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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 5.

Donnerstag, den 10. Jannar

1907.

Amtlicher Ceil.

Nachrichten

für diejenigen jungen Leute, welche in die Unter: offiziervorschnlen einzutreten wünschen.

1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeig. nete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unter­offizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nichr nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militär-Verwaltungs- bezw. Zivil­dienst wünschenswert ist. Daneben wird der körperlichen Ent­wickelung und Ausbildung, unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

2. Die Ausbildung in den Unteroffiziervorschulen dauert in der Regel 2 Jahre.

3. Bet dem Uebertritt in die Unteroffizierschule hat der Frei­willige den Fahneneid zu leisten und steht dann wie jeder andere Soldat des Heeres unter den militärischen Gesetzen.

4. Nach der in der Regel 2 Jahre dauernden Ausbildung in der Unteroffizierschule werden die in den Unteroffiziervorschulen vorgebildeten Unteroffizierschüler an Infanterie-, Jäger-, Marine- Infanterie- und Artillerie-Truppenteile überwiesen und zwar die­jenigen Unteroffizierschüler, welche die Befähigung hierzu erworben haben, als Unteroffiziere.

5. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14V2 Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund persönlich bei dem für seinen Aufenthalt zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffiziervorschule vorzustellen und hierbei folgende Papiere vorzulegen:

1) ein Geburtszeugnis,

2) den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,

3) ein Unbescholtenheitszeugnis der Polizei-Obrigkeit,

4) etwa vorhandene Schulzeugnisse,

5) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäfti­gungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.

6. Bei der Gestellung zum Eintritt in eine Unteroffiziervor­schule müssen die Einberufenen mit einem paar guten Stiefel und zwei neuen Hemden sowie mit 9 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.

Das zum Lebensunterhalt Notwendige wird unentgeltlich gewährt.

7. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirks- feldwebel eingesehen werden.

8. Die Erziehung findet unentgeltlich statt.

Nachrichten für diejenigen Freiwilligen, welche in die Unteroffizier- schulen eingestellt zu werden wünschen.

1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, welche sich dem Militärstande widmen wollen, zu Unter­offizieren heranzubilden.

2. Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert in der Regel 3, bei besonderer Brauchbarkeit 2 Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen

Unterricht erhalten, welcher sie befähigt, bei besonderer Tüchtig­keit auch die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feld­webel etc.) des Militär-Verwaltungsdienstes (Zahlmeister etc.) und des Zivildienstes zu erlangen.

Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigungen aller Arten von Dienstschreiben, mili­tärische Rechnungsführung, Geschichte, Geographie, Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen sowie Gesang.

Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonett- fechten und Schwimmen.

3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes; sie stehen wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahnen­eid zu leisten.

4. Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.

Der Einzustellende soll mindestens 154 Zentimeter groß, voll­kommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehm­baren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauch­barkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.

5. Der Einzustellende muß sich tadellos geführt haben, latei­nische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und die ersten Grundlagen des Rechnens mit nnbenannten Zahlen kennen.

6. Der Einberufene muß mit ausreichendem Schuhzeug, zwei Hemden und mit 9 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein. Im übrigen ist die Ausbildung kostenfrei- die Unteroffizierschüler werden bekleidet und verpflegt wie jeder Soldat des aktiven Heeres.

7. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur seines Aufenthalts­ortes oder bei dem Kommandeur einer Unteroffizierschule (z. Z. in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißenfels, Ettlingen und Marienwerder) persönlich zu melden und hierbei folgende Papiere vorzulegen:

1) einen von dem Zivilvorsitzenden der Ersaxkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,

2) den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,

3; etwa vorhandene Schulzeugnisse,

4) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäf­tigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.

Eine Einstellung findet indessen bei den Unteroffizierschulen in Potsdam, Jülich, Weißenfels und Ettlingen nicht mehr statt, da dieselben sich aus Unteroffiziervorschülern ergänzen.

8. Die Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder sollen, soweit angängig, berücksichtigt werden.

9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober statt.

10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffiziersberuf erweisen, werden aus den Unteroffizierschulen entlassen.

11. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizierschule er­halten bei guter Führung diejenigen Unteroffizierschüler, welche in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reise-Ent­schädigung.

12. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem BezirkS- feldwebel eingesehen werden.

Die Erziehung geschieht unentgeltlich.

Hersseld, den 8. Januar 1907.

Den Herren Bürgermeistern der Wahlorte für die bevor- stehende Reichstagswahl gehen in den nächsten Tagen die für den Wahltermin 25. Januar cr. erforderlichen g o r» mularezudemWahlprotokollundderGegen- liste nebst einem Abdruck des Wahlgesetzes und des Reglements hierzu sowie die vorgeschriebenen Wahlzettel-Um» schlüge zu.

