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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 138.

Sonnabend, den 24. November

1906.

Amtlicher teil.

An der von dem Kreise Rotenburg o/F. eingerichteten Huf- beschlag-Lehrschmiede in Weißenborn wird am 2. Januar 1907 ein neuer Kursus beginnen. An demselben können Schmiede, welche da« 19. Lebensjahr vollendet haben, teilnehmen. Dieselben erlangen durch das Bestehen der am Schluß des Kursus (Ende März) stattfindenden Prüfung die Berechti­gung zum selbständigen Betriebe des Hufbeschlaggewerbes.

Meldungen wegen Teilnahme sind an den Vorsitzenden de« Kreisausschusses in Rotenburg o/F. oder an denLehr- schmiedemeister Diegel in Weißenborn. der zu jeder Auskunft bereit ist, zu richten. Der Meldung ist ein Geburtsschein, ein polizeiliches FührungSaltest und etwa vorhandene Lehr- oder sonstige Zeugnisse betzufügen. Das Lehrgeld beträgt für den Kursus 30 Mark. Das Schurz­fell hat sich der Schüler aus eigenen Mitteln zu beschaffen Werkzeuge und Lehrbuch werden dem Schüler unentgeltlich zur Verfügung gestellt

Wohnung und Verpflegung ist in Weißenborn zu billigen Preisen erhältlich.

Rotenburg, den 15. November 1906.

Namens des Kreisausichuffes.

Der Vorsitzende. Tuercke. Landrat.

Hersfeld, den 20. November 1906

Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Johannes Köhler zu Asbach ausgebrochene Rollauffeuche ist erloschen. I. 9437. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 20. November 1906.

Unter dem Schweinebestande des Johannes Gutheil zu Obergei« ist die Rollauffeuche auSgebrochen. I. 9447. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 19. November 1906.

Unter den Schweinen des Fabrikarbeiters Bernhard Gebauer zu Unterhaun ist die Schweineseuche ausgebrochen. I. 9421. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 22. November 1906.

Die Herren Bürgermeister von Hilperhaufen, Lamperts- selb, Meckbach, Sorga und Unterhaun und die Herrn Guts­vorsteher von Heringen (fisk. Oberf.), Hersfeld (fisk. Oders.), Meisebach, Oberrode und Wippershain (fisk. Oders.) werden an die sofortige Erledigung meiner Verfügung vom 29. Oktober d. Js. I. St. Nr. 2864 Kreirblatt Nr. 131 wiederholt erinnert.

Betrifft: Angabe der Zahl der Haushaltungsvorstände und selbständiger Einzelpersonen römisch-katholischen Glaubens und bet von denselben zu entrichtenden StaatSsteuerbeträge nach der Veranlagung sür 1906.

St. 2864. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Unsere Reichshauptstadt bildete während Der veifloffenen Woche den Schauplatz festlichen Gepränge». Der König und die Königin von Dänemark weilten einige Tage als Gäste am deutschen Kaiserhose in Berlin. Der herzliche Empfang, der dem dänischen Königspaar sowohl seitens des Hofes wie seitens der reichshauptitädtischen Be­völkerung zuteil wurde, ist ein sprechender Beweis für die freundschaftlichen Gesinnungen, die man in Deutschland dem stammverwandten nördlichen Nachbarvolks entgegenbringt: Wir knüpfen an den ersten Besuch, den König Friedrich und Königin Luisa von Dänemark nach ihrer Thronbe­steigung unserm Kaiserhose abgestattet haben, den Wunsch und die Hoffnung, daß dieser Besuch dazu beitragen möge, das gute Verhältnis Dänemark« zum Deutschen Reiche zu festigen und die Bande der Freundschaft zwischen beiden Völkern immer inniger zu gestalten.

