Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, to
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herssel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 3.
Sonnabend, den 5. Januar
1907.
Bestellungen
auf das
Bersfelder Kreisblatt
werden für das
1 Quartal
von allen Kaiserlichen Postanstalten Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 21. Dezember 1906, durch welche die beiden Häuser des Landtages der Monarchie aus den 8. Januar 1907 in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Büreau des Herrenhauses, hier Leipzigerstraße Nr. 3, und in dem Büreau des Hauses der Abgeordneten, hier Prinz Albrechtstraße Nr. 5/6, am 7. Januar 1907 in den Stunden von 9 Uhr früh bis 8 Uhr abends und am 8. Januar 1907 in den Morgenstunden von 9 Uhr früh ab offen liegen wird.
In diesen Büreaus werden auch die Legittmationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mitteilungen in bezug auf diese gemacht werden.
Berlin, den 24. Dezember 1906.
Der Minister des Innern, gcz.: v. Bethmann-Hollweg.
Hersfeld, den 2. Januar 1907.
In Gemäßheit des § 25 und 45 der Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche
i. in dem Zeitraum vom i. Januar 1887 bis ein- schliefslich 31. Dezember 1887 geboren sind,
2. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatz-Behörde zur Musterung bezw. Aushebung gestellt,
3. sich zwar gestellt, aber über ihre Militärverhält- nis noch Keine endgültige Entscheidung erhalten haben,
sich in Ver Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar v. Js zur Rekrutirungs-Stammrolle zu melden und dabei die über ihr Alter sprechenden sowie die. etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militärverhältnis enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschli-ßlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monate folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise wiederholt zu erlassen.
' „Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehördcn noch nicht erteilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. Js. bei dem Ortsvorstände seines Wohnortes zur Rekrutirungs-Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile.
Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthaltsort zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr, Brod- oder Fabrikherren die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachteile."
Die sodann genau nach der Instruktion des Herrn Ober- Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt pro 1876, Seite 109 und 110) aufzustellenden Rekrutirungs-Stammrollen pro 1887 sind mir nebst den bei den Anmeldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Rekrutirungs-Stammrollen der Jahre 1885 und 1886 bis spätestens zum 5. februar d. Js. unter der Bezeichnung „Militaria“ einzureichen.
Bei Anfertigung der neuen Listen ist insbesondere noch folgendes zu beachten.
Die Einträge sind, wie in § 46 2 der W.-O. vorgeschrie- bcn, genau in alphabetischer Reihenfolge zu machen. Sollten Militärpflichtige inzwischen verstorben sein, so bedarf eS der Ausnahme in die Rekrutirungs-Stammrolle nicht, wenn hierüber eine Sterbeurhunde des zuständigen Standesbeamten beigefügt wird. Sollten Militärpflichtige mehrere Vornamen haben, so ist der Rufname zu ynterstreichen.
Zugleich spreche ich die bestimmte Erwartung aus, daß die Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig ausgefüllt werden, insbeson
dere ist anzuzeigen, ob die Eltern des Militärpflichtigen noch leben oder nicht. Auch muß der Stand des Letzteren, sowie derjenige seines Vaters bezeichnet werden. (Die mit diesseitiger Verfügung vom 29. Januar 1902 I. II. Nr. 247, im Kreisblatt Nr. 13, veröffentlichte Anweisung ist genau zu beachten). Bei Militärpflichtigen, welche nicht im diesseitigen Kreise geboren sind, ist außer dem Geburtsort auch der Kreis, zu welchem derselbe gehört, anzugeben. Etwaige Bestrafungen sind unter Bemerkungen einzutragen. Zweifelhafte Eintragungen dürfen nicht gemacht werden. Die betreffende Spalte ist vielmehr alsdann überhaupt nicht auszufüllen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände pp. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden, zum einjährig freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, welche in das militärpflichtige Alter eintreten, bezwse. ein getreten sind, und ihrer aktiven Dienstpflicht noch nicht genügt haben, refp. von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in Gemäßheit des § 93 pos. 2 der Wehrordnung sich bei der Ersatz-Kommission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung chres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
M. 3. Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersscld, den 3. Januar 1907.
Die Herren Orts- und Gutsbezirksvorsteher des Kreises verfehle ich nicht darauf aufmerksam zu machen, daß nach dem 4. Januar er. — also dem Tag, an welchem die Frist für die Auslegung der Wählerliste für die bevorstehende Reichs- tagswahl abläuft — Eintragungen in dieselbe nur noch in den Fällen bewirkt werden dürfen, in denen gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste rechtzeitig — d. h. innerhalb 8 Tagen nach dem Beginn der Auslegung der Liste — Einspruch erhoben und dieser entweder sofort für begründet erachtet worden oder die Entscheidung auf den Einspruch durch die zuständige Behörde — den Landrat — ergangen ist.