Jeder Sendung liegt eine vorgerichtete Empsangs- bescheinigung bei, welche nach Prüfung aus ihre Richtigkeit u n t e r s ch r i s t l i ch zu vollziehen und daraus sofort an mich zurückzusenden ist.

I. 212. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 9. Januar 1907.

Gemäß § 11 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag des Nord­deutschen Bundes vom 31. Mai 1869 unter Berücksichtigung der aus der Bekanntmachung vom 28. April 1903 (R. G. S. 202) beruhenden Aenderungen ist durch Bereit­stellung eines oder mehrerer Nebenräume, die nur durch daS Wahllokal betretbar und unmittelbar mit ihm verbunden sind oder durch Vorrichtungen an einem oder mehreren von dem Vorstandstisthe getrennten Nebcnnschen Vorsorge dafür zu treffen, daß der Wähler seinen Stimmzettel unbeobachtet in den vorgeschriebenen abgestempelten Umschlag legen kann.

Die Wahlzettel-Umschläge sind bestimmungsgemäß (§ 15 d. Regl.) in der Nähe des Zuganges zu dem Nebenraum oder Nebentisch durch eine Person, die der Wahlvorstand zu be­stimmen hat, verabfolgen zu lassen.

Die Herren Bürgermeister der Wahlorte weise ich ausdrück­lich an, rechtzeitig für die erforderlichen Vorrichtungen zu sorgen, damit den gedachten Vorschriften in jeder Hinsicht vollkommen genügt wird.

Als Wahlurne ist sofern die Gemeinde eine be­sondere Urne für Wahlzwecke nicht besitzt ein geräu­miges mit gut schließendem Deckel ver­sehenes Gefäß zu verwenden.

I. 291-

Der Königliche Landrat von Grunelius.

nichtamtlicher Ceil.

Koloniale Baukosten.

Der bisherige Abgeordnete Erzberger hat unter dem Titel:Die Zentrumpolitik im Reichstage mit besonderer

Um Ehre und Namen.

Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau.

(Fortsetzung.)

Eduard Armand schloß das junge Mädchen zärtlich in seine Arme. Seine Augen waren feucht geworden, er konnte seine Erregung kaum bemeistern.

Es tut mir so leid, mich von Dir zu trennen, lieber Onkel," sagte Juliana,aber ich hoffe. Dich jeden Tag be­suchen zu können. Um Deinetwillen ist es besser, wenn ich Dein Haus verlasse. Ich will jetzt Lady Belty mitteilen, daß ich heute abend bei ihr eintreffe; dann werde ich an meinen Vater schreiben und seine Antwort noch hier abwarten."

Herr Armand nickte stumm. Praktischen Gründen wäre Juliana zur Zeit wohl zugänglich gewesen, er selbst zweifelte nicht im mindesten daran, daß sie durch ihr selbständiges Handeln einen verhängnisvollen Schritt getan, daß sie ihres Erbes sich beraubt habe, als sie ihr Geschick mit dem Walters verknüpfte

Lord Armands Antwort war noch nicht eingetroffen, als Lady Diana zurückkehrte. Juliana vermied ein Zusammen­treffen mit ihr. Sie hatte ihrem Onkel gesagt, daß sie die nächste Stunde ruhig aus ihrem Zimmer verbringen wolle. Nach kurzer Zeit traf ein mit Bleistift geschriebenes Billett von Lady Betty ein, in welchem sie ihre liebe, junge Freundin zu jeder Stunde willkommen hieß. Juliana freute sich darüber, aber ihr Herz war voll banger Ahnung, während sie aus ihres Vaters Antwort harrte. Diese kam endlich in Gestalt von Julianas eigenem Bries in zwei Stücke zerrissen! Große Tränen rollten über Julianas Wangen; eine solch schroffe Ab­weisung hatte sie nicht erwartet.

Onkel Eduard hatte recht," dachte sie wehmütig,ich habe meinen Vater verloren. Vielleicht irre ich mich," sann sie weiter, aber mir schien, als ob mein warmes Eintreten für Walter in einem sehr ungünstigen Moment gekommen wäre. Viel­leicht hatte mein Vater seine eigenen Pläne betreffs meiner Zukunft, dann mußte freilich mein Liebesgeständnis ihn un­angenehm berühren. Doch ich darf mich zur Zeit meinem

Schmerze nicht hingeben," sagte sie sich resolut,ich muß mich gegen kommendes Ungemach stählen. Ich will Sam Bury bitten, mich heute abend bei Lady Betty aufzusuchen, vielleicht hat er mir gute Nachricht zu bringen."

