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hersfelder Armblatt
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Fernsprech-Finschlutz Nr. 8
Nr. 139.
Sonnabend, den N. November
1906.
erste Statt.
Amtlicher teil.
Nachstehend veröffentliche ich die Nachweisung über die
Ergebnisse der Herbstkörung der Zuchtbullen im Kreise.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie haben strengstens darüber zu wachen, daß die für u n t a u g'- lich befundenen Bullen zur Nachzucht nicht verwendet werden.
Zuwiderhandlungen - gegen die Polizei-Verordnung vom
17. Januar 1879 — Kreisblatt Nr. 8 — find unnachficht« lich zur Bestrafung zu bringen.
Hersfeld, den 29. Oktober 1906.
1. 8718. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Verzeichnis
der im Herbst 1906 zur Körung angemeldeten Bullen.
8
5
Gemeinde.
Anzahl der
Bullen.
Namen der Eigentümer.
Datum der Körung.
Resultate der Körung.
Bemerkungen.
Alter und Race der
Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
A. Körungsbezirk Hersfeld.
1
Gittersdors
1
Johannes Schmidt II.
19/10
14/2 Jahr, Simmentaler
rotschäckig gelbschäckig
gut
2
Meckbach
1
Johs. Eckhardt Wetzel
24/10
l3/4 Jahr, Simmentaler
unbrauchbar
3
Mecklar
1
Gastwirt Claus
l3/4 Jahr, Simmentaler
gelb
gut brauchbar
1
Derselbe
1V4 Jahr, Simmentaler
gelbschäckig
4
Rohrbach
1
Gemeinde Rohrbach
23/10
14/2 Jabr, Simmentaler Kreuzung
rotschäckig gelbschäckig
unbrauchbar
5
Rotensee
1
Jakob Künne
25/10
14 Monate, Simmentaler
gut
6|
Wippershain
1
Caspar Deiß
IV2 Jahr, Simmentaler 14/2 Jahr Simmentaler
gelb
unbrauchbar
7
Obergeis
1
K. Groß
19/10
gelbschäckig
brauchbar
B. Körungsbezirk Niederaula.
1
Frielingen
1
Karl Eschstruth
18/10
A/4 Jahr, Simmentaler Kreuzung
weiß mit gelben Flecken
gut
Hattenbach Kirchheim
1
Derselbe
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
gelbschäckig
gut
2
3
1
1
Jakob Reuber Wilhelm Hold
"
2 Jahre, Simmentaler Kreuzung
1 Jahr, Simmentaler
weiß
tauglich zurückgestellt
1
Derselbe
1 Jahr Simmentaler Kreuzung
gelbschäckig
tauglich zurückgestellt
Mengshausen
1
Derselbe
do.
gelb mit weihen Flecken
4
1
Bürgermeister Wegfahrt
19/10
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
gelbschäckig
gut
5
Reimboldshausen
1
Johs. Bornemann
18/10
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
ff
gut
1
Derselbe
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
tauglich
Solms
1
Derselbe
1 Jahr Simmentaler Kreuzung
weiß mit gelben Flecken
zurückgestellt
6
1
Friedrich Horn
19/10
IV2 Jahr Simmentaler Kreuzung
gelbschäckig
tauglich
1
Derselbe
19/10
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
weiß mit gelben Flecken
untauglich
C. Körungsbezirk Friedewald.
1
Kleinensee
1
v. Krosigk |
19/10
IV2 Jahr, Simmentaler Kreuzung
gelbschäckig
gut
2
Lautenhausen
1
Heinrich Heiderich Konrad Ruch v.
2 Jahre, Simmentaler Kreuzung
gut
3
Widdershausen
1
1V4 Jahr, Simmentaler Kreuzung 1
noch zu jung noch zu jung
1
Derselbe 1
// 1
Franke
gelb
v Körungsbezirk Sehenklengsfeld.
tauglich
1
Hillartshausen
1
Bürgermeister Hahn
27/10
14/2 Jahr, Simmentaler
gelbschäckig
2
Landershausen
1
Otto Reinhard
1 Jahr, Simmentaler
Motzfeld
1
Derselbe
1 Jahr, Simmentaler
am 1/3. 1907
3
1
Johs. Rüger I.
