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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^L^r^L^L

HerrMer UreiMatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

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Nr. 151. Dienstag, den 25. Dezember 1906.

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auf das

Umfelder Hreisblatt

DasHersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestatett mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen

alle wichtigen Ereignisse in der

Politik des In- und Auslandes, Reichs- und Landtagsverhandlungen, Nachrichten aus Provinz u. Nachbargebieten, Berichte aus Stadt und Kreis Hersseld, wichtige Cerichts-Entscheidungen rc., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen rc. sortsetzungsweise zum Abdruck.

Durch ein großes format ist es möglich, stets einen reichhaltigen Inhalt bieten zu können.

AM" Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wich­tige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. "LW

An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein

anuftrirtes Sonntagsblatt" und alle 14 Tage eine ausgezeichnete

Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".

Anfang Mai und Oktober je einen Auszug aus dem Lifenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen

Hei RePchten.

Erzählung von I. Werner.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß)

Fühlen Sie sich krank?" fragte sie, sich besorgt zu Me- lanie niederbeugend.

Richt krank," entgegnete Arthur für sie,aber es geht ihr wie mir auch sie kann den Geruch von Patschouli nicht ertragen."

Nur mit Mühe richtete Melanie sich wieder auf; Arthur wählte statt ihrer die Kleider aus, er plauderte und lachte und bemühte sich, ihr Lächeln abzugewinnen, aber Fräulein Nixen gewahrte kopfschüttelnd, daß in einer kurzen Viertelstunde alle Freude, alles Glück aus dem schönen Antlitz gewichen war.

Melanie war nichts mehr an den Scharadenauffübrnngen gelegen. Mit bleichem, traurigem Gesicht trat sie zu Werner.

Werner", hauchte sie,nicht wahr, Du sorgst dafür, daß man mich nicht zum Mitspielen drängt, ich habe keine Lnst mehr dazu, ich fühle mich krank."

Du hast wohl Geister in den alten Räumen oben ge­sehen ?" lächelte ihr Verlobter;was hat denn meine arme Melanie so erschreckt, Arthur?" wandte er sich daraus zu diesem.

Nichts", entgegnete dieser, aber es entging Werner nicht, daß die Zwei einen Blick des Einverständnisses wechselten.

Den ganzen Abend schonte Melanie mit traurigem, be­kümmerten Gesicht drein, und als Werner, wie sie einander Gute Nacht" sagten, sie fragte, wie sie sich den Abend amü­siert habe, sah sie halb schmerzlich zu ihm aus, und ihre Lippen zitterten, als sie ihm zu antworten versuchte. Und war es nur ein Traum, oder hörte er wirklich Arthur seiner Braut etwas zuflüstern, das er nicht verstehen konnte, das aber mit den Worten endete:Wir müssen unser Geheimnis treu be­wahren." Gewiß, es war, es konnte, es mußte nur Einbil­dung von ihm sein, welches Geheimnis hätten die Zwei mit« einander haben können, das er nicht kannte?! Aber der Blick, den sie vorhin miteinander gewechselt hatten? Was war in der kurzen Zeit, wo Arthur mit Malanie oben in den alten

Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil.

Caffel, den 17. Dezember 1906.

Wie in den Vorjahren wird auch im Jahre 1907 ein Kursus zur Unterweisung von Volksschullehrern im Obstbau in der Obstbau-Anstalt zu Oberzwehren und in Gelnhausen abgehalten werden.

Wir ersuchen, uns bis späte st ens zum 10. Ja­nuar k. Js. diejenigen an den öffentlichen Volksschulen des Kreises angestellten Lehrer zu bezeichnen, die zur Teilnahme an einem der Kurse geeignet und bereit sind, auch eventuell anzugeben, an welchem von beiden Kursen sie teilzunehmen wünschen. Bei Auswahl der Lehrer ist zu berücksichtigen, daß sie nicht allein Neigung und Verständnis für den Obstbau zeigen, sondern auch Gelegenheit haben, das Erlernte prak­tisch zu verwerten. Ferner ist es erwünscht, daß die Gemein­den ihr Interesse an der Ausbildung des Lehrers dadurch be­kunden, daß sie sich von vornherein zu einem demnächst an unsere Hauptkasse zu zahlenden Kostenbeitrage, dessen Höhe zu berichten ist, verpflichten.

