Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich
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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblott" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. Dienstag, den 15* Januar 190V.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 11. Januar 1907.
Dem Schachtmeister George Göbel dahier ist durch Urkunde des Herrn Regierungs-Präsidenten vom 6. Januar d. Js. Nr. 4178 die Genehmigung erteilt, fortan an Stelle des Familiennamens „Göbel" den Familiennamen „Zinn" zu führen.
I. 368. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Die zweite Schulstelle in S o r q a -wirb vom 1. April 1907 ab frei.
Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1100 Mk. Grundgehalt; der Einheitssatz Der Alterszulage beträgt 130 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis spätestens zum 30. d. Mts. bei dem Königlichen Orts- schulinspektor Herrn Pfarrer Schröder hier oder bei dem Unterzeichneten einreichen.
Hersfeld, den 10. Januar 1907.
i. 276. Der Schulvorstand von Grunelius, Königlicher Landrat.
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Hersfeld, den 6. Januar 1907.
Der auf Donnerstag, den 31. Januar d. Js. in der Stadt Fulda angesetzte Viehmarkt wird unter den seither bekannt gegebenen Bestimmungen abgehalten.
Mit dem Auftrieb darf um 73/t Uhr morgens begonnen werden.
I. 300. Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersfeld, den 11. Januar 1907.
Bei einer Kuh der Witwe des Schreiners Diebel in Kirch- heim ist Milzbrand festgestellt.
I. 406. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
An der Königl. Lehranstalt für Wein», Obst» nnd Gartenbau ru Geisenheim a. Rh finden im Jahre 1907 folgende Unterrichtskurse statt: 1. Oeffent- licher Reblaus-Kursus vom 21. bis 23. Februar 1907, 2. Obstbau- Kursus vom 21. Februar bis 13. März 1907, 3. Baumwärter- Kursus vom 121. Februar bis 13. März 1907, 4. Obstbau-Nach- kursus vom 5. bis 10. August 1907, 5. Baumwärter-Nachkursus vom 5. bis 10. August 1907, 6. Obstverwertungskursus für Männer vom 12. bis 24. August 1907, 7. Obstverwertungskursus für Frauen vom 26. bis 31. August 1907, 8. Gärungs- bezw. Hefe- Kursus vom 11. bis 23. November 1907, 9. Analysen-Kursus vom 25. November bis 7. Dezember 1907.
Das Unterrichtshonorar beträgt für KursuS 1: nichts. Für KursuS 2 und 4: für Preußen 20 M., für Nichtpreußen (auch
Um Ehre und Damen.
Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau.
(Fortsetzung.)
Den ganzen Abend hatte Juliana mit Lady Betty über Walter gesprochen und noch standen Tränen in ihren Augen. AlS sie nun Sam vor sich sah, müde und erschöpft mit niedergeschlagener Miene, fühlte sie den letzten Hoffnungsschimmer aus ihrem Herzen schwinden.
„Mein lieber Freund, Sie sind übermüdet," sagte sie, dem treuen Burschen die Hand reichend. Es ist ja gut von Ihnen, gleich zu mir zu kommen, aber Sie hätten sich Ruhe gönnen sollen, Sam."
„Für mich gibt's keine Ruhe, Fräulein, so lange diese Last aus meinem Herzen liegt," war die traurige Entgegnung; „überdies wußte ich, daß sie mich erwarteten. Ich blieb nicht lange in der alten Heimat; es tat mir so wehe, mehr als ich gedacht hatte. Ich fand ja auch nur noch Gräber vor, alte und neue. Vom Friedhof aus machte ich mich aus den Weg nach dem Herrenhaus. Manche betrachteten mich für neugierig, aber niemand kannte mich und ich gab mich auch niemand zu erkennen."
„Und nirgends eine Spur von ihm, Sam? Er war nicht dort gewesen?"
Sam schüttelte den Kopf.
