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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. ^

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^^s^r^L

herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. HO* Donnerstag, den 20. September 1906*

MmmvKMiiH auf das

Oersfelder Kreisblatt.

DasHersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld ausgestattet mit Publikationskraft bringt außer den

amtlichen Bekanntmachungen alle wichtigen Ereignisse in der

Politik -es 3n= und Auslandes, Reichs- und Landtagsverhandlungen, Nachrichten aus Provinz u. Nachbargebieten, Berichte aus Stadt und Kreis Hersfeld, wichtige Gerichts-Entscheidungen rc., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.

Ferner gelängen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen ic. fortsetzungsweise zum Abdruck.

Durch ein grosses format ist es möglich, stets einen reichhaltigen Jnhalt bieten zu können.

Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, vom 1. Oktober d. J. ab die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigen­falls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. "L8

An Gratisbeilagen erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein

Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle 14 Tage eine ausgezeichnete Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".

Anfang Mai und Oktober je einen Auszug aus dem Cisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen

Cord Cuzifer.

Original-Roman von Carl Western.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Lord Balmore wurde ganz still. Man sah, wie es in ihm wogte und sümpfte, aber James reichte er die Hand und sagte warm:

Verzeihe mir, Dir glaube ichs, was Du sagst; das andre muß Die Zeit erweisen.

Der Lord blieb für heute James Gast und siedelte andern Tages ganz zu ihm hinüber. Acht Tage wohnte er hier und fand Gelegenheit, das Personal der englischen Gesandtschaft kennen zu lernen, worunter auch einen Lord Loftus. Durch Zufall erfuhr nun Henry, daß die Gouvernante jenes Herrn ihre Stelle wechseln wollte, da ihr Zögling jetzt männliche Lehrer bekommen sollte. Da nun die junge Dame warm em= pfohlen wurde, gewann Lord Balmore sie gleich für Selima, damit diese auf der Reise einen weiblichen Anhalt habe. Auch eine Dienerin wurde hinzugefügt.

Seit diesem Tage blickte Lord Balmore wieder heiter! man sah es, daß Ruth Dean, die neue Gouvernante, sein Vertrauen besaß, denn er überließ ihr ohne weiteres die Er­ziehung Selimas vollständig.

Endlich schlug die Abschiedsstunde.

Hier verspreche ich Dir die väterlichste Fürsorge für Se­lima," sagte Henry.Für meinen Jack hatte ich damals wenig Herz Selima soll mir als anvertrautes Pfand doppelt teuer fein."

Lebe wohl, Bruder!"

Lebe wohl, James!"

So schieden sie, dann trug der Dampfer Henry und seine Begleitung in das Meer hinaus.

Ruth Dean, eine königliche Erscheinung, blickte noch lange iiach den goldenen Dächern Stambuls, als Henry Balmore sie genau ins Auge faßte, ohne daß es jemand beinerkte.

Halte sie nicht etwas von Amys Aeußeren an sich? Sie werden wohl alle, alle gleich sein.

Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.

Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 Mk., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.

Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.

Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein

Expedition des Hersfelder Kreisblattes.

Amtlicher teil

Hersfeld, den 17. September 1906.

Die Herren Ortsvorstände des Kreises haben mir bis zum 30. d. Mts. zu berichten, wieviel:

1. Quittungskarten von Formular A (gelb)

2. Quittungskarten von Formular B (grau)

3. Quittungssormulare für Unfall-Rentenempfänger (bet land- und forstwirtschaftlichen Berufs Gen.) für das Jahr 1907 voraussichtlich erforderlich sein werden.

Hierbei wird bemerkt, daß die Quittungskarte B nur für solche freiwillige Versicherte auSzust-llen ist, für welche früher noch niemals auf Grund verstcherungSpflichtiger Tätigkeit Beitragsmarken verwendet worden Rnb, und daß diejenigen Personen, welche einmal dem Versicherungszwange unterlegen haben, Quittungskarten nach Formular A weiter gebrauchen müssen, auch für den Fall, daß sie sich frei­willig weiter versichern wollen.

I. 7409. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungr-Referendar.

Hersfeid, den 17. September 1906.

Unter den Schweinen des Landwirts Justus Stiebeling zu Willingshain ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 7420. Der Königliche Landral.

I. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 17. September 1906.

Die unter dem Schweinebeflande des Bäckermeisters Sorg zu Hersfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 7421. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Trott zu Solz,

RegierungS-Referendar.

Die Reise ging bis Brindisi mit dem Dampfer vor sich. Die Reisenden lernten aber auf diesem Wege nicht nur die Schönheit des Mittelmeeres, sondern auch seine schlimme Seite kennen.

Miß Ruth Dean war das sah Lord Henry bald eine umsichtige und erfahrene Erzieherin. Ganz vortrefflich sorgte sie für Selimas körperliches Wohlergehen, aber auch für deren Belehrung, wozu sich durch die stets wechselnden Ufer, die auftauchenden Berge und Städte, die vorbeifahrenden Schiffe und so weiter, die mannigfachste Gelegenheit bot. Wenn der berühmte Franzose Rousseau behauptet, daß ein Kind von seiner Amme mehr lerne als durch eine Weltum­segelung, so ist dieses nicht viel mehr als eine billige Redens­art gewiß ist es, daß Reisen merkwürdig bilden. Jeden­falls sah Henry voll Vergnügen, mit welchem warmen Herzen sich Ruth die Ausgabe' widmete, Selima in das Verständnis ihrer Umgebung einzuführen.

Sie ist doch in vielen Stücken anders als Amy," gestand er sich dann.

Die Dichter haben oft behauptet, daß man nur einmal lieben könne; Tatsachen lehren aber das Gegenteil, zumal da, wo eine unglückliche Neigung, deren Wunden allmählich ver­narben, einer neuen Herzensneigung Vorarbeiten.

So erging es Henry Dnffon auf dieser Reise.

Sein öfteres Zusammensein mit Ruth, ihr bescheidenes und doch sehr bestimmtes Wesen, ihre tiefen Kenntnisse, die Sicher­heit, mit der sie alles erfaßte, erregten zunächst seine Bewunde­rung und machten dann sein Interesse rege. Als sie aber den Reichtum ihres Geistes und Herzens dann und wann tiefer vor ihm erschloß, regte sich allmählich in seinem Herzen wieder, was er erstorben glaubte und allmählich fühlte er die Keime einer neuen Neigung in sich sprossen.

Es war ein Zugeständnis, welches er Büß Ruth machte, daß man die Reise über die ewige Stadt, welche sie noch nicht gesehen, fortsetzte.

Zuweilen kam sich Lord Balmore vor wie ein Kaufmann, der einen wertvollen Diamanten bei sich führt, den er vor aller Welt verstecken, möchte, damit kein Dieb den Finger da­nach ausstrecke. Für einen solchen Edelstein hielt er Miß

Heisfeld, den 13. September 1906.

Die unter dem Schweinebeflande des Mühlenbesttzers August Mohr zu Völkershain, Kreis Homb-rg, ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

I. 7362. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Königliches Landratsamt.

Sprechstunde: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Zur Goldenen Hochzeit des Großherzogpaares von Baden.

Fünfzig Jahre sind am 20. September vergangen, seit­dem Großherzog Friedrich von Baden, damals Regent des Großherzogtums, der Prinzessin Luise von Preußen, der einzigen Tochter des Prinzen Wilhelm von Preußen, des nachmaligen Kaiser Wilhelms I in Berlin die Hand zum Ehebande reichte. Waren es am 24. April 1902 fünfzig Jahre, daß das hohe Paar die badische Krone trug, so fügt eS dieser Krone jetzt den Schmuck der goldenen Myrte hinzu und in voller geistiger und körperlicher Frische darf es, begrüßt vom Jubel seines treuen Volkes, das seltene Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

Die Verlobung hatte am 30. September 1855 im König­lichen Schlosse zu Koblenz stattgefunden. Aus Anlaß der­selben wurde die Luisenstiftung eingesetzt als Ansang einer langen Reihe von Wohlsahrtseinrichtungen, mit der die hohe Frau später ihren Lebenslauf kennzeichnete. Am 20. Sept. fand in Berlin die Vermählung statt, worauf das hohe neuvermählte Paar die selige Zeit der Flitterwochen auf der Insel Mainau am Bodensee verlebte. Wie glücklich sich der Herzog in seiner jungen Ehe fühlte, geht aus den Worten hervor, die er bei der Eröffnung des Landtages sprach: Diese Verbindung, die mir persönlich so viel Glück per« heißt, wird auch, das bin ich überzeugt, meinem Volke zum Segen gereichen!" Dieser Ausspruch hat sich im Laufe der langen Jahre vollkommen bewahrheitet. Auch die Zeit nach der Vermählung floß dem jungen großherzoglichen Paare in ungetrübtem Glücke dahin. Drei Kinder entsprossen der glücklichen Ehe: der im Jahre 1857 geborene, mit der Prinzessin Hilde von Nassau vermählte Erbgroßherzog Fried­rich Wilhelm, die Prinzessin Viktoria, die dem Kronprinzen

Ruth. Er hegte oft den Wunsch, daß er erst daheim wäre, um die Gesellschaft dieses herrlichen Mädchens mit mehr Ge­mütsruhe, als die Reise dieses gestattete, genießen zu können.

Merkwürdigerweise fing er jetzt erst an, darüber nachzu- denken, wie jener Brief Amys in James Etui gekommen sein könnte! Sollte Richard hier die Hand im Spiel gehabt haben? Aber wozu? Auch widersprach letzteres dessen Benehmen gegen Amy durchaus.

Gleichviel nun, das Schreckliche war einmal dagewesen; heilig gelobte er sich, niemals wieder so knechtisch seiner Leiden­schaft sich hingeben zu wollen wie damals. Gegen Richard aber blieb von jetzt ab ein Keim des Argwohns in seinem Herzen zurück.

Wie war Henry froh, als endlich Calais erreicht war.

Nun sind wir bald in Old-England!" jubelte er Selima zu, als er aber Ruths fragenden Blick auf sich gerichtet sah, meinte er:Freuen Sie sich gar nicht, Miß?" ,

Ruth zuckte die Achseln und gab zurück:

Mich erwartet niemand, Mylord. Mein Vater, der alte würdige Pfarrherr, für den ich früher lebte, ist längst ge­storben : Die Mutter bereits vor ihm Geschwister habe ich leider nicht."

Dann soll Ihnen Schloß Balmore eine Heimat werden!"

Seine tiefen Augen blickten dabei sonderbar Ruth wendete den Kopf ab und errötete leise. Wie meinte er das?

Ganz unerwartet gelangte nach Balmore ein Telegramm Henrys:

Der Wagen soll mich von der Bahnstation abholen; ich treffe heute abend sechs Uhr fünfzig Minuten ein.

. Henry."

Richard war wie versteinert; es war bereits drei Uhr nach­mittags. Er gab rasch seine Befehle und murmelte dann:

Was mag er haben? Wahrlich, diesen Charakter kann kein Mensch berechnen, sobald er auf rüttelt."

* *

*

Der Zug hielt. Richard Duffon stand erwartungvoll auf dem Bahnsteig, als Henry den Wagen verließ. Es wunderte Richard, daß er sich ihm nicht gleich zuwendete; vielmehr