Einstweilig angestellte Lehrer werden zu den Kursen nicht zugelassen werden.

Die in Vorschlag kommenden Lehrer sind darauf aufmerk­sam zu machen, daß sie sich im Falle ihrer Einberufung m t einem Arbeitsanznge zu versehen haben.

Auch auf jüdische Lehrer ist bei den Vorschlägen Rücksicht zu nehmen.

Königliche Regierung, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen.

F l i e d n e r.

An die Henen Landräte des Bezirks. B. 12389.

* *

Hersscld, den 21. Dezember 1906.

Die Herren Ortsschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich mit Bezugnahme aus den Inhalt der vorstehenden Regie- rungsversügung ergebenst, mir qesälligst diejenigen Herren Lehrer bis zum 2. Januar k. I s. namhaft machen zu wollen, die geeignet und bereit sind, an einem der beiden Kurse teilzu­nehmen.

I. 10410. Der Königliche Landrat

von G r u n c l i u s.

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Räumen gewesen war, geschehen?Wäre es möglich," flüsterte die Eifersucht,daß Arthur gewagt hätte, von Liebe zu ihr zu reden?"

Am folgenden Morgen waren Melanics Augen rot und feucht von Tränen, doch auf seine Frage, was ihr sei, leugnete sie es und senkte den Blick scheu zu Boden.

Von dem Tage an war eS mit Werners Glück, mit seinem Frieden vorbei so konnte, so wollte er nicht weiter leben, er mußte sich Gewißheit verschaffen. Und einen Moment be­nutzend, wo er mit Melanie allein war, ergriff er ihre beiden Hände:Melanie," sprach erweich,sieh mich an, ich möchte eine Frage an Dich richten!" Mit freiem, offenem Blick hob sie die großen blauen Augen zu ihm auf.Sage mir offen," fuhr Werner fort,liebst Du mich noch wie einst, oder hast Du Dein Herz einem Anderen geschenkt? Sage es mir ohne Scheu!"

Statt aller Antwort zog sie ihre kleinen Hände aus den seinen, umschlang ihn innig und hauchte in zärtlichem Tone: Ich liebe Dich mehr denn je; ich liebe Dich so heiß, so innig, wie ein Menschenherz nur lieben kann. O, Werner, zweifle nie an mir, nie an meiner Liebe!"

Tags darauf begab er sich in Arthurs Zimmer, suchte den­selben aber vergebens, und fand statt seiner ein halb zerknit­tertes Blatt Papier auf dem Fußboden liegen. Voll Schreck und Zorn erkannte er Melanies Handschrift.Ich muß Dich vor Deiner Abreise noch allein sprechen, Arthur," lautete das Briefchen,ich bin überzeugt, daß Werner uns im Verdacht bat; ich kann dies Geheimnis nicht länger ertragen. Ich werde Dich morgen früh um 10 Uhr im Parke unter der großen Ulme treffen, laß mich Dich nicht vergebens erwarten, mir bricht fast das Herz. Melanie."

Das also war das Geheimnis sie liebte seinen Bruder so hatte er sich doch nicht geirrt! Das Briefchen mit zor­niger Faust zusammenballend, starrte er mehrere Minuten lang stumm und regungslos vor sich hin, dann aber stürmte er mit einem Fluch aus den farblosen Lippen hinaus in den Park, die Schuldigen zu suchen. Unbemerkt kam er ihnen näher, bis er deutlich ihre Unterhaltung hören konnte.

Kvmm, Melanie," sprach Arthur,versprich eS mir,

Hersfeld, den 21. Dezember 1906.

Den Herren Bürgermeistern, in deren Bezirken Einkommen- steuer-Zu- und Abgänge während der laufenden Jahre in größerem Umfange Vorkommen, empfehle ich zur Erleichterung bei der Bearbeitung die Anschaffung einer auch in meinem Gebrauch befindlichen Hülfstabelle.

Der Preis dieser Tabelle, die einen vollständigen Tarif enthält, beträgt 0,90 Mark.

Der Bedarf ist mir binnen 8 Tagen anzuzeigen.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungskommission von Grunelius.

Hersfeld, den 19. Dezember 1906.

Die unter dem Schweinebestande des Formers Maykranz zu HerSield aurgsbro-ene Schweineseuche erloschen.