Auch eine Eäkularerinnerung fiel in die vergangene Woche. Am 17. November diese« Jahre« waren fünfund- zwanzig Jahre seit der berühmten Novemberbotschaft Wilhelm» der Großen verflossen, durch die damals unsere soziale Versicherung-gesetzgebung eingeleitet worden ist. Kaiser Wilhelm II. hat den Erinnerungstag auch seinerseit« zu einem hochbedeutsamen sozialpolitischen Erlasse benutzt. In dieser Kundgebung ist hervorgehoben, daß die großen und werbenden Gedanken der November­

botschaft unseres hochseligen Heldenkaisers nicht bloß in Deutschland segensreich gewirkt haben, sondern daß sie auch weit über die deutschen Grenzen hinaus vorbildlich und bahnbrechend wirken. Ferner wird darauf hingewiesen, daß das hohe sozialpolitische Ziel, das die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1881 im Auge habe, sich durch gesetzgeberische Leistungen und gesetzliche Vorschriften allein nicht verwirk­lichen lasse, sondern daß eS hierzu auch noch der freiwilligen christlichen Liebestätigkeit bedürfe. Zum Schlüsse gibt die Botschaft unseres Kaisers dem festen Willen Ausdruck,daß die Gesetzgebung auf dem Gebiete der sozialpolitischen Für­sorge nicht ruhe und in Erfüllung der vornehmsten Christen­pflicht aus den Schutz und Das Wohl der Schwachen und Bedürftigen fortgesetzt bedacht sei." Der Allerhöchste Erlaß Kaiser Wilhelm« II. bildet eine gerade für die Gegenwart sehr bedeutsame Ergänzung der berühmten Novemberbotschaft und ist deshalb auch in allen Kreisen, denen das Wohl des Vaterlandes am Herzen liegt, mit lebhafter Freude und Be- friedigung ausgenommen worden.

Die große Reichstagsrede unseresReichS- kanzlers Fürsten von Bülow hat nicht nur im Inlands, sondern auch im A u s l a n d e die weitgehendste Beachtung gesunden und vielfältige Kommentare hervorge- ruien, die in der weitaus überwiegenden Mehrzahl auf einen freundlichen Ton gestimmt sind. Wir können uns nur von ganzem Herzen dem Wunsche anschließen, dem das halbamt­liche Preßorgan der Reichsregierung, dieNorddeutsche Allge­meine Zeitung," bei dieser Gelegenheit Ausdruck gibt, daß nämlich hiermit eine Periode gerechter Würdigung der deutschen Bestrebungen und Ziele auch da angebrochen sein möge, wo bisher Uebelwollen wesentlich zur Trübung des Urteils mitgewirkt hat.

Nächst dem dänischen Königsbesuche hat unsere ReichS- Hauptstadt noch einen wichtigen Besuch während der letzten Woche zu verzeichnen, nämlich den Besuch des n e u e n ö st er­reich i s ch-u n ga risch e n Minister« des Aus­wärtigen Fretherrn von Aehrenthal. Der österreichische Minister hatte eins längere Besprechung mit unserm Reichskanzler, die den befriedigendsten Verlauf nahm und in allen schwebenden Fragen völlige Uebereinstimmung ergab. Ueber den neuen Letter der auswärtigen Angelegen­heiten Oesterreich-Ungarns hat jüngst dieMünchener Allge­meine Zeitung" Auslassungen ihres wohlunterrichteten Wiener Korrespondenten veröffentlicht, nach denen Freiherr von Aehrenthal sich durchaus als Vertreter der Dreibundspolitik fühle und insbesondere das Bündnis mit Deutschland als den Eckstein der äußeren Politik Oesterreich-Ungarns be­trachte, während er gleichzeitig aber auch enge Beziehungen zum russischen Hose unterhalte und bemüht sei, Rußland in ein freundschastlichereS Verhältnis zu Oesterreich Ungarn und Deutschland zu bringen. Hoffentlich bewahrheitet sich diese Charakteristik in ihrem vollen Umfange.