10 Monate Siinrnentaler
rotschäckig
tauglich
41
Unterweisenborn
1
Johs. Seligmann
13 Monate, Simmentaler
tauglich
Die Ortspolizeibehörden des Kreises ersuche ich, mir innerhalb 8 Tagen anzuzeigen:
1. wieviel Hunde in dem Gemeindebezirk gehalten werden,
2. welcher Einheitssatz als Gemeinde-Hundesteuer erhoben wird und
3. welche Einnahme die Gemeinde aus dieser Steuer im Rechnungsjahr 1905 gehabt hat.
Hersfeld, den 2. November 1906.
Der Königliche Landrat.
I V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil
Politischer Wochenbericht.
Wie ein Alp lastete auf patriotischen Gemütern die Ungewißheit, wie sich die Regierung zu den polnischen Hetzereien in Sachen desSchulkind e r st r e i ks in d e r O st m a rk, namentlich auch im Hinblick aus das Verhalten des Posener Erzbischofs Dr. v. Stablewski und dessen Hirtenbrief stellen würde. Von diesem Alp hat nunmehr eine Kundgebung des Kultusminsters Dr. v. Studt befreit, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt und gewiß von jedem Patrioten mit Genugtuung begrüßt.worden ist. Die polnischen Reichstagsabgeordneten v, Grabski und Graf Mielzynski hatten an den Kultusminister ein Telegramm abgesandt, in dem sie eine „sofortige Beseitigung der kulturwidrigen Arreststrafen" gegen widerspenstige polnische Schulkinder verlangten. Darauf hat der Minister eine Antwort gegeben, wie sie sich für das dreiste Verlangen der polnischen Hetzer gebührt. Er lehnt darin die Aufhebung der Arreststrasen gegen Schulkinder, welche die bestehende Schulordnung verletzen, kurz ab und bezeichnet als kulturwidrig die Hetzarbeit, welche die Väter der Schulkinder dazu verführt, letzteren den Ungehorsam gegen Anordnungen der Schulbehörde zur Pflicht zu machen. Diese Anordnungen würben mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln durchgeführt werden. Diese ruhige, aber energische Antwort zeigt, daß die Unterrichtsverwaltung nicht daran denkt, den polnischen Forderungen auch nur in einem Punkte nachzugeben.
Der Reichskanzler Fürst Bülow ist wieder nach Berlin zurückgekehrt, und langsam kündigt sich das Nahen der parlamentarischen Session an. Schon beim Etat werden voraussichtlich die unerfreulichen Debatten über koloniale Verwaltungssragen einsetzen, und Herr Erzberger wird
nach seinen Aeußerungen es sich nicht nehmen lassen, alle die koloniale Makulatur der letzten Monate noch einmal auszu- breiten. Hoffentlich wird der neue Kolonialdirektor der breiten Flut haltlosen Klatsches einen Damm entgegensetzen und den Reichstag daran erinnern, daß sein Recht zur Kontrolle der Regierung nicht dahin ausarten darf, daß einzelne Abgeordnete aus der Jagd nach Skandalgeschichten einen persönlichen Sport machen. Im übrigen schädigt das behäbige Breittreten kolonialer Klatschgeschichten das Ansehen unseres Volkes nach außen hin und sollte schon deshalb unterbleiben.
Was das Ausland betrifft, so beginnen in England die beiden großen Parteien sehr energisch gegen das Vordringen der Sozia listen Front zu machen. So äußerte sich Lord Landsdowne, einer der Führer der Konservativen, in einer in Schottlaud gehaltenen Rede dahin, er habe nichts dagegen, daß die Arbeiterpartei im Parlament vertreten sei, aber in ihren Reiben seien einige Sozialisten, die den Krieg gegen das Kapital predigen und ebenso gegen alle privilegierten Klassen. Das heiße nicht, die Arbeiter verteidigen, und sei auch kein Schutz der Arbeit. In Schottland sei übrigens eine solche Propaganda nicht gefährlich, da die große Mehrzahl der Schotten zu viel Verstand habe, um eine so dumme Lehre anzunehmen, und wisse, daß Kapital und Arbeit sich gegenseitig erhalten und ohne einander nicht bestehen können. Noch energischer hat der dem gegenwärtigen liberalen Kabinett ungehörige Kriegsminister Haldane dem Sozialismus den Krieg erklärt, und es ist eine erfreuliche Erscheinung, daß in diesen großen Fragen die beiden einander aus allen übrigen Gebieten bekämpfenden Parteien Hand in Hand gehen. Es wäre zu wünschen, daß dieses Beispiel bei uns in Deutschland vorbildlich wirken möchte.
