Zahlungstermine der Raten werden die für die Bauernbank gültigen Regeln gelten. Die Festsetzung des Verkaufspreises und die Bestimmung etwaiger Vergünstigungen wird den Kommissionen für die Landorganisationen übertragen. Die auf da» angekauste Land übersiedelnden Bauern können für die erste Einrichtung Darlehen und aut den Rronforßen unentgeltlich Baumaterial erhalten. Die Erwerbung der erwähnten Kronländereien wird auch Personen anderer Stände gestattet, die sich in ihrer Lebensweise von den Bauern nicht unterscheiden. Die Kaufverträge sind steuer- frei.
Der Staat besitzt in 46 Gouvernement» de» europäischen Rußland» 4Va Millionen Deßjätinen Ackerland. Durch den unlängst bekannt gegebenen Ukas des Zaren gelangten bekanntlich zwei Millionen Deßjätinen Apanagengüter durch die obige Bank zum Verkauf, die ihrerseits außerdem seit November v. I. zwei Millionen Deßjätinen Land von den Gutsbesitzern für die Bauern auskaufte, während die Bauern selbst eine halbe Million Deßjätinen gegen Barzahlung bei den Gutsbesitzern kauften. Im ganzen werden also gegen 10 Millionen Deßjätinen Ackerland in die Hände der Bauern übergehen. Die Regierung wird ihre Maßnahmen so rasch durchführen, daß bis zum Zusammentritt der neuen Reichr- duma die Landnot der Bauern beseitigt ist und er möglichst keine landarme Bauern mehr geben wird und bestimmt keine landlosen. Dadurch hofft die Regierung, die revolutionäre Bewegung auf dem Lande vollständig zu paralysieren.
Man kann im Interesse einer Hebung deS russischen Bauernstandes und im Hinblick auf die Wichtigkeit einer baldigen Wicderberuhigung der infolge der wilden Agitationen seitens der revolutionär-sozialistischen Partei auf- gehetzten ländlichen Bevölkerung nur aufrichtig wünschen, daß sich jene Hoffnung der russischen Regierung erfüllen möge. Nur ist allerdings nicht zu übersehen, wie langsam sich voraussichtlich die Prüfung der jeweiligen in Betracht kommenden Verhältnisse lokaler Natur und die Erledigung der verschiedenen Bedingungen, unter denen der Verkauf stattfinden soll, gestalten wird. Im übrigen kann es nur mit Genugtuung begrüßt werden, daß man hier und da in den Kreisen des russischen Großgrundbesitzes beginnt, das Beispiel der Krone und des Staates nachzuahmen und ebenfalls Land für die Bauern zur Verfügung zu stellen, freilich nicht unentgeltlich. So hat sich Graf Stroganow, einer der größten Grundbesitzer im östlichen Rußland, bereit erklärt, fein in vier Kreisen gelegenes Gut Jljinskoje, das über eine Million Deßjätinen umfaßt, an die staatliche Bauernbank zu verkaufen, vorausgesetzt, daß die Regierung die Veräußerung dieses Majorat» gestattet.
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Warschau, 10. September. Heute nachmittag wurden in dem Fabrikort Zyrvadow, der die größten Leinwandfabriken des Reiches, die 7000 Arbeiter beschäftigen, besitzt, von Unbekannten gleichzeitig zwei Bomben geschleudert, die mit weithin hörbarem, furchtbarem Getöse explodierten. Durch die eine, die man aus dem Markt gegen acht Polizisten geworfen hatte, wurden zwei Schutzleute tödlich, die sechs anderen leichter verletzt. Die zweite Bombe verwun- bete den Portier an einem der Fabriklore und einen weiteren Schutzmann. Sofort waren Infanterie und Kosaken zur Stelle, die zahlreiche Salven nach verschiedenen Seiten ab- feuerten und vierzig unbeteiligte Einwohner töteten. Viele der Verletzten wurden noch nachträglich durch da» Militär erschossen. Einer der Attentäter, der noch nicht erkannt ist. wurde getötet.
