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):( Hersfeld, 10. September. Die für gestern nachmittag von der Handwerkskammer in Cassel in den Saal des Hotel zum Stern einberufene allgemeine Handwerkerversammlung war leider noch weniger besucht, wie die vor 14 Tagen abgehaltene. Infolgedessen wurde auch der Zweck der Versammlung, einen Beschluß über die Gründung von Innungen zu fassen, wieder nicht erreicht. Kurz nach 4 Uhr eröffnete Herr Konrad Sander die Versammlung, indem er den schlechten Besuch bedauerte. Alsdann erteilte er dem Syndikus der Handwerkskammer Herrn Thanheiser das Wort. Derselbe nahm Bezug auf seinen damals gehaltenen Vortrag und glaubt, daß alle Anwesenden entweder denselben persönlich mitangehört, oder doch aus den hiesigen Zeitungsberichten Kenntnis von feinem Inhalt erhalten hätten. Er halte es daher heute nicht für angebracht, das Thema nochmals ausführlich zu besprechen, da die heutige Versammlung vor allem den Zweck haben sollte, der Gründung von Innungen näher zu treten. Er halte eS für das beste, wenn stch vorerst mehrere Gewerbe zu einer Innung zusammenschließen. Auf diese Weise ließen stch hier ca. 6 starke Innungen mit Leichtigkeit gründen. Dieselben bildeten einen JnnungSausschuß, welcher dann mehr erreichen könnte, wie die einzelne Innung. Der Herr Redner kam noch kurz auf die Ausgaben eines derartigen JnnungSausschusses zu sprechen und glaubte, daß es doch keinesfalls schlechter werden könnte wie jetzt, im Gegenteil könnte gar vieles gebessert werden. Er bat zum Schluß um Vorschläge sowie Wünsche und Anfragen. Herr Malermeister B r a n da u teilte mit, daß im Malergewerbe schon längere Zeit die Absicht bestehe, eine Zwangrinnung zu gründen. Schon vor zwei Jahren war man der Sache näher getreten, dieselbe scheiterte aber damals daran, daß die erforderliche Stimmenmehrheit im Kreis Hersfeld, welchen man mit einbeziehen wollte, nicht zu erlangen war. Auf jeden Fall würden sich in allernächster Zeit die Maler und Weißbinder zu einer Innung zusammenschließen. Herr Thanheiser hält es für besser, wenn die Maler und Weißbinder vorläufig nicht den ganzen Kreis organisieren wollen, da die zu weit wohnenden kein rechtes Jntereffe an der Sache hätten. Er empfahl vorerst die Gemeinden des Amtgerichtsbezirks Hersfeld mit einzuschließen, oder sich der Innung der Bauhandwerker anzuschließen. Später ließe sich dann sehr leicht eine einzelne Innung hiervon abtrennen. Herr Maurermeister Schulz hält es ebenfalls für das richtigste, vorerst eine gemeinsame Innung zu bilden. Wenn dieselbe dann kräftig genug sei, könnte man für die einzelnen Gewerbe selbständige Innungen gründen. Herr Malermeister Brandau hegt hiergegen verschiedene Bedenken, und spricht sich nur für Bildung einer Zwangs- innung aus, da man mit den freien Innungen schon zu viel schlechte Erfahrung gemacht habe. Herr Thanheiser führte hieraus noch näheres über die Vorteile einer Ge- samt-Jnnung aus. Herr Konrad Sander weist auf die Abhaltung der Meisterprüfungen hin, die dann, wenn hier die dritte Innung bestehe, in Hersfeld abgehalten werden könnten. In der sich dann entspinnenden freien Diskussion kamen noch eine ganze Reihe Anfragen zur Besprechung. Herr Thanheiser sprach alsdann noch einmal kurz über die Notwendigkeit der Organisation des Handwerkerstandes, worauf Herr Konrad Sander die Versammlung schloß, der Hoffnung Ausdruck gebend, daß nunmehr die einzelnen Gewerbe sich zu einer Innung zusammenschließen würden. Die nötigen Schritte zur Bildung einer allgemeinen Innung sollen nun demnächst in die Wege geleitet werden, und es wäre zu wünschen, wenn die Sache nun auch wirklich zu stande käme. Vor allem darf es nicht wieder in die Länge gezogen werden, da sonst das Jntereffe bei den wenigen, die aber recht gut die Angelegenheit durchführen könnten, wieder einschlafen wird.
