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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 11.

Donnerstag, den 34. Januar

1907.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 19. Januar 1907.

Die unter den Schweinebeständen 1. des Handelsmannes Jobs. Schneider, 2. des Landwirts Waldcck zu Oberhülsa, Kreis Homberg, ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.

I. 650. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Der nächste Termin der burd) das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbefchlaggewerbes wird hierselbst am Freitag den 15. März 1907 abgehalten werden.

Meldungen zu dieser Prüfung sind unter Porto- und bcstcllgcldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 Mk. bis spätestens zum 2. März 1907 an den Unterzeichneten zu richten.

Mir der Meldung zugleich sind einzureichen:

1) der Geburtsschein,

2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief und dgl.),

3) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.

Es werden nur solche Schmiede zugelassen, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.

Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von sechs Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.

Casfel am 27. Dezember 1906.

Der Vorsitzende der staatlichen Hufschmiede-Prüfungskommission des Regierungsbezirks Casfel: Veterinärrat Tietze, Königlicher Departementstierarzt, Parkstraße 9.

Dichtamtlicher teil.

Aus zur Wahl!

Die Entscheidung, der die Rüstungen und Werbungen der letzten Wochen im Deutschen Reiche galten, ist nahe herange- kommcn; nur eine knappe Stundenzahl trennt uns von dem 25. Januar, von dem Tage, wo die Würfel im Wahlkampse fallen, von dessen Ergebnissen die Geschicke unserer Nailou. wesentlich mit abhängen sollen. Noch einmal hat jeder wähl-' berechtigte Deutsche zusammeufassend zu prüfen, was alles im Verlause der Wahlbewegung geschehen ist, um seinen Willen zu beeinflussen und den Entschluß zu fassen, wie er an diesem Freitage seine höchste staatsbürgerliche Pflicht ausüben soll. Schwer kann dieser Entschluß für den nicht fallen, der, wenn er auch zuweilen gegrollt, gemurrt und genörgelt hat, doch in dein Augenblicke, wo er handeln soll, kein anderes Wohl kennt als das des Vaterlandes.

Niemals lauter und verführerischer als in der Zeit des Wahlkampfes lockt und buhlt die Stimme Lokis, vor der Bis- mmck einst eindringlich gewarnt hat, die Stimme jenes bösen Geistes, beiden Wähler Hödur, der die Tragweite der Dinge nicht beurteilen kann, verleitet, daß er das eigene Vaterland erschlage. Was ist alles wochenlang gesprochen und geschrieben worden, um die deutsche Volksseele zu verderben, die deutsche Ehrlichkeit zu beugen, die deutsche Treue zu brechen ! Es wurde geschmeichelt und gedroht, gefälscht und verleumdet, geschürt und gewühlt, um in den Wählern die Keime und Kräfte zu tilgen, die im vaterländischen Boden wurzeln, um aus des Menschen Brust zu reißen das Beste und Edelste, das Teuerste und Heiligste, das zur Treue an der Nation und deren Gütern und Errungenschaften bindet und verpflichtet!

Bei dem Wahlkampse handelt es sich das kann nicht oft genug betont werden nicht um die Bewilligung der 29 Millionen Mark, es steht mehr auf dem Spiele. Es handelt sich darum, ob das Deutsche Reich den mit dem teuern Blut seiner Söhne erkauften Kolonialbesitz ausgeben, ja ob eS aus seine Stellung als Weltmacht verzichten soll, weil eine ver­blendete Reichstagsmehrheit für die nationale Ehre kein Ver­ständnis gezeigt hat. Ist der neue Reichstag von demselben Weifte erfüllt wie der aufgelöste, dann ist unser Vaterland aus dein Wege, wieder zum Gespött des Auslandes zu werden, wie es in den Zeiten der Ohnmacht und Zerrissenst^ bestall war. Welcher gute Deutsche will dazu seine Hand bieten!

