Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, Na
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile lOPfg.,im amtlichen Teile 20pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^»^»^»^
herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 148. Dienstag, den 18. Dezember 1906.
Amtlicher teil.
beiresfeck
Bekanntmachung.
Nachdem der Reichstag am 13. d. Mts. aufgelöst und durch Kaiserliche Verordnung vom 14. d. Mts. angeordnet worden ist, daß die Neuwahlen am 25. Januar 1907 vorzu- nehmen sind, bestimme ich hierdurch auf Grund des § 8 des
Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869 und des 8 2 des Wahl
reglements vom
28. Mai 1870, .
^digözd°id,-»us„,°»gd-,
Wählerlisten im Bereich des Preußischen Staates am
Freitag den 28. Dezember 1906 zu beginnen hat.
Berlin, den 14. Dezember 1906.
Der Minister des Jnnem.
von Bethmann-Hollweg.
Unter Bezugnahme auf die obige Bekanntmachung und meine Verfügung vo m 14. d. Mts. — Kreisblatt Nr. 147 — weise ich die Herren Ortsvorstände an, die aufgestellten Wählerlisten in ihrem Geschäftszimmer unfehlbar am 2 8. Dezember d. I s. aus die Dauer von 8 Tagen zur Einsicht offen zu legen, vorher aber, und zwar spätestens am 27. Dezember d. JS. in dem Gemeindebezirk auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu lassen, daß die Liste der zur Wahl eines Abgeordneten für den Reichstag berechtigten Einwohner in dem Geschäftszimmer des Ortsvorstandes a ch t Tage lang zu Jedermanns Einsicht ausliege, und daß diejenigen, welche die Liste für unrichtig oder unvollständig halten, solches innerhalb der nächsten 8 Tage nach dem Beginne der Auslegung bei dem Ortsvorstand s ch r i s t - lich anzuzeigen oder zu Protokoll zu geben, auch die Beweismittel für ihre Behauptungen, falls solche nicht allgemein bekannt sind, beizubringen haben.
Alle innerhalb der bestimmten achttägigen Frist gegen die Richtigkeit und Vollständigkeit der Listen etwa erhobenen Einwendungen sind, sofern sie nicht sofort für begründet erachtet werden, m i r zur Entscheidung umgehend einzureichen.
Im Uebrigen ist genau nach Vorschrift der §§ 4 und 5 des oben erwähnten Reglements zu verfahren bezw. das in dem mit Verfügung vom 11. Juli 1877, Nr. 7156 —Kreisblatt Nr. 56 de 1877 — mitgeteilten Ministerial-Erlasse vom 25. Juni 1877, I V. J. 675, unter Ziffer 1 und 2 Gesagte pünktlich zu beachten.
Die vorgeschriebene Bescheinigung über die Auslegung der Wählerlisten rc., welche aus der letzten Seite des Formulars vorgedruckt ist, ist ordnungsmäßig demnächst zu vollziehen.
In Betreff der Abgrenzung der Wahlbezirke und der Er
Um kbre und Namen.
Roman nach dem Englischen von Clara Rheinau. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Als er die Tür öffnete und Herrn Viktor Parnell an- meldete, schrak Sir Alfred, der sich gerade im Gespräch mit einem seiner Beamten befand, heftig zusammen und verfärbte sich auffalleud. In der nächsten Minute übergoß eine glühende Röte sein Gesicht und seine Augen sprühten Blitze. Er mußte sich große Gewalt antun, um ruhig zu bleiben und schien in Verlegenheit, wie er seinen Besucher anreden solle. Allein dieser war offenbar vorbereitet.
„Ich hoffe, ich habe Sie nicht mißverstanden, Sir Alfred", sagte er gewandt und man sah aus den ersten Blick, daß er von Geburt und Erziehung ein Gentleman war, „ich glaube es sei Ihr Wunsch, daß ich mein Amt als Sekretär heute antrete?"
Sir Alfred hatte sich jetzt hinreichend gefaßt, um ruhig zu erwidern:
„Ich erwartete Sie allerdings heute noch nicht, Herr Parnell, aber es ist gut, daß Sie hier sind. An solchen Tagen gibt es natürlich eine Menge Schreibereien zu besorgen."
Der Beamte nahm dies für einen Wink, sich zu entfernen und verabschiedete sich. Viktor Parnell fand es sehr auffallend, daß Sir Alfred ihm bis zur Halle daS Geleite gab, aber er ahnte, daß dieser einige Minuten deS Alleinseins dringend bedürfe. So schleuderte er den» im Zimmer umher, betrachtete die alten Kupferstiche an den Wänden und blätterte in den Büchern die aus dem Tische lagen.