Die Lage in Marokko ist in letzter Zeit derart ge- worben, daß man beinahe wieder von einer Marokkofrage sprechen könnte, die man doch durch die Konferenz in Algeciras begraben wähnte. Denn die Geschehnisse, die sich jüngst dort abgespielt: haben die Aufmerksamkeit der politischen Welt von neuem aus das scherifische Reich gelenkt. Zunächst sind aufständische Bewegungen in der Umgegend von Tanger Veranlassung zu einem gemeinsamen Schritte des dortigen diplomatischen Korps gewesen. Gleichzeitig haben sich die von jeher wenig geordneten Zustände an der algerisch-marokkanischen Grenze neuerdings in einer Weise bemerkbar gemacht, die Frankreich zu Gegenmaßnahmen veranlaßte. Auch Spanien droht bereits mit militärischen Maßnahmen. So erhebt die marokka- nische Frage von neuem drohend ihr Haupt.
Im fernen Westen hat eine Beschwerde der in Sau Fraucisko ansässigen Japaner, daß ihre Kinder gleich den der dortigen
Chinesen nicht in die amerikanischen Schulen ausgenommen werden, zu einer diplomatischen Spannung zwischen den Vereinigten Staaten und Japan geführt. Der japanische Botschafter hat in Washington ernste Vorstellungen gemacht und mit einem allgemeinen Boykott der amerikanischen Einfuhr nach Japan gedroht. Ein solcher Boykott würde aber eine schwere Schädigung der amerikanischen Exporteure sein, die durch den chinesischen Boykott amerikanischer Waren ohnehin schon schwer genug geschädigt find. Der Erfolg dieses japanischen Vorstoßes wird daher voraussichtlich ein amerikanischer Rückzug in der Schulfrage sein; wenigstens hat bereits Präsident Roosevclt den Handelssekretär Mctcalf nach Fraucisko geschickt, um dort die japanischen Beschwerden zu untersuchen und ihre Gründe abzustellen. Es ist wohl anzunehmen, daß dieser an sich geringfügige Anlaß keine ernsteren Verwickelungen zwischen den beiden Nationen herbeiführen wird.
Reformationsfest.
Der Gedächlnistog der Reformation ruft die deutsche evangelische Christenheit zum Dank auf für die höchste Wohltat, die Gott unserem Volke geschenkt hat, für die Wiederbringung bei reinen Evangelium», die Befreiung der Seelen aus Irrtum und Finsternis. Wohl ist das Werk Martin Luthers vielen Völkern zum Segen geworden und das helle Licht des Evangeliums hinausgedrungen in alle Welt, die Herzen beseligend und die Völker fittigend. Aber nur für das deutsche Volk trifft es zu, daß die Reformation der Angelpunkt ist, um den seine Geschichte sich dreht, daß sich der Inhalt seines nationalen Lebens, die Aufgabe seiner weltgeschichtlichen Stellung darin auSdrückt, das Volk der Reformation zu sein. Und nur das Volk konnte der Aufgabe gerecht werden, die Grundgedanken der reformatorischen Weltanschauung im Rechts- und Kultur« leben zur Geltung zu bringen, das den großen Grundsatz der Gewissensfreiheit und der reinlichen Scheidung zwischen Staatsordnung und religiösem Leben gerade gegenüber einer großen Minderheit von Feinden diese» Grundsatzes durchzuführen und aufrecht zu halten verstand.
Im Staate der Hohenzollern ist diese Ausgabe in An. griff genommen worden; seine Fürsten haben sich als Diener des Staates und als Bekenner bei Evangelium» gefühlt und ihrem Volke als Vorbilder der Pflichterfüllung und der Geistesfreiheit vorgeleuchtet. Und noch heute, wo die deutsche Kaiserkrone auf dem Haupte eines Hohenzollern den Sieg der evangelischen Kultur-Ideen strahlend verkündet, läßt sich deutlich wahrnehmen, daß Gott der Herr