* *

In sehr übler Laune denn sie hatte Alfred Merivale nirgends getroffen trat Lady Diana in daS Studierzimmer ihres Gatten.

Hier bin ich, wie Du eS wünschest," sagte sie kalt.Ich habe auf Deinen Befehl meinen Nachmittag geopfert, und höre nun, daß Dein Bruder nicht einmal so höflich war, meine Rückkehr zu erwarten. Es ist kaum fünf Uhr vorüber."

Herr Armand legte die Feder nieder und entgegnete in müdem Tone:

ES sind Umstünde eingetreten, die Harolds Besuch ab« kürzten. Leider muß ich sagen, daß er in höchster Entrüstung dieses HauS verließ."

Lady Diana lachte höhnisch.

Wie schrecklich!" sagte sie.Und wer und was könnte dieses Unglück verschuldet haben?"

Spotte nicht, Diana," erwiderte Herr Armand.Die Sache ist ernster, als Du Dir vorstellst."

Er hielt inne, denn es fiel ihm schwer, an Julianas Herzens angelegenhcit zu rühren. Allein er konnte seiner Frau unmög­lich das Vorgcfallene verschweigen, besonders da das junge Mädchen sofort das Haus zu verlassen gedachte. So be­richtete er denn in kurzen Worten, waS sich während Lord Armands Besuch Peinliches ereignet hatte.

Ich hoffe, Du wirft Dich bemühen, freundlich gegen Juliana zu sein," schloß er,denn ich fürchte, sie ist im Be- griff, einen dornigen Pfad zu betreten. Um Walters willen hat sie sich mit ihrem Vater entzweit und Harold ist ein Mann, der nie vergibt. Ich glaube, sie ahnt nicht, welche Kämpfe ihr bevorstehen."

Also siehst auch Du ein, daß sie eine große Torheit be­gangen hat?" versetzte Lady Diana;also weißt auch Du, daß dieser Walter Merivale ein Dieb und ein Fälscher ist?"

Eduard Armand schüttelte den Kopf.

Ich weiß von Walter nur, was Juliana mir mitteilte. Eines ist sicher ein Feigling ist er nicht. Er kam zurück mit dem festen Entschluß, seinen Ölamen von allem Verdacht zu reinigen, dies schon spricht zu seinen Gunsten. Und ein Mann, der ein so hohes Ehrgefühl besitzt, daß er sich ein er­sehntes Liebesglück versagt, bis er vor aller Welt gerechtfertigt ist, steht in meiner Achtung so hoch, daß ich es schwer finde, an die alte Geschichte seiner Schande zu glauben."

Lady Diana lachte schrill auf.

Bravo!" rief sie,gut gesprochen! Ich kann mir nun die Zukunft leicht ausmalen. Unsere liebe Juliana wird aus ihres Vaters Haus verstoßen und Du, ihres VaterS Bruder, bestärkst sie in ihrer Auflehnung gegen die väterliche Autorität. Dem Manne, den jedermann, von seinem Vater angefangen für schuldig hielt, wendest Du Deine Sympathie zu und hilsst ihm und Deiner Nichte vielleicht gar, etwas rascher daS Elend zu verkosten, das eine solche Heirat mit sich bringen muß.^ Doch sei dem, wie ihm wolle, auf einem muß ich bestehen, Juliana kann nicht länger hier bleiben."

Sie hat auch garnicht die Absicht," entgegnete Herr Armand sehr ruhig.In längstens einer Stunde wird sie unser HauS verlassen und für mich wenigstens bedeutet ihr Weggehen einen großen Verlust."

Er seufzte tief auf und verließ ohne ein Wort das Zimmer.

Vierzehntes Kapitel. '

Juliana hatte sich aus ihres Onkels HauS entfernt, ohne mit Lady Diana in Berührung zu kommen. Sie bedauerte eS nicht, denn sie fühlte sich fest überzeugt, daß ihre Tante keine freundlichen Gesinnungen gegen sie hegte. Ladv Beltys liebevollen Worte hatten ihr wohlgetan, doch als sie in dem komfortabel» Heim ihrer mütterlichen Freundin angelangt war, wurde sie sich plötzlich bewußt, welch verhängnisvollen Schritt sie getan hatte. ,

So lange sie sich erinnern konnte, war sie von ihres Barns Willen beherrscht worden, nie in ihrem Leben hatte sie ihm den Gehorsam verweigert. Woher hatte sie nur den Mut ge­nommen, sich ihm jetzt so hartnäckig ju widersetzen ? Mit labn Betty sprach sie sich offen aus.