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Hersselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 125t
Donnerstag, den 25. Oktober
1906t
nichtamtlicher teil.
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Die Erhaltung eines gesunden Handwerk« und mit diesem des ilaatserhaltenden Mittelstandes ist eins der wichtigsten Kapitel nur Lösung der sozialen Frage. Hierzu hat jüngst eine in einem angesehenen BreSlauer Blatte, der „Schles. Morgenztg." veröffentlichte Zuschrift Stellung genommen, der wir folgendes entnehmen.
Für einen zufriedenen, strebsamen Mittelstand einzu- stehen, ist Pflicht eines jeden guten Staatsbürgers; denn dieser Stand ist der Träger des ganzen Staatsgebäudes. Der Mittelstand hat im Handwerk feinen ausgesprochenen Repräsentanten; denn wenn auch nicht alle Mittelstanvr- vertreter Handwerker Rnb, so gleichen die Kleingewerbe doch immer mehr oder weniger dem Handwerk, oder sie leben vom und mit dem Handwerker. Dem Handwerks- stände aber droht Gefahr, große Gefahr. Manche einst blühende Handwerksbetriebe sind verschwunden, andere werden folgen, und kleiner immer kleiner wird die Zahl der selbständigen Betriebe, in denen ein Meister mit einer geringen Zahl von Gehülfen sein Brot sucht und findet. Die Arbeitsteilung im Fabrrkbetrtebe, die dem weniger Intelligenten die geringwertige Arbeit zumeist, und die manuelle oder sonstige Geschicklichkeit des andern auf sich stets wiederholende Arbeit beschränkt, verbilligt die Herstellungskosten und zwingt, wie besonders auch die sich stets vervollkommen- den Maschinen, zur Maffenanfertigung von Waren, die sonst der einzelne ohne Maschine und in allen Details selbst unfertigen mußte.
Die einzige bisher gefundene Form, die Vorzüge des Großbetriebes zu benutzen und dabei den Kleinbetrieb zu erhalten und dem Großbetriebe gegenüber konkurrenzfähig zu machen, ist die Bildung von Genossenschaften. Aber nach Lage der Gesetzgebung und der Entwickelung des Ge- nossenschaftswefens ist der Umfang einer Handwelker-Ge- noffenfchast stets klein, nicht entfernt dem auf den Groß» Handel angewiesenen Fabrikbetriebe vergleichbar, und doch soll er dem letzteren Konkurrenz machen, wenn er bestehen will. Man ist deshalb daraus bedacht, die einzelnen kleinen Genoffenschaften wieder zu organisieren, sie zu Genossen- schaftS-Verbänden zusammenzuschließen. Diesen fällt nun die Aufgabe zu, das Genossenschaftswesen zu verbreiten, die Vorstände der Genossenschaften über ihre Pflichten auszu- klären, sie zu belehren in dem, was ihnen an GeschästS- kenntnissen fehlt, und endlich solche Anstalten und Einrich- tungen zu treffen, die den einzelnen Genossenschaften den Betrieb erleichtern, verbilligen, sie mit einem Worte fördern. Zu solchen Einrichtungen gehören die Verbandskassen, die den Geldausgleich der Genossenschaften unter einander regeln; ferner die Einkausskommtsstonen, die den Rohstoff
Sie gMM grau.
Erzählung von A. Burg. (Fortsetzung.)
Der alte Fürst bewegte abwehrend die Hand. ■ „Da sieht man's, anch aus unserer Jugend spricht die neue Zeit. Und gewiß — jene Fürstenhäuser haben daS mit ihrem Oberhaupt unb mit sich selbst auszukämpfen. Aber in unsern Häusern sind wir die Herren, und solange Schönau steht, wird an diesem Gesetz, an dieser Tradition nicht gedeutelt werden."
„Sind Fürsten nicht auch Menschen?" fragte Henrik leise.
„Ja mein Sohn — aber gebundene Menschen. Sieh — ich stehe auf dem Standpunkte, daß andere Rechte auch andere Pflichten auserlegen, die dann klaglos getragen und geübt werden müssen, wenn's auch Opfer kostet. Die Traditionen eines alten Hauses sind heilig — ihnen muß der Mensch sich beugen."