„Nein, Fräulein, auch Sir Alfred war nicht anwesend. Er sei in London, sagten mir seine Leute, sie wußten nicht, wann er zurückkehrte. Das Haus sah trübselig aus, gerade so, als ob eS um seinen alten Gebieter traure. Zufällig erfuhr ich, daß eine alte Frau von London dort gewesen sei, um für Sir Alfred wichtige Papiere zu bringen. Dies war mir auffallend, und weil ich dachte, alles und jedes könne mir von Nutzen sein, forschte ich den alten Diener vorsichtig ein wenig auS. Aber er wußte mir nichts zu sagen, als daß die Frau ärmlich ausgesehen und es sehr eilig gehabt habe, nach London zurückzukehren. Damit war ich so klug als zuvor."
Juliana seufzte und schien einige Minuten in Nachdenken versunken. Dann blickte sie auf ihren Gefährte».
Lehrer) 30 M. Preußische Lehrer sind frei. Personen, die nur am Nachkursus (Nr. 4) teilnehmen, zahlen 8 M., Nichtpreußen 12 M. Für Kursus 3 und 5: Preußen sind frei, Nichtpreußen zahlen 10 M. und, wenn sie nur am Nachkursus (Nr. 5) teilnehmen, 5 M. Für Kursus 6 und 7: für Preußen je 6 M., für Nichtpreußen je 9 M. Für Kursus 8 und 9 : für Preußen je 20 M., für Nichtpreußen je 25 M., wozu noch 20 M. für Gebrauchsgegenstände und 1 M. für Bedienung kommen.
Anmeldungen sind zu richten bezüglich der Kurse 2 bis 7 an die Direktion der Königl. Lehranstalt, bezüglich des Kursus 8 an den Borstand der pflanzenphysiologischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt und bezüglich des Kursus 9 an den Vorstand der önochemischen Versuchsstation der Königl. Lehranstalt?
Wegen Zulassung zum Reblauskursus (Nr. 1) wollen sich Preußen an den Herrn Oberpräsidenten der Provinz ihres Wohnsitzes, Nichtpreußen an ihre Landes-Regierung wenden.
Weitere Auskunft ergeben die von der Anstalt kostenfrei zu beziehenden Satzungen.
Geisenheim, den 15. Dezember 1906.
Der Direktor Professor Dr. Wortmann.
nichtamtlicher teil.
Abgeordnetenhaus.
Das preußischeAbgeord »etenhaus wählte am Freitag sein bisheriges Präsidium wieder und trat dann in die erste Etatsberatung ein. Als erster Redner sprach Abg. Frh. v. Erffa (kons.) seine Befriedigung über die allgemeine und die Finanzpolitik der Regierung aus und zollte dem frühern Landwirtschastsminister Worte der Anerkennung. Graf Praschma (Z.) äußerte Bedenken gegen die Eisenbahntarisreform sowie gegen die Auslegung des § 23 des Einkommensteuergesetzes, wonach die Arbeitgeber der Steuerbehörde Listen der bei ihnen beschäftigten Personen geben sollen. Abg. Dr. Friedberg (natl.) warf dem Kultusminister bureaukratische Verwaltung vor und erinnerte an einzelne Fälle. Kultusminister Dr. Studt wies die Angriffe des Vorredners, die er als nnziltref- fend bezeichnet, zurück. Abg. Frhr von Zedlitz (sk.) gab dem Wunsche nach einer einheitlichen Leitung des StaatSministeriums und der Uebernahme der Verantwortlichkeit durch jeden Ressortminister Ausdruck. Abg. Stychel (Pole) klagte über die Behandlung der Polen und ging dann auf den Streik der polnischen Schulkinder ein. Minister Dr. Studt trat auch diesem Redner entgegen und erklärte, daß in dem Schulkinderstreik diejenigen eine Niederlage erleiden würden, die ihn verursacht haben.
Aus > und Ausland.
Berlin den 13. Januar 1907.
Se. Majestät der Kaiser konferierte heute vormittag mit dem Reichskanzler und empfing um 123/i Uhr den neu ernannten italienischen Botschafter Pansa in Antrittsaudienz. Nachmittags gedachte Se. Majestät einem Vortrag des Prof.
„Sam," sagte sie, während eine Helle Röte ihr Gesicht überflog, „Sie haben hart gearbeitet, nun ist an mir die Reihe. Ich muß Sie auf Dinge vorbereiten, die Ihnen unbegreiflich erscheinen werden. Wenn Sie mich mit Alfred Merivale anscheinend freundlich verkehren sehen, so nehmen sie keinen Anstoß daran."