I. 10575. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 22. Dezember 1906.
Der Sattler Friedrich Spangenberg zu Heringen ist als Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer für den I. Schau-Bezirk der Gemeinde Heringen, umfassend die Hausnummern 1 bis 139V* mit Füllerode und der Gemeinde Leimbach bestellt und eidlich verpflichtet worden.
I. 40450. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Hersscld, den 2. Januar 1907.
Bei einem Schwein des Lohgerbers Konrad Bätz zu Hcrs- feld ist die Schweinepest ausgebrochen.
I. 10668. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil
Der Reichskanzler Fürst v. B ü l 0 w hat an den V 0 r - stand des Reichsverbandes gegen die Sozial- d e m v k r a t i e zu Händen des Herrn Generalleutnants v. Liebert nachfolgendes Schreiben gerichtet:
Berlin, Sylvester 1906.
In dem Schreiben des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie vom 18. Dezember d. JS. ist mir nahe- gelegt worden, vor der Reichstagswahl noch eine ausklärende Kundgebung zu erlassen. Ich komme dieser Anregung gerne nach und bitte, für die öffentliche Verbreitung dieser Antwort Sorge zu tragen:
Die parlamentarische Lage, die ich bei meinem Amtsantritt vorfand, war nicht wesentlich verschieden von der im letzten Reichstage: die bürgerliche Linke in drei, vier Gruppen gespalten ; die Rechte einiger zwar, aber an Zahl ebenso schwach, wie die Liberalen zusammen; in der Mitte die stärkste Partei, das Zentrum, schon damals nahezu im stände, entweder nebst Polen und Welsen usw. mit den Sozialdemokraten oder mit den Konservativen und dem rechten Flügel der Liberalen eine Mehrheit zu bilden. Eine andere Möglichkeit, als mit dem Zentrum die Geschäfte zu erledigen, gab es namentlich seit den Wahlen von 1903, nicht.
Der Reichskanzler war auf die Mitarbeit dieser Partei angewiesen; er mußte versuchen, ihre Zustimmung zu den im Interesse des Landes notwendigen wirtschaftlichen und nationalen Vorlagen zu erlangen. Daß er dem Zentrum zuliebe staatliche Hoheitsrechte preisgeben oder sich in religiösen und kulturellen Fragen schwach' gezeigt habe, bestreite ich; {ebenfalls darf nicht vergessen werden, daß die wichtigsten Ausgaben, die Verstärkung der Seewehr, die Handelsverträge, die Finanz- reform nur mit Hülfe des Zentrums zu lösen waren und gelöst worden sind.
Ich habe diesen Zustand der Abhängigkeit der parlamentarischen Ergebnisse von dem guten Willen einer Partei
in dem vielgestaltigen deutschen Parteigetriebe immer als nicht unbedenklich empfunden. Ihn zu ändern, hatte ich so lange keinen Grund, als das Zentrum sich bereit zeigte, mit den verbündeten Regierungen positive Arbeit zu leisten, und der Versuchung, seine parlamentarische Stärke zu mißbrauchen, nicht nachgab.
Aber bereits im Frühjahr des abgelausenen Jahres wurden drei dringend nötige Forderungen: die Eisenbahn KeetmanS-» hoop, die Entschädigung der Farmer, die Errichtung eines Kolonialamtes durch eine von Zentrum und Sozialdemokratie geführte Opposittonsmehrheit verwoffen. Damals konnte ich, von schwerer Krankheit noch nicht erholt, nicht eingreifen. Aber es reifte in mir der Entschluß, jedem neuen Versuch solcher Machtproben bei ernsten und mistigen Angelegenheiten des Reiches mit aller Kraft entgegenzutreten. Neben der dann notwendigen Wahrung der Autorität der Regierung und ihrer Stellung über den Parteien schien mir auch ein gewisser Wandel in den doktrinären Anschauungen der Vertreter des liberalen Bürgettums und der steigende Widerwille gegen das sozialdemokratische Treiben die Hoffnung zu rechtfertigen, daß eine Aenderung der parlamentarischen Lage durch das deutsche Volk selbst möglich sei.
