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Hersselder Kreisblatt

Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 140.

Donnerstag, den Ä9. November

1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 27. November 1906.

Diejenigen Herrn Orts- und Gutsvorstände, die noch mit der Einsendung der Verzeichnisse über den Viehbestand im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen 8 Tagen erinnert. A. 3792. Der Königliche Landrat. J. V.: T h a m e r.

Hersfeld, den 26. November 1906.

Unter dem Schweinebestande des Gastwirts George Croll in Gittersdorf ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 9604. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 26. November 1906.

Die unter den Schweinen des Maurers Johs. Rehbein in Schenklengsfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. . 9605. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Saatenstand um die Mitte des Monats November 1906 im Kreise Hersfelv. Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 mittet, 4 gering, 5 sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirt­schaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.

I B c 9476 M. f. L. I b 3646 M. d. J.)

Fruchtarten

Durchschnitts­noten für den

Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer . . Kartoffeln . Klee . . .

Luzerne. . Wiesen: .

Bewässerung»- Andere

Staat

Reg.-Bez. Cassel

2.4

2.3

2,4

2,4

2,5

Anzahl der von den Ver­trauensmännern abgegebenen Noten

Königliches statistisches Bureau.

vr. B l e n k.

Derrbe von Stratfield.

Novelle von J. N ic o l a.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Sir Charles, blicken Sie nicht so verstört!" bat Jrmgard. Sie erschrecken mich! Ich habe diese Stunde ersehnt, so sehr ich sie auch fürchten mußte. Aber unablässig betete ich, daß sie bald kommen möchte. O, sagen Sie mir, daß Sie mich nicht hassen!"

Ich Sie hassen, Jrmgard? Wie könnte ich das jemals?" Weil ich Sie getäuscht und Ihnen Unrecht zugefügt habe. Ich bin unter dem Schutz ihres Daches gewesen und ich wußte doch, daß die Zeit kommen würde, wo meine Worte Sie aus Ihrem Heim vertreiben und Sie Ihres Reichtums und Titels berauben mußten.

O, wie unglücklich, wie namenlos unglücklich bin ich ge­wesen !" schluchzte sie.

Erzählen Sie mir alles, Jrmgard," bat Charles.Es wäre besser gewesen, Sie hätten es früher getan!"

Ich wagte es nicht; die Angst hat mich fast getötet! Ja, ich will Ihnen alles erzählen. Ich war erst vier Jahre alt, als ich nach Stratfield kam. Albert und ich waren stets beisammen. Unzertrennlich hingen wir an einander. Unsere kindliche Liebe reiste mit unseren Jahren, bis sie die Liebe unseres Lebens ward. Onkel Alexis handelte stets wie der gütigste Vater gegen mich. Er schickte mich in ein Pensionat und alle Ferien verbrachte ich auf dem alten Herrensitz. Mehrere Jahre kam Albert stets zu derselben Zeit nach Haus; dann mußte er nach der Universität. Als wir uns wieder- sahen, war meine Erziehung beendet und Albert einundzwanzig Jahre alt. Nicht mit Worten kann ich es Ihnen sagen, wie wir einander liebten. Albert war meine ganze Welt und er liebte mich ach, wie kann ich seine grenzenlose Liebe schil­dern? Onkel Alexis nahm eine Gesellschaftsdame für mich ins Haus; dieselbe war jedoch sehr leidend, so daß ich häufig auf mich angewiesen war. Diese Zeit verbrachte ich in AlbertS Gesellschaft. Er warb um meine Hand und ich vergoß Tränen unaussprechlichen Glückes, als ich ihm das Jawort gab, Ehe

nichtamtlicher teil.

In AM in AM-MM-Asrika.

Der Reichskanzler hat dem Reichstage im Anschluß an die früheren Berichte eine neue vom großen Generalstabe ausgearbeitete Denkschrift über den Verlauf des Aufstandes in Deutsch-Südwestafrika zugehen lassen, die eine Dar­stellung der Operationen bis Ende Februar d. I. gibt. Danach ist der Häuptling Cornelius mit feinen Stammes­genosten nach dem Norden unseres Schutzgebietes gebracht worden, und in Bethanien herrscht seitdem vollkommene Ruhe. Zusammenfoffend sagt die Denkschrift:

Im Norden unseres Schutzgebietes ist der Aufstand niedeigeworfen. Nur kleine viehstehlende Banden treiben sich noch im Damaraland umher, gegen die im September und Oktober eine erfolgreiche Streife statlfand. Geregelter Farmbetrieb konnte überall wieder ausgenommen werden. In den Sammelstellen Omburo und Otjehaenena stellten sich bis jetzt etwa 7000 Herero, die teils als Arbeiter bei den Bahnbaulen, teils auf den Farmbetrieben verwendet werden.