Es lief Henrik ein Schauder über den Rücken, wie klar und erbarmungslos die Worte klangen — ihm schienen sie das Todesurteil seiner Liebe zu Inge.
Seine schöne, stolze, geliebte Inge!
Er hatte sie heute im Geiste neben Jdaline gestellt, neben die blonde, zarte, in den „Traditionen" erzogene Jdaline, die wie auf Geheiß ihr ja oder nein sagte, die keine eigene Meinung, kein eigenes, aus persönlicher Anschauung gebildetes Urteil kannte.
Wie hatte sich die Unterhaltung mit ihr hingeschleppt. Uues säst hatte er versucht, Tennisspiel, Tanz, Bücher, zuletzt Pferde und Hunde, aber es schien, als ob nichts von besonderem Interesse für sie war. Darüber konnte auch ihre große Liebenswürdigkeit und Wohlerzogenheit nicht sorttäuschcn.
Was war seine Inge dagegen für ein kluges, tapferes und treues Mädchen!
Wie oft hatte ihr treffendes und doch nie kränkendes Urteil, ihre Wahrheitsliebe und ihr sonniges, fröhliches, ergnickendes Wesen ihn bezanbert! Nichts an ihr war gemacht oder gekünstelt.
Auf dem Herzen, in seiner Brieftasche trug er ihr Bild und
ankauf für eine ganze Reihe von Genossenschaften leiten und durch Masseneinkauf verbilligen; endlich die Fach-Ingenieure, die, von Genossenschaft zu Genossenschaft reifend, die maschinellen und sonstigen dem Großbetriebe entlehnten Einrichtungen prüfen, zu verbessern suchen und die Betriebsleiter mit neuen Zeitersordernissen bekannt machen. Auch die gesetzlich vorgeschriebene Revision hat der Verband zu besorgen.
Da das Handwerk, so bedeutend sich das Genossenschaftswesen Deutschland« auch in den letzten Jahren entwickelt hat, in dieser Hinsicht noch immer zurücksteht, rät das genannte Blatt, um die Handwerker-Genossenschaftsfrage besser in Fluß zu bringen, den Vertretern des Handwerks, sich bittweise an die maßgebende Behörde um eine einmalige materielle unb um dauernde moralische Hülfe zu wenden und auch die zur Förderung des Handwerksr-Genoffenschafts- wesenS geeigneten Personen in Vorschlag zu bringen. Jedenfalls ist ein tatkräftiges Vorgehen in dieser Richtung nur wünschen«- und empfehlenswert.
Aus > und Ausland.
Berlin, 24. Oktober 1906.
S e. Majestät der Kaiser hörte heute vormittag im Neuen Palais bet Potsdam die Vorträge des Chefs des MilrtärkabinettS, des Chefs des AdmiralstabeS der Marine und des Chefs des Marinekabinetts und gedachte Mittags an der Parforcejagd in Döbsritz teilzunehmen. — Anläßlich des Geburtstages Ihrer Majestät der Kaiserin fand gestern abend im Neuen Palais bei Potsdam eine Theatervorstellung statt, zu der Einladungen an die Herren und Damen des engeren Hofes ergangen waren.
Ueber das Befinden des Fürsten vonSchwarz- burg-SonderShausen ist heute vormittag folgender Bericht ausgegeben worden: Die Verletzung, die der Fürst gestern durch einen schlagenden Keiler erlitten hat, besteht in einer quer über die vordere Seite des linken Kniees verlaufenden klaffenden Wunde mit breiter Eröffnung des Gelenkes und gleichzeitiger Zerreißung des KniescheibenbandeS. Entsprechend der Art der Gewaltanwendung liegt eine starke Quetschung der Weichteile vor. Nach Versorgung der Wunde ist die Nacht verhältnismäßig gut verlaufen. Puls und Temperatur normal. Allgemeinbefinden gut. Schmerzen gering.