):( Hersfeld, 10. September. In schönster Weise mit frischem Grün, Bändern und Lampions geschmückt, fuhren gestern nachmittag der Ka i s e r l i ch e P o st w a g e n sowie das P r i v a t - P e r s o n e n s'u h r w e r k des Herrn Meurer in Friedewald zum letzten Male die Strecke Hersfeld - Friedewald bezw. Schenklengsfeld. Bekanntlich wird mit dem heutigen Tage auf dieser Strecke von der Oberpostdirektion Cassel ein Automobilpostverkehr eingerichtet. Möge diese Verkehrsverbesserung, durch deren Einrichtung sich die Oberpostdirektion den Dank weiter Kreise gesichert hat, sich eines recht regen Zuspruchs erfreuen, damit sie unserer Gegend erhalten bleiben kann und einen regeren Verkehr zwischen der Stadt und den betreffenden Gemeinden vermittelt.
):( Hersfeld, 10. September. Herr Pfarrer Werne r zu Wippershain ist zum Königlichen Kreis schul- inspektor über die Schulen von Hersseld-Land 1 vom 1. Oktober d. I. ab ernannt worden.
Sieglos, 10. September. (Eingesandt) Die Firma Baldus u. Wirth in Ettra hat für die Hilfeleistung bei dem am 5. b. Mts. ausgebrochenen Brande nebst dem ausgesprochenen Danke noch 40 Mk. in bar den Feuerwehrmannschaften Eitra—StegloS zugesandt. Ich sage hiermit im Namen der Feuerwehrmannschaften meinen herzlichsten Dank. Manß, Brandmeister.
Caffel, 8. September. In das Manövergelände rückte im Laufe des heutigen Vormittags das 1. oberelsässische Infanterie-Regiment Nr. 167 mittelst Extrazügen ab. Von Eschwege aus beginnen am Montag die Brigade- und DivissionSmanöver.
Gotzfelden b. Marburg, 8. September. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr wollte der 30 Jahre alte Ackermann Joh. Schmidt von hier aus feiner Sandgrube einen Wagen Sand holen. Als er mit dem Abgraben desselben beschäftigt war, lösten sich plötzlich gewaltige Erbmassen und begruben ihn vollständig. Nur als Leiche konnte man ihn wieder ans Tageslicht befördern.
Marburg, 7. September. Zwei schwere Jungen standen heute vor der hiesigen Strafkammer. Der Dienst- knecht Johannes Textor von hier und der Tischler Fritz Reinert aus Breslau. Bekanntlich waren dem Butterhändler Mann in Neustadt — wie auch in diesem Blatte milgeteilt wurde — im Sommer dieses Jahres durch Einsteigen und Einbruch 47 Landeskreditkassen-Obligationen im Betrage von 20 600 Mark, ein Sparkassenbuch über 3000 Mark, 1137 Mark in Bar und eine Anzahl sonstiger Gegenstände gestohlen worden. Die beiden Einbrecher, die oben bemerkten Personen, wurden wenige Tage darauf in Cassel dingfest gemacht, wo sich das Geld bis auf 200 Mark noch bei ihnen vorfand. Außerdem waren sie dringend verdächtig, vorher bei dem Schausteller Grevenstein in Aachen eines Tages eingebrochen zu sein und ihm Wertsachen entwendet zu haben. Das Urteil lautete gegen Textor auf 8, gegen Reinert aus 6 Jahre Zuchthaus.
Fritzlar, 8. September. Vorsicht bei Bienenstichen lehrt folgender Vorfall. Der Gutsbesitzer Alwis Bernmoser
wurde von einer Biene gestochen, sodaß Blutvergiftung eintrat, an deren Folgen der Mann heute morgen gestorben ist.
Caffel, 10. September. Als am Sonnabend abend ein Metzgergeselle in der Hohentorstraße damit beschäftigt war, Fleisch mit dem elektrischen Wiegemesser zu bearbeiten, kam er mit der rechten Hand unter das Messer. _ Im nächsten Augenblick war auch schon die Hand buchstäblich abgeschnitten. , ,
Merxhausen, 8. September. Am Hochzeltsmorgen seines Sohnes stürzte ein hiesiger 84jähriger Einwohner die Treppe hinunter. Er war sofort tot.
Gersfeld (Rhön), 8. September. Der Totengräber in Gersfeld hat sein Amt niedergelegt, weil zu wenig Sterbefälle vorkommen und sein Verdienst dadurch zu gering ist. Die mangelhafte Beschäftigung für den Totengräber ist das beste Zeugnis für unsere gesunde Gegend.
