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Hersfelder KreisWatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. LSI Dienstag, den 1«. Oktober 190 ^
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 11. Oktober 1906.
Diejenigen Herrn Orts- und Gutsbezirks-Vorsteher, welche noch mit ihren Berichten auf meine Verfügung vom 23. März 1880, Krcisblatt Nr. 24, Instandsetzung der Flutgräben betreffend, im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen längstens 8 Tagen erinnert.
I. 8214. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 9. Oktober 1906.
Der im Laufe dieses Sommers erstmalig eingerichtete öffentliche telegraphische Wettervorhersagedienst wird für das laufende Etatsjahr mit dem 14. November geschlossen. Vom 15. November d. Js. ab hört somit der öffentliche Anschlag der Wettervorhersage an allen Tele- graphenanstalten im norddeutschen Wetterdienstgebiet auf, um erst im Frühjahr, sofern die Bereitstellung der erforderlichen Mittel durch den Staatshaushaltsetat erfolgen wird, wieder eröffnet zu werden.
Die Wetterdienststellen werden jedoch auch während des Winters auf Grund des ihnen täglich zugehenden umfangreichen Nachrichtenmaterials Wettervorhersagen fortlaufend ausstellen.
Diese W e t t er v o rh er sa ge n können von jedermann einzeln oder im Abonnement gegen Erstattung eines mäßigen, amtlich festgesetzten einheitlichen Gebührensatzes bezogen werden. Bestellungen sind an die zuständige Wetterdienststelle oder an dj^ nächstgelegene Postanstalt zu richten.
Die Wetterkarte des öffentlichen Wetterdienstes erscheint ebenfalls während des Winters täglich weiter. Der monatliche Abonnementspreis beträgt nur 50 Pfg., wozu noch 14 Pfg. Postbestellgebühr treten. Bei der Herausgabe und der Versendung der Wetterkarten durch die Post wird größtmöglichste Beschleunigung angestrebt werden, so daß tunlichst jeder Abonnent die Karte noch am Abend des Ausgabetages erhält. Da die Wetterkarte eine graphische Uebersicht der Wetterlage des ganzen Kontinents enthält und eine kurz begründete Wettervorhersage für den folgenden Tag gibt, so dürfte ihre tägliche Einsicht für alle diejenigen, die bei der Ausübung ihres Berufes vom Wetter abhängig sind — insbesondere auch für die Landwirte — von größtem Interesse sein.
Die Herren Bürgermeister des Kreises setze ich hiervon mit dem Ersuchen in Kenntnis, dies auf ortsübliche Weise alsbald zu veröffentlichen, auch der Gemeindevertretung hierüber in nächster Sitzung Vortrag zu halten. Im Interesse der Ortseingesessenen dürfte es sich für die Gemeinden, welche Telegraphen- bezw. Telefonverbindung haben, empfehlen, ein Abonnement der Wettervorhersagen und für die übrigen Gemeinden ein Abonnement der Wetterkarten für die Wintermonate auf Kosten der Gemeinde zu nehmen.
Sie gnädige Fenn.
Erzählung von A. Burg. (Fortsetzung.)
Der Unterschied zwischen Weizen- und Roggenähren war ihr nicht recht klar, trotz der „vorzüglichen Naturgeschichts- stundcn", in denen die einzelnen Achren aus dem Schultisch ansgcbreitet lagen, aber Hafer — den kannte sie, der war, wie sie sich ausdrückte, „charakteristischer."
Nun ein Stückchen durch liebliches Niederholz und dann ein Wiesenpfad, der über Lobsfeld zu jenem Waldesteile führte, in dem der Forstmeister heute beschäftigt war.
An saftgrünen Hecken schritten die Mädchen entlang, hinter denen auf rasigem Plan Fohlen und Jungvieh weiteten, dann bogen sie in eine prächtige, schattige Ulmenallee ein, die den Ausblick 'öffnete, auf das Schlößchen Sommereck, zu dem Inge täglich v. ihrem Fenster hinüberschaute. Mit feinem stolz vor ihm auswachsenden Gitterwerk machte es einen feudalen, abgeschlossenen Eindruck.
Inge wollte soeben ihrer Freude Ausdruck geben, daS interessante Schlößchen in der Nähe zu sehen, als unmittelbar vor ihnen zwei Damen, aus einem Nebenpsad tretend, austauchten.
„Ach liebe Sophie," rief die jüngere, die, zur rechten Seite der älteren gehend, hier wohl die Gebieterin war. „Wie lange haben mir uns nicht gesehen!"
„Erlauben Sie, gnädige Frau, daß ich Ihnen meine Cousine vorstelle, Inge von Fahlbusch aus Berlin, Fräulein Reiter — bitte, meine Cousine Inge!"
Inge machte ihren schönsten Knix vor den Damen und küßte die dargcrcichtc Hand der jüngeren.
„Ach — Sie sind der erwartete Svmmcrbcsuch?" fragte sie freundlich. „Nun — wie gefällt es Ihnen denn hier in so ländlicher Stille'?"
„Wunderschön, gnädige Frau, ganz wunderschön, ich habe noch keine Minute Zeit gehabt, mich nach Berlin zi, sehnen. Es ist so schön still hier."
„Aber doch in der Forstmeisterei nicht? Da müßten Sie
Bis zum 15. Dezember d. Js ist mir darüber zu berichten:
a. welche Erfahrungen mit der Einrichtung des Wettervorhersagedienstes bisher gemacht worden sind,
b. ob die Gemeinde für die Wintermonate auf die Wettervorhersage oder auf die Wetterkarte abonniert und
c. welche Mittel sie im Interesse der Sache inzwischen aufgewendet hat.
i. 7868. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 11. Oktober 1906.
Nach einer Mitteilung des Landesbauamtes dahier besteht in einer größeren Anzahl Ortschaften des' Kreises noch der Mißstand, daß die Jauche von den Mistestätten rc. in die Kandeln der Straßen und Landwege abfließt.
Die Ortspolizeibehörden haben aus diesen Mißstand ein besonderes Augenmerk zu richten und anzuordnen, daß die in Betracht kommenden Mistestätten mindestens mit einer 1,0 m hohen, wasserdichten Mauer eingefriedigt werden. Auch sind im Anschluß an die Mistestätten erforderlichen Falles Jauchegruben anzulegen, die dem § 42 Abs. 6 der Bauordnung entsprechen.
I. 8215. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 12. Oktober 1906.
Die Herren Ortsvorstände werden an die umgehende Erledigung meiner Verfügung vom 3. d. Mts. — St. Nr. 2635 Kreisblatt Nr. 118 — betreffend Nachweisung der Zahl und des Betriebsunifangs der gewerblichen Getreidemühlen, erinnert. Der Vorsitzende des Steuerausschusses der Gewerbesteuerklassen III und IV von Grunelius.
Hersseld, den 15. Oktober 1906.
In Verfolg meiner Verfügung vom 19. September d. Js. — St. Jr. Nr. 2507 — Kreisblatt Nr. 113, lade ich die sämtlichen Herren Bürgermeister, mit Ausnahme der Stadt Hersfeld, zwecks mündlicher Belehrung über die Aenderungen im neuen Einkommensteuergesetz und über die Personenstandsaufnahme vor. Zugleich wird die Revision der Personenverzeichnisse stattfinden.
Für die einzelnen Herren Bürgermeister sind folgende Termine bestimmt:
Mittwoch den 17. Oktober d. Js., vormittags 9V2 Uhr für die Herren Bürgermeister aus dem Amtsgerichtsbezirk
Donnerstag den 18. Oktober d. Js., vormittags 9V2 Uhr für die Herren Bürgermeister aus dem Amtsgerichtsbezirk Nie- deraula,
zu mir kommen, nach Sommereck, um zu begreifen, was Stille heißt, nicht wahr, liebes Reiterchen?"
Die Angeredete nickte lebhaft. „Ja — ja — in Sommereck ift’§ sehr still — aber man liebt schließlich das stille Leben," und zu Inge gewendet, „wer wie Frau von Sommercck schon fast 20 Jahre lang hier in Ruhe und Stille lebt, der sehnt sich ivohl kaum noch wieder hinaus in das flutende Leben da draußen, von dem uns die Zeitungen und Zeitschriften Kunde bringen."
„Wie gehts den Eltern, liebe Sophie? Ich hoffe, gut. Nächstens komme ich hinüber, wollte Ihren lieben Vater einmal wegen des Niederholzes um Rat fragen —"
Und während die Dame mit Sophie weitersprach und Fräulein Reiter, sich zu Inge wendend, ihr erzählte, daß sie auch in Berlin geboren und erzogen sei, und daß sie damals am Werderschen Markt gewohnt hatte, hingen Inges Augen unverwandt an Frau von Sommerecks Gestalt. Inge liebte solche Erscheinungen. Ein unbeschreibbarer Hauch von Vornehmheit war über Erscheinung und Wesen gebreitet. Die hochgewachsene, schlanke Figur umschloß ein sehr kostbares, aber durchaus schlichtes graues Jackenkostüm, der geschmackvolle Kapotthut umrahmte ein noch jugendliches, schöngeschnittenes Gesicht, dem ein leiser Schmerzenszug um den Mund etwas unbeschreiblich Wehmütiges gab. Das Schönste aber waren die tiefdunkelblauen Augen, Augen, wie sie Inge mit diesem Ausdruck kaum je gesehen hatte. Ihr fielen, als sie den warmen Blick der Dame aus sich gerichtet fühlte, die Worte ein, die Paul Heysc in seinem Schauspiel „Kolberg" die Rose von der Königin Luise sagen läßt: „Und diese Augen hatten viel geweint."
Zu all dem Reiz dieser interessanten Frauenerscheinung gesellte sich noch das schneeweiße, glänzende Haar, das geschmackvoll frisiert, einen eigenartigen Gegensatz zu dem jugendlichen Antlitz bildete.
.Und sie kann doch kaum vierzig Jahre sein,' dachte Inge interessiert, .und so schneeweißes Haar —'
„Also — meine lieben jungen Damen — aus Wiedersehen, Reiterchen und ich wollen einmal nach dem edlen Fohlen sehen, das mit draußen ist — und Sie wollen noch bis Jagen
freitag den 19. Oktober d. Js., vormittags 10 Uhr für die Herren Bürgermeister aus dem Amtsgerichtsbezirk Schenklengsfeld,
Sonnabend den 20. Oktober d. Js., vormittags 10 Uhr für die Herren Bürgermeister aus dem Amtsgerichtsbezick Friedewald.
Die Personenverzeichnisse sind mitzn- bringen.
DieTerminesindunbedingtinne zu halten. Sollte ausnahmsweise einer der Herren Bürgermeister an dem bestimmten Tage unabkömmlich sein, erwarte ich s 0 f 0 r t i g e n Bericht. Ich stelle in dem Falle frei, an einem der anderen bestimmten 4 Tage zu erscheinen. In dem Bericht ist dieser andere gewählte Tag anzugeben.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission. von Grunelius.
Hersfeld, den 12. Oktober 1906.
Die unter dem Schweinebestande des Wilhelm Gerhold in Aua ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I. 8255. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 12. Oktober 1906.
In die Winterkur der Kinderheilanstalt zu Solbad Sooden a/Werra können noch einige Kinder armer bezw. unbemittelter Eltern hiesigen Kreises, welche an Skrofulöse chronischer Art leiden und daher einer Badekur ganz besonders bedürftig sind, auf Kreiskosten ausgenommen werden.
Die Herren Ortsschulinspektoren ersuche ich crgebenst, mir solche Kinder ihres Bezirks nach Anhörung der Eltern bezw. Vormünder bis zum 22, *. Mts. gefälligst in Vorschlag bringen zu wollen.
Aufnahmefähig sind Knaben im Alter von 3—12 Jahren und Mädchen im Alter von 3—14 Jahren.
I. 8263. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher Ceil.
Ae „Ieiikivmhigktiteii"
des Fürsten Chlodwig zu Hohenlohe, die von seinem Sohne in zwei starken Bänden veröffentlicht worden sind, erregen nicht bloß in Deutschland das größte Aufsehen. Wie Seine Majestät der Kaiser zu der Veröffentlichung steht, hat man aus seinem Telegramm an den Chef des Hauses Hohenlohe- Schillingsfürst gesehen, und kein ernstes Blatt kann verkennen, daß es ein großer Mangel an Takt war, vertraulichste Gespräche des regierenden Eouverains ohne dessen
V — das ist noch ziemlich weit — ich komme bald hinüber, und Sie müssen sich dann auch Sommereck ansehen, liebes Fräulein von Fahlbusch."
Sie reichte den jungen Mädchen die Hand, die Sophie, die dem Handkuß als einem zu unterwürfigen Gruße sehr abgeneigt war, nur kräftig schüttelte, während Inge sie nach alter Gewohnheit küßte. Dann noch die Verabschiedung von Fräulein Reiter, und die Damen schritten der Lichtung der Allee zu, während Sophie und Inge ihren Weg am Gitter weiter verfolgten.
Inge wollte soeben ihrem Entzücken über Frau von Sommereck Worte geben, als ihre Aufmerksamkeit durch merkwürdige Töne und ein ebenso merkwürdiges Bild hinter dem Gitter gefesselt wurde.
Dort breitete sich in dem zum Schlosse gehörenden und ihn rund herum umgebenden Garten ein sastiggrüner, kurzge- schvrener Rasenplatz aus. In einem Boskett daneben standen Gartenstühle und Bänke um einen Tisch, an dem lesend ein Herr saß, während ein grauhaariger Diener in brauner, einfacher Livree etwas abseits stand. Mitten auf dem Rasenplatz abc. tummelte sich im Spiel mit großen bunten Gummibällcn, die er in die Luft warf und wieder auffing, oder auch unbeachtet zur Erde rollen ließ, ein Jüngling, mit frohen Ausrufen er Freude einen besonders gelungenen Wurf begrüßend. Einen sehr weit fortgeflogenen Ball beeilte sich der Diener sofort wieder zu holen, während der Herr ruhig weiterlaS.
Inge zeigte mit der Hand verstohlen aus das seltsame Bild. Der junge Mann, der dort mit den bunten Bällen spielte war durchaus kein Knabe mehr, groß und schlank gewachsen,' mit blondem, wvhlfrisiertem Haar, in elegantem Sommeranzug.
„Um Gottes willen, Sophie, sieh' doch, wie eigentümlich, der große, junge Mann spielt Ball."
Sophie sah sehr ernst aus. „Siehst du. Inge, so ist das Leben. Denkt man nicht, wenn man Schloß Sommercck sieht, daß eigentlich Glück und Freude hier wohnen müßten? Und doch wohnt das Leid hier. Ich kann dir von all dem Leid nicht viel erzählen, aber jener Jüngling ist das einzige Kind der Frau von Sommercck, feit seiner Geburt blödsinnig —"
„Ach, Sophie, darum haben ihre Augen so viel geweint