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Ein Sch elmenstückch en wird der Wiener Neuen Fr. Pr. au» Ballymena in Irland berichtet: Dort fand man eine» schönen Morgen» an allen Straßenecken große Anschläge, auf denen angekündigt wurde, daß da» Kriegtmiuisterium infolge einer großen Rattenplage in verschiedene« außereuropäischen Stationen beschlossen hat, Katzen in größerer Menge dorthin auszuführen. Alle Katzen- besitzer, die sich von ihren Tieren trennen wollten, wurden aufgefordert, mit diesen an einem bestimmten Tage sich auf dem Meßplatze in Ballymena einzufinden. Für gut: und gesunde Katzen wurde ein Preis von 2 bis 4 Schillingen geboten, und die Ankündigung schloß mit der Versicherung, daß ein Beamter de» Kriegsministeriums zur Abnahme der angekauften Katzen erscheinen würde. Auch in einigen der umliegenden Dörser wurde der Anschlag an» gehestet. An dem genannten Tage strömten Hunderte von Katzenbefitzern mit ihren Lieblingen aus dem Meßplatz zu­sammen. Aus den Dörfern kamen ganze Wagenladungen der Rattenvertilger, pd man erwartete geduldig den Be­amten de« Kriegtmin tums. Stunde um Stunde verrann, aber der Beamte k nicht. Schließlich dämmerte den versammelten Katzen iitz -n auf, daß sie das Opfer eines Ulke« geworden waren, und unter nicht gerade sehr sanften Lutdrücken kehrten die Enttäuschten mit ihren Ladungen nach Hause zurück. Viele sollen unterwegs ihre Katzen autgesetzt oderverloren" haben, und heute sucht Ballymena und Umgebung eifrig nach dem Anstifter beS schlechten Witzes.

Am 8. Dezember waren 25 Jahre seit dem furcht­baren Brande de« Ringtheater« in Wien ver­flossen. Auf dem Theaterzettel stand Hoffmanns Erzählungen zur erstmaligen Aufführung angekündigt, und bas Haus, das 1760 Zuschauer faßte, war ausverkauft. Unmittelbar vor Beginn Der Vorstellung, um SA7 Uhr, brach auf der Bühne durch die U Vorsichtigkeit eine« Arbeiter» F.uer aus, da« so schnell um sich griff, daß, all um 7 Uhr die verspätet alar­mierte Feuerwehr erschien, bereits die Flammen zum Dache hinausschlugen. Bei der Rettungsaktion herrschte eine Kopf, losigkeit, die geradezu unglaublich erscheint. Die Polizei drohte allen denen, die in bas brennende Hau« eindnngen wollten, m>' er Verhaftung. Erst gegen V28 Uhr machte man sich - energischer Weise daran, zu retten, war noch zu retten war, namentlich ging der StaatSanwalt Graf Lamezan mit Todesverachtung und Heldenmut persönlich an« Rettung-werk. Der Anblick, der sich den Eindringenden bot, war grauenhaft. Bi« zu den Decken der Gänge erhob sich ein wirre« Chaos entsetzlich verkrümmt» und verkohlter Leichen, von denen bi« 3/*ll Uhr 116 geborgen wurden. Auch am 9. Dezember setzte man die Bergungsarbeiten fort, und den ganzen Tag verkehrten die Militärsanttät-wagen, auf welchen man die Toten, reihenweise geschichtet, noch dem Leichenhof« im Allgemeinen Krankenhause brächte. Viele Tote waren so entsetzlich verstümmelt, daß eine Agnoszierung völlig au»geschloffen war, und noch heute ist man über die Zahl der Opfer nicht einig, man schwankt zwischen 600 und 700. Am 12. Dezember nahm man in einem 32 Meter langen Grabe die Bestattung der Toten und der aufgefundenen Körperteile vor. Da« Grab befindet sich im Zentralfriedhofe, unb über ihm erhebt sich »in Denkmal, da» in endloser Reih« die Namen der Opfer trägt, soweit man sie überhaupt in Erfahrung bringen konnte. Da» vollständig ausgebrannte Ringtheater wurde demoliert und an seiner Stelle ein gotische« Stiftthau» errichtet, bas sogenannte Sühnehau«» in dessen Kapelle alljährlich am 8. Dezember ein feierlicher Gedächtni«- gotterdienst abgehalten wird. Für die Hinterbliebenen der Opfer regte sich die öffentliche Wohltätigkeit in hervorragendem Maße. Nicht nur Wien und Oesterreich, alle Welt beteiligte sich, wie die Münchener Neuesten Nachrichten in Erinnerung bringen, an dem edlen Werke. Ein Amerikaner spendete beispielsweise 125 000 Gulden. Viele Familien in Oester. reich und au« dem Deutschen Reich« meldeten sich großmütig zur Annahme von Pflegekindern, ihre Zahl war größer als die der angemelbeten Pfleglinge.