In Rußland beherrschen bereite die Vorbereitungen für die Wahlen zur neuen Duma das öffentliche Leben. Als eine der bedeutendsten Kundgebungen aus dieser Wahl­bewegung darf wohl die jüngst stattgehabte Hauptversamm­lung de« Verbände« vom 30. Oktober gelten. Mit Recht knüpfen sich an einen etwaigen Sieg dieser Partei- richtung die besten Hoffnungen für die Zukunft des Zaren­reiche». Die Männer des Verbandes vom 30. Oktober sind, wie auch aus den auf der Hauptversammlung gehaltenen Programmreden wieder hervorging, überzeugte Anhänger der konstitutionellen Monarchie wie eine« maßvollen freiheitlichen Ausbaues der inneren russischen Zustände und nehmen als solche eine Mittelstellung zwischen den radikalen Parteien der Linken und den reaktionären Parteien der Rechten ein. Auf dieser mittleren Linie und nicht bei dem Draufgänger- tum von recht« und links aber liegt zweifelsohne Das Heil Rußland«.

Totenfest.

Mit rauher Hand fegt der Wind die welken Blätter von den Bäumen und streut sie als letzte Gabe bes schei­denden Jahre« hernieder auf die Grabhügel der stillen Totenstadt, unter denen so manche« Herz ausruht von allem Erdenleid und einem schöneren besseren Leben ent- gegenträumt. Oede und still liegt nun der Gottesacker wie die Felder der Menschen. Verstummt, fortgezogen sind die gefiederten Sänger, die in den dichtbelaubten Bäumen wohnten zur Sommmerzeit und den Heimgegangenen drunten in stiller Kammer die süßesten Schlummerlieder sangen. Längst verblüht sind die stolzen Rosen und ihre farben­prächtigen Schwestern, von liebender Hand auf die Gräber des Friedhofes gepflanzt, auch die bescheideneren Astern und Georginen haben schon ihr Haupt geneigt vor dem kalten ^auch de« Frostes. An die Stelle des ehemaligen regen Lebens und Treibens, des Keimens und Sprieße««, Blühen« und Reifens ist Ruhe und Stillstand getreten. Die ganze Natur gleicht einem weiten, großen Friedhofe. Tiefe Stille ringsum, nur selten unterbrochen von dem Knistern eines dürren Aster, von dem Rascheln der fallenden Laube« oder

dem heiseren Gekrächze eines Raben, dieses Totenvogel», der schwerfällig über der einsamen Landschaft dahinschwebt.

ES geht wie ein verhalt'ne« Weinen

Durch Feld und Wald und Au, Nur müde mag die Sonne scheinen

Rings alle« fahl und grau;

Es deckt der Herbst die Nebelschleier

Voll Trauer auf die Flur Da« ist die große Totenfeier

Der sterbenden Natur.

So find Totenstille, Grabesruhe die Attribute, des dem Andenken der Heimgegangenen gewidmeten Totenfeste» draußen in der Natur, deren Schaffenskraft für diese» Jahr aufgehört hat, zugleich eine ernste Mahnung für uns alle, daß auch unser Leib einst Staub werben wird.Prahlst du gleich mit ros'gen Wangen, die wie Milch und Purpur prangen, ach die Rosen weiten all' I" Die stillen Grabhügel auf dem Friedhofe sind ernste Gedenkzeichen de« immer näher rückenden eigenen Tode«, mit dem der Leben-weg abschließt jeder einzelnen, der noch atmet im rosigen Licht. Und wie sich der Grabhügel alljährlich schmückt mit frischem Grün und treue Liebe die letzte Ruhestätte der Entschlafenen mit Blumen ziert, so belebt sich auch die Hoffnung auf ein dereinstige» Wiedersehen. Ein Gang auf den Friedhof am stillen Totenfeste ist darum für den denkenden Menschen wohl dazu angetan, ihn über den Staub und die Hohlheit des Alltagsleben« hoch emporzuheben und ihm eine hehre Weihestunde zu bereiten in dem hoffnungsfrohen Gedanken:

Was wir bergen in den Särgen

Ist der Erde Kleid, Was wir lieben ist geblieben, Bleibt in Ewigkeit.

