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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 104.
Donnerstag, den K^September
1906.
Amtlicher teil
Hersfeld, den 1. September 1906. Im Monat August 1906 sind diesseits den nachbenannten
Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdschein« r
1. entgeltliches 15 Mk.):
Königlichen Gymnasial-Oberlehrer Professor Dr.
am
2/8. dem
7/8.
8/8.
10/8.
14/8.
14/8.
18/8.
22/8.
24/8.
24/8.
24/8.
Stamm hier, Maschinisten Karl Rauch in Widdershausen, Bergwerks-Direktor Koch in Philippsthal, Domänenpächier Rabe von Pappenheim zu Wilhelmshof, mit Gültigkeit vom 24/8. 1906 ab, Kaufmann Wilhelm Gies in Hersseld, Gastwirt Georg Bock in Heimboldshausen, Kaufmann Adam Wiegand in Röhrigshöfe,
24/8.
25/8.
27/8.
27/8.
27/8.
28/8.
28/8.
28/8.
28/8.
31/8.
31/8.
31/8.
31/8.
17/8.
17/8.
20/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
23/8.
25/8.
25/8.
25/8.
25/8.
25/8.
27/8.
27/8.
30/8.
Bierbrauereibesitzer Jean Steinweg in Hersfeld, Landwirt Georg Schmidt I. in Wölfershausen, Küfer Johannes Opfer in Holzheim, Bierbrauereigeschäftsführer. Friedrich Steinweg Hersfeld, Oberleutnant Naendrup in Hersfeld,
I. 3281 (Kreisblatt Nr. 61), Bekämpfung des Zigeunerunwesens betreffend, bringe ich zur Kenntnis, daß mit Rücksicht darauf, daß im Bezirks des Oberlandesgerichts Cassel den Polizeibehörden in den Landgemeinden bei dem Mangel besonderer Polizeigefängniffe allgemein das Milbe» Nutzungsrecht an den gerichtlichen Gefängnissen zusieht, gegen die Ausnahme sestgenommener Zigeuner als Polizeigesangene in diese Gefängnisse, soweit daselbst Raum hierzu vorhanden ist, nichts zu erinnern ist.
Besondere Zellen dagegen können den Außengemein- den nicht zur Verfügung gestellt werden.
l. 6976. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
in
Leutnant von < Landwirt Karl
Gorrissen in Hersfeld, [ Hoßbach zu Hof Weißenborn,
stud. med. Wilhelm Becker in Hersfeld, Gastwirt Adam Ruch in Widdershausen, Gastwirt Ludwig Eydt in Niederjossa, Auszüger Heinrich Stollberg daselbst, Gastwirt Jakob Nuhn in Niederaula, Ober-Postsekretär Fritz Gies in Hersfeld, Oberkellner Franz Meister in Hersfeld, Obergärtner Heinrich Schneider in Hersfeld, Bergwerks-Direktor Ludwig Willing in Heringen, mit Gültigkeit vom 7/9. ab, Apotheker Ludwig Becker in Hersfeld, mit Gültigkeit vom 3/9. ab.
2. unentgeltliche: Königlichen Hegemeister Langerhans in Holzheim, „ Forstaufseher Göbel in Niederaula,
städtischen Hilfsjäger Heinrich Hinke in Hersseld, Königlichen Oberförster Caesar in Hersfeld,
Hegemeister Gute zu Forsthaus Sorga,
„ „ Christ zu Forsthaus Wüst-
feld,
„ Förster Andreas zu Wippershain,
„ „ Schaake in Unterhaun,
„ „ Mainz in Kerspenhausen,
„ Hilfsförster Drusche! in Rotensee,
„ Forstaufseher Kötzschke in Hersfeld,
Forstschutzgehilfen Diel in Landershausen, Königlichen Förster Sippel in Mecklar,
„ Buchmann in Obergeis,
„ Schnepp daselbst, Forstaufseher Rühr in Aua, Förster Breitenstein in Friedewald,
„ Curth daselbst,
„ Klotz zu ForsthauS Stöckig, Forstausseher Schuppelius in Aua.
Der Königliche Landrat.
J. V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 1. September 1906.
Im Anschlüsse an meine Verfügung vom 21. Mai d. J.
Hersseld, den 31. August 1906.
Unter dem Schweinebestande des Mühlenbesitzers August Mohr zu Völkershain, Kreis Homberg. ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 7005. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 3. September 1906.
Unter den Schweinen des Ackermanns Heinrich Fey in Ransbach ist die Rollaufseuche ausgebrochen.
l. 7025. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 3. September 1906.
Die unter dem Schweinebestande des August Pfaff zu Obergeis ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen.
I 7023. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
Her neue Hirektar her Kutschen Web VewaltW.