Die Schreckensherrschaft, die seit den letzten Abendstunden de» Sonnabend in der volkreichen russisch-polnischen Gou- vernemevtrstadt Siedler für den jüdischen Teil der Bewohner angebrochen ist, scheint auch heute noch mit unge schwächter Kraft aufrecht erhalten zu werden. Der Gouverneur hält offenbar alle genaueren Nachrichten über den Umfang des angerichteten Blutbade» sowie über die Einzelheiten der schrecklichen Vorgänge zurück, so daß ein Urteil über dieses wüste Massaker einstweilen nicht möglich ist, Die in der russischen Hauptstadt heute vorliegenden Meldungen besagen folgende»:
Petersburg, 11. September. Zu den blutigen Vorgängen in Siedlce wird ferner gemeldet: Die Zahl der Toten und Verwundeten soll mehrere hundert betragen. Nach dem ersten Schuß erschien auf dem Turm des Rathauses eine rote Laterne als Signal für die Libaner und Vormärschen Dragoner-Regimenter, mit dem Schießen zu beginnen. Den Juden ist verboten, die Straße zu betreten, die christliche Bevölkerung erhält dagegen Passagierscheine.
„Also einen mißratenen Bruder hat man? Das ist nicht schlecht 1"
Er hütete sich aber wohl, Henry später hiervon Mitteilung zu machen, denn einmal hätte es nichts genutzt, da der Lord seine Gattin herzlich liebte, zweitens konnte diese Tatsache sehr leicht einmal zur Verstärkung einer andern ihm dienlichen Triebfeder oder eines Ereignisses verwendet werden. Dagegen entstand jetzt in seinem Kopf ein Plan, der ihm äußerst fein und wirkungsvoll erschien:
Er wollte Henry eifersüchtig machen. Da aber Amys fittenreines Leben hierfür durchaus keinen Anhaltspunkt bot, so mußte ein Brieswechsel zwischen Amy und ihrem Bruder vermittelt und veranlagt werden, dessen man sich zeitweilig bemächtigen konnte, damit er als Waffe gegen die junge Frau in irgend einer Weise benutzt werden könne. Im Verlaufe weiteren Nachdenkens verfiel denn Richard als Mittel zum Zweck auf die Person seines Bruders James, welcher seiner liebreizenden Schwägerin kavaliermäßig seine Huldigungen entgegenbrachte und zu Jack Pathe war. Wie leicht ließ sich da die Eifersucht, diese schrecklichste aller Leidenschaften, erregen! — Aber geschickt mußte man zu Werke gehen. Das erste, was der teuflische Bösewicht in dieser Zeit tat, war die Abfassung eines Briefes in verstellter Handschrift, der John Dany auf den Norfolkinseln von dem Glück seiner Schwester Nachricht gab. Das zweite war ein Brief an James, in welchem er das Glück von Balmore-Castle so leuchtend beschrieb, daß der leichtlebige Offizier eine Art von Heimweh bekam und seinen großen Urlaub im Herbst nahm, um Schloß Balmore einen langen Besuch zu widmen.
. H°lk und der Zufall schien Richard Duffon beide gesllllig fern zu wollen, denn er hatte bald nach der Heimkehr der Famme Balmore die Genugtung, zu sehen, daß Lady Amy eines Tages einen Brief erhielt, bei dessen Anblick sie yi^Iafien amm^ Um 1,115 Schreiben sogleich verschwinden
Richard Duffon rieb sich insgeheim vergnügt die Hände, besondns als » von einem Bnefe erfuhr, in welchem James ych aus sechs Wochen zu Besuch anmeldete.
So hatte sich Richard die Sache gedacht! In Abwesen-
Aus Brest ist da» Dubliner Regiment, aus Rembertow Ar- tiQerie eingetroffen, und die Zufuhr von Patronen dauert ununterbrochen an. Da» Restaurant Viktoria ist zerstört, da« Plündern wurde in der Stadt auch gestern noch fortgesetzt. Den blutigen Vorgängen soll ein Bombenattentat auf den Polizeimeister voraurgegangen sein. In der hiesigen Paulsfestung wurde eine politische Gefangene, die 22jährige Semenowa, durch einen Wachtposten erschossen, als sie aus ihrer Zelle mit anderen Gefangenen in Verbindung treten wollte.
Warschau, 10. September. Heute abend 8 Uhr erfolgte in der Elektoralnastraße ein Zusammenstoß zwischen Zivilpersonen und einer Militärpatrouille, wobei über 20 Personen verwundet wurden. Im Judenviertel mißhandelten Soldaten Passanten, von denen sechs Personen schwer verletzt wurden. Gegen 10 Uhr herrschte Ruhe.
Groduo, 10. September. Heule nachmittag wurde der Oberst der Gendarmerie Griboiedow auf dem Paradeplatz von einem Manne durch einen Revolverschub getötet. Auf dem Platze anwesende Polizeibeamte gaben auf den Täter mehrere Schüsse ab, doch gelang er diesem zu entkommen.
Kiew, 10. September. Heute früh überfielen in dem Flecken Bjrlaiazerkow mehrere bewaffnete Männer die Filiale der Diskontobank, raubten trotz der Anwesenheit mehrerer Personen 80 000 Rubel und töteten einen der Anwesenden. Einer der Täter beging aus Furcht, festgenommen zu werden, Selbstmord.
Aus > und Ausland.
Berlin, 10. September 1906.
Die Kaisermanöver in Schlesien haben am Montag ihren Anfang genommen. S e. Majestät der Kaiser stieg am genannten Tage morgens in Bielewiese zu Pferde und begab sich in dar Manövergelände nach Oberheidau. Die Kavalleriedivision B (rot) war über Parchwitz bis Gugslwitz vorgesandt worden, wo sie Stellung nahm. Die von Lüben hervordringende Kavalleriedivision A (blau) zwang die erstere über Katzbach gegen Hetdau und Parchwitz zurückzugehen. Nachmittags nahmen beide Divisionen beobachtende Stellungen ein. Nach Beendigung des Manövers begab sich der Monarch mit dem Prinzen Oskar im Automobil über Parchwitz und Wahlstatt nach Liegnitz, wo er öVa Uhr eintraf. Er wurde von der Bevölkerung stürmisch bewillkommnet. Vor dem neuen Rathaus« begrüßte den Kaiser der Regierungspräsident Freiherr o. Seherr-Thoß mit einer Ansprache, in ihr auf den historischen Charakter des Bodens von Liegnitz hinweisend. Der Kaiser dankte, worauf Oberbürgermeister O-rtel ihn namens der Stadt willkommen hieß, hierbei die allezeit erprobte Treue der Liegnitzer zum Hohenzollernhause betonend. In seiner Er- widerung erinnerte der Kaiser zunächst an seine bei der Ziviltasel in Breslau gehaltene Rede und konstatierte dann mit Genugtuung die vortreffliche Entwickelung der Stadt Liegnitz; zum Schluß sprach der Monarch seinen herzlichsten Dank für die so schöne Schmückung der Häuser und für den ihm seitens der Einwohnerschaft bereiteten Empfang aus» Nachdem der Kaiser einen ihm dargebotenen Pokal mit Wein geleert, unternahm er eine Rundfahrt durch die Stadt, überall von herzlichen Ovationen begrüßt, und stieg sodann im Schlosse ab. — Da» Manöver am Dienstag wickelte sich in dem Gelände bei Wahlstadt ab. Dicht bei dem Orte hatte der Kaiser die Nacht in seinem Asbesthause verbracht, um dann in aller Früh; in den Sattel zu steigen, General von Woyrsch führte seine drei Divisionen mit viel Glück gegen den rechten Flügel von Blau, und der Erfolg des Tages war auf feiner Seite. Da» Gefechtsbild war recht interessant, da alle Waffengattungen in Wirksamkeit traten. Die Truppen machten einen ausgezeichneten Eindruck, obwohl Teile von ihnen, z. B. von der 11. Division, schon in der ersten Morgenstunde hatten ausbrechen müssen, um die gewaltigen Umgehung»bewegungen ausführen zu können. Der Kaiser und seine Gemahlin, die zu Pferde war, interessierten sich eingehend für den Zustand Der Leute. Der Monarch griff wiederholt in die Regelung der Abmärsche« der Truppen ein.
In Kiel ist der 28. deutsche I u r i st e n t a g unter großer B«t«iliaung in der Aula der Universität durch den Geheimen Justizrat Professor Enneccerus-Marburg eröffnet worden. OderreichSanwalt Dr. Olshausen-Leipzig wurde zum Vorsitzenden gewählt. Auf seinen Vorschlag wurden Huldigungstelegramme an Kaiser Wilhelm und den Kaiser
heit Amys durchsuchte der Schurke Richard zu öfteren die Zimmer der jungen Frau, bis er eines Tages auf dem Schreib- ttsch einen angefangenen Brief vorsand, welcher lautete:
„Schloß Balmore, den 4. August 1880. Mein lieber John!
Wie sehr ich mich danach sehne, Dich, lieber Bruder, wiederzusehen, kann ich Dir nicht beschreiben! — Indes ist Vorsicht geboten, daß Henry nicht erfährt, wie ich noch einen Bruder besitze, der auf den Norfolkinseln gesessen hat. Wir müssen,, wenn Du kommst, besondere Vorsichtsmaßregeln treffen. Er ist so verttauend gegen mich, daß dieses übrigens ganz leicht ist. Schreibe mir also, wann ich Dich erwarten kann, damit —"
Richard Duffon lachte höhnisch.
„Wie zärtlich; dieses Schriftstück ist ganz wie für mich gemacht 1"
Er steckte es einfach zu sich und öffnete zwei Fensterflügel, so daß der Wind das Blatt entführt haben konnte. Damit entfernte er sich, denn er besaß, was er gesucht hatte.
Als Amy das Blatt vermißte, wurde sie ängstlich; Richard sah mit heimlicher Freude, wie sie im Garten und Park suchte; fein Plan war also gelungen.
Henry war mit Versuchen einer neuen Düngungsart beschäftigt, als James auf Balmore ankam. Natürlicherweise schloß er sich der jungen Frau an und saß häufig mit ihr zusammen, las, erzählte und weihte sie in seine Erlebnisse ein. Aber der Offizier war nicht mehr der alte. Er schien unruhig, ernst und tat sich ersichtlich Gewalt an, immer den Gleichmut zu behaupten. Richard hatte längst gegen ihn allen Spott aufgegeben; er suchte James Vertraueen zu gewinnen. So erfuhr er denn bald, daß sein Bruder Schulden, Spielschulden hatte, daß sein ganzes Vermögen dahin und er mit seinem Ehrenwort für alles haftbar sei.
„Hils mir mit nur fünfhundert Pfund!" bat er Richard.
Richard Duffon hörte diese Neuigkeiten mit verstellter Teilnahme, schüttelte wieherholt den Kopf und trocknete, wie verheimlicht, eine Mitleidsträne.
Bedauernd sagte er dann:
von Oesterreich gesandt, und in einem Telegramme an den Großherzog und die Großherzogin von Baden wurde des 80. Geburtstages des Großherzogs und der goldenen Hochzeit des Grobherzoglichen Paares gedacht. Es folgten Be. grüßungSanfprachen. Der Vorsitzende teilte mit, daß zwei Juristen aus Japan gebeten haben, an den Verhandlungen teilnehmen zu dürfen.
In Stuttgart hat sich die Versammlung beS Innung,, verbände» deutscher Baugewerksmeister einstimmig für die Einführung des Befähigungsnachweises im Bauge, werbe ausgesprochen: Der von der Regierung dem Reichstage vorgelegte Entwurf zur Sicherung der Bauforderungen wurde mit großer Mehrheit als wertvolles Mittel zur Be, seitigung der jetzigen Verhältnisse begrüßt. Die Versammlung beschloß außerdem noch einstimmig, die Reichsregierung zu ersuchen, die Führung der Titel Baumeister und Baugewerks- meister von der Ablegung einer besonderen staatlichen Prüfung abhängig zu machen.
In Hannover hat der D e l e g i e r t e n t a g der nattonalltberalenJugendvereinegetagt. Die Tagung wurde mit einer längeren Rede des Vorsitzenden der Jugendvereine Dr. Fischer-Köln eingeleitet. In dieser Rede erfuhr die Haltung der nationalliberalen Fraktion im Reichstage und preußischen Abgeordnetenhaus-, insbesondere die Stellungnahme zur Reichsfinauzresorm und zum Schul- unterhaltungSgesetze, ziemlich scharfen Tadel. In der da- rauf folgenden Debatte suchten die Abgeordneten Baffer. wann und Schiffer die Haltung der Fraktion zu rechtfertigen, während mehrere jungnationalliberale Redner dem Stand, Punkte Dr. Fischer« beitraten. Man darf gespannt sein, wie sich diese Gegensätze auf dem bevorstehenden national- liberalen Parteitage in Goslar ausgleichen werden.
Gegen die Rebellion aufKuba sucht jetzt dieRe- gierung die schärfsten UnterdrückungSmittel auszubieten. Nach einer Meldung aus Havanna hat Präsident Palma eine Verordnung erlassen, durch die die Verfassung in den Provinzen Pinar bei Rio, Havanna und Santa Clara außer Kraft gesetzt und in diesen Provinzen ein Zustand geschaffen wird, der dem KriegSrecht gleichkommt. Die Regierung hat auch die Verhaftung so ziemlich aller bedeutenderen Mitglieder der liberalen Partei angeordnet. Der Präsident der liberalen Partei und mehrere Mitglieder sind flüchtig. Die Insurgenten haben, wie eS heißt, in Manzanilla Waffen und Munition gelandet. — Amtlich wird bekanntgegeben, daß eine vom General Guerra be- sehligte Abteilung der Aufständischen, welche bei Consolacion bei Sur einen mit Regierungstruppen besetzten Panzerzug angegriffen hatte, von den vereinigten Streitkräften der Obersten AvaloS, Bacallao und Ravena im Rücken angegriffen und vollständig geschlagen wurde. Nach noch unbestätigten Meldungen sollen 200 Aufständische dabei gefallen sein. Der Panzerzug war zur Entgleisung gebracht worden, und die Truppen, welche sich in ihm befanden und unter denen viele zur Bedienung der Milrailleusen bestimmte Amerikaner waren, hatten fast ihre sämtliche Munition verschossen, als es Avalos gelang, die Verbindung mit ihnen herzustellen.