Wenn nun auch die Lieben, die unter dem Rasen ruhen, das ganze Jahr ein Anrecht auf treues Gedenken haben, so ist ihnen doch im Kirchenjahr ein besonderer Tag be­stimmt, an dem die Ueberlebenben sich ausschließlich mit den teuren Entschlafenen beschäftigen. Und so wenden sich heute wieder Millionen von Menschen den Friedhöfen zu. Aus dem betäubenden Gewirr der Großstadt wie aus der idyllischen Ruhe des stillen Dörfleins eilen sie nach den Stätten des Friedens, um die teuren Hügel mit Blumen zu schmücken. Und wenn der teure Enschlafene auch nicht mehr sieht da» äußere Zeichen der Liebe, und wenn er auch die heißen Zähren nicht fühlt, die auf seine letzte Ruhestätte fließen, baS Band mit ihm, da» die Schauer de» Todes nicht trennen konnten, wird in bet feierlichen Stille des Totentages im Herzen bet Trauernden noch enger und fester geknüpft als sonst, wo des Lebens flutende Wellen uns umbranbrn.

Ueber eine Unterredung des Kaisers mit Ludwig Ganghofer

berichten die Münchener Neuesten Nachrichten folgendes: Nach der Festvorstellung im Hostheater am Abend des 12. November hatte der Kaiser noch eine kleinere intime Ge­sellschaft um sich, u. a. auch unseren einheimischen Dichter Dr. Ludwig Ganghofer. Wie in Nürnberg, so hatte auch her Kaiser hier in München den Wunsch geäußert, Dr. Ganghofer zu sehen und mit ihm zu sprechen. Die übrigen Herren nahmen an der Tafel Platz, während bet Kaiser Ganghofer einlub zu einer Promenade durch den Garten, die sich über ein und einviertel Stunden ausdehnte. Der Kaiser unterhielt sich mit Ganghofer außerordentlich lebhaft, zunächst über die Arbeiten des Dichter». Der Kaiser er­wähnte, daß er noch in der letzten Zeit den Hohen Schein gelesen habe, und sprach im Anschluß hieran längere Zeit eingehend über den Inhalt und den Gedankengang diese» Buche«. Aus der Art und Weise, wie er darüber sprach, sah man, wie intensiv sich der Kaiser mit einer Sache be­schäftigt. Was ihm an dem Buche besonder« gefällt, da» ist, wie der Kaiser sich ausdrückte, der daraus heroorlönende optimistisch« Klang, die Predigt, die den Glauben an das Leben und die Aussöhnung mit dem Schatten bes Dasein«, Das Vertrauen auf die Zukunft und das Vertrauen auf die Menschheit fordert.Das macht auf mich" sagte der Kaisereinen solchen Eindruck, weil ich ein Optimist durch und durch bin, und mich durch nicht« abhalten lassen werde, bleS bis an mein Lebensende zu bleiben." Der Kaiser nannte sich selbst einen Mann, der von Arbeit er­füllt ist und an seine Arbeit glaubt, und fügte hinzu:Ich will vorwärts kommen, ich würde mich sehr sreuen, wenn man da«, was ich will, richtig verstehen wollte und mich dabei unterstützen würde." Im Anschluß hieran sprach bet Koffer auch über die schwierige Stellung, die man bei jeder Arbeit Dem Mißtrauen gegenüber habe, und er beriet sich babei wieder auf eine Stelle aus Ganghofer« Schweigen im Walde, die auch seinen Empfindungen besonder« ent­sprochen habe, weil sie seine eigenen Anschauungen dem Leben gegenüber wiedergäbe. Die Stelle lautet:Wer mißtrauisch ist, begeht ein Unrecht an andern und schädigt sich selbst. Wir haben die Pflicht, jeden Menschen für gut -u halten, solange er uns nicht Das Gegenteil beweist.