Sam richtete feine ernsten traurigen Augen auf ihr Gesicht.
„Ich weiß nicht gewiß, ob ich Sie verstehe, Fräulein," sprach er langsam und Julianen's Augen füllten sich mit Tränen.
„Machen Sie mir meine Aufgabe nicht noch schwerer, Sam," sagte sie mit gebrochener Stimme. „Sie glauben doch nicht, daß ich aus freiem Willen dieses Mannes'Hand berühren oder nur ein Wort zu ihm sprechen würde ? Aber ich bin nicht frei — ich muß bedenken, daß jener, der mir der liebste aus Erden ist, aus meine Hilfe rechnet. Wenn wir mit solchen Feinden zu kämpfen haben, Sam, dürfen wir nicht zu wählerisch in der Wahl unserer Waffen sein."
„Jetzt verstehe ich Sie, Fräulein," entgegnete Sam Bury sanft, „aber eS tut mir leid, daß Sie mit einem solchen Menschen zu schaffen haben. Vielleicht bin ich ein wenig zu derb, aber ich würde lieber Alfred Merivale mit der Faust ins Gesicht schlagen, als ein höfliches Wort mit ihm zu reoen." '
„Doch was würden wir dadurch gewinnen?" fragte Juliana erregt. „Sie wissen, welche Macht er besitzt. Ihm wäre es ein leichtes, sich eines Feindes wie Sam Bury zu entledigen und wenn Sie mir. genommen würden, Sam, hätte ich wahr- lich nicht mehr den Mut, noch weiter zu kämpfen. Einem solchen Verräter muß man nicht mit Faustschlägen, sondern mit Diplomatie begegnen. Mit jeder Stunde scheint mir Walter ferner zu rücken. Ich kann nicht mehr so weiter leben, Sam, die Ungewißheit tötet mich. Ich muß etwas von Walter erfahren."
Sie ließ den Kops auf ihre verschränkten Arme herabsinken unb weinte bitterlich. Auch Sam's Augen wurden feucht.
„Glauben Sie nur nicht, daß ich Sie tadeln wollte, Fräulein," bat er treuherzig. „Gott weiß, nichts in der Welt wäre mir zu schwer, wenn ich Ihnen diesen Kummer abnehmen könnte. Sie sehen klarer als ich, und vielleicht haben Sie Recht. Und
Puchstein an der Deutschen Orient-Gesellschaft in der Hochschule für Musik beizuwohnen.
Um den in verschiedenen Tageszeitungen immer wieder enthaltenen Behauptungen, den Angehörigen des Bell r l a u b t e n st a n d e s werde die Ausübung des Reichstagswahlrechts durch Einziehung zu Uebungen in erheblichem Umfange unmöglich gemacht bezw. verkümmert, ein für allemal entgegenzutreten, wird in der Berliner Correspondenz darauf hingewiesen, daß für den Bereich der preußischen Militärverwaltung bereits vor einiger Zeit allgemein angeordnet worden ist, die Uebungen des Beurlaubtenstandes so zu regeln, daß die Uebungspflichtigen sich an der bevorstehenden Reichstagswahl und etwaigen Stichwahlen beteiligen können.