Darum: Aus zur Wahl! Niemand bleibe an diesem Freitage gleichgültig daheim! Jeder gebe seine Stimme ab und suche säumige Wähler heranzuziehen! Und noch eins: Gehe jeder so früh wie möglich zur Wahlurne, damit noch Zeit genug übrig bleibe, Freunde und Bekannte dazu aufzu- munteru, ebenfalls der Wahlpflicht zu genügen. Wenn auf diese Weise jeder Baterlandssreund seine Schuldigkeit tut, dann wirb ein Reichstag aus der Urne hervorgehen, der dem deutschen Namen keine Schande macht!

Hoch das Panier der ruhmreichen deutschen Vergangenheit!

Hinein in eine ehrenvolle Zukunft!

Mit Gott für Kaiser und Reich!

Aus Jn- und Ausland.

Berlin den 22. Januar 1907.

S e. Majestät der Kaiser ritt gestern nachmittag in der Bahn des Königlichen Marstalls. Zur Abendtafel war Prinz Oskar geladen. Heute vormittag konferierte Seine Majestät mit dem Reichskanzler und hörte später im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts.

Der Reichskanzler Fstirst B ü lo w hielt bei dem vom kolonialpolitischen Aktionskomitee in Berlin verunstalteten Essen eine bedeutsame Rede, in der er die Gründe für die Auflösung des Reichstages und die Forderungen des Tages darlegte. Nach der Haftung der Mehrheit im Reichstage sei der Regierung nichts übrig geblieben, als an das Volk zu appellieren. Die Behauptung des ZentrumS und der Sozial- demokratie, das Budgetrecht des Reichstages sei verletzt, Volks­rechte seien in Gefahr, sei nur eine Irreführung der Wähler über die Gründe der Reichstagsauflösung, ebenso wie die Re­densart von der Gefahr deS Absolutismus. Der Kaiser habe bei der Auflösung des Reichstages nichts anderes getan, als daß er den Rat des Reichskanzlers und den Vorschlag des Bundesrats gutgeheißen hat, von einem verfassungsmäßigen Rechte Gebrauch zu machen. Nächstes Ziel sei eine Mehrheit von Konservativen und Liberalen zu schaffen und dem Zentrum die Möglichkeit zu nehmen, an der Seite der grnndsätzlich auf Dissonanzen bedachten Sozialdemokratie zum Schaden des Vater­landes Machtpolitik zu treiben gegen die verbündeten Regier­ungen und gegen alle anderen Parteien. Ein Reichstag, dessen Mehrheit in nationalen Fragen nicht versagt das sei die Forderung des Tages. Wer dieser Ueberzeugung sei, der solle ihr nachfolgen und nicht warten auf Anerkennungen und Ver­sprechungen für die Zukunft, sondern sei Mannes genug, sich selber Geltung zu verschaffen. Der Reichskanzler schloß seine von anhaltendem Beifall begleitete Rede mit der Mahnung: Mögen so wie Sie hier, meine Herren, alle nationalen Ele­mente von der konservativen Rechten bis zur fortschrittlichen Linken ohne Ansehen der Religion bei den Wahlen ihre Sonder- interesscn zurückstellen hinter die nationale Pflicht und Schul­digkeit".

Die energische Hilfsaktion der Unionsregierung für das von der Erdbebenkatastrophe so schwer heinigcsuchte Kingston hat einen seltsamen amerikanisch-englischen Zwischen- fall gezeitigt, der noch weiterer Ausklärung bedarf. Der ameri­kanische Admiral Davis war mit einem Geschwader vor Kingston erschienen und hatte dort Marinesoldaten zur Hilfe­leistung an Land setzen lassen. Daraufhin wurde er aber von dem englischen Gouverneur Swettenham brieflich zum Zurück­ziehen der gelandeten Marinemannschaften aufgesordert, was Davis als eine Beleidigung empfand, insolgessen er mit seinem Geschwader wieder von Kingston abdampfte. Hinterher werden nun pou amerikanischer wie von britischer Seite allerhand Er­klärungen veröffentlicht, um dein Konflikt einen möglichst harm­losen Anstrich zu geben, die Sache bleibt aber doch sonderbar. Neuerdings wird hierzu aus London gemeldet: Der Gouver­neur Swettenham hat die britische Regierung telegraphisch er­sucht, den Vereinigten Staaten von Amerka den herzlichsten Dank Jamaicas zu übermitteln für die schnelle und kraftvolle Hilfe, die Admiral Davis geleistet habe. Swettenham erwähnt in seinem Telegramm nichts von irgend einer Reibung. Das Kolonialamt verlangte von ihm telegraphisch Einzelheiten über den Zwischenfall. Der Staatssekretär des Aeußeren Edward Grey antwortete auf eine offizielle Anfrage aus Washington, ob die britische Regierung weitere Unterstützungen in Geld oder in anderer Weise für Jamaica anzunehmen geneigt sei, daß das Anerbieten dankbar geschätzt werde. Der Gouverneur habe bis jetzt noch nicht ausführlich darüber berichtet, was erforder­lich sei, doch scheine jetzt, nachdem einige Tage vergangen sind, keine Notwendigkeit mehr vorzuliegen, die Großherzigkeit der Vereinigten Staaten noch weiter in Anspruch zu nehmen. Grey schließt" mit herzlichen Dankesbezeugungen für die erhaltene Hilfe. In offiziellen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Washingtoner Regierung in dieser Angelegenheit nichts unter- nehmen werde.