In Deutschland gibt es keine einheitliche liberale Partei, die den klaren Willen und die Fähigkeit gezeigt hätte, positive Politik zu machen. Es ist jetzt nicht der Augenblick, Fehler, die begangen, Gelegenheiten, die versäumt worden sind, nach- zurechnen. Jedenfalls haben es innere Uneinigkeit, negativer Doktrinarismus, Uebertreibung der Prinzipien und Unteffchätzung des praktisch Erreichbaren nicht zu dem vom Liberalismus erstrebten Einfluß auf die Regierungsacscbäite kommen lafi-m. Efft im letzten Jahrzehnt hat sich dan. m^'.^e» geändc.'. Ich denke an Eugen Richters Kampf gegen die Sozialdemo- fratie, an die fortschreitende Ueberwindung der Manchesterdoktrin, vor allem au das wachsende Verständnis für große nationale Fragen. Manches wird noch zu lernen sein. Maßhalten, richtiges Augenmaß und Blick in die Nähe, Sinn für historische Kontinuität und reale Bedürsnisse.
Ich glaube nun keineswegs, daß aus den Wahlen eine große geeinigte liberale Partei hervorgehen und etwa den Platz des Zenttums einnehmen könnte. Wohl aber könnten die Parteien der Rechten, die nationalliberale Pattei und die weiter links stehenden freisinnigen Gruppen bei zielbewußtem Vorgehen im Wahlkamps so viel Boden gewinnen, um eine Mehrheit von Fall zu Fall zu bilden. Den starken Gegensatz, der bisher zwischen den Parteien der Rechten und benen der bürgerlichen Linken in wirtschaftlichen Fragen bestauben hat, halte ich für kein unüberwindliches Hindernis. Der unbedingt notwendige Schutz der Landwirtschaft ist in den neuen Handelsverträgen' auf ein Jahrzehnt hinaus gesichert, und mancher freisinnige Mann hat schon unter vier Augen zugegeben, daß sie auch für die städtischen Interessen nicht ungünstig gewirkt haben. Jedenfalls müssen die Gegner der Handelsverträge anerkennen, daß sich Handel unb Industrie sortdau- ernden Ausschwungs erfreuen.
Anderseits führt bereits eine gute Brücke über das trennende Wasser. Die konservativen Patteien und die Nationalliberalen sind in allen großen Fragen, wo es sich um Wohl und Wehe der Nation, ihre Einheit, ihre Machtstellung handelte, zuverlässig gewesen. Die Nation ging ihnen über die Pattei. Das ist ihr Ruhm, den werden sie behaupten. Je mehr aus der Linken die Bereitschaft zur Befriedigung der großen nationalen Bedürfnisse für den Kolonialbesitz, für Heer und Flotte zunimmt, um so breiter und fester kann die Brücke werden, und wohl würden sich auch die nationalgefinnten Elemente, die im Zentrum vorhanden sind, mit allen anderen bürgerlichen Parteien in solchen Fragen leichter zusammenfinden, wenn mit dem Wegsall der Möglichkeit einer schwarzroten Majorität der Fraktionsegoismus des Zenttums der Hand- habe beraubt wäre, sich rücksichtslos gegen die Regierung geltend zu machen.
Die bedenklichste Folge davon, daß sich das Zentrum der sozialdemokratischen Stimmen zur Bildung eines oppositionellen Blocks bedienen konnte, war die Bedeutung, die dadurch die Sozialdemokratie selbst im verflossenen Reichstage erlangte. Da bietet sich ein weiteres hochwichtiges Feld gemeinsamer Sorgen und Arbeit aller nationalen Elemente. Entgegen der leider in einigen liberalen Köpfen noch herrschenden Idee, daß die Reaktion im Reiche von rechts drohe und Seite an Seite mit der Sozialdemokratie zu bekämpfen sei, liegt nach meiner festen Ueberzeugung die wahre Reaktion oder die wahre Gefahr der Reaktion bei der Sozialdemokratie. Nicht nur sind ihre kommunistischen ZukunstSträumc kulturfeindlich, die Mittel zu ihrer Verwirklichung brutaler Zwang — alles, maS sich etwa irgendwo in Deutschland an reaktionärer Gesinnung findet, gewinnt Kraft und Recht durch die sozialistische Unter- wühlung der Begriffe von Obrigkeit, Eigentum, Religion und Vaterland. Aus den wild gewordenen Spießbürger und pbra- scntrunkenen Gleichmacher Robespierre folgte der Degen Boua- parteS. Er mußte kommen, um das französische Volk von der Schreckensherrschaft der Jakobiner und Kommunisten zu befreien.
AlS nun daS Zentrum sogar bei einer Angelegenheit, die die deutsche Waffenehre und unser Ansehen vor der Welt be«