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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 145. Dienstag, den 11. Dezember 1906.

Amtlicher teil

Hess. Nass. landw.

Berufs-Genossenschaft

Seltion Hersfeld.

Tageb. A Nr. 4502.

Hersseld, den 6. Dezember 1906.

Nach § 34 Abs. 1 des Genoffenschafts-Statuts ist von jedem Unfälle, durch welchen eine versicherte Person getötet wird oder eine Körperverletzung erleidet, welche eine völlige oder teilweise Arbeitsunfähigkeit von mehr als 3 Tagen oder den Tod zur Folge hat, von dem Betriebsunternehmer außer bei der Ortspolizeibehörde auch beidemSektionsvor- st a n d Anzeige zu erstatten.

Da diese letztere Anzeige vielfach unterbleibt, die Unfälle vielmehr meistens nur bei den Ortspolizeibehörden angemeldet werden, bringe ich das Ausschreiben vom 7. April 1903 A. 1089 (Kreisblatt Nr. 46) hiermit in Erinnerung.

Die Herrn Ortsvorstände ersuche ich, für erneute Bekannt­gabe der oben angeführten Bestimmung in den Gemeinden Sorge zu tragen.

von Grunelius.

Hersfeld, den 6. Dezember 1906.

Am Sonnabend den 22. Dezember 1906 Vor­mittags von 10 Uhr ab findet im Sitzungssaale im hiesigen Landratsamtsgebäude eine Kreistagssitzung mit nach­stehender Tagesordnung statt.

Tagesordnung!

1. Prüfung und Feststellung der Rechnung der Kreiskommu- nalkasse für das Rechnungsjahr 1905, sowie Erteilung der Entlastung an den Rechnungsführer.

2. Begutachtung des landespolizeilich genehmigten Projekts zu dem Bau einer Brücke über den Stärkelsbach in der Abzweigung des Landweges Heimboldshausen-Berka von der Landstraße Hersseld-Vacha im Dorfe Heimboldshausen.

3. Wahl von Sachverständigen und Stellvertretern zur Ab­schätzung der Kriegsleistungen im Falle einer Mobil­machung gemäß § 33 des Reichsgesetzes vom 13. Juni 1873 (für die Kalenderjahre 1907, 1908 und 1909).

4. Wahl der Körungs-Commission. (Polizeiverordnung vom 17. Juni 1879 Amtsblatt Seite 40) für die Jahre 1907, 1908 und 1909.

5. Wahl von Schiedsmännern und deren Stellvertretern für die aus mehreren Gemeinden zusammengesetzten Schiedsmannsbezirke (8 3. Abs. 2 und § 11 der Schieds- mannsordnung vom 29. März 1879) nach vorgängiger Beschlußfassung über die etwa vorzunehmende anderweite Abgrenzung der Schiedsmannsbezirke (§ 1 Ziffer 2 der Schiedsmannsordnung).

6. Wahl von Mitgliedern und Stellvertretern der Veran-

Umbre und Namen.

Roman nach dem Englischen von Clara R h e i n a u.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Vielleicht tue ich ihm Unrecht," ergriff Sam das Wort, aber wenn er seinem Vater nachartete, kann nicht viel Gutes an ihm sein. Doch ich habe Sie unterbrochen, Sir."

Walter seufzte.

So hören Sie denn weiter," sagte er.Da ich meinem Sater mich nicht anvertrauen wollte, arrangierte Alfred eine Anleihe für mich. Dies war der erste Schritt zum Verderben. Anfangs gelang es mir, die Zinsen regelmäßig zu bezahlen, aber ehe ein Jahr vergangen war, kam die Krisis. Ich sollte innerhalb weniger Tage eine Summe bezahlen von einem vier­fach höheren Betrag, als die, welche ich ursprünglich erhalten hatte. Vergebens bat ich Alfred, mir aus dieser Klemme zu helfen, er wußte keinen anderen Rat, als den, mich an meinen Vater zu wenden. Davon wollte ich natürlich nichts hören. Ich grämte mich Tag und Nacht, so daß meine Gesundheit darunter litt.