In Tokio gab der japanische Ministerpräsident Marquis Saionji im Hause der Pairs eine Darlegung der allgemeinen Politik der Regierung. Er sagte, das englisch-japanische Bünd­nis sei fest begründet, die Beziehungen zu den übrigen Mächten gestalteten sich immer freundlicher, die Unterhandlungen mit Rußland schritten günstig weiter, und die seit dem letzten Kriege gemachten Fortschritte deuteten aus weitere Entwicklung in der Zukunft hin.

Sit P»WW in Siu^Ianh.

Das Kesseltreiben der russischen Revolutionäre auf die höheren Polizei- und Verwaltungsbeamten des Zarenreiches dauert fort. Am Montag feuerte in der Stadt Mohilew ein Individuum drei Revolverschüsse auf den im Schlitten fahren­den Polizeimeister Rodinoff ab. Dieser blieb unverletzt, während der Kutscher schwer verwundet wurde. Gleichzeitig warf vom Trottoir aus ein zweiter Uebcltäter eine Bombe

die jedoch niemanden verletzte. Rodinoff verfolgte mit herbei« eilenden Polizeibeamten und Passanten die beiden Männer. Der eine von diesen erschoß sich, der aubere, sowie ein dritter, der zu ihnen gehörte, wurden festgenommen.

Warschau, 21. Januar. Der Landrat des Kreises Lenczyga, Paszkowsky, ist durch vier Revolverschüsse tödlich verwundet worden. Er wurde nach Lodz gebracht. Heute abend wurde der Stationsches des Bahnhofes der War­schauPetersburger Bahn von Unbekannten überfallen und durch Revolverschüsse verwundet.

Die russischen Duma wählen, die auch diesmal nach einem sehr umständlichen und verwickelten Modus vor sich gehen, haben mit den Vorwahlen der Industriearbeiter in der Reichshauptstadt ihren Anfang genommen. Die hierbei gewählten Bevollmächtigten haben ihrerseits 24 Wahlmänner für die Wahl der Dumaabgeordneten zu wählen.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* (Postschalterdienst am Sonntag.) Die Nordd. Allg. Ztg." schreibt zu der Blättermeldung, das Reichspostamt beabsichtige die Einstellung des Schalterdienstes an Sonntagen: Demgegenüber sind wir zu der Erklärung ermächtigt, daß eine derartige Maßnahme weder beabsichtigt, noch je in Aussicht genommen war und überhaupt niemals auch nur den Gegenstand von Erwägungen gebildet hat. Die Nachricht ist im ganzen und im einzelnen vollständig aus der Lust gegriffen und entbehrt jedes tatsächlichen Anhalts

* Für rund 3 2 MillionenD rast t" hat die Reichs-Telegraphen-Verwaltung nach einer amtlichen Zusammen­stellung gegenwärtig im Betriebe. Rechnet man dazu noch 14 Millionen für Isolatoren tu* kommet für Stützen und Stangen usw., so erhält man als den Gesamtwert der Mate­rialien die ansehnliche Summe von 60 Millionen Mark, wobei zu erwähnen ist, daß sämtliches Material aus deutschen Fabriken hervorgegangen ist. Mit seinen 22 260 Tclcgraphen-Austaltcu steht das deutsche Reichsgebiet jetzt an der Spitze der Länder Europas.