Helmershausen (Rhön), 8. September. Der bei Helba verunglückte Geschirrführer Julius Gülh hinterläßt eine Witwe mit zehn Kindern; in derselben Stunde, da der Verunglückte nun begraben wurde, wurden ihm noch Zwillinge geboren, so daß die Witwe jetzt für zwölf Kinder zu sorgen hat.
Hetttgenstadt, 7. September. Ein Artillerie-Scharf- schießen mit den erst seit einigen Wochen beim XL Armeekorps eingeführten Rohrrücklausgeschützen fand heute vormittag in dem Gelände zwischen Heiligenstadt und Göttingen im Beisein des kommandierenden Generals des XL KorpS Exzellenz Linde statt. Zuerst hatte die reitende Abteilung des 11. Artillerie-Regiments (Cassel) die Aufgabe, einge- grabene gegnerische Artillerie in der Richtung nordöstlich von Rohrberg zu beschießen, worauf eine links von diesem Ziel postierte Maschinengewehrabteilung unter Feuer genommen wurde. Nach ungesähr 60 Schuß wurde das Feuer eingestellt. Hierauf wurde von der 1. Abteilung des 47. Artillerie-Regiment» (Fulda) ein Rückzugsgefecht markiert. Sie brach aus der Senkung östlich von Vogelfang hervor und nahm in schneidiger Auffahrt Stellung gegenüber einer sie bedrängenden langen Jnfanterielinie, welche durch Schützen markiert war. Kaum iVa Minute nach Eingang in die Stellung fiel schon der erste Schuß und nun wurde die Infanterie mit regelmäßig verteiltem Feuer aus eine Entfernung von 1500 Meter beschossen. Nachdem diese Ausgabe gelöst schien, wurde auf da» erste Ziel — eingeschnittene Batterie — gefeuert und dann noch weiter recht» eine Kolonne mit Brennzünder auf 3000 Meter mit sehr hohen Sprengpunkten bestrichen. Interessant war es zu sehen, welch' großen Fortschritt die letzten Jahre unserer Artillerie gebracht haben. Während früher der Rücklauf des ganzen Geschützes störend wirkte, spielte sich bei diesen neuen Rohr- rücklaufgeschützen, welche aus Konstruktion 96 optiert sind, da» Bedienen, Richten und Abseuern aus demselben Flecke in größter Ruhe ab, wobei genau beobachtet wurde, daß die Mannschaften ihre Hantierungen unter völliger Deckung der Schutzschilde Vornahmen. Der ganze Rückstoß des Geschützes wird jetzt ausgehoben, das Rohr allein gleitet nach dem Schuß ruhig zurück und wieder vor in die alte Stellung, ohne daß die Lafette irgendwie sich von der Stelle bewegt.
Vom Main, 6. September. In Peterskirchen erdrosselte die Frau des Schreinermeisters Schmied ihren Stiefsohn mit einer Schnur. Die Mörderin wurde verhaftet. Ob ein Verbrechen oder die Tat einer Wahnsinnigen vorliegt, muß die Untersuchung feststellen.
Halle. 8. Septbr. In HaugSdorf fuhr ein Kohlenwagen aus der abschüssigen Dorfstraße in eine Kinderschar hinein. Der fünfjährige Bergmannssohn Zehnpfand ist tot, vier andere Kinder wurden schwer verletzt.
Koblenz, 7. September. Das OberkriegSgericht Der» urteilte den Vizefeldwebel Schirmer vom Pionierbataillon Nr. 8, der Soldalenbriefe, in denen er Geldbeträge vermutete, sowie Postpakete stahl, zu drei Monaten Gefängnis, zur Degradation und zur Versetzung in die zweite Soldaten- klasse.
Uermiscbtes.
— Viernheim, 8. September. Ein 17jähriger, zu Mannheim beschäftigter Taglöhner von hier zielte gestern abend scherzweise mit einem geladenen Revolver nach einem gleichalterigen Arbeitskollegen. Plötzlich krachte ein Schuß und die Kugel traf den Mitarbeiter in die Brust. Der Schwerverletzte mußte sich einer Operation unterziehen. — Da« achtjährige Söhnchen des Herrn Geiger zu Käserthal fand dieser Tage auf der Straße eine Patrone, die e» zur Entzündung brächte. Das Geschoß durchdrang die Brust des unglücklichen Knaben und führte inzwischen den Tod herbei.
— Kindenheim, 8. September. Ein zehnjähriger Knabe aus Heuchelheim stach dem im gleichen Alter stehenden Karl Neumeyer aus Kaiserslautern das Messer in die Brust und verletzte ihn lebensgefährlich. Beide waren hier zu Besuch.