Gerade zu dieser Zeit erhielt ich einen Brief von meiner alten Tante und Patin Lady Betty Lingard, worin sie mich aus einige Tage zu Besuch einlud. Sie besaß ein prächtiges Landhaus in der Nähe von Oxford und ich pflegte mich fleißig dort einzusinden. Tante Betty war stets sehr srenndlick gegen Alfred und mich, obschon sie, wie ich glaube, ebenfalls guten Grund hatte, Alfreds Vater zu zürnen. Es war ein öffent­liches Geheimnis, daß sie meine Schwester und mich zu ihren Erben eingesetzt hatte. Sie war nicht reich, aber sie besaß einige Grundstücke und überdies eine Sammlung schöner alter Juwelen, auf die sie sehr stolz ivar und die einen beträchtlichen Wert repräsentierten."

Walter hielt einige Minuten inne, dann seufzte er tief aus und fuhr in seiner Erzählung fort:

Ich war in großer Versuchung, der lieben, alten Dame meinen ganzen Kummer anzuvertrauen. Aber wieder schien es, als ob eine feindliche Macht mir entgegen wirke, denn hätte

lagungs-Commission auf Grund des § 34 des Einkommen­steuergesetzes vom 24. Juni 1891 infolge Ausscheidung.

7. Beschlußfassung über die Bewilligung einer Unterstützung an die Gemeinde Reckerode aus der Kreiskommunalkasse zu den Kosten der Verlegung des Landweges Hersseld- Kirchheim innerhalb der Gemarkung Reckerode in Höhe des vierten Teils der entstehenden Kosten.

8. Prüfung der Verhandlungen über die im Monat November 1906 erfolgten Ergänzungs- bezwse Neuwahlen zum Kreis­tage und Beschlußfassung über die Gültigkeit dieser Wahlen. (§71 der Kreisordnung und § 2 der Ge­schäftsordnung).

9. Ergänzung des Beschlusses zu Punkt 1 der Tagesordnung zum Kreistage am 31. März 1906 wegen Aufnahme einer Anleihe in Höhe bis zu 124 000 M. durch Hinzufügung einer Angabe über das Stimmenverhältnis.

10. Beschlußfassung über den Abschluß von Verträgen mit dem Zentralkomitee des Preußischen Landesvereins vom Roten Kreuz wegen Lieferung von Baracken bei Seuchen- gefahr und Bewilligung der hierdurch entstehenden Beiträge.

11. Beschlußfassung über die Bestellung von Desinfektoren. A. 4480. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

In der FreitagSsttzung des Reichstages gelangte die marokkanische Frage aufs Tapet, anläßlich des dem Hause unterbreiteten Gesetzentwurfes zur Ausführung der General' alte der Konferenz von AlgestraS. Die Debatte hierüber wurde vom Staatssekretär des Auswärtigen von Tschirschky mit einem kurzen Expos4 über die AlgesiraSakte eröffnet, woraus als erster Redner vom Hause der Rational' liberale Bassermann sprach. Er wies auf die fehlerhafte Form des vorliegenden Gesetzentwurfes hin und ersuchte dann den Staatssekretär um Auskunft über die gegenwärtige französssch-fpanische Flottenexpedition nach Marokko. Herr von Tschirschky kam diesem Verlangen auch sofort nach, er erklärte, daß diese Aktion nach den von Frankreich und Spanien den übrigen Mächten gemachten Mitteilungen streng im Sinne der Konserenzbeschlüffe von AlgestraS ge­halten werden solle. Abg v. Vollmar (soz) rügte ebenfalls die fehlerhafte Form der Vorlage und sprach die Erwartung aus, daß die französisch-spanische Aktion auf den engsten Rahmen beschränkt bleiben werde. Abgeordneter Spähn vom Zentrum bezeichnete es als eine Rücksichtslosigkeit der Regierung, daß sie Hie französisch-spanische Note nicht zur Kenntnis des Reichstages gebracht habe. Abg. Dr. Wiemer von der freisinnigen Volkspartei meinte, für Deutschland liege einstweilen kein Grund vor, der marokkanischen Aktion

ich gesprochen, Sam, wie vieles Leid wäre mir und den Meinen erspart geblieben? Doch der Stolz und die nervöse Angst, sie könne glauben, ich wollte an ihren Großmut appel­lieren, schloffen mir den Mund. Bei meiner Rückkehr nach Oxford war Alfreds erste Frage, ob Lady Betty mir ihre Hilfe zugesagt habe. Ich erwiderte in scharfem Ton, daß ich über diese Angelegenheit nicht mit ihr gesprochen hätte. Er blickte mich eine Zeitlang in seltsamer Weise an, dann drehte er sich auf dem Absatz um und bemerkte:

Du bist der größte Narr, den ich je gekannt, und Du wirst es eines TageS selbst einsehen."