* Bei dem Krönungs- und O r d e u s s c st e sind bedeutend mehr Auszeichnungen als im Vorjahre verliehen, nämlich 3579 Orden und Ehrenzeichen gegen 2853 im Jahre 1906. Wie immer, ist der Rote »bicrorben in allen seinen Klassen am Häufigsten verliehen, nämlich 1350mal (1061) davon die 4. Klasse 1128mal (870). Der Kronenorden ist 709mal verliehen (662), davon die 4. Klasse 2ü6mal (209). Den Hausorden von Hohenzollern (Adler der Ritter, Kreuz und Adler der Inhaber! erhielten 44 Persönlichkeiten (40), das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens 134 (121), das Allgemeine Ehrenzeichen 1342 (969).

* Die Statistik der Bierbrauerei und Bieibcstcuerung im Rechnungsjahr 1905 veröffentlicht im 4 Hest derViertel- jahrsheste zur Statistik des Deutschen Reiches", Jahrgang 1906 zeigt, daß die B i e r g e w i n n u n g im Brausteuergebiet eine nicht unerhebliche Steigerung erfahren hat. Die Gesomt- erzeugung an Bier betrug im Berichtsjahr 46,26 Millionen Hektoliter. Sie hat damit die bisher größte Erzeugung von 1901 (45,04 Millionen Hektoliter) um 1,22 Million Hektoliter übertroffen; der Zuwachs gegen 1904 beträgt 2,07 Millionen Hektoliter An der Mehrerzcngung sind mit Ausnahme von Mecklenburg und Anhalt alle Direktivbezirke des Brau- stcuergebiets beteiligt; sie entfällt auf das untergärige Bier während die Erzeugung obcrgärigen Bieres nicht unwesentlich zurückgegangen ist. Gegen 1904 wurden an untergärigem Bier 2 302 380 hl mehr, an obergärigem 228 828 hl weniger erzeugt. Der Anteil des obergärigen Bieres an der Gesamt menge ging von 15 v. H. im Vorjahte auf 13 v. H. zurück.

8 Hersfeld, 23. Januar. (Anmeldung neuer F e r n s p r e ch a n s ch l ü s s e.) Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit vom 1. April 1907 (Beginn des ersten Bauabschnitts) bis Ende Juli gewünscht wird, spätestens bis zum 1. März bei der Fernsprech-Bermittelungscmstalt, an welche die Sprech- stelle angcschlosscn werden soll, augemeldet werden müssen. Verspätet angcineldete Fernsprechanschlüsse werden innerhalb des Bauabschnitts, für den sie angemeldet sind, ohne beton- dere Kosten für die Antragsteller im allgemeinen nur dann hergestellt, wenn die Anschlüsse während der allgemeinen Er- weiterungs und Jnstandsctzungsarbeiten und im Zusammen­hänge mit diesen Arbeiten ohne Mehrkosten für die Postkasse noch ausgeführt werden können. Ist dies nicht der Fall, so macht die" Reichs-Postverwaltung die Herstellung der verspätet angemeldeten Anschlüsse von der Bedingung abhängig, daß die Antragsteller die durch die gesonderte Herstellung der Anschlüsse entstehenden Mehrkosten (z. B. durch besondere Entsendung eines Bautrupps, Stellvertreiungskosten der Banbeamten pp. mindestens jedoch einen festen Baukostenzuschuß von 15 Mark für jeden Anschluß entrichten.

) :( Hersfeld. 28. Januar. Ein B v r fall, der einer gewissen-K o m i k nicht entbehrt, ereignete sich dieser Tage im Hause eines hiesigen Geschäftsmannes. Derselbe hörte ::n Keile: ein verdächtiges Geräusch, und vermutete einen Einbrecher darin, wovon er sofort die Polizei benachrichtigte. Als man den