(Eine amerikanische Schaufensterde- koration.) Auch bei uns machen in der Weihnachtszeit die Geschäfte große Anstrengungen, durch möglichst fesselnde und anziehend« Aullagen in den Schaufenstern die Aufmerk­samkeit bes Publikum« zu erregen. Die Amerikaner find ihnen aber an Findigkeit doch überlegen, wie die folgende Reklame zeigt, die aus New Aork berichtet wird:Den Passanten de» Broadway bietet im Schaufenster eines Regen- mäntelhändler» ein wunderliche« Schauspiel. Hinter den großen Gla»scheibeu gewahrt man eine schöne junge Dame, sorgsam eingehüllt in einen weiten Regenmantel. Ein dichter Wafferregen plätschert auf fie nieder. Von Viertelstunde zu Viertelstunde hört die niederrauschende Flut auf. Dann schlägt die Dame mit liebenswürdigem Lächeln den Mantel zurück und zeigt sich den Schaulustigen in einer völlig un«

Versehrten, eleganten Gesellschaft»toilette. Von Morgen» 10 bis Abend» 7 Uhr kann man täglich diese Szene gt« nießen, um sich von der Zuverlässigkeit der Regenmäntel zu überzeugen."

(Ein Freispruch und feine Folgen.) In Liverpool wurde ein Mann, der zum zweiten Male unter der Anklage bes Morde« vor Gericht stand, weil sich die erste Jury nicht über da« Urteil hatte einigen können, von der zweiten Jury freigesprochen. Die« führte zu großer Aufregung in der Bevölkerung. Ein Gastwirt erhielt bei einer Auseinandersetzung über diesen Fall von einem feiner Gäste einen Faustschlag, an dessen Folgen er starb. Der Freigesprochene mußte vor der Wut der Bevölkerung, die an seine Schuld glaubte, Schutz aus bet Poltzeistation suche«.

Madrid, 11. Dezember. Wie au« Bilbao ge­meldet wird, schlug dort infolge eines heftigen Windstoßes ein kleine« Schiff bei der Ueberfahrt über den Fluß um. 16 Insassen werden vermißt; sieben Leichen sind bereit« ge­borgen.

Die geistig« BerschiedenheitderGr- schlechter.) Aus New Park wird berichtet: An der Columbia-Universität ist eine Reihe von Experimenten unternommen worden, um die Verschiedenheit der geistigen Fähigkeiten bei beiden Geschlechtern zuergründen. Die Versuche haben sich über vier J,hre erstreckt. Nach ihrem Ergebnir hat Das weibliche Geschlecht ein stärkere« Gesicht-gedächtnis und eine schnellere Auffassung-gabe; der Mann dagegen besitzt die größere Kopfform, ein stärkere» Gehörgedächtnis, dar schnellere Assoziterung«vermögen, raschere Bewegungen und da« entwickeltere Wahrnehmung-vrrmögen für Dimen­sionen. In der Abschätzung von Gewichten, im logischen Gedächtnis und in der Fähigkeit, Strapazen zu ertragen, geben die Geschlechter einander nicht« nach. Man hat dabei beobachtet, daß die Studenten, die die psychologischen Prüfungen am besten bestanden, auch ihre Studien am besten zu führen wissen. Die Experiment» haben ferner gezeigt, daß 50 pCt. der Anfänger an Halluzinationen leiden, die oft durch die ganze Studienzeit währen. Meisten» bestehen die Wahnvorstellungen in der imaginären Wahrnehmung von Stimmen. Ein Student gab an, daß er die Stimme seiner fünfzehnhundert Meilen entfernten Mutter gehört habe, unb bas G sp-äch von Freunden, die sich unterhielten und riefen. Ein anderer erzählte, so oft er Klaviersptel vernähme, höre er die Stimme seiner Mutter.