Kolonialdirektor Dernburg hat abermals mit einer bemerkenswerten Kundgebung in die W a h l b e w cgun g eingegriffen, die er am Freitag in Berlin in einer vom deutschen Handelstage einberufenen Versammlung ins Weck setzte. Er saßte in dieser Rede namentlich die handelspolitischen Gesichtspunkte des gesammten Kolonialwesens des Deutschen Reiches zusammen. Der Vortragende wies in seiner Einleitung zunächst daraus hin, daß Deutschland früher an Bedeutung in der Welt verloren habe, weil es keine Kolonien besessen habe, und hob dann hervor, wie das Ausdehnungsbedürfnis der deutschen Industrie zur kol onialpolitischen Betätigung geradezu zwinge. Er betonte ferner, daß Deutschland seinen jährlich weit über eine Millarde Mark betragenden Bedarf an Baumwolle, Kupfer, Kautschuk, Petroleum, Reis, Kaffee, Oelfrüchten u'w., den ihm bis jetzt das Ausland liefere, ganz oder doch wenigstens teilweise aus seinen Kolonien decken könne, wodurch es sich bis zu einem gewissen Grade unabhängig vom Weltmärkte zu machen vermöge. Herr Dernburg beleuchtete ivctr. begünstigen Aussichten, welche bezüglich der Produktion der genannten Rohstoffe in den deutschen Kolonien bestünden, und wies ferner nach, daß der Besitz von Kolonien Deutschland ein Mittel in die Hand gebe, um auch auf handelspolitischen Gebieten gegenwärtig noch Erfolge auf überseeischen Märkten erzielen zu können. Er schloß mit der Hervorhebung des Faktums, daß die deutsche koloniale Wirtschaft einfach die Frage der Zukunft der nationalen Arbeit, die Frage des Brotes vieler Millionen Industriearbeiter, die Frage der Beschaffung der heimischen Kapitalien in Handel, Gewerbe und Schiffahrt be= deute. Die eindrucksvollen Darlegungen des Kolonialdirektors wurden von der stark besuchten Versammlung mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
In der braunschweigischen Regentschafts- frage wird es wieder lebendiger. Der außerordentliche braun - schweigische Landtag ist auf den 17. Januar wieder einberufen worden, um sich erneut mit der Regentschastsangelegenheit zu beschäftigen. Der Antrag Braunschweigs über die Ordnung der Regierungsverhältnisse im Herzogtum nach Anordnung des Regentschaftsrates ist inzwischen dem Bundesrate zugegangen.
Im Anschluß an die jetzt für Preußen vorgeschlagenen Gehaltsaufbesserungen für die im Außendienst
grämen Sie sich nicht so sehr, Fräulein," fügte der gute Mann traurig bei; „Sie sind so weiß wie Ihr Kleid und ganz ab- gemagert in den letzten Tagen. Doch nun muß ich gehen, es ist schon spät und Sie bedürfen der Ruhe."
Langsam schlenderte Sam durch die stillen Straßen. Die Nacht war klar und schön, und als er zu dem sternenbesäten Himmel aufblickte, konnte er sich fast einbilden, daß er vor dem kleinen, alten Häuschen auf und abwandele, das solange seine Heimat gewesen. Beinahe wünschte er, daß Walter und er dasselbe nie verlassen hätten.
„Und ich drängte den Jungen so, zurückzukehren," sagte er sich kummervoll. „Tat ich ein Unrecht damit? Hätte ich wissen können, daß er seinen Vater nicht mehr am Leben antreffen würde, so wäre ich wohl nicht so hartnäckig gewesen. Und doch," fügte er bei, „warum sollte er seinen Feind nichts bc- kämpfen? Wenigstens hat er ihnen gezeigt, daß er kein Feigling ist. Wo weilt er jetzt? Armer Junge!"
Von einer plötzlichen Angst gefaßt, blieb er stehen.
„Wie aber, wenn er nicht mehr am Leben wäre? Doch nein, Alfred Merivale ist zu feig, um so viel zu riskieren. Der Junge ist nicht tot, und deshalb müssen wir Jhn auffinden."
Obschon Sam in den letzten schrecklichen Lagen kaum ein Auge geschlossen hatte, war eS ihm unmöglich, jetzt fein Lager aufzusuchen. Ruhelos wanderte er durch die plötzlich sehr belebten Straßen. — Die Leute verließen eben die verschiedenen BergnügungSlokale — und er gelangte zufällig in die Theater- gegenb. Hie und da warf er einen flüchtigen Blick auf die geputzte Menge, Denn ein solcher Schauspiel war ihm neu; es ermüdete ihn förmlich, nachdem er soviel« Jahre ein einsames Leben geführt hatte.
Vor dem einen Theater schien daS Gedränge größer als sonstwo. Elegante Equipagen waren in langen Reihen vor- gefahren, offenbar gehörte daS Auditorium der höhsten >fiefell- schast an. Sam fragte einen in der Nähe stehenden Polizisten, ob hier etwas besonderes los wäre, und der Mann enr gegnete lächelnd:
„Kennen Sie wirklich das königliche Theater nicht, tu welchen» Sylvia Castella austntt?"
„Ich bin ein Fremder, Herr," entgegnete Sam einfach.