Am Montag Abend meldete der Telegraph, daß der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, den man wegen seiner staatsmännischen Tüchtigkeit vor wenigen Monaten mit der Leitung des Kolonialamtes betraut hatte, um seinen Abschied gebeten habe, und daß der Direktor der Darmstädter Bank, Herr Bernhard Dernburg, zu seinem Nachfolger ausersehen sei. Diese Nachricht wird jetzt von allen Seiten bestätigt,
und man hat Ursache, sich darüber zu freuen, denn es ist offenbar klug, einen Kaufmann ersten Ranges, ein kaufmännisches Genie an die Spitze der deutschen Kolonial« Unternehmungen zu stellen. Es ist die« sicher ein überraschender Entschluß, der aber der Weisheit des Kaisers Wilhelm und dem Scharfblicke des Reichskanzlers alle Ehre macht, denn sie erkannten, wo der Fehler in der bisherigen Kolonialverwaltung lag und sannen auf ein ganz neues Mittel zur Abhilfe. Darum wählten sie für die Leitung des Kolonialwesens einen Mann von ganz außerordentlichem Scharfblick und größten Erfahrungen auf dem Gebiete des geschäftlichen und finanziellen Lebens, denn der Direktor Dernburg gilt in dieser Hinsicht als ein kaufmännisches Genie. Er hat schon als Direktor der Treuhand-Gesellschaft in Berlin bei dem großen Krach in den Hypothekenbanken genialen Scharfblick gezeigt und eine Gesundung trostloser Zustände herbeigeführt. Und an die Spitze der Darmstädter Bank, die inzwischen Großbank im besten Sinne des Wortes geworden, berufen, hat Dernburg ebenfalls geniale und erfolgreiche Arbeit vollbracht. Direktor Dernburg gilt als ein Mann, der mit großem Scharfblick und eiserner Faust verfahrene Zustände und verwickelte Schwierigkeiten zu beseitigen weiß. Auch ist es ihm vom patriotischen Standpunkte aus sehr hoch anzurechnen, daß er auf seine große, glänzend dotierte Stellung als Direktor der Darmstädter Bank verzichtet, um das schwierige, mit verhältnismäßig kleinem Gehalt dotierte Amt eines Direktors des deutschen Kolonialamtes zu übernehmen. Ein Mann, der so zu handeln versteht, besitzt Vaterlandsliebe und edlen Charakter in hohem Maße. Das deutsche Volk und besonders die deutsche Kaufmannschaft können sich also darüber freuen, einen bewährten praktischen Kaufmann an der Spitze des Kolonialamtes und unter den ersten Mitarbeitern des Reichskanzlers zu sehen. Freilich ist es noch eine ganz offene Frage, ob Direktor Dernburg mit dem dornenvollen Amte der Kolonialverwaltung auch Glück und Erfolge hat, denn er wird mit dem ganzen bisherigen Systeme brechen müssen und man weiß noch nicht, ob und wie es ihm gelingen wird. Aber zu einem Radikalmittel hat man in den maßgebenden Kreisen bei der Besetzung des Kolonialamtes entschieden gegriffen, und man darf gute Hoffnungen haben. Auch muß man daran erinnert werden, daß die Gründer und Leiter der großen englischen Kolonien ursprünglich keine Beamten und Offiziere, sondern Kaufleute waren. Ist doch auch die Englisch-Ostindische HandelS- Kompagnie, wie früher Englisch-Jndien hieß, aus den denk» bar schwierigsten und hoffnungslosesten Zuständen im Jahre 1750 durch den Mut und die Tüchtigkeit des Kaufmannes Robert Clive vor dem Untergang gerettet worden. Geniale und mutige Vertreter der Kaufmannsstandes haben sich also auf dem Gebiete der kolonialen Unternehmungen schon glänzend bewährt, und wir hoffen dies auch von dem neuen Direktor des deutschen Kolonialamtes sagen zu können.
Jas Wettrennen.
Humoreske von Curt vom Walde.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Der General gab seinem Pferde die Sporen und galoppierte dem Leutnant von Storchheim entgegen, der sofort die „Kesch" bestieg und sich von Generals bewundern ließ. Leutnant Bergers Sieg verblaßte und die Sportsleute sprachen nur noch von dem Mexikaner.
Berger war der offizielle Sieger und Exzellenz selbst bat ihn, Adrienne zur Tafel zu führen, während von Storchheim die Frau General geleiten durste. Beide Gegner suchten nun nach ihrer Art zu operieren und das Eisen zu schmieden, während es noch warm war.
Das Festmahl war vorzüglich, und echter Champnager floß in Strömen neben den Weinen des Rheins und der Gironde. Eben intonierte das Orchester den „Feuerzauber aus der Walküre," als Berger sich mit einer Erklärung an die Dame seines Herzens wandte und genau zu erfahren begehrte, ob er ernste Hoffnung aus AdriennenS Hand habe.
„Ach", sagte er, „ein Feuerzauber liegt darin, hier an Ihrer Seite sitzen zu Dürfen, verehrtes Fräulein Adrienne!"
„Gefällt Ihnen der Platz so gut?" frug sie strahlend.
„So, daß ich für ewig den Platz an Ihrer Linken einnehmen möchte."
