I. M. No. 2707.
* *
*
Cassel, den 3. Januar 1907.
Abschrift zur gefälligen Kenntnis und weiteren Mitteilung an die Nachgeordneten Behörden. (No. 28.)
Der Ober-Präsident. I. V. gez.: M a u v e.
An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier.
♦ *
Cassel, den 14. Januar 1907.
Abschrift zur Kenntnis und Benachrichtigung der Ortspolizeibehörden pp. (A. I. 151.)
Der Regicrungs-Präsident. J. A. gez.: Schenk. An die Herrn Landräte uud Polizeidirektoren des Bezirks.
* * *
Hersseld, den 24. Januar 1907.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Ortspolizeibe- hörden des Kreises.
I. 757. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 25. Januar 1907.
Die unter der Herde des Schäfers Becker zu Althattendorf Kreis Ziegcnhain, ausgebrochene Schafräude ist erloschen. [. 866. Der Königliche Landrat.
I. V. :
Thamer.
Liebe und Güte erinnerte, die er ihr erzeigt. Von Anfang an hatte sie sich über seinen Zustand keiner Täuschung hingegeben; sie wußte, daß, ehe viele Stunden vergingen, dies edle Herz zu schlagen aufhören würde. Eine unendliche Wehmut erfüllte sie bei diesem Gedanken, denn ihr Herz hatte die Geschichte dieses sanften, geduldigen Mannes erraten. Nie wieder würde sie den Ausdruck vergessen können, der seine Züge erhellte, als seine Frau mit ihm sprach. Er war so beredt gewesen, beredter, als Worte hätten sein können.
Sie wunderte sich, daß Lady Diana es über sich gewonnen hatte, ihren Gatten zu verlassen, und doch atmete sie auf, als sich die Tür hinter ihr schloß. Sie empfand es als eine Wohltat, allein bei dem teuern kranken weilen zu dürfen und ihm all die kleinen Dienste leisten zu können, die fein Zustand erforderte. Der Arzt kam zweimal während ihrer Anwesenheit und in seinen Zügen las sie die Bestätigung ihrer schlimmsten Befürchtungen.
In der ersten Nachmittagsstunde rauschte Lady Diana plötzlich wieder in das Zimmer und trat an das Lager des Kranken. Dieser lag regungslos mit geschlossenen Augen und gab kein Zeichen, daß er sich ihrer Nähe bewußt sei.
„Hat er lange geschlafen?" fragte Lady Diana flüsternd.
Juliana schüttelte den Kopf. Ihr Herz krumpfte sich zusammen. Nicht der leiseste Schinerz drückte sich in diesem hübschen Puppengesicht aus.
„Er schläft nicht," antwortete sie leise, „dies ist Erschöpfung." „Aber er wird sich wieder erholen?" fragte die Dame hastig.
Schweigend reichte ihr Juliana einen Zettel, auf welchem der Arzt ein paar Worte für sie niedergeschrieben halte:
„Herrn Armands Zustand ist bedenklich, doch bei größter Schonung ist eine Genesung nicht ausgeschlossen."
Ladh Diana schien einige Minuten zu überlegen, dann sagte sie erregt:
„Ruhe jetzt ein wenig, Juliana, ich will bei unserem lieben Patienten bleiben."
Juliana hatte schon eine Weigerung auf den Lippen, sie wäre am liebsten hier geblieben, aber der Gedanke, daß der
nichtamtlicher Ceil.
Sie ReiWgsWtn M üoHiM.
