Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^s^s^s^

Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 117.

Sonnabend, den 6. Oktober

1906

Amtlicher teil.

Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 5. d. M. A. II. 7386 (abgedruckt in Nr. 38 des Amte- blalts vom 19. d. Mts. bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 6. ds. Mts. III. B. 3. 1061 M. d. ö. A. _ .

~ II. * 7234 M. H^ l «>»»>-'»»»»-"«'» fahrzeugen für den Regierungsbezirk Potsdam die weiteren Nummern E 40017000 überwiesen haben. (A. II. 7672.)

Cassel, am 21. September 1906.

Der RegierungS'Prästdent. gez. I. V.: M e j e r.

* * * Hersfeld, den 29. September 1906.

Wird veröffentlicht.

I. 7859. Der Königliche Lanbrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 2. Oktober 1906.

Unter dem Schweinebestande des Gastwirts Reinhard zu Hersfeld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 7916. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Das Ergebnis des s v z i a l d e m o k r a t i s ch e n Par­teitages in Mannheim entspricht durchaus den Er­wartungen, die von jedem einigermaßen urteilsfähigen und einsichtigen Politiker von vornherein an denselben geknüpft worden sind. Der Riß zwischen Partei unb Gewerkschaft ist nicht nur nicht erweitert, sondern es ist vielmehr das Band zwischen beiden noch enger unb fester als bisher geknüpft worden. Partei und Gewerkschaft sind eins diese Tatsache hat aus dem Mannheimer Parteitage erneute Bestätigung und Bekräftigung erfahren. Der Wille zur Einigkeit ist in der Sozialdemokratie weitaus stärker und mächtiger als die un­leugbar auch in ihr vorhandenen zentrifugalen Unterströmungen und Absplitternngstendenzen. Für das Bürgertum ergibt sich hieraus eine wertvolle Lehre. Es gilt, allen Manserungs- ideen und allen Spekulationen anf den inneren Zerfall der Revolutionspartei ein für alle Mal Valet zu sagen. Nur wenn die bürgerlichen Parteien sich mit einem gleich starken Willen zur Einigkeit wappnen und wenn sie gleichermaßen alle vorhandenen Unterschiede und Gegensätze hinter den ge­meinsamen Zielen zurücktreten lassen, können sie hoffen, den Ansturm der Sozialdemokratie bei den nächsten Reichstags­wahlen, zu denen der Mannheimer Parteitag eine wirksame Vorbereitung darstellt, mit Erfolg abzuschlagen.

In Rußland hat die Regierung in richtiger Erkenntnis der überragenden Wichtigkeit der agrarischen Frage ihre Lösung als erste der geplanten Reformen in Angriff ge- nommen. Es wird beabsichtigt, alle Kronländereien an wirk­lich landbedürftige Bauern zu einem angemessenen Preise zu verkaufen beziehungsweise anf langfristige Pacht ohne öffent­liche Ansschreibung ju übergeben. Daß die Ländereien wirk­lich zweckmäßig verteilt werden, darüber sollen die örtlichen Landban-Justitutionen wachen, unter gleichzeitiger Festsetzung dessen, was jeder Baner in Berücksichtigung der örtlichen Bc- wirtschaftungsverhältnisse höchstens zu bekommen hat sowie der nach den Reineinnahmen berechneten Verkaufs- und Pacht­preise. Ferner wird, wie verlautet, von der russischen Regie­rung die Aufhebung der solidarischen Haftung der Mitglieder einer Bauerngemeinde geplant. Der Unternehmungsgeist und Fleiß tüchtiger Bauern, die bei dem geltenden Zustande für die Lässigkeit ihrer Nachbarn mitzubüßen haben, würde bo durch von einer hemmenden Fessel befreit werden. Die von der russischen Regierung ins Auge gefaßten Agrarreformen stclleii im Gegensatze zu den von denKadetten" empfohlenen sozialistischen Experimenten nüchtern erwogene und praktisch durchführbare Maßnahmen dar, deren baldiges Inkrafttreten man nur aufs wärmste wünschen kann.

Alle Reformen aber werden in Rußland ihre Wirksamkeit erst dann zu entfalten vermögen, wenn die Revolution daselbst niedergeworfen und Ruhe und Ordnung im Lande wicdcrhcrgestellt sein wirb. Hierzu gehört aber, daß die Regierung vor allem an der meist bedrohten Stelle unb das sind die baltischen Provinzen den Brand völlig aus-

löscht. Mit allem Nachdrucke hat hierauf kürzlich der bekannte hervorragende Publizist und treffliche Kenner der russischen Verhältnisse Professor Dr. Schiemann hingewiesen. Er sagt geradezu:Bevor die baltische Revolution völlig niederge­worfen ist, wird und kann es nicht besser werden." Zum Glück sind letzthin einige Zeichen vorhanden, daß die Einsicht hiervon auch bei der russischen Regierung Raum gewinnt, und daß man gesonnen sei, endlich mit dem System der halben Maßnahmen in den Ostseeprovinzen zu brecheu. Unsere bal­tischen Stammesbrüder, die einzigen Elemente des Zaren­reiches, die sonder Schen und Wanken loyal unb kaisertreu im Strudel des Umsturzes dastehen, verdienen es wahrlich, daß ihnen die Staatsgewalt ausreichenden Schutz zuteil werden läßt. Wir aber wünschen von Herzen, daß Gott ihnen Kraft und Mut verleihen möge, auch fürderhin in Treue auf ihrem schwierigen Posten auszuharren.

Aus Kuba ist seitens der Vereinigten Staaten zur Zeit eine provisorische Regierung konstituirt worden. Nachdem Kriegssekretär Tast die ersten einleitenden Schritte zur Wieder­herstellung von Ruhe und Ordnung getan hatte, wurde der Gouverneur der Panama-Kanalzone Magoon zum interimisti­schen Gouverneur von Kuba ernannt. Daß gewaltige Finanz­mächte in der Union darauf hindrängen, aus diesen provi­sorischen Zuständen dauernde zu machen, dürfte keinem Zweifel unterliegen. Ebenso aber scheint festzustehen, daß Präsident Roosevelt der Eiuverleibuugsidee wenig Sympathien eutgegen- bringt. Wohin sich bei diesem Widerstreite der Neigungen und Ansichten die Wagschale der Entscheidung schließlich neigen wird, bleibt abzuwarten.

Sie MleWMbMWg in IMluib

Innerhalb des großen politischen und sozialen Partei, getriebes im Deutschen Reiche ist bis jetzt die Mittelstands- bewegung noch keineswegs machtvoll und ihrem Ziele ent­sprechend heivorgetreten, und so sehr man auch anerkennen muß, daß in den heftigen wirtschaftlichen Daseinskämpfen auch alle diejenigen Bürger, die ihrer Stellung nach zum Mittelstände gehören, ein Jntereffe daran haben, auch ihre Anrechte auf Hebung und Sicherung ihrer wirtschaftlichen und sozialen Stellung stärker geltend zu machen, so muß doch in Bezug auf Organisation und Kraftentfaltung noch die große Leistung erwartet werden, welche die Mittelstands­bewegung zu einer großen und kräftigen Parteibildung ent­wickeln soll. Am letzten Sonntag und Montag haben nun in Berlin und Weimar zwei große Parteitagungen stattge, funden, welche auch den Interessen des Mittelstandes galten, und es ist wichtig, aus diesen beiden Parteitagen zu er­fahren, wie es denn heutzutage mit der Mittelstandsbe. wegung in Deutschland eigentlich steht. Es muß betont werden, daß die Mittelstandsbewegung in einer Zeit, wo ein Drittel oder gar die Hälfte der deutschen Wähler zum Reichstage dem Sozialismus huldigt, und die alten poli­tischen Parteien immerhin noch auf eine starke und sichere Gefolgschaft zu rechnen haben, die Verhältnisse für die Ent­wickelung einer gesunden und starken Mittelstandsbewegung sehr ungünstig liegen, denn im parlamentarischen Leben entscheidet nun einmal die Mehrzahl der Stimmen, und ein Parteiziel mag noch so wichtig für seine Interessenten er­scheinen, so wird es doch so lange nicht erreicht werden können, wenn nicht eine entsprechend große Zahl von Reichs­tagswählern hinter dem Ziele steht. Die deutsche Mittel- standsvereinigung, die am letzten Sonntag und Montag ihre Generalversammlung in Berlin abhielt, beschäftigte sich nun auf derselben nach dem Referat des Obermeisters Rahardt- Berlin hauptsächlich mit Organisationsfragen und Wahl­ausgaben, und dabei traten auch gleich die Schwierigkeiten hervor, die Mittelstandspartei parlamentarisch gehörig zu organisieren. Auf eine Unterstützung der Mittelstandsbe­wegung von Seiten der Sozialdemokratie ist durchaus nicht zu rechnen, also kann es in der Mittelstandsbewegung sich nur darum handeln, in den einzelnen Wahlkreisen Fühlung mit den alten bürgerlichen Parteien zu nehmen und so weit als möglich Kandidaten der Mittelstandspartei für die künftigen Reichstagswahlen aufzustellen und zwar möglichst im Einvernehmen mit den bürgerlichen Parteien, deren Ver­treter der Mittelstandsbewegung ja sehr häufig freundlich gegenüberstehen. Dort wo sich eine solche Verständigung nicht erzielen läßt, muß natürlich die Mittelstandrpartei mit der Ausstellung eigener Kandidaten vorgehen. Auf demselben Standtpunkte stehen im großen und ganzen die der Mittel­standspartei sehr verwandten und gleichen Zielen nachstreben­den Christlichsozialen, die am Sonntag und Montag in Weimar ihre Generalversammlung abhielten und mit der Mittelstandsvereinigung in Berlin ihre Grüße und gleiche Gesinnung austauschten. Vom Standpunkte einer wirk­samen parlamentarischen Taktik wäre es daher unbedingt zu wünschen, daß die Mittelsiandspartei und die Cristlich- sozialen für die nächsten Reichstagswahlen unbedingt Hand in Hand gehen, denn nur anf diese Weise kann wirklich die Probe darauf gemacht werden, ob der Gedanke einer deutschen Miltelstandsparlei so weit verbreitet und so mächtig ist,

daß er eine einflußreiche parlamentarische Partei im deutschen Reichstage bilden kann.

Sie Vorgänge in WM.

Petersburg, 4. Oktober. In der Hochschule für Wegebauten wurde eine eingehende Untersuchung vorge­nommen, wobei in der Studentenbibliothek 16 Bomben von Schweizer Typus in einem Bücherschrank versteckt aufge- funden wurden, sowie 40 Kilo Dynamit, ferner eine Kiste Blausäure und Zyankali. Die darauf vorgenommen» Unter­suchung der Wohnung des Studenten Fink, des Verwalters der Bibliothek, ergab einen Fund von weiteren 30 Bomben. Fink wurde sofort verhaftet, ebenso der Portierssohn Bog- danow. Unter den Studenten herrscht große Aufregung wegen der furchtbaren Konsequenzen, die eine Explosion der Bomben hätte haben können. Aus Petersburg sind nach Sibirien 11 Waggons mit 650 politischen Gefangenen ab­gegangen, darunter 41 Frauen, 31 Juden, sowie Soldaten verschiedener Regimenter.

Poti, 3. Oktober. In der Nacht auf den 2. b. M. fand auf dem von Sucham nach Otschilscherie gehenden Dampfer Zesarewitsch Georgj ein frecher Raub statt. 25 augenscheinlich an verschiedenen Punkten vorher einge­stiegene, mit Revolvern und Gewehren bewaffnete Räuber trieben die Paffagiere dritter Klasse unb die Mannschaft in den Raum dritter Klasse und beraubten die Post und die Schiffskasse um 12 000 Rubel. Die Paffagiere erster Klaffe schaffen aus die Räuber, diese drohten jedoch, zwei Schiffsosfiziere und vier Matrosen als Geisel zu erschießen, worauf man sie unbehelligt in Begleitung der Geiseln mit der Schaluppe landen ließ.

Ttfli s, 3. Oktober. Heute, als am Tage der Ge­haltszahlungen, wurden hier durch bewaffnete Räuberbanden in Stärke von 4 bis 6 Personen, die Kassierer von vier Instituten, einer von diesen auf offener Straße, überfallen und größerer Geldsummen beraubt. Es gelang nur, einen der Räuber zu verhaften.

Petersburg, 3. Oktober. In einem Hause der 3. Straße wurde eine Bombenfabrik entdeckt; fünf Personen wurden verhaftet. Abends wurde das Petroffschs Teelager ausgeplündert und der Wächter getötet. Von den Per­sonen, die am Börsenplatz verhaftet wurden, weil sie einem Kassierer eine größere Geldsumme geraubt hatten, sind zwei russische Bauern und einer ein Schweizer namens Lebhardl.

Aus Jn- und Ausland.

Berlin, 3. Oktober 1906.

In den höheren Kommandostellen der preußi­schen Armee sind weitere Veränderungen erfolgt. Der kommandierende General des 8. (rheinländischen) Armee­korps v. Deines ist unter Genehmigung seines Abschieds­gesuches zur Disposition und gleichzeitig ä. la suite des Husarenregiments Nr. 7 gestellt worden. Zum Gouverneur der Festung Ulm wurde Generalleutnant Schubert ernannt, mit der Führung der 35. Division wurde der bis­herige Kommandeur der 39. Division, Generalmajor von Bliesen beauftragt. Zur Disposition sind in Genehmig, ung ihrer Abschiedsgesuche ferner noch gestellt worden der bisherige Gouverneur von Köln, General der Infanterie v. Egloffstein, der Gouverneur von Ulm, General der Infanterie v. Rosenberg-Gruszcynski und der Kommandeur der 35. Division, Generalleutnant Mootz. Generalleutnant v. P l o e tz , Kommandeur der 15. Division, ist mit der Führung des 8. Armeekorps beauftragt worden. Generalmajor G a l l w i tz, Direktor der Armeeverwaltungs- departements im Kriegsministerium, ist mit der Führung der 15. Division beauftragt worden.

In der zur Zeit wichtigen Angelegenheit der inneren deutschen Politik, in der braun schweigischen R e - gentschafts« und Thronfolgefrage, ist nach dem Empfang des braunschweigischen StaatSminikers Dr. v. Otto beim Reichskanzler in Homburg noch nichts wesent­lich neues zu verzeichnen. Ob bereit» Verhandlungen zwischen der preußischen Regierung unb dem Herzoge von Cumberland über eine freundschaftliche Regelung der braun» schweigischen Angelegenheit schweben, das muß durchaus dahingestellt bleiben; eine offizielle Aeußerung der welfischen Thronprätendenten liegt jedenfalls noch nicht vor.

Der Umsicht des Pofener Polizeipräsidiums ist es ge­lungen, zehntausend polnische Aufrufe bei dem angesehenen Fabrikbesitzer Wrzesintzky in Posen mit Beschlag zu belegen, in denen wegen des deutschen Religions- Unterrichts zum allgemeinen Schulboykott am 17. Oktober in ber ganzen Provinz Posen ausgefordert wird. Der Inhalt der anonym gedruckten Aufrufe ist maßlos aufreizend und verhetzend.

In Marokko schreiten die Amerikaner gegen Ueber« griffe der maurischen Beamten mit der größten Energie ein und lassen sich nicht lange durch Winkelzüge