I. 10317. Der Königliche Londrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Weihnachten.

So ist denn da« selige Weihnachtsfest wieder gekommen, und die EngelsbotschaftFriede auf Erden" gewinnt in diesen Tagen auch äußerlich eine herzbewegende Bestätigung. Unter dem Glänze der Weihnachtrkerzen zieht bei Frieden ein in da« sonst so friedelose Getriebe des täglichen Leben's. So trägt Weihnachten zunächst dar Aussehen eiv."S fröhlichen Feste« für fröhliche Menschen und außerdem vor allem eines Kinderfeste«: zeigt e« un« doch sowohl das Heil der Welt als ein kleines, hilfloses und auf die Liebe der Seinen angewiesenes Kind, und offenbart es uns doch zugleich damit, daß wir, wenn wir des Heils teilhaftig werden wollen, nicht anderes versuchen müssen, als zu werden wie die Kinder. Eben darum hat auch den rechten Segen vom Weihnachtsfeste nur, wer recht ein Kind zu werden vermag.

Aber gerade das ist für gar viele keine leichte Aufgabe; denn zwar die Zahl derer, die aus weltlichen Sorgen und natürlicher Weisheit nicht dazu kommen, vor dem Kinde in der Krippe kindlich das Knie zu beugen, wird zu allen Zeiten ungefähr die gleiche fein. Aber ebenso wird zu allen Zeiten die Zahl der Kreuzträger sich ziemlich gleich bleiben, die da in tiefen leiden schweben und durch dunkle Trauerzeiten geführt werden; ihnen wird's trotz festen Glauben« und gewisser Zuversicht zu dem Vater im Himmel, dessen Wege lauter Gnade und Güte find, doch allzu schwer erscheinen, Weihnachten zu feiern in der kindlichen Fröhlichkeit eines von Kummer und Sorgen ent­ladenen Herzen«.

dann sind wir beide glücklich. Ich reise nicht eher ab, bis ich Dein Versprechen habe."

Ich kann nicht," entgegnete Melanie,"es geht mir gegen Treue und Ehre und doch kann ich meine Liebe, mein Glück nicht verlieren!"

Wo es sich um Ehre handelt, kannst Du mir als Offi­zier vertrauen," sagte jener heiter;gib mir Dein Versprechen, Melanie, und die Liebe bleibt Dir!"

Da trat Werner hinzu, ergriff Melanies Hand mit eisernem Druck und rief:Genug der Lügen und des Betruges, von nun an soll Euch nichts mehr im Wege stehen. Wir," fuhr er zu Arthur gewendet fort,sprechen später noch miteinander.

Stumm führte er Melanie dem gräflichen Hause zu. An der Tür desselben blieb er stehen und bat seine Braut noch einmal, ihm zu sagen, was sie mit seinem Bruder zu reden gehabt habe.

Ich kann es Dir nicht sagen," versetzte Melanie,Arthur hat mein Wort, daß ich darüber schweigen will."

Das wagst Du mir zu sagen?" herrschte er sie an,hatte ich nicht Dein Wort zuerst?"

Ich verstehe Dich nicht," entgegnete sie befremdet;sage offen, wessen Du mich verdächtigst."

Daß Du treulos bist und mich um meines Bruders willen verraten hast!" stieß Walter in wildem Zorn hervor.

»Das war zu viel. Ein Ausdruck der Verachtung trat in Melanies Augen, verletzter Stolz machte ihr Gesicht erglühen, ein leichter Spott legte sich um ihre Lippen, und ihre schlanke Gestalt zu ihrer ganzen Höhe aufrichtend, erwiderte sie in lang­samem, nachdrücklichem Tone:Nur, weil Du so gering über die Liebe, so schwach über die Treue zu denken wagst, nur aus diesem Grunde allein, das schwöre ich. Dir gebe ich Dir hiermit Dein Wort zurück. Ich bin nicht länger die Deine. Nie würde ich einen Mann heiraten, der an meiner Treue zweifelt, und wenn mir daö Herz darüber brechen sollte."

Werner wollte sie unterbrechen, wollte etwas sagen, aber sie winkte ihm mit stolzer Geberde ab.

Der Verdacht den Du gegen mich hegst," fuhr sie fort, bildet eine größere Kluft zwischen uns, als selbst der Tod vermocht hätte. Lebe wohl für immer!'