Aus Provinz u. Vachbargebiet.
• (Neuerungen im Telegraphendienst.) Im Telegraphen-BetriebSdienst wird am 1. Oktober^Mne neue Dienstanweisung eingefübrt, die viele Neuerungen bringt, von denen einige auch für da» Publikum von Interesse sind. Eingehende Telegramme, die offenbar entstellt sind, dürfen künftig nicht zurückgehalten werden,ausgenommen, wenn die Berichtigung ohne wesentlichen Zeitverlust geschehen kann. Solche Telegramme werden ohne Verzug zugestellt ober weiter befördert. Sie erhalten lediglich einen dienstlichen Zusatz, der auf die nachfolgende Berichtigung hinweist. Bei lange dauernden Störungen kann mit Genehmigung der Ober-Postdirektion der VerzögerungSvermerk in der Ausfertigung des Telegramms für den Empfänger wegbleiben, wenn das Publikum auf die Verzögerungen durch Aushang im Annahmezimmer ober sonst aufmerksam gemacht ist. Mitteilungen über umfangreiche Störungen, welche die L-itung und Beförderung der Telegramme wesent- ltcv beeinflussen, werden künftig von den Telegraphen-An- Halten unmittelbar an da» Haupt-Telegraphenamt in Berlin gerichtet. Stimmt die Zahl der wirklichen Wörter mit der der Taxwörter nicht überein, so werden beide Zahlen im Kopfe der Telegramme angegeben. Als wirkliche Wörter gelten künftig auch Klammer-, Unterstreichung»- und Anführungszeichen. In Dienst- und Staats-Telegrammen
„Alles, was ich bar besitze, sind zweihundert Pfund lieber James! Die sollst Du sogleich haben!"
„Aber der Rest, Richard?"
Richard zuckte bedauernd die Achseln, dann aber sagte er plötzlich, als sei es ihm soeben eingefallen:
„Halt, ich hab's! Sage Henry nichts; er ist darin unerbittlich! Aber er ist reich und hat Amy so gestellt, daß sie Dir helfen kann! Eines Tages, nachdem Du sie vorbereitet, tust Du einen Kniefall vor ihr und — Dir ist geholfen 1"
Auf diesen schlau erdachten Plan ging James zu seinem Unglück ein.
(Fortsetzung folgt.)
— Hamburg, 10. September. Im benachbarten Wilhelmsburg geriet der Stellmacher Epethmann wegen Mißhandlung feiner Frau mit seinem Schwager Meyer in Streit, in dessen Verlauf Meyer dem Spethmann durch einen Schlag mit dem Svaten den Schädel spaltete, so daß der Angegriffene sofort tot war. Der Täter ist verhaftet.
— (Die geschiedene Frau als Köchin.) Au» New Aork wird berichtet: Eine interessante Lösung eines der schwierigsten Probleme, die durch die häufigen Ehescheidungen in Amerika aufgeworfen werden, hat ein Geschäftsmann in Daneville, Virgina, gesunden. Mr. John C- Putner hatte sich kürzlich von seiner Frau scheiden lassen, weil tr sich nicht mit ihr vertragen konnte. Sie war jedoch eine glänzende Wirtschasterin gewesen, deren Fürsorge und vor allem deren Küche Putner nach der Scheidung stark vermißte. Vor wenigen Wochen engagierte er sie daher als Köchin für seinen Haushalt, und in den letzten Tagen heiratete er eine zweite Frau, eine Schullehrerin, die jung, anziehend, musikalisch und sehr gebildet, aber gänzlich un- ersahren in der Kochkunst ist. Die erste Mr. Putner war ganz damit einverstanden, sie buk einen wunderbaren Hoch- zeitrkuchen und bereitete ein glänzende» Hochzeitrmahl, da» als ein Triumph der Kochkunst gefeiert wurde. Mr. Putner aber erklärte stolz, daß er den bestorganisierten Haushalt in Amerika habe.