Die beiden Männer hatten sich während der letzten Mi­nuten in der kleinen Vorhalle des Häuschens niedergesetzt und der Schein der Lampe drinnen fiel gerade auf Walters Ge­sicht. Sam's Herz zog sich zusammen, als er dessen kummer­vollen Ausdruck bemerkte. Er sprach jedoch nichts, sondern wartete, daß Walter seine Erzählung beende.

Am nächsten Tage," fuhr dieser in dem gleichen traurigen Tone fort,traf ich mit Alfred nicht zusammen, da er von Oxford abgereift war. Ich wußte, daß er ein Engagement als Reisebegleiter eines kranken jungen Lord angenommen und glaubte, daß er diese Reise jetzt angetreten hätte. Damals be­dauerte ich seine Entfernung nicht sonderlich, später war es eine andere Sache."

Wieder trat eine Pause ein. Es kostete Walter sichtlich große Anstrengung weiter zu sprechen.

Drei Tage .später hatte ich eine angenehme Ucberraschung. Ganz unerwartet traf ein Brief von meinem Vater ein, der einen Wechsel auf eine bedeutende Stimme enthielt. In wenigen gütigen Worten teilte mein Vater mir mit, daß er von meiner Unvorsichtigkeit gehört habe und mich bitte, meine Angelegen­heit sofort in Ordnung zu bringen. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich fragte mich, ob ich nicht Alfred Unrecht getan habe; kein anderer als er konnte meinem Vater von meiner Verlegenheit gesagt haben. Als ich meine Gläubiger befriedigt hatte, schrieb ich einen warmen Dankesbrief an meinen Vater. Dann berichtet«^ich Alfred das Vorgesallenc und fragte, ob ich nicht auch ihm Dank schuldig sei. Dies war der letzte glück­lichste Tag meines Lebens.

Frankreich und Spaniens entgegenzutreten, in welchem Sinne sich auch Abg. Schröder von der freisinnigen Ver­einigung äußerte. Abg. Porzig (konf.) stimmte namens feiner politischen Freunde der Vorlage in allen ihren Teilen zu, während dieselbe vom Abgeordneten Blumenthal (südd. Volksp.) nach verschiedenen Richtungen hin bemängelt wurde. Als letzter Redner aus dem Hause ließ sich Ab- geordneter Dirksen vernehmen, er empfahl unveränderte Annahme der Vorlage. In der sich anschließenden zweiten Lesung wurde die Vorlage in ihren einzelnen Teilen an­genommen. Es folgte die Interpellation Speck über die Einschränkung der Ausfuhr von Eisenerzen aus Schweden, wozu außer dem Interpellanten selbst noch die Abgeordneten Beumer (nat-lib.), Kämpf (fr. Volksp.), Graf Kanitz (tonf.), Dove (frei. Verein.), Hue (soz.), Gothein (fr. Verein.), Bernstein (soz.) und Schwerin-Loewitz (kons.), sowie re­gierungsseitig Graf Posadowsky und Direktor Körner sprachen. Am Sonnabend pausierte das Haus wegen katholischen Feiertages.

MWM, gronfrtiij unb Muekke.

Es gilt, in diesen Wochen wieder ruhig Blut gegenüber gewissen auswärtigen dunklen Punkten zu bewahren. Die anarchistischen Zustände in Marokko haben mit Recht Frank­reich und Spanien, denen ja von der Konferenz der Mächte auch die Organisation der polizeilichen Ordnung in Marokko übertragen worden ist, veranlaßt, in Marokko einzuschreiten, und man hofft, daß sich auch England an der Demonstration gegen Marokko und i Intervention in diesem unglück­seligen Lande beteilige wnd. Das Eiafchreite» Frankreichs und Spaniens in Mu okko ist auch durchaus notwendig, weil in Tanger, der wichtigsten Handels- und Hafenstadt Marokkos, nicht der Sultan, sondern der Stammeshäupt­ling Raisuli herrscht. Das sind so ungeheuerliche Zustände für ein Land, welches der europäischen Kultur erschlossen werden soll, daß ein Einschreiten der Großmächte durchaus geboten erscheint, und man darf sich deshalb über die Schritte, welche Frankreich und Spanien in dieser Hinsicht unter­nehmen wollen, nicht aufregen, selbst wenn diese beiden Mächte noch einen Schritt weitergehen sollten, als man an- nimmt. Deutschland muß auch schon in Hinblick auf sein Abkommen mit Frankreich hinsichtlich Marokkos mit Ver. trauen der weiteren Entwickelung der Dinge dort entgegen­kommen, und dieses gegenseitige Vertrauen ist bis zu einem gewissen Grade zwischen Berlin und Paris auch vorhanden. Aber in der französischen Deputiertenkammer fallen doch immer und immer wieder Worte, welche zeigen, daß im französischen Volke und selbst in jenen Kreisen der Franzosen die nicht gerade als deutschfeindlich bekannt sind, noch ein ungeheures Mißtrauen und ein böser Argwohn gegenüber Deutschland vorhanden ist. Am lehrreichsten sind in dieser Hinsicht die Worte, welche der Deputierte saures kürzlich

Noch am gleichen Abend erhielt ich ein flüchtig geschriebe­nes Billett von Tante Betty, worin sie mich bat, sie am fol­genden Tage zu besuchen. Sie bemerfte noch, daß sie in großer Aufregung sich befinde, aber ich ahnte nicht was meiner erwartete, als ich das friedliche Landhaus betrat. Meine arme Tante trat mir weinend entgegen. All ihre Juwelen waren gestohlen worden und der Dieb mußte mit deren Aufbcwah- rungSort sehr vertraut gewesen sein. Können Sie jetzt das Ende meiner Geschichte erraten?"

Sam Bury blickte den anderen forschend an.

Sicher versuchte man doch nicht, Ihnen den Diebstahl zur Last zu legen, Sir?"

Man versuchte es nicht nur, man bewies meine Schuld sogar." Erregt sprang er auf.Wenn ich daran zurückdenke, sehe ich, daß ich von allen Seiten eingeengt war. Alles sprach gegen mich. Ich war die letzte Person gewesen, der Lady Betty das Geheimschloß der Kassette, in welcher sie ihre Ju­welen aufbewahrte, gezeigt und erklärt hatte. Meine Geldver­legenheit war stadtbekannt. Ich fürchte, ich hatte nur zu vielen Leuten begründete Veranlassung gegeben, mich für einen Leicht­fuß zu halten mit einem Wort, die ganze Welt war gegen mich. Um allem die Krone aufzusetzen, traf auch noch ein Brief meines Vaters ein mit der Erklärung, daß er keinen Wechsel an mich gesandt habe, daß also jemand feine Unter­schrift gefälscht haben müsse. Ich kann Ihnen nicht alle Einzel­heiten schildern, mein Freund, aber Sie werden jetzt leicht be­greifen, warum ich von meinem eigenen Vater verstoßen wurde."

Es blieb mir nichts übrig, als so rasch wie möglich daS Land zu verlassen. In dieser schrecklichen Lage schien es mir, als ob der einzige Freund, den ich noch in der Welt besitze, mein Vetter Alfred sei. Er hatte seine neue Stelle noch nicht angetreten, und zeigte sich über das Vorgefallene aufs äußerste bestürzt. Das Verhalten meines Vaters schien ihn lies zu ver­letzen. Seine Hand war die letzte, die bei meinem Abschied von England die meinige mit herzlichem, brüderlichem Druck umfaßte und jetzt weiß ich, daß gerade diese Hand mein Ver­derben herbeigeführt hatte!"

Tief erschüttert hielt Walter eine Zeitlang inne. AlS er sich etwas gefaßt hatte, fuhr er fort: