Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^
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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 113. Donnerstag, den 27. September 1906.
AdmmnkDnÄung
auf das
ijersfelder Kreisblatt.
Das „Hersfelder Kreisblatt1', amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publifationsfraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alle wichtigen Ereignisse in der
Politik des 3n= und Auslandes, Reichs- und Landtagsverhandlungen, Nachrichten aus Provinz u. Nachbargebieten, Berichte aus Stadt und Kreis Hersfeld, wichtige Gerichts-Entscheidungen re., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re. forlsetzungsweise zum Abdruck.
Lurch ein grosses format ist es möglich, stets einen reichhaltigen Jnhalt bieten zu können.
LL^ Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, vom 1. Oktober d. 3. ab die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. "LL
An Gratisbeilagen । erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein „Jllustrirtes Sonntagsblatt" und alle {4 Tage eine ausgezeichnete „Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".
Anfang Mai und Oktober je einen Auszug aus dem Cisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen
Cord Cuzifer.
Original-Roman von Carl Western.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Wenn es doch Lord Luziser gehört hätte!
Bisweilen ließ der Kranke sich auch von Mr. Haskin und Mr. Rook Bericht erstatten; er wendete seinen Besitzungen die erdenklichste Aufmerksamkeit zu; Haskin, der Rentmeister, erhielt noch die Geheimweisung, persönlich von allen Pachtrückständen nur ihm in eigener Person Mitteilung zu machen.
Mit Richard hatte der Genesende mehrere, nicht eben ganz glatt verlaufende Auseinandersetzungen.
Die erste diesbezügliche Reibung erfolgte beim Einzug Les- lies in Shady-Hill. Richard Duffon war gekommen, Henry darüber Vorstellungen zu machen, als sei der Pächter böswillig und ein säumiger Zahler.
Henry hörte ihn ruhig an und sagte sodann:
„Der Mann hat Unglück gehabt und keinesfalls aus Böswilligkeit nicht gezahlt. Du aber mußt sehr hart sein, wenn Du sein Unglück durch Austreibung vergrößern konntest !"
Die zweite nicht eben angenehme Stunde mit erneuter Zwistigkeit hatte einen Vorschuß von hundert Pfund, den Les- lie von Haskin erbeten, zum Gegenstand. Haskin hatte den Vorschuß auf Richards Befehl nicht verabfolgen lassen. Traurig saß nun Leslie in Shady-Hill; aber was half ihm das, da die Betriebsmittel größtenteils fehlten?! Der arme Karl hatte ja nicht den Mut, den kranken Lord aufzusuchen. Dieser wurde die Sache erst durch Haskin gewahr, und befahl diesem, den Vorschuß sofort zu zahlen. Darüber war nun Richard er- griinmt und machte Henry starke Vorwürfe.
„Halt, halt," rief da Lord Balmore aus, „bist Du Herr auf Balmore oder ich?"
Es klang so bitter und so scharf, daß Richard erschrak und merkte, wie die Zeit seiner Herrschaft dem Ende sich nahe.
Leslie schwnr er dafür Rache.
„Ueberhaupt", murrte er, „wird es Zeit, daß ich zu Ende komme! — Zweierlei liegt mir noch ob: erstlich muß dieser
Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.
Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.
Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein
Expedition des Hersfelder Kreisblattes.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 25. September 1906.
Den Herren Orts- und GuISvorstehern sowie den Herrn Gendarmen des Kreises bringe ich zur Kenntnis, daß in Zukunft auf Anordnung der Herrn Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten: die Anträge bet Polizeibehörden auf Ermittelung straffälliger Kraftfahrzeugbesitzer nach dem unten abgedrucklen Formular direkt an den Herrn Re- gierungspräfidenten in Caffel zu richten sind, durch dessen Vermittelung sodann die Ausnahme im Zentralpolizeiblatt erfolgt.
Wo es in einzelnen besonderen Fällen geboten erscheint, nebenher oder ausschließlich die unmittelbare Mitwirkung der Behörden in Anspruch zu nehmen, findet sich hiergegen nichts zu erinnern.
I. 7596. Der Königliche Landrat. J. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
* * * Ersuchen betr. die Feststellung straffälliger Kraftfahrzeugbesttzer zur Aufnahme in da« Zentral-Polizeiblatl.
57
Kennzeichen
der :
Art bezw.
Beschreibung rrostfahrzeug«
Aktenzeichen
Bemerkungen.
1
S 276
großer viersitziger rot lackierter Krait- wagen mit gelbem Untergestell
I. A. 5304
Hannover, den ... .
Der Regierungspräsident.
HerSseld, den 19. September 1906.
Auf Grund des Artikels 40 der Ausführungsan-
Renegat James unschädlich gemacht werden, zweitens muß der störrische Herr — verunglücken, vielleicht auf der Jagd oder beim Betrieb seiner Maschinen, die ja sein Steckenpferd bilden. Ich werde schon etwas finden! Ich hätte früher schon gründlicher zu Werke gehen müssen. — Diese Gouvernante ist mir allerdings auch im Wege und ich werde sie einflußlos zu machen wissen, doch drohend ist die Gefahr von dieser Seite nicht 1"
Lichtblicke in seiner trostlosen Langeweile waren für Henry nur die Stunden, in denen Ruth bei ihm weilte.
Merkwürdig, früher war sie stets allein zu ihm gegangen, seit einiger Zeit aber war Selima jedesmal ihre Begleiterin bei derartigen Besuchen.
Henry empfand es nicht als einen Zwang, denn wenn Selima etwas nicht hören sollte, sprach er deutsch, daß Miß Dean diese Sprache ebenfalls geläufig sprechen konnte; Selima aber sprach nur arabisch, französisch und englisch.
Henry sprach mit ihr über alles, was sein Geist auffaßte, Kunst, Wissenschaft, Oekonomie und Politik. Er wunderte sich oft über Ruths Gründlichkeit, und von ihrer Gottesfurcht und Gerechtigkeitsliebe hatte er eine hohe Meinung und große Achtung.
Mit der Zeit lebte sich das Bild dieses seltsamen Mädchens fester und fester in sein Herz ein. Wenn ihn etwas abhielt, dieses offen zu gestehen, so geschah es nur, weil er nicht wußte, wie sie über sein Verhalten zu Amy dachte. Eine heilige Scheu hielt ihn aber ab, gegen Richard davon etwas zu verraten; teils wußte er, daß der Bucklige ein Frauenver- achter war, teils hatte das Mißtrauen gegen seine angeblich selbstlose Fürsorge bereits festen Fuß bei ihm gefaßt.
Auch schien es ihm, so oft er nur Richards Namen bei Ruth erwähnte, als ob diese Erinnerung an seinen Bruder das Mädchen unangenehm berühre.
Daß Ruth dem Heuchler mißtraute, wissen wir bereits. Ihr klarer Verstand durchschaute den Teufel von Balmore fast ganz; dazu trug allerdings auch viel die Klage deS Gesindes bei, welches den Buckligen bei jeder Gelegenheit verwünschte und ihm das Aergste »achsagte.
Selima schlüpfte auch oft allein zum geliebten Oheim
weisung vom 25. Juli 1906 zum Einkommensteuergesetz und zum ErgänzungSsteuergesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 19. Juni 1906 Hot die Königliche Regierung in Caffel bestimmt, daß die zur namentlichen Feststellung der Steuerpflichtigen für das Steuerjahr 1907 erforderliche Aufnahme des Personenstandes allgemein Montag den 22. Oktober d. I. stattzufinden hat. Kann sie an diesem Tage nicht zu Ende geführt werden, dann ist ste an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Frist zum Abschluß zu bringen.
Die weiteren Anweisungen erfolgen noch.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission.
I. B.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 24. September 1906.
Eine dem Landwirt Jakob Gerlach in Conrode gehörige Kuh ist an Milzbrand verendet.
I. 7632. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Trott zu Solz,
Regierungs-Referendar.
Heisfeld, den 20. September 1906.
Bei der Bearbeitung der Berufungen und bei der Prüfung der Staatssteuerlisten hat sich ergeben, daß der Flächeninhalt des Grundbesitzes der Steuer- Pflichtigen häufig zu niedrig angegeben ist, weil ihr außerhalb der Gemeinde ihres Wohnsitzes belegener Grundbesitz nicht berücksichtigt und ihrem in der Gemeinde ihres Wohnsitzes belegenen Grundbesitz nicht hinzuge> rechnet ist. Der Grund dieses Mangels ist in der Regel, daß die Verzeichnisse derjenigen p h y - fischen Personen, welche aus einem in der Gemeinde belegenen Grundbesitze oder dem daselbst betriebenen Gewerbe Einkommen beziehen, aber in einem anderen Preußischen Orte zur Einkommensteuer zu veranlagen sind, unvollständig oderun. richtig aufgestellt sind, oder daß die Auszüge aus diesen Verzeichnissen den Bürgermeistern und Guts- vorstehern des Wohnsitzes nicht überall zugestellt find, oder daß diese Bürgermeister und GutSvorsteher die ihnen mit» geteilten Auszüge bei Aufstellung der Staatssteuerliste nicht benutzt haben.
Die Herrn Bürgermeister und GutSvorsteher veranlasse ich hiermit, die fraglichen Verzeichnisse nach dem aus der L. Funkjchen Buchdruckerei hier zu beziehenden Muster VII gemäß Artikel 37 Ziffer II der AuSführungS Anweisung
hinein und brächte bem Patienten allerlei Kurzweile.
Heute, es war kurz vor Ostern, als der Patient bereits im Lehnstuhl sitzen durfte, war sie wieder zu ihm geeilt.
„Schau, Oheim," lachte sie, „was ich da mitbringe." Dabei zeigte sie einen in Seidenpapier gehüllten Gegenstand.
„Was bringst Du denn mit, Prinzeß Wildfang?"
„Rate, Onkelchen!"
„Ich bin nicht darin geübt, Kind."
„Nun, so will ich Gnade für Recht üben; da ist das Ding.
Es war eine Aquarell, ein Stück des Parkes von Balmore; im Hintergrund schimmerte der parische Marmor des Mausoleums der Familie Duffon durch das Tannengrün.
„Wer hat das gemacht?" fragte der Lord begierig.
„Miß Dean!"
„Allewetter, kann sie auch malen?"
„Wunderschön, Onkelchen!"
„Das habe ich nicht gewußt."
„Sie malt auch Gesichter, zum Beispiel ihr eigenes Bild!"
„Für wen?"
„Für mich!"
„Wenn Du das Bild erhältst, mußt Du es hier auf den Kaminsims stellen 1"
„Wozu, Onkelchen?"
„Daß ich mich auch an der Kunst ergötzen kann!"
„Ja, Oheim!"
„Aber Du sprichst nicht darüber?"
„Nein Oheim."
„Schau, zur Belohnung darfst Du mit mir nach London, der größten Stadt der Erde."
„Dahin willst Du?"
„Wenn ich ganz gesund bin."
„Das ist schön, das ist schön!"
„Aber niemand darf es wissen!"
„Nein Onkelchen, ich will mich heimlich dazu freuen.
Selbst meine Miß erfährt es nicht!"
Miß Ruth hatte Selima vermißt, sie war deshalb im Begriff, das Kind zu suchen. So kam sie zu der Zimmerflucht des Hausherrn.
Lord Balmore bewohnte die Gemächer im rechten Flügel