Alle Nachrichten aus Wien, Rom, Paris, London und Petersburg bekunden, daß der Eindruck der Reichstagswahlen in Deutschland im Auslande eine große Überraschung her- vorgerusen hat. Wohl war man auch in denjenigen Kreisen des Auslandes, die nicht zu den Freunden Deutschlands gehören, der Meinung, daß die Regierung des Dentschen Reiches bei den Wahlen einen kleinen Vorteil erringen werde, aber daß die Wahlen einen großen Sieg der Regierungspolitik und eine gewaltige Niederlage der Sozialisten im Deutschen Reiche bringen würden, das hatte sich niemand im Auslande gedacht, und am wenigsten hatten unsere guten Freunde in Frankreich und England mit dieser Eventualität gerechnet. Das Ergebnis "der deutschen Reichstagswahlen ist also nicht nur eine große Verstärkung der Stellung der Regierung in ihrer inneren Politik, sondern sie ist auch eine mächtige Stütze für die auswärtige Politik des deutschen Reiches. Kein vernünftiger Politiker des Auslandes kann jetzt nur noch einen Augenblick daran zweifeln, daß in allen Lebensfragen des Deutschen Reiches auch das gesamte deutsche Volk hinter der Regierung stehen wird, und daß das deutsche Volk mit wohl ausgebildeten fünf Millionen Soldaten seinen Widersachern geschlossen entgegentreten wird, wenn sie es wagen sollten, die friedliche Kulturarbeit der deutschen Nation in ihrer Entwickelung zu hemmen und das Recht Deutschlands auf die ihm gebührende Weltstellung zu verkümmern. Die deutschen Reichstagswahlen sind also von einer unschätzbaren nationalen und politischen Bedeutung, da sie aller Welt gegenüber das deutsche Volk in seinen besten Elementen in einem guten Willen fest geeint darstellcn. Die Bedeutung der deutschen Reichstagswahlen wird oaher gerade auch in demjenigen Lande, wo der Parlamentarismus seit 300 Jahren eine gewaltige öffentliche Macht geworden ist, nämlich in England, jetzt auch sehr hoch und richtig eingeschätzt. Alle bedeutenden englischen Zeitungen beschäftigen sich eingehend mit den deutschen Reichstagswahlen und machen auf einmal dem deutschen Kaiser und dem deutschen Volke eine Anzahl politischer Komplimente. Die alte Nörglerin und Störensriedin „Times" entdeckt auf einmal, daß das Ansehen Deutschlands und die Friedensliebe des deutschen Volkes durch den Wahlausfall ganz besonders gestiegen ist. Die meisten englischen Blätter nennen den Ausfall der deutschen Wahlen auch ein wichtiges Ereignis für die ganze Entwickelung Europas. Der Standard stimmt ein Loblied aus den großen Idealisten, den Kaiser Wilhelm an, dem das deutsche Volk nun doch Recht gegeben habe, und die „Pall Mall Gazette" versichert, daß der Ausfall der deutschen Wahlen die Macht des Kaisers Wilhelm enorm gestärkt habe und das größte Geburtstagsgeschenk sei, das ihm am 27. Januar wurde. Viele englische Zeitungen sind natürlich auch der Meinung, daß der Ausfall der Wahlen dazu führen werde, die deutschen Rüstungen zur See ungemein zu stärken und daß schließlich auch noch die Prophezeihung Kranke über die Anwesenheit feiner Gattin vielleicht sich freuen werde, bestimmte sie, zu gehen.
„Ich habe kein Verlangen nach Ruhe," sagte sie; „ich werde mich in dem kleinen Salon aufhalten. Bitte rufen Sie mich, wenn Sie meiner bedürfen."
Das reizende, sonnendurchflutetete Gemach mit seinen Blumen und faltbaren Nippsachen bildete einen großen Kontrast zu dem düstern Krankenzimmer. Ruhelos wandelte Juliana über die weichen Teppiche; ihre Lippen bebten, ihre Augen standen voller Tränen. So stark und mutig sie auch war, es gab doch Stunden, wo sie dem Andrang des Schmerzes unterliegen zu müssen glaubte. Die Gewißheit, daß das Leben ihres Onkels zu Ende ging, war ein neues, großes Weh für sie. Und draußen rollten die Equipagen durch die Straßen, eilten frohe Menschen ihren Vergnügungen nach, als ob es keinen Tod, kein Elend in der Welt gäbe!
Ein Blick auf die Uhr zeigte Juliana, daß sie bereits eine halbe Stunde vom Krankenzimmer abwesend ivar. Ihre Tante war der freiwillig übernommenen Pflicht gewiß schon müde geworden, und sie beschloß, dieselbe abzulösen. Leise den Korridor entlang gehend, sah sie Lady Diana hastig ihres Gatten Zimmer verlassen.
„Ich brauche Kölnisches Wasser," rief sie Juliana aufgeregt entgegen; „Eduard scheint schwächer geworden zu sein!"
Juliana blickte sie einen Augenblick forschend an und eilte ohne ein Wort der Erwiderung in das Krankenzimmer. DaS erste, was ihr hier auffiel, war ein eigentümlicher, süßer Geruch, der daS Gemach erfüllte und da? Atmen zu erschweren schien Sie trat an das Bett heran und betrachtete aufmerksam den Patienten. Seine Lage war fast noch die gleiche, wie vor einer halben Stunde, dennoch wußte Juliana, daß eine große Veränderung sich vollzogen hatte. Die Züge waren eingefallen, die Augen geschlossen und der Kopf hatte sich ein wenig auf die Brust herabgesenkt. Sie neigte sich über ihn und rief seinen Namen; dabei schien jener starke Geruch sich ihren Sinnen noch stärker bemerkbar zu machen. Eine gräß. liche Angst bemächtigte sich ihrer, unwillkürlich preßte sie beide Hände aus ihr Herz.
In diesem Augenblick trat Lady Diana wieder ein; sie