„Ein hübsches Quartier, Sir Alfred," bemerkte er in ironischem Tone, als der Baronet wieder das Zimmer betrat, allein dieser würdigte ihn keiner Antwort. Er trat dicht vor ihn hin und fixierte ihn scharf.
„Was tun Sie hier?" fragte er mit leiser, grollender Stimme. „Halten Sie so Ihren Vertrag. Als wir uns neulich Abends trennten, gab ich Ihnen eine große Summe. Es war —"
nennung der Wahlvorsteher u. s. w. bezüglich der Landgemeinden erfolgt weitere Verfügung.
Hersfeld, den 17. Dezember 1906.
Der Königliche Landrat von Grunelius.
Oeffentliche Bekanntmachung.
Einkommensteuerveranlagung für das Steuerjahr 1907.
Auf Grund des § 25 des Einkommensteuergesetzes wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerst s l i ch t i g e im Kreise Hersfeld aufgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar 1907 bis 21. Januar 1907 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen gemacht sind.
Die oben bezeichneten Steuerpflichtigen find zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondere Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Die Zusendung der Aufforderungen nebst den vorgeschriebenen Formularen (denen zugleich die maßgebenden Bestimmungen beigefügt sind) wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Formulare werden auch von heute ab im Amtslokale des Unterzeichneten kostenlos verabfolgt.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig, mittels Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinem Amtslokal „Stift Nr. 671“ während der Geschäftsstunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags zu Protokoll entgegengenommen.
Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß § 31 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes neben der im Veranlagungs- und Rechls- mittelverfahren endgültig festgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozent zu derselben zu entrichten.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im § 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Gemäß ß 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur auf solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Geschäftsgewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß 8 71 a. a. O. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahr nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeich
„Eine Abschlagszahlung aus das große Einkommen, woraus ich nun ein Recht habe," fiel ihm der andere ins Wort. „Aber halten wir uns nicht mit Kleinigkeiten auf; um darüber zu sprechen, bin ich nicht gekommen."
„Was soll dies bedeuten?" fragte Sir Alfred mit heiserer Stimme.
„Dies soll bedeuten, alter Junge, daß ich mit Ihnen sinken oder schwimmen werde. Ueberraschl Sie dies so sehr?"
„Sie sind ein Elender!" war die heftige Erregung.
„Ich bin Ihresgleichen," erwiderte Parnell mit Hohn — „ebenso gut geeignet auf diesem alten Herrensitz zu wohnen, wie Sie. Doch lassen wir die Torheiten beiseite, Merivale. Sie wissen so gut als ich, daß ein Mann nicht so tief sinkt, wie wir beide gesunken sind, ohne sich dafür bezahlt zu machen. Sie glaubten, mein Schweigen durch gelegentliche Geldgeschenke erkaufen zu können, aber Sie irrten sich. Ich bin kein gemeiner Räuber, den man auf diese Weise abfertigt. Ich habe meinen Ehrgeiz so gut wie Sie selbst und ick beabsichtige, in der Tat mit Ihnen zu teilen. Neunen Sie mich Ihren Freund, Ihren Sekretär, oder was Sie wollen, aber vergessen Sie nicht; wohin Sie gehen, gehe auch ich, was Sie besitzen, besitze auch ich. Wenn die Gesellschaft Sie im guten Glauben als Ehrenmann ausnimmt, so werde ich wohl in derselben Gesellschaft in diesem Punkt mit Ihnen konkurrieren können. Jetzt, da der rechtmäßige Besitzer von Wilberforee tot ist — ich vermute wenigstens, daß Sie sichere Beweise für Walters Tod haben — steht nichts mehr zwischen Ihnen und diesem reichen Erben. Und da ich Ihnen sehr behilflich war, sich zu Ihrer jetzigen Stellung aufzuschwingen, so darf es Sie nicht überraschen, wenn ich als mein Recht beanspruche, diese mit Ihnen zu teilen. Ohnehin wissen Sie," fügte er nach kurzem Zögern bei, „daß ich Sie in meiner Gewalt habe."
Sir Alfred sah aschgrau aus, aber er beherrschte seine Wut.
„Ich trotze Ihnen," sagte er mit eisigem Hohn. „Ich bin nicht der Mann, der sich durch Drohungen einschüchtern läßt. Verkünden Sie der Welt, waS Sie wollen, niemand wird Ihnen glauben. Mit mir teilen! Nein, mein Freund, dies wird nicht geschehen. Ich bin der alleinige Herr hier in meinem rechtmäßigen Erbe, das mir keiner streitig machen kann!"
neten Frist eine, die nähere Bezeichnung des empsangenen Geschäftsgewinnes aus der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen.
Ueber die Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer wird auf Anfrage von mir und dem Katasteramt hier Auskunft erteilt.
Es wird gebeten, mit der Abgabe der Steuererklärungen nicht bis zu den letzten Tagen zu warten, sondern die Erklärungen möglichst frühzeitig innerhalb der Frist einzusenden.
Hersfeld, den 11. Dezember 1906.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer« Deranlagnngs-Kommission
St. 3193. von Grunelius.
Hersfeld, den 13. T Herüber 1906.
Die unter den Schweinen des Ackermanns Johannes Sippel in Ransbach ausgebrochene Schweineseuche ist erloschen.
L 10135. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Zum Wahlkamps.
DienationalliberaleReichStagtfraktion veröffentlicht einen flammenden Aufruf „an die d e u t s ch e n R e i ch S t a g s w ä h l e r," au« dem wir nachstehend die wesentlichsten Stellen wiedergeben:
„Endlich eine erlösende Tat, ein Aufatmen nach lange aetragenem Druck! Da» war die uns allen gemeinsame Empfindung, ale am gestrigen Abend nach schwerem Ringen unserer ReichrtagSfroktion mit dem Zentrum der Reich», tangier eine Kaiserliche Verordnung ankündigte. Die Auf« lösung des Reichstags, der Ruf an da» deutsche Volk war er, was allein noch übrig blieb, als sich ergab, daß die Gemeinschaft der nationalen Parteien im Hause nicht stark genug sein werde, um dem kaudinischen Joch der Zentrums sich zu entziehen. Seit Jahren hat das Zentrum dieses Joch über den Reichstag, die Gesamtvertretung des deutschen Volkes gelegt. So ist jetzt das Reich in Gefahr gekommen, vor dem Auslande zu bekennen, daß wir einen uns aufge« zwungenen Krieg nicht mehr in Ehren zu Ende zu bringen vermögen.
Was war der besondere Anlaß zur Auflösung? Er lag zur Beschlußfassung ein Nachtragretat vor. Er wurden von den verbündeten Regierungen die Mittel verlangt, um unsere im bitteren Kampfe gegen die Hottentotten fechtenden Truppen zu erhalten. Siegreich ist der Hereroaufstand niedergeschlagen. 14 000 Schwarze haben sich zur Uebergabe gestellt und werden nun der Arbeit zugeführt, dem ersten Mittel zur kulturellen Entwicklung der Eingeborenen in unseren Kolonien. Er blieb noch der Aufstand der Hottentotten;
Viktor Parnell lachte spöttisch.
„Keiner?" sagte er bedeutungsvoll. „Auch nicht Walter Merivale?"
Sir Alfred zitterte, aber er bezwäng seine Schwäche.
„Walter Merivale ist tot," sagte er ruhig, „er starb vor mehr als einem Jahre."
„Walter Merivale ist nicht tot!" behauptete der andere. „Er lebte noch vor einigen Monaten, und wenn ich mich in der menschlichen Natur auskenne, so wird er nicht ruhen und rasten, bis er sich an feinem Verderber gerächt hat. Nun, was sagen Sie dazu? Wollen wir zusammen arbeiten oder soll ich mich Ihrem Gegner anschließen? Mir ist es einerlei, auf wessen Seite ich stehe, so lange ich meinen Zweck dabei erreiche."
Der Baronet versank in Nachdenken. Die Worte, die er gehört, summten ihm in den Ohren.
Walter lebte! Dann war er also falsch berichtet worden! Die Gedanken wirbelten ihm durcheinander.
Parnell zündete sich eine Zigarre an.
„Nun?" fragte er gleichmütig.
Der andere warf ihm einen wütenden Blick zu.
„Zum Teufel I" zischte er und stürmte aus dem Zimmer.
Der Zurückbleibende lächelte befriedigt.
„Das Spiel ist gewonnen," murmelte er zwischen den Zähnen. „Er hat keine Wahl und mir steht jetzt die Welt offen! Es tut mir leid für Walter Merivale, aber schließlich kann ich mir nicht gestatten, sentimental zu sein. Er müßte sich erst erkämpfen, was Alfred in den Schoß gefallen ist, und ich bin des Kampfes müde. Ich will mein Leben genießen, und wenn ich Dich auch bemitleide, Walter Merivale, so werde ich doch ohne das geringste Zögern Dir entgegenarbeiten. Und solltest Du je zurückkehren und mit Deinem Feinde Abrechnung halten wollen, so werden es zwei gegen einen sein, Walter, also um Deiner selbst willen, bleibe wo Du bist."
Sechstes Kapitel.
Trotz seiner einsiedlerischen Gewohnheiten hatte Eduard Armand eS als seine Pflicht angesehen, dem langjährigen Freunde seiner Familie die letzte Ehre zu erweisen. Mit web-