— (Die Rache des Gaules.) Ein Fuhrhsrr zu Charlottenburg war dem Deutschen Tierschutzverein zu Berlin wiederholt wegen Mißhandlung seiner Pferde angezeigt worden, wobei betont wurde, daß er seinen Angestellten das Schlagen ausdrücklich anempfohlen habe, damit die Tiere mehr leisteten. Als zufolge einer erneuten Anzeige vor einigen Tagen die Tierschutzinspektorin Henze den Hof betrat, mißhandelte dieser gerade ein Pferd derartig, daß es zu Boden fiel, dann ausschlug und seinen Peiniger am Kopse lebensgefährlich verletzte. Der Verwundete wurde bewußtlos in ein Krankenhaus geschafft.
— (Dreschmaschine und Landtagswahl.) Auf eigenartige Weise ist die Einwohnerzahl in einer kleinen höfischen Gemeinde vor einiger Zeit plötzlich gewachsen. Den Bewohnern de» Dörfchens war es schon lange nicht recht, daß an der Seelenzahl von 250 noch 18 fehlten, wodurch sie nicht in der Lage waren, einen Wahlmann zu den LandtagSwahlen zu wählen. Ein Schlauberger aber heckte aus, daß das gewünschte Ziel ganz einfach zu erreichen sei, man brauche nur am nächste» VolkLzählungStage die Dreschmaschine zu bestellen, dann würden die Arbeiter als vorüber- gehend anwesend gezählt. Nun kam der 1. Dezember jenes Jahres, man hörte sein eigenes Wort nicht, so ein Gebrumm und Gesumm war im Orte, drei Dreschmaschinen arbeiteten in den Bauernhöfen. Und die Volkszählung ergab 258 Einwohner,
— Schleswig, 8. September. Heute früh wurde der Besitzer der Bonbonsfabrik namens Jepfen und dessen Ehefrau tot aufgefunden. Die Frau lag im Bett mit deutlich sichtbaren Strangulationsmalen am Halse, während der Mann im Stallgebäude des Hauses erhängt ausgefunden wurde. Beide hatten noch gestern abend an einer Festlichkeit teilgenommen.
—- B r u ch s a l, 7. September. In einer Sandgrube
bei Heidelsheim wurden drei Personen von abstürzenben Erbmassen verschüttet. Zwei find tot, der dritte wurde schwer verletzt. x ,
— (Ein weiblicher Manolescu.) Bisher schien die Ausplünderung von Hotelgästen das Monopol des männlichen Geschlechts zu sein. Den internationalen Gaunern vom Schlage Manolescus, der sich selbst so gern den Fürsten der Diebe nennt, hat sich jetzt aber eine Frau zugesellt, die dem rumänischen Hochstabler an Kühnheit kaum nachzustehen scheint. Diese Frau ist eine Ungarin. Sie gibt an Cäcilie Braun zu heißen und 29 Jahre alt zu fein. Zum Schauplatz ihrer Tätigkeit wählte sie die Stadt Mailand, wo in diesem Sommer infolge der Ausstellung ein großer Zusammenfluß von Fremden aus allen Ländern statt- findet. Sie logierte sich dort in einem der ersten Gasthöfe ein und trat elegant und sicher auf. Bald nach ihrem Kommen verschwanden in dem Hotel zahlreiche Schmuckstücke und andere Wertgegenstände. Die Diebstähle wurden so raffiniert ausgeführt, daß keine Spur von dem Täter zu finden war. Am letzten Freitag nun, so berichtet man dem „Bert. Tgbl." aus Mailand, begegnete der Besitzer de» Gasthofes der Madame Braun auf einem Flure der Hauses, wo sie nichts zu suchen haben konnte. Damit war sein Verdacht erweckt und er veranlaßte ihre Verhaftung. Die Polizei ging nun an eine Nachsuchung in ihrem Zimmer und diese förderte die erstaunlichsten Resultate zutage. Die B. besaß eine Unmenge von silbernen und goldenen Toiletten- necessaire» und ein halbes Dutzend der elegantesten Reisetaschen. Dann aber stellte sich heraus, daß sie auf geschickte Art das zur Einrichtung der Stube gehörende Sofa zu einem wahren Arsenal für ihre Beute umgewandelt hatte, indem sie es mit einem kunstfertigen doppelten Boden versah. Dort fand man eine Unmenge von Juwelen begraben, teilweise von hohem Werte. Auch mehrere goldene Medaillen mit dem Bilde des Kaisers von Oesterreich waren dabei. Angesichts dieser Feststellungen gab Madame Braun das Leugnen auf und gestand.