Die nächste Sitzung des N e i ch s t a g e s ist nunmehr vom Präsidenten Grafen Ballestrem auf den 13. November b. I. nachmittags 2 Uhr angefetzt worden. Auf der Tagesordnung stehen 43 Petitionsberichte, darunter folgende: ArbeitSverhältniffs der Angestellten im Gastwirtsgewerbe, Einführung einer staffelförmigen Umsatzsteuer für Groß- mühlen (hierbei wird auch die betreffende Resolution der
ihren letzten Brief. Und gegen das Opfer des Verzichts bäumte sich sein ganzes Innere auf. Er sah verstohlen hinüber in des Vaters Gesicht, das gütige, liebe, freundliche Gesicht. Und doch, ein Etwas stand da gezeichnet, was ihm sagte, daß dieser Mann unbeugsam sein würde, sobald es sich um „Pietät und Tradition" handelte.
Juttas Kommen, die drunten mit Maria Luise und Miß Right noch ein Weilchen Federball geschlagen hatte, unterbrach das Gespräch. So gern auch Henrik mehr von der romantischen Liebesheirat des Fürsten Steltcnstein erfahren hätte, er empfand es als eine Erleichterung, daß Jutta die Unterhaltung störte.
Seine Gedanken errieten der Mutter Wünsche — er und Jdaline.
„Die Aecker grenzen nachbarlich zusammen, um klassisch zu reden," dachte er bei sich," „und ,ob die Herzen überein- stimmen' — darauf kommt es hier nicht an. Wenn nur Pietät und Tradition nicht leiden."
Die Pläne, wie er sich Inge erringen könnte, kreuzten sein Hirn, während er scheinbar in die Zeitung sah, die der Fürst ihm aus der soeben angekommenen Posttasche hinübergereicht hatte,
Entsagen dem Fürstentitel — sich mit der Apanage begnügen, davon einen Besitz kaufen — leben wie ein Privatmann — wenn's sein muß — auch einen andern Namen annehmen — derlei Dinge waren schon vielfach vorgekommen und ihm bekannt.
Und da war noch Karl Gregor, der an seine Stelle rücken konnte — er verzichtete dann---
Aber da sah er den stillen Knaben über den Gartenplatz daherkommen, das geliebte gelehrte Buch im Arm. Hatte er dem Bruder nicht mit Hand und Mund versprochen, dafür zu sorgen, daß er einst nur seinen Studien, seiner Wissenschaft leben sollte, fern von den Pflichten fürstlicher Repräsentation ?
Es war gut, daß Marie Luise in ihrer lebhaften Art aus den großen Bruder losstürzte.
„Du — Henrik — der.Odysseus' lahmt nicht mehr — morgen reiten wir zusammen aus. Du sollst sehen, ich nehm's
Steuerkommission beraten werden), BefähigungSnachwei« für das Handwerk, Befreiung Schwachsinniger vom Militärdienst, Ausbau eines mitteleuropäischen Wassernetzes. — Mit besonderem Interesse darf man den Erörterungen über eine Umsatzsteuer für Getreidemühlen entgegensehen. Der Reichstag hatte bei der Verabschiedung der neuen Steuergesetze auch eine Resolution angenommen, worin eine Umsatzsteuer für Getreidemühlen gefordert wurde, jedoch verlautet bis jetzt nicht, daß das Nsichsschatzamt dieser Forderung näher- getreten wäre.
Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" hatte sich in ihrer letzten Wochenrundschau über die Bergarbetterbe» w e g u n g in einer Weise geäußert, die als einseitige Parteinahme für die Arbeiter gedeutet werden konnte. Hierzu schreibt nun das Blatt: „In einzelnen Blättern werden unsere in den letzten Rückblicken enthaltenen Ausführungen über die Streikgefahr im Ruhrrevier als Regierungrkund- gebung bezeichnet und behandelt. Demgegenüber stellen wir fest, daß diese Auslassung redaktionellen unb nicht amtlichen Ursprungs ist." Die Beunruhigung, welche die betreffenden Aeußerungen des Regierungsblattes in Arbeit« geberkretsen hervorgerufen hatten, dürfte damit zerstreut sein.