„Phrasen! Nichts als schöne Phrasen!" gab sie jetzt kühl zurück.
„O, Adrienne, wie grausam! Fühlen Sie denn nicht, wie ich Sie liebe, verehre, andere?" flüsterte jetzt Berger und feine Lippen bebten.
„Still! Herr Leutnant, man beobachtet uns I" sagte sie jetzt leise, warf aber aus ihren sonnigen Augen Berger einen so innigen Blick zu, daß dieser wie ein HimmelSstrahl in sein Herz schoß und ihm verkündete, daß seine edle, heiße Liebe Gegenliebe fand.
Leutnant Oskar Berger war jetzt überglücklich und sein ganzes Wesen schien unverändert.
„Oskar, beruhigen Sie sich, niemand darf jetzt etwas merken," klang es leise flüsternd jetzt wieder an sein Ohr. — Berger konnte sich kaum noch in seiner Herzensfreude beherrschen.
Hatte nicht Adrienne eben ,Oskar' gesagt? O Gott, wie schön das aus ihrem Munde klang! Er nahm sich ein Herz und preßte leise ihre kleine Hand ein wenig. Er fühlte einen Gegendruck, er hätte laut jubeln können, statt dessen griff er zum Champagnerkelch und stieß mit ihr an. Er begann dann wieder:
„Adrienne, erlauben Sie, daß ich bei Ihrem Papa um Ihre kleine, süße Hand bitte?"
Sie nickte schelmisch und flüsterte hinter der Serviette hervor:
„Ja, ja! Aber beherrschen Sie sich; sehen Sie, Rüstow beobachtet uns schon eine Viertelstunde lang."
„Die Regimentskla....." flüsterte Berger und schwieg erschrocken.
„Sagen Sie es nur heraus, Oskar. Klatsche! Rüstow ist ein seltsamer Patron, alles will er wissen, alles beklatschen. Selbst Papa kennt ihn von dieser unvorteilhaften Seite." Und nun ruhig, ruhig; nachher wird ein Spaziergang gemacht, da können wir weiter reden.
„Mein Glück kann ich kaum verbergen, Adrienne!"
„Lernen Sie es! Damit Sie, wie ein braves Kind, ganz ruhig sind, will ich Ihnen verraten, daß mein Herz allein Ihnen gehört und gehört hat, seitdem ich Sie kenne. Sind Sie befriedigt?"
„O, Du Engel!" rief Berger leise.
„Aber nun bist Du auch hübsch still, nicht wahr?" flüsterte sie.
„Alles, was Du verlangst!" beteuerte er.
„Inzwischen neigte sich das Diner seinem Ende zu und die Bankettgesellschaft lustwandelte beim Klänge verschiedener Musikstücke auf der blühenden Haide umher. Der General war im höchsten Maße animiert und flüsterte seiner Gemahlin zu:
„Was sagst Du zu Storchheim, Cäcilie? Alter Adel süperber Reiter! So müßte unser Schwiegersohn aussehen!"
„Ja, ja, seine Vorzüge sind nicht zu verkennen. Möchte nur erfahren, wie Adrienne darüber denkt."
Die Frau General flüsterte dann etwas Adriennen zu. Diese aber schüttelte das Köpfchen und stampfte mit den Stiefelchen den Erdboden.
Als sie mit Oskar wieder zusammentraf, meinte sie:
„Lieber Oskar, Sie müssen vorsichtig beim Papa operieren. Er ist in Storchheim vernarrt, der Ihnen durch seinen letzten Coup den Sieg entrissen. In Papas Augen, verstehen Sie wohl, nicht in den meinigen, haben Sie einen großen Fehler; Sie sind — nicht — adelig!"
Berger wurde blaß und blickte Adriennen wehmütig an.
„Verzagen Sie deshalb aber nicht, mein Herz gehört Ihnen, Oskar!"
„Und was wird's aus Storchheims Werbung?"
„Ich lehne sie ab!"
„Bravo, so will ich den Schlag wohl parieren!"
Sie flüsterten noch lange zusammen, bis man nach der Stadt zurückfuhr.
* *
*
Am anderen Tage las man in der ersten Zeitung der Residenz einen Bericht über das Wettrennen, der also schloß:
„Dann übernahm Leutnant Bergers Schimmelhengst ,Schade' die Führung und gewann als der erste den Ehrenpreis von 5000 Mark und einen von der Residenz gestifteten Silberbecher. — Später aber ereignete sich ein Zwischenfall, wie er bei solcher Gelegenheit sich nicht allzu oft wiederholen dürste; Leutnant Bergers .Schade' hatte zur Durchmessung der Bahn ^Va Minuten gebraucht. Jetzt durcheilte Leutnant von Storchheims mexikanischer Henst .Ghascla' die ganze Bahn infolge einer Extrawette in drei und einer halben Minute. Sein Besitzer war durch einen neckischen Zufall an der Teilnahme beim ersten und den folgenden Rennen behindert gewesen."
Dieser „neckische