— (Ein Postpaket mit 110 000 Mark verlöre n.) Ein Geschäftsmann in Hannover gab bei dem Postamt I daselbst vor ca 8 Tagen ein Paket auf, das er „einschreiben" ließ und schlichtweg frankierte. Jetzt stellt es sich heraus, daß das Paket bei dem Adressaten, einer Bank, nicht eingetroffen ist. Es enthielt den Betrag von 110 000 Mk. in Papiergeld und Wertpapieren. Alle Nachforschungen sind bisher vergeblich gewesen. Dem Absender wird nur der für verlorene Einschreibpakete übliche Betrag von 42 Mk. zurückerstattet.
— Paris, 8. September. Der bekannte Tourist Pont, der gestern, von einigen Freunden begleitet, den Pic deS- Cspagnoles bestieg, wurde auf der Spitze vom Schwindel erfaßt, stürzte in die Tiefe, wo man die grauenvoll verstümmelte Leiche vorfand.
— Morlaix (D«p. Finistsre), 8. September. Ein Wagen, in welchem sich eine 43jährige Gutsbesitzersfrau und ihre zwei Kinder befanden, stürzte von der die Eisenbahn um 30 Meter überragenden Bellecbrücke auf das Eisenbahngeleise herab. Alle Insassen sind tot.
— Bovalina (Provinz Reggio di Calabria), 8. September. Auf dem hiesigen Bahnhof wurden bei einem Zusammenstoß zweier Güterzüge 20 Personen verletzt, darunter 4 schwer.
— Stans (am Stanssrhorn), 7. September. In der Krachenfluth ist gestern abend der Techniker Julius Haase aus Dresden tödlich verunglückt. Er stürzte ab, als er eben an einem an sich ungefährlichen Wege den Abstieg versuchte.
— Warschau, 7. September. Im Jnvolidenstift Kalwarya bei Warschau wurden sieben der Insassen des Stifts von einem tobsüchtigen alten Mann mit der Axt getötet.
Eetzte Nachrichten.
Petersburg, 9. September. In Siedlce begannen gestern abend Revolutionäre auf verschiedenen Straßen auf militärische Schutzwachen zu schießen. Alle Häuser, aus denen gefeuert wurde, wurden von den Truppen beschossen. Den ganzen Sonntag wurden die Ruhestörungen fortgesetzt. Ueber 40 Personen sind tot, viele wurden verwundet. Un. bestätigte Gerüchte sprechen von einem Pogrom und Plünderungen. ___________
Metz, 9. September. Beiden Manövern des 16. Armeekorps explodierte im Gelände in der Protze eines Geschütze» vom Feldartillerie-Regiment» Nr. 33 eine Manöverkarlusche. Mehrere Artilleristen und Pferde find verletzt, darunter ein Mann schwer.
In Riga wurden durch eine Bombe drei Schutzleute ermordet, in Warschau ein Polizeibeamter erschossen, auf dem Boden der Hauptsynagoge in Kertsch durch Explosion einer Bombe eine Person getötet, eine andere verwundet.
Unruhen in China.
London, 9. September. Dem Reuterschen Bureau wird aus Schanghai gemeldet: Nach dem Brief eines Missionars aus Sopingfu in der Provinz Schansi vom 18. August hat eine starke Boxerbande die Ort - schaftTsoyunhsien überfallen. Die Missionare und die christlichen Eingeborenen flohen in das Amtsgebäude, um Schutz zu suchen, sie wurden aber von den Boxern verfolgt, welche die Behörden durch Bedrohungen einschüch« terten und die Herrschaft über die Stadt an sich rissen. Ein d e u t s ch e r L e u t n a n t, der die Gegend bereist, traf zufällig in der Stadt ein und sammelte eine kleine Zahl chinesischer Soldaten um sich, mit denen er die Boxer überwältigte. Der Anführer der Boxer und elf Mitglieder der Bande fielen, 42 wurden gefangen genommen, der Rest zersprengt. Nachher traf ein chinesischer General mit einer größeren Truppenmacht ein. Die Missionare sind in Sicherheit.
Wettervoraussage des Wetterdienstes der Landwirt- schaftsschnle zu Weilburg für Dienstag, den 11. September.
Schwache nördliche Winde, vielfach heiter, trocken, Temperatur nicht erheblich geändert.