Nur Provinz u. Nachbargebiet.

* Eine Herabsetzung der Gebühr für die Benutzung von Posischließfächern hatte der Präsident des Deutschen Handel»tage» beim Staatssekretär der Reiche-Postamt« beantragt. In der Eingabe wurde daraus hingewiesen, daß die gegenwärtige jährliche Gebühr von 12 Mk. für ein Schließfach gewöhnlicher Größe und von 18 Mk. für ein solche« größerer Abmessung zu hoch erscheine und zahlreiche größere Firmen davon abhalte, von der Einrichtung Gebrauch zu machen. Nach dem jetzt dem Handel-tage ^gegangenen Bescheid« bei Staatssekretärs hat sich bei bet Prüfung der Angelegenheit ergeben, daß die Schließsächer-Gebühren nicht danach berechnet werden können, ob bei einem bestimmten Postamte die Einnahmen an Fachgebühren gegenüber den für Einrichtung und In­standhaltung der Fächer aufzuwendenden Kosten einen Ueber» schuß ergeben, sondern daß bei der Verschiedenartigkeit der in Betracht zu ziehenden örtlichen Verhältnisse die Ergebnisse für bal gesamte Reich«-Postgebiet berücksichtigt werden müssen. Di« in dieser Beziehung angeßtOten Berechnungen hätten zunächst keinen Anlaß geboten, die Gebühr herabzusetzen.

* Im November d. I». sind in den deutschen Münzstätten nach der im Reichsanz. veröffentlichten Ueber» ficht anR«ich»münzen ausgeprägt worden 17 577 680 Mk. in Doppelkron«n, sämtlich aus Privatbestellurch, ferner 458 000 Mk. in Zwei- und 792 939 Mk. in Einmarkstücken, 2 094 832,50 Mk. in FüvszigpsennigfiüSen, sowie 71 752,18 Mk. in Zweipfennig- und 110973,69 Mk. in Einpfennig­stücken.

* Nach der im Reichsanzeiger veröffentlichten Zusammen« stellung der Berichte von deutschen Frucht­märkten find im November b. I. die Durchschnittspreise aller Fruchtarten mit Au«nahme bei Weizen« mehr oder weniger gestiegen. Der Weizen, der allein eine greiser» Mäßigung zeigt, kostete im Durchschnitt 17,58 Mk. für den Doppelzentner gegen 17,82 Mk. im Oktober b. I. und 17,33 Mk. im November 1905. Der Durchschnttl»pr«i« bei Roggen« betrug 15,75 Mk. gegen 15,71 Mk. im Vormonat und 15,86 Mk. im Vorjahr. Die Gerste kostete im Durchschnitt 16,88

Mk. gegen 16,72 Mk. im Oktober b. I. und 16,28 Mk. im November v. I. Der Hafer endlich hatte die größte Preis- stitgerung, er kostete durchschnittlich 16,16 Mk. für den Doppelzentner gegen 15,75 und 15,42 Mk. in den beiden Virgletch«monaten. Gegenüber den Durchschnittspreisen bei vorhergehenden Monat» sind also im November b. J. bet Roggen um 5, die Gerste um 16 und der Hafer um 41 Psg. für den Doppelzentner teurer und nur der Weizen um 24 Pfg. billiger geworden. Im Vergleich zum Vorjahre ist nur der Roggen billiger geworden, und zwar um 0,7 v. H., die übrigen Fruchtarten haben ihre Durchschnittspreise dagegen erhöht, der Weizen um 1,4, die Gerste um 3,7 und bet Hafer um 4,8 v. H.

p Her-feld, 14. Dezember. (Weihnacht-nähe.) Da» liebe Weihnacht«fest mit all seinen Freuden, Ueber, raschungen und Festlichkeiten steht vor der Tür. Nur noch wenige Tag« und der Weihnachtsabend ist da, wo der festlich geschmückte Christbaum uns alle Mühe und Arbeit für kurze Zeit vergessen läßt und un« mit feinem Lichterglanze die fröhlichen Tage der Kinderzeit vor Augen führt. Weihnachten naht, bal Fest der Ktnd'rträume und Kinder« sehnsucht, das Fest der Liebe und Gebefreudigkeit, das Fest der Verheißung bei Heil« für alle Well und mit ihm jene eigenartige Stimmung, von der kein Volk so beherrscht wird, wie gerade das deutsche und die von keinem anderen Volke so gut in ihrer inneren Bedeutung verstanden und gepfl-gt wird. Es ist, als ob ein Rest unserer Kinderzeit uns Das ganze Jahr hindurch begleitet hätte Selbst in Das unruhigste Hau« zieht in dieser Zeit vor Weihnachten eine heimliche Feierlichkeit ein, gleich als wehte ein weihe, voller Hauch von der bevorstehenden Weihnacht in die hastende Gegenwart herüber. Die Tage vor Weihnachten üben aber auch eine magische Kraft auf alle Frauen, ob jung ober alt au«. Die Vorbereitungen für da« nahende Fest nehmen sie vollauf in Anspruch, baS Interesse für öffentliche Vergnügungen tritt zurück. In allen Zweigen bes öffentlichen Leben«, in Läden, Werkstätten und Atelier« regt sich» immer emsiger, und Das wechselvolle Bild nimmt von Tag zu Tag immer lebhaftere Farben an. Für manche Zweige der Industrie und de« geschäftlichen Leben« ist die Z il vor Weihnachten überhaupt Die einzige P riode im Jahre, wo die Produkte, an denen man während Des ganzen Jahre» gearbeitet hat, in Geld umges.tzl werden können. Daheim ober lauscht die Kinderwelt klopfenden H-rzen», ob sie bas Christkind ertpäbt; kleine Hände schreiben mit großen, ungelenken Zügen den Wunschzettel, und leuchtende Kinderaugen träumen von herrlichem Glück unb wissen nicht, daß gerade in diesen Träumen bet Sehnsucht bas vollkommenste Glück lebt.

GaffeL 12 Dezember. Wie da»Tgb." bestimmt er­fährt. wirb der Verteidiger bes Meier, Herr RechtSanwalt Dr. Hohm aus Cöln, in U bereinstimmung mit seinem Klienten gegen da» auf 15 Jahre Zuchthau» lautende Urteil Des Schwurgericht« Revision einlegen.

Hanau» 12. Ddzember. Der 59 Jahre alte Schmied Jakob Bickelhaupt in Gavnonheim im Odenwald hatte im Oktober d. I. bei bet Hochzeit feines Sohne« seiner 15 Jahre alten Tochter, die er bei einem Liebhaber vermutete, beim Näherkommen einen Stich in die Brust beigebracht, sodaß diese nach 14 Tagen verschied. Vor dem zuständigen Schwurgericht wollte er von bet Tat nicht« mehr wissen, da er seiner Sinne nicht mächtig gewesen sei. Er wurde der Körperverletzung mit tödlichem Erfolge schuldig gesprochen und zu 9 Monaten Gefängnt« verurteilt.

Duderstadt, 11. Dezember. Eine opferwillig« Mutter befindet sich zur Zeit mit ihrem Kind« im hiesigen St. Martini-Hospital. Da» 4 Monate alte Kind hatte hinter einem Ohre ein Gewäch«, weiftet auf Anordnung de» Arzte» nur infolge einer Operation entfernt werden konnte. Nach­dem die Operation geschehen, fehlte ein Stück Menschenhaut, um damit die wunde Stelle zu überdecken unb die Heilung zu beschleunigen. Sofort erklärte die Mutter sich bereit, man möge von ihr die erforderliche Haut nehmen, e» wurde daraufhin der tapferen Mutter ein Teil Haut vom linken Oberarm entnommen und bei dem Kinde angebracht. Mutter und Kind befinden sich wohl.

Weimar, 12. Dezember. Die Strafkammer de» hiesigen Landgericht» verurteilte heute Frau Roso Luxem­burg wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten, begangen in einer auf dem sozialdimokratischen Parteitag im September 1905 zu Jena gehaltenen Rede über den Massenstreik zu zwei Monaten G-fängni«. Der Staat»anwalt hatte vier Monate Gefängnt» beantragt.

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