lebhaften Aussprache meldeten 11 Mann ihren Beitritt zum Kaninchenzuchtverein an. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles blieb man noch in recht gemütlicher Stimmung zusammen, sodaß allen Teilnehmern dieser Tag in guter Erinnerung bleiben dürste. Anch der rührige Verein kann mit seinem Erfolge sehr zufrieden sein und wünschen wir demselben auch fernerhin so gute Erfolge, damit sein gestecktes Ziel „Kaninchenfleisch muß Volksnahiung werden", auch baldigst Verwirklichung finden möge.
):( Hersfeld, 8. Oktober. Auf der 10. Junggeflügel- schau der 13. Allgemeinen Ausstellung zu Gaffel vom 6.—8. Oktober erhielt vom hiestgen Geflügelzuchtverein Herr Fritz Zobel folgende Preise: 1., 2. und 3 Preis auf 3 Rouen Espel, L, 2. und 3 Preis auf 3 Rouen Enten, sowie einen'Ehrenpreis (1 Wanduhr).
v/ Heringen, 6. Oktober. Einen traurigen Abschluß fand in dem benachbarten Widdershausen vor kurzem eine Hochzeit, Als am abend alles in fröhlichster Stimmung war, stürzte der Schuhmacher Joh. B. plötzlich zusammen. Ein schnell herbeigeholter Arzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen, welcher infolge von Alkoholvergiftung eingetreten war.
Caffel, 8. Oktober. Nach einem mißlungenen Mordversuch auf seine Braut tötete sich am Sonnabend abend der 23jährige Kaufmann Trespe von hier in einem Garten in der Orleansstraße. Der junge Mann war mit dem Mädchen verlobt, jedoch hatte der Vater des Mädchens die Verlobung aufgelöst. Mit einem Dolche hatte Trespe versucht, seine Braut zu ermorden. Diese hatte aber den Arm des Mannes zurückgeschlagen, wobei sie sich mit der Hand am Dolche verletzte, und dann die Flucht ergriffen. Trespe jagte sich eine Kugel in die Brust und eine zweite in den Unterleib. Der Tod trat alsbald ein.
Dörtthagen, 5. Oktober. Heute mittag entstand bei dem Landwirt J. Wagner ein großer Brand. Die Scheuer sowie das Wohnhaus wurden vollständig eingeäschert. Das Feuer soll durch Spielen der Kinder mit Streichhölzern entstanden sei».
Hanau, 5. Oktober. Die Einsturzkatastrophe an der Dunlop Pneumaticreisenfabrik hat noch ein viertes Opfer gefordert, indem der am schwersten verletzte Zimmermann Mehrling aus Ostheim im Landkrankenhous gestorben ist. — Ebenfalls eine Einsturzkatastrophe ereignete sich im benachbarten Michelbach. Der dortige Kunstmühlenbesitzer Kühl läßt einen Neubau aufführen, der bis zum Dachbalkenwerk fertiggestellt ist. Ein heftiger Sturm riß das ganze Dachgebälk in sich zusammen und verletzte mehrere Arbeiter in schwerer Weise. Am schrecklichsten kam der 14jährige Arbeiter Adam Rollmann aus jKahl weg, der von einem abstürzenden Balken getroffen und derart zugerichtet wurde, daß er bald daraus verschied. Ein älterer Arbeiter namens Heinrich Kolb aus Sickenhofen erlitt mehrere Rippenbrüche, ein Arbeiter Johann Ritter aus Dieburg schwere Kopsver. letzungen. An dem Neubau waren zur krischen Zeit 14 Arbeiter beschäftigt. (H. P )
Vom Eichsfelde, 4. Oktober. Der überlistete Fuchs. Dieser Tage beobachtete ein Jäger bei Seulingen zwei alte Rebhühner, die mit ihren 12 kleineren Schippchen aus einem Kartoffelfelde traten, zugleich aber auch einen starken Fuchs der am Waldesrande Posto gefaßt hatte und im Begriff stand, dem Familienidyll ein jähes Ende zu bereiten. Die alten Rebhühner hatten ihn bemerkt, ein loser Lockruf, und die ganze Gesellschaft verschwand schleunigst in das nächste Kartoffelfeld. Eine Weile überlegte der Fuchs, dann schlich er ebenfalls dem Kartoffelacker zu. Da mit einem Male kommt die Rebhenne wieder aus der Deckung hervor, mühsam sich vorwärts schleppend, den Flügel hängen lassend, als wäre sie schwer verletzt, und alle paar Meter sitzen bleibend. Auf diese Weise zog sie den Feind immer weiter von dem Kartoffelfelde und ihren Jungen ab dem Walde zu. Der Fuchs war ihr mittlerweile ganz nahe gekommen und wollte sich eben aus seine Beute stürzen, als die Henne munter vor ihm ausflog, so daß Reinecke das Nachsehen hatte. Unterdeffen war die Hühnerfamilie längst in Sicherheit. Der überlistete Fuchs machte ein verdutztes Gesicht, aber nicht lange, denn ein Schuß des Jägers streckte ihn nieder.
Frankfurt a. M., 3. Oktober. Im Stadtwalde wurde heute früh der 26jährige Kellner Karl Ahrens aus Hannover, der hier wohnte, auf einer Bank erschaffen auf- sunden. DaS Motiv der Tat dürfte ein Lungenleiden gewesen sein. — In der chemischen Waschanstalt Koch u. Co. im Kettenhofweg kam es am Donnerstag nachmitt. 4 Uhr zu einer schweren Explosion, wobei die Wand sowie mehrere Fenster des Hinterhauses in Trümmer gingen. Der 27jährige Waschmeister Daniel Dolch von der Nordend. straße war im Parterreraum der Waschanstalt mit Waschen von Pelzen durch Benzin beschäftigt. Auf bis jetzt unaufgeklärte Weise erfolgte dort plötzlich eine Explosion mit donnerartigem Getöse. Im Augenblick stand alles in Flammen. Der Waschmeister sprang, am ganzen Körper brennend, in den Hofraum, wo ihm seine Mitglieder die Kleider vom Leibe riffen. Er erlitt sehr erhebliche Brandwunden au Händen, Armen, Brust, Hals und Gesicht.
Frankfurt a. M., 6. Oktober. In der gestrigen Sitzung des Gauvorstandes der Turnerschaft Frankfurt am Main wurde beschlossen, mit der Bildung des Zentralaus- schuffes für das Deutsche Turnfest 1908 in nächster Zeit vorzugehen.- Der zu bildende Wohnungsausschuß wird für ca. 40 000 fremde Turnergäfte Quartier zu beschaffen haben.
Wiesbaden, 5. Oktober. Hier wird gegenwärtig die noble Handlungsweise eines Kurgastes viel besprochen. Während des Sommers weilte in Wiesbaden ein alter sehr an Gicht leidender, englischer Millionär zur Kur. Er wohnte in einem Hotel in der Wilhelmsstraße, wo er oft stundenlang auf dem Balkon saß, um hinabzuschaucn in das internationale Treiben. Täglich gingen an dem Hotel verschiedene kaum dreizehnjährige Schülerinnen einer Volksschule vorüber, deren jugendliche Fröhlichkeit und heitere Laune dem alten einsamen Mann viel Freude machte. Er suchte mit den Kindern bekannt zu werden und für drei von ihnen zeigte er besonderes Interesse. Er machte ihnen wertvolle Geschenke, ließ sie das Theater besuchen u. s. w. Dieser Tage ist der alte Herr abgereist, hat aber vorher den Eltern der drei Mädchen mitgeteilt, daß er den Kindern aus seine Kosten eine ausgezeichnete Erziehung angedeihen lassen und sie fortan gänzlich versorgen wolle. Die nicht sehr begüterten Eltern haben natürlich den Vorschlag des Millionär» mit Dank angenommen.
Mains, 6. Oktober. Die Frau des Möbelfabrikanten
Mann hat sich mit einem Revolver erschossen. — Der Bureauassistent Achenbach aus Hanau bat sich heute früh in den Kopf geschossen und liegt tödlich verletzt im Spital.
In bet Brauerei Diehl in Kastei wurde ein Taglöhner
Namens Schleicher von der Transmission erfaßt und derart herumgeschleudert, daß er schwere innere und äußere Ver- letzungen erlitt, an denen er im Spital heute morgen neu starb. Ein zweiter Arbeiter, der ihm zu Hilfe kommen wollte, fiel von der Leiter und brach ein Bein.
Eisenach, 4. Oktober. Der Plan der Schiffbarmachung der Werra, der die meiningische und preußische Regierung, die Handelskammern, Schiffahrtsgesellschaften und die anliegenden Orte mit regem Interesse begleiten, hat in der jüngsten Sitzung des sAktionskomiteeS durch Aufstellung eines festen Programms eine wesentliche Förderung erfahren. Der im Schiffsgewerbe als Autorität geltende Senator Meyer-Hameln führte aus, daß sich die Werra wie kein anderer deutscher Fluß zur Schiffbarmachung eigne, und der Ausführung des Planes keinerlei technische Schwierigkeiten im Wege ständen. Allerdings müsse man der mehrfach verbreiteten Ansicht entgegentreten, daß sich das Projekt durch eine mit 2 oder 3 Millionen Mark zu erledigenden Regulierung der Werra ausführen lasse. Dies fei schon deshalb unmöglich, weil die hierzu nötige Gelegenheit der ersorderliche großen Staubeckenanlagen im oberen Flußgebiet fehle. Ein Fluß mit Wafferverhältniffen, wie sie die Werra biete, ist nur durch eine Kanalisation zu einer leistungsfähigen modernen Schiffahrtsstraße umzugestalten, besonders im Hinblick darauf, daß als Vorbedingung gelten muß, daß der Fluß als verlängerte Schiffahrtsstraße der Weser mit demselben schiffbaren Wasserstand ausgebaut werden muß. Die Weserschiffe müssen mit demselben Ladequantum auch auf der Werra verkehren können, wie e« nach dem Bau bes Rhein-Weser- Hannover-Kanals weiter erforderlich ist, daß Schiffe von der Werra mit direkter Ladung ebenso nach dem Kohlenrevier, dem Rhein und nach Hannover verkehren, wie nach der Nordsee und umgekehrt. Durch die Anlage kleinerer Staubecken im oberen Flußgebiet erreiche man eine Einschränkung der Hochwassergefahr und eine Beseitigung der schadenbringenden Flutwellen und gewinne Einfluß auf die Regulierung von Hoch- und Niedrigwasser. Man erklärte sich^aus Gründen der Rentabilität gegen eine Teilausführung des Projektes bis Hörfchel und beschloß, die Ausführung des gesamten Plans in der Weise zu betreiben, daß nicht eine Regulierung, sondern eine Kanalisation der Werra vorgenommen wird. Als Endpunkt bestimmte man WernS- hausen und sah einen Stichkanal von Hörschel nach Eisenach vor.
Erfurt, 6. Oktober. Dem Gastwirt Wilhelm Ritter in Apfelstädt, bei dem vor einiger Zeit der Vergiftungsfall vorgekommen ist (feinen Verwandten hatte er aus Versehen Arsenik statt Salz an das Essen getan), durch den zwei Personen umS Leben kamen, und der deswegen zu vier Wochen Gefängnis verurteilt wurde, ist die Strafe auf dem Gnadenwege erlassen worden.
Halle a. S-, 6. Oktober. Der Rangierer Tintel geriet beim Rangieren zwischen die Puffer zweier Eisenbahnwagen. Die Brust wurde ihm derart zerquetscht, daß er auf dem Transport nach der Klinik starb.
HamelN, 6. Oktober. Heute morgen ertranken bei dem Hameler Wehr zwei mit Reparaturen beschäftigte Ar- beiter.
Göttingen, 5. Oktober. Auf der Zuckerfabrik Obern- jesaa wurden durch Ueberkochen eines Saflkessels 3 Arbeiter verbrüht; zwei sind gestorben.
Aus Westfalen, 4. Oktober. Der Mörder Vinke aus Herford, der, wie erinnerlich, im Frühjahr seine Frau und 4 Kinder ermordete, vom Schwurgericht aber wegen Geistesgestörtheit freigesprochen war und darauf in einer Irrenanstalt untergebracht wurde, ist aus der Anstalt entsprungen. — Beim Spielen an einem Kartoffelfeuer fingen die Kleider des 4jährigen Mädchens des Bahnarbeiters Kranenberg in Lippingshausen Feuer. Das Kind erlitt so schwere Brandwunden, daß es kurze Zeit darauf verstarb.
Vermischtes.
— (Vater und Kind e r.) Einer der ersten Groß- industriellen AltonaS hat, nach der „N. Hamb. Ztg.", am Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen feine eigenen vier erwachsenen Kinder wegen Diebstahls und Mißhandlung erstattet. Der greise Herr, der seit Jahren Witwer ist, hatte die Absicht, sich demnächst mit seiner Haushälterin zu verheiraten. Vergebens boten die vier Kinder ihren Einfluß auf, um den Vater von diesem Schritte zurück- zuhalten. Am Mittwoch nachmittag kam es zwischen Vater und Kindern in dieser Sache wieder zu einer sehr erregten Ansprache. Als ersterer bestimmt erklärte, daß er den Heiratsplan nicht aufgeben werde, ließen die Kinder sich hinreißen, ihn zu mißhandeln. Dann nahmen sie die Wertpapiere im Betrage von 53 000 Mark, die sich im Zimmer befanden, steckten sie zu sich und verließen die väterliche Wohnung.
— Köln, 7. Oktober. (Amtliche Meldung.) Gestern abend fuhr gegen 7 Uhr auf Bahnhof Mehlem der Güterzug 8217 infolge falscher Weichenstellung aus einen Prell- bock. Die Lokomotive, der Packwagen und vier Güterwagen entgleisten und wurden zum Teil zertrümmert. Ein Bremser war sofort tot, ein anderer wurde leicht verletzt. Der Materialschaden ist erheblich. Die Strecke Köln—Koblenz war bis 9 Uhr 40 Minuten nach beiden Richtungen gesperrt. Von dieser Zeit ab erfolgte eingleisiger Betrieb. Die Auf- räumungsarbeiten dauern fort.
— Berlin, 7. Oktober. Eine Totschlagsaffäre in Niederschönhausen, die in ihren Einzelheiten noch unaufgeklärt ist, beschäftigt zurzeit die dortigen Kriminalbehörden. Heute nacht gegen 2 Uhr wurde der Tischler Rudolf Koch aus der Kepplerstraße zu Niederschönhausen nahe der Schönholzer Heide durch einen Revolverschuß getötet. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft ist der Bauwächter Stritzle aus Niederschönhausen verhaftet worden. — In dem Kontor der Mäntelfabrik von A. L. Cohn in der kleinen Jägerstr. 34 wurde heute morgen der Zuhälter Otto Preuß au« Rathenow vor dem Geldschrank tot aufgefunden. Wie her Augenschein ergab, hatte der Einbrecher versucht, den Geldschrank zu sprengen und zu berauben, und dabei den Tod gefunden.
— Llenz, 6. Oktober. Bei einem Großfeuer, das die Ortschaft Dölsach in der Nähe von Lienz teilweise zerstörte, wurden ein Briefträger und ein Postillon von einstürzenden Trümmern erschlagen. Ein Stationsdiener wurde schwer verletzt. An der Rettungsaktion beteiligte sich außer den Nachbarwehren auch eine Abteilung des 18. Infanterieregiments aus Lienz.
— Palma (Mallorca), 6. Oktober. Bei der Station Putinoa stieß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 35 Reisende wurden verletzt, davon mehrere schwer.
— Freibürg, i. Br., 7. Oktober. Die hiesige
Strafkammer verurteilte den katholischen Pfarrer Gaisert von Gündelwangen wegen Versuches der Verleitung zum Meineid zu einem Jahre Zuchthaus. Die strafbare Handlung stand in Zusammenhang mit den Landtagswahlen.
— Ein schweres Grubenunglück ereignete sich in der Gräfin-Laura-Grube. Hier wurden beim Pfeiler- abbau fünf Bergleute durch Zusammenbruch von Kohlen- maffen verschüttet. Zwei der Verunglückten wurden schwer verletzt bald zutage gefördert. Von den übrigen drei Bergleuten wurde einer gestern abend und einer nachts tot nach oben gebracht.
— St. Bureaukratius hat feiner weltfremden Anschauung wieder einmal in Neunkirchen bei Tondern Ausdruck gegeben. Beim Brande des Hofes in Dalmbüll zeichnete sich ein junger Mann derartig aus, daß er als Anerkennung feiner selbstlosen Hilfsbereitschaft von der BrandverstcherungSgilce eine Geldprämie erhielt. Anderer Meinung aber war St. Bureaukratius, der in dem Verhalten eine Gesetzesverletzung erblickte. Infolgedessen erhielt der tapfere junge Mann von ihm ein Strafmandat, weil er ein brennendes Gebäude betreten hatte.
— Rom, 7. Oktober. Der ^preßzug, welcher gestern abend 8 Uhr 40 Min. von Mailand via Parma nach Rom abging, entgleiste in der Nähe der Po Brücke bei Piacenza. Fünf Personen wurden getötet, fünfzig erlitten Verletzungen, die zum größten Teil leichter Art sind. Von Piacenza aus wurde sofort Hülfeleistung ins Werk gefetzt.
— (Aus der Welt der Pariser Apachen.) Ein blutiges Eifersuchtsdrama, das sich durch raffinierte Inszenierung von den gewöhnlichen Vorfällen dieser Art unterscheidet, spielte sich jüngst in einem von der Halbwelt viel besuchten Pariser Lokal ab Der „Held", genannt „der Jaguar des Faubourg Saint-Denis" unterhielt intime Beziehungen zu einer gewissen Anna Gaffel, die den Beinamen „die Rumänin" führt. Nach Verübung einer Tat, die ihn mit der Polizei in Konflikt gebracht hätte, floh der „Jaguar" nach Marseille. Seine Angebetete ertrug die Trennung leicht, da sie in einem Genossen des „Jaguar", der seiner Schlankheit halber „Gazelle" genannt wird, einen Tröster fand. Nach Paris zurückgekehrt, erfuhr der „Jaguar" den Verrat und beschloß, sich zu rächen. Um den Verdacht des Pärchens einzufchläfern, lud er Anna und die „Gazelle" zum Diner ein. Während des Essens saß er zwischen beiden und schien heiterster Laune zu sein. Scherzend sagte er zu Anna: „Du hast mir einen schönen Nachfolger gegeben; er ist so schön, daß ich ihn gern entstellen möchte." Nach diesen Worten stürzte er sich mit einem Satze auf die „Gazelle" und biß dem Manne die halbe Nase ab. Um ihren neuen Freund zu rächen, stieß Anna dem „Jaguar" einen Dolch in den Rücken. „Jaguar" und „Gazelle" liegen zurzeit im Hospital.
— Philadelphia, 3. Oktober. Eine Leuchtgas- Explosion zerstörte eine im Bau befindliche Unterführung unter der fechsten und der Marktstraße bis zur Mitte des Häuserblocks. Sieben Personen wurden getötet, und zwölf verletzt.
Die fortgesetzte Preissteigerung der Lebensmittel macht unseren Hausfrauen täglich mehr Sorgen und Butter, welche im Haus- halts-Etat eine ganz bedeutende Rolle spielt, ist kaum mehr zu bezahlen, sodaß wohl .mancher schon darüber nachgedacht hat, wie dieser Kalamität abzuhelfen ist. Die Lösung dieser Aufgabe ist heute längst nicht so schwer wie vor etwa einem Menschenalter, denn schon im Jahre 1868, als die Preise für Naturbutter einen ungewöhnlich hohen Stand erreichten und in Paris sogar auf 6—7 Frs. stiegen, beauftragte Napoleon III. den Chemiker M. Mege Mourier mit der Herstellung einer künstlichen Butter. Es gelang, durch Erwärmung des Fettes frisch geschlachteter Kühe bis zum Flüssigwerden unter Behandlung mit Mageusast in gleicher Weise wie Milch gebuttert wird, die Herstellung eines künstlichen Produktes. Da dessen Kosten aber denjenigen für Butter nicht nachstanden, ohne dabei diese gleichwertig zu ersetzen, so kam M. Mouries über Laboratoriums-Versuche nicht hinaus und erst nach jahrelangen kostspieligen Versuchen wurde unter vollständiger Umgestaltung seiner Erfindung ein Produkt (damals Butterine genannt) hergestellt, welches in Geschmack, Aroma und sonstiger Beschaffenheit der Naturbutter ziemlich ähnlich, dabei aber bedeutend billiger war. — Es entftanben nach und nach bedeutende Werke, die sich mit der Fabrikation von Margarine in immer größerem Umfange beschäftigten und die Aufgabe Napoleons ist jetzt als gelöst zu betrachten, indem die Erfindung M. Mauries heutzutage eine Bedeutung angenommen hat, die man kaum ahnt, wenn man nicht selbst Gelegenheit hat, den steigenden Konsum zu beobachten, den Margarine jetzt aufweißt. Die agrarische Gegenbewegung hat dafür gesorgt, daß wir ein Margarinegesetz erhielten, wonach, anstatt den Margarinehandel wie beabsichtigt, lahmzulegen, die Margarine-Industrie einen Aufschwung genommen hat, daß die weiteren Kreise, zumal die breitesten Schichten der Bevölkerung für dieses so wichtige Volksnahrungsmittel gewonnen worden sind. Beobachtet man, in welch' sauberer, appetittlicher Weise, unter staatlicher Controlle heute in den Großbetrieben die Herstellung der Margarine erfolgt, so wird man bald seinen Widerwillen, der wie in so manchen Fällen unbewußt denjenigen beherrscht, der sich zu einem praktischen Versuch nicht entschließen kann, überwinden lernen und eingedenk dessen, daß die Herstellung von Naturbutter nicht immer ganz einwandsfrei erfolgt, es auf eine Probe ankommen lassen. — Etwa 40% Ersparnisse lassen sich erzielen, wenn man für alle Verwendungszwecke, wo Butter in Frage kommt, Margarine nimmt; allerdings muß man sich dessen vergewissern, daß man auch tadellose Ware erhält, denn auch unter den Margariste- fabriken spielt der Konkurrenzkampf eine gewaltige Rolle. — Die sauberste und bequemste Art der Verabfolgung von Margarine in den einschlägigen Geschäften ist zweifellos die Abgabe in Cartons, auf welchen die abgedruckte Marke eine Garantie für die Güte und Gleichwertigkeit des Inhalts bietet, der zu Vi und Va Pfd. bereits ausgewogen und seitens der Fabrik sauber in Pergament eingeschlagen in die Cartons gepackt wird. — Appe- tittliches Aussehen und tadelloser Inhalt an frischer Ware ist bei jedem Marken Artikel erste Bedingung und da Margarine „Marke Hase" in dieser Hinsicht allen Voraussetzungen entspricht, dürfte jeder Versuch dazu führen, die Margarine schon nach einmaliger Benutzung stets da zu verwenden, wo bisher Naturbutter genommen wurde.
Hetzte Nachrichten.
Berlin, 8. Oktober. Gestern abend stießen bei der Halenseer Brücke ein Kremser und ein Automobil zusammen, wobei 6 Personen schwer verletzt wurden.
Karlsruhe, 7. Oktober. Die Großherzogin hat mit einer Summe von 10,000 Mk. eine Stiftung zur Unter' stützung bedürftiger Witwen begründet.
Brüfsel, 7. Oktober. In der Gasse des Reportes et Depot« wurden große Unterschleife entdeckt, die etwa 400 000 Frank betragen. Der ungetreue Beamte ist flüchtig.
Wettervoraussage des Wetterdienstes der Landwirt- schaftsschule zu Weilburg für Dienstag den 9. Oktober.
Starke westliche Winde, meist trübe; Regenfälle, nacht« wärmer, tags kühler als am Vortage.
Hierzu eine Beilage.