Eine Bezirksversammlung der Arbeitervereine von Köln und Mühlheim am Rhein beschloß, in Sachen der Fleisch- not die Absenkung einer Petition an den Reichskanzler, sowie an sämtliche Zentrumsabgeordnete, in welcher von der Regierung schleunigste Anwendung aller Mittel gefordert wird, die geeignet sind, eine Linderung der Fleischnot herbei- zuführen. Nach Ansicht der Versammlung wäre das wirksamste Mittel eine erweiterte Oeffnung der Grenze für die Einfuhr von Schlachtvieh unter Beobachtung der Veterinären Vorschriften zum Schutze bei heimischen Viehzucht; eine zeitweilige Herabsetzung beS Zolles auf Vieh und Fleisch wäre gleichfalls in ernste Erwägung zu ziehen. Die Z-ntrumspartet soll ausgesordert werden, in diesem Sinne auf die Regierung einzuwirken, da durch die gegenwärtig- ungewöhnlich anhaltende Steigerung der Fleischpreise eine erhebliche Verschlechterung der Lebenshaltung der minderbemittelten Volksklassen, besonders der Arbeiterklassen her- beigeführt werde.
Der letzte Versuch einer Einwirkung auf die Entschließungen des Herzogs von Cumberland ist heute nach den Vorschlägen der staatsrechtlichen Kommission vom Plenum der Landesversammlung in Uebereinstimmung mit dem Regentschaft-rate des Herzogtum« Braun schweig beschlossen worden. Ueber den Erfolg dieses Schrittes gibt sich wohl keiner der daran beteiligten Faktoren einer Täuschung hin, doch man will nun einmal in Braunschweig das jetzige Interregnum lieber um einige Wochen verlängern, als ohne die zwingendste Not an eine Verlängerung des Provisoriums für unabsehbare Zeit herangehen. Die Thron- und Regentschaftsfrage bleibt also jetzt so lange in der Schwebe, bis es dem Herzog Ernst August
mit jedem deiner Garde-Ulanen auf; den Graben mit der Hecke drüben, den nehme ich dir — hui — du sollst mal sehen."
„Mit Freuden, Schwesterchen — ich werde am Ende gar zurückstehen gegen deine Fertigkeit."
Der schlanke Ulan reckte die geschmeidige, schön gebaute Soldatengestalt.
Marie Luise war hoch befriedigt, daß Henrik sofort auf ihren Vorschlag einging.
Der Vater und Jutta ritten immer so still andächtig in gemessenem Tempo; mit dem Ulanenbruder reiten — das war doch eine angenehme Abwechselung.
Der Fürstin wurde das Souper gemeldet, und bei der angeregten Unterhaltung, die es verschönte, und die ganz in allgemeinen Geleisen sich bewegte, da die Hofdame, Juttas Gouvernante, Miß Right und der Hofmeister daran teilnahmen, fand Henrik für kurze Zeit den Gleichmut seiner Seele wieder.
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Der Wagen des Forstmeisters fuhr durch das hohe Parktor am Torwärterhause in den stillen Park von Sommereck ein und hielt vor dem Hauptpottal des Schlößchens still. Frau von Sommereck hatte die Forstmeisterin nebst Sophie und Inge zum Nachmittag zu sich geladen.
Heut sah Inge die Dame zum erstenmal in Haustoilette und ohne Hut. Sie wußte sich nicht Rechenschaft darüber zu geben, weshalb der gebleichte Scheitel und die Augen, die „nach innen geweint hatten," ihr so rührend erschienen. Es war, als lese man eine lange Geschichte von Leid und Kampf daraus. Unb doch lächelte der feine Mund so liebenswürdig, als sie die Gäste in der Halle begrüßte.
„Endlich," sagte sie, „können wir uns einmal wieder für eunge Stunden angehören. Und die jungen Damen wollen wirklich so lieb sein und mir ein Duett singen?"
„Gewiß!" Sophie klopfte aus die mitgebrachte Notenkapfel. „Hier sind sogar welche zum Aussuchen drin. Inge und ich haben fleißig geübt, gnädige Frau."
Frau von Sommereck erkundigte sich artig nach Inges Eltern und meinte erfreut, daß die guten Nachrichten gewiß