Eins völlige Beruhigung des Landes ist, wie der General­stab weiter feststellt, zurzeit noch nicht erreicht, der Krieg noch nicht zum Abschluß gebracht. Dieser endgültige Ab­schluß ist aber durchaus erforderlich, sowohl im Interesse des deutschen Ansehen» als auch aus militärischen Gründen. Wollte man unter den jetzigen Umständen den Krieg für beendigt erklären und vielleicht unter vorläufiger Aus­gabe einiger besonders gefährdeter vorgeschobener Punkte des Süden» zur Stationsbesetzung übergehen, so wäre in einiger Zeit ein neues Auflodern des Aufstander sicher zu erwarten. Die zahlreichen zur Zeit auf englischem Gebiet befindlichen Hottentotten, vielleicht auch Morenga, würden nach dem freigelassenen deutschen Schutzgebiete zurückkehren. Im Verein mit den dort noch im Felde stehenden, sich keineswegs für endgültig besiegt haltenden Banden könnten sie bald zu solcher Stärke anwachsen, daß sie sogar wieder zum Angriff vorgehen könnten.

Es wird dann die unbedingte Erfordernis der Ver­längerung der Bahn von Kubub bis Keetmanshoop zur Be­endigung des Krieges bargetan. Sie allein sichert uns eine unter allen Verhältnissen ausreichende Verpflegung und macht uns von Zufälligkeiten unabhängig. Sie ist auch dann noch erforderlich, wenn die Hottentotten vor Beendi­gung des Baues sich ergeben sollten. Denn auf längere Zeit wird auch dann noch eine stäikere Besatzung des ens, nötig fein, um einen neuen Aufstand der aus dem Kapland zurückkehrenden Hottentotten zu verhindern.

Dringend erforderlich ist es ferner, endlich für eine bessere Unterkunft der über zwei Jahre im Felde stehenden Truppen und für ihre sanitären Verhältnisse zu sorgen.

er eine passende Gelegenheit fand, Onkel Alexis seine Herzens­wahl mitzuteilen, ließ dieser ihn eines Tages zu sich kommen und gab Albert seinen Wunsch zu erkennen, daß er dessen Ver­bindung mit Miß Mary Norton wünsche. Albert erklärte mit Entschiedenheit, daß er dieses Mädchen niemals heiraten werde, und zum erstenmale gerieten Vater und Sohn mit einander in Streit. Albert wagte es nicht, seinem Vaters seine Liebe zu mir zu gestehen, um mich nicht meines einzigen Freundes zu berauben. Mit Bitten drängte er mich, eine heimliche Ver­bindung mit ihm einzugehen. Ich war jung und unerfahren und willigte ein. So wurden wir heimlich getraut. Von nun an jpßfe unser Leid erst beginnen. Ich lebte in bestän­diger Furcht. Was ich litt, vermögen Worte nicht auszu- drücken. Endlich ertrug ich es nun nicht mehr, so weiter zu leben. Ich schrieb meiner alten Wärterin und meldete ihr meinen Besuch an. Ach, welche bitteren Vorwürfe habe ich mir wieder und wieder gemacht, daß ich nicht bei meinem Gatten geblieben bin und die Sorge mit ihm getragen habe. Nach wenigen Wochen gab ich einem Kinde das Leben. - Wie stolz Albert war! Hier ist der letzte Brief, den ich von ihm erhielt lesen Sie ihn!"

Sie reichte Charles den Brief und beobachtete ihn, während er las.

Meine teure Jrmgard," lautete derselbe,mie stolz, wie glücklich bin ich! Wie sehne ich mich danach, meinen kleinen Sohn zu sehen ! Er muß Wolfram heißen, nach unserem großen Vorfahren, auf den mein Vater so stolz ist. Morgen,' Jrm­gard, will ich ihm unser Geheimnis entdecken. Ich 'werde mit ihm auf den schönen See hinaussahren, und jdann, wenn goldene Sonnenstrahlen uns umgeben, wenn das Rauschen des Wassers und der Gesang der Vögel melodisch um uns klingt, will ich meinem lieben Vater sagen, daß seine schöne Mündel meine Gattin ist und daß wir einen Sohn haben. Und dann, Jrmgard, komme ich und hole Dich wieder heim!"

Tränen blendeten seine Augen, als er ihr den Brief zu- rückgab.

Zwei Tage später erfuhr ich das entsetzliche Unglück," fuhr Jrmgard fort.Meine Verzweiflung kannte keine Grenzen. Ich sah alles mit erschreckender Deutlichkeit vor mir stehen.

Baustoffe und Material hierzu vermag aber nur die Bahn heranzuführen. Die Fortsetzung der Bahn von Kubub nach Keetmanshoop ist nach allem eine der wichtigsten Be­dingungen für die Beendigung des Krieges. Hoffentlich wird man im Reichstage bei den bevorstehenden Kolonist- debatten und später bei der Beratung des KolonialetatS die in der Denkschrift gemachten Ausführungen beherzigen und die erforderlichen Mittel bewilligen.

Generalstreik und Obstruktion in Italien.

Als Protest gegen die im italienischen Eisenbahnwesen herrschende Unordnung wurde von der Kaufmannschaft der italienischen Hafenplätze der Generalstreik proklamiert. Jeg­liche Tätigkeit in den Geschäftsräumen der großen industriellen sowie kaufmännischen Etablissement» wurde eingestellt und ebenso ruht die Arbeit in den Häfen und an den Bahnhöfen. Ueber den eigenartigen Streik, der in der Kammer zu leb­haften Debatten Stoff bieten wird, wird folgendes berichtet:

Rom, 27. November. Infolge der unerträglichen Zu­stände im Eisenbahnverkehr wurden heute in Genua, Sa, vona, Spezia, Livorno und Civilavecchia alle Arbeiten in den Häfen, den industriellen Etablissement», Kontoren und Lagerräumen eingestellt. Nur Neapel scheint sich bi» jetzt von dieser Bewegung ausschließen zu wollen. Doch genügt schon der Burstand in Savona und in Genua, um den Transport von Rohmaterialien und Kohlen in den Industrie- bezirken zu unterbinden. In Genua fehlen täglich 1200 Wagen, und die ausständige Handelswelt droht, zu schärferen Agitationsmitteln Überzugehen, falls nicht Abhilfe geschaffen wird.

Mit diesem Streike der freien Gewerbetreibenden fällt zeitlich eine Obstruktionsbewegung der Zollbeamten mehrerer italienischer Großstädte zusammen, die auf dem Wege pein­lichster Erfüllung der Dienstvorschriften, wie einst die Bahn­beamten in Ungarn die Beseitigung von Mißständen und Durchführung von Reformen in ihrem Berufe erzwingen wollen.

Reichstag.

Der Reichstag setzte auch am Montag die sozialpolitische juristische Debatte, zu welcher sich die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Rechtsfähigkeit der Berufsvereine gestaltet hat, in breiter Weise fort. Wiederum wurde hierbei der RegierungSentwurf von den Rednern der Linken und des Zentrums in seinen Einzelheiten scharf bemängelt und teilweise sogar als zwecklos charakterisiert. Die Diskussion eröffnete Abg. Pachnicke von der freisinnigen Vereinigung, er tadelte namentlich den die Vorlage beherrschenden Polizei- geist, doch verkannte er daneben trotzdem auch nicht ge- wisse Vorteile des Gesetzentwurfes. Der nachfolgende

Albert hatte, auf der Mitte des Sees angelangt, dem Vater die Tatsache unserer Heirat eröffnet, der Onkel sprang in der Erregung so heftig auf, daß das Boot umschlug und beide stürzten in das Wasser. Onkel Alexis war hilflos und Albert mein treuer Albert, im Bemühen, den Vater zu retten, fand den Tod in den Fluten des Sees! Noch an demselben Tage teilte Dr. Right mir das entsetzliche Ereignis mit. Er wußte nichts von unserer geheimen Verbindung, aber er war immer sehr gütig gegen mich. Mehrere Wochen lang befand ich mich nun in einem so furchtbaren Zustand, daß ich glaubte, es nicht ertragen zu können. Meine alte Wärterin war meine einzige Freundin. Ich wußte nicht, was ich tun sollte. Wohl war mir bekannt, daß mein Sohn der rechtmäßige Erbe von feines Vaters Besitztum sei, aber ich fürchtete tausenderlei. Meine Wärterin meinte, Sie würden alles tun, um meine Heirat für ungültig zu erklären. Da kam Dr. Rights Brief und wir beschlossen, daß ich aus einige Monate nach dem Schlosse zu­rückkehren sollte, um Sie kennen zu lernen, und zu erforschen, welche Aussicht ich hatte, für meinen Knaben Gerechtigkeit zu erlangen. Erkennend, wie gütig und großmütig Sie gegen mich waren, als Ihre Mutter mich küßte und mich ihre Tochter nannte, entsank mir vollends der Mut. Ich fühlte, daß ich Sie nicht des Besitztums berauben konnte, das Sie für Ihr rechtmäßiges Eigentum hielten. So verschob ich die Erklärung von Tag zu Tag und die Angst zerriß mir das Herz. Nicht um allen Reichtum in der Welt möchte ich diese Prüfung noch einmal durchmachen. Ich vermochte nicht es Ihnen zu 'sagen, ebenso wenig, wie ich den Gedanken ertragen konnte, daß mein Knabe, der rechtmäßige Erbe von Schloß Stratfield, unbekannt bleiben und sein Geburtsrechr nicht anerkannt werden sollte. Aber ich bebte davor zurück, zu sprechen. Da kam die Nach ­richt, daß mein Kind totkrank sei; dieselbe brächte mich fast von Sinnen. Wie ich mich haßte und verachtete, daß ich nach einer falschen Ausrede suchte. O, Sir Charles, sprechen Sie, können Sie mir je verzeihen?"

Von ganzem Herzen, Jrmgard," antwortete der Baronet. Sie haben bitter gelitten und haben mir kein Unrecht zuge fügt. Ihr Kind soll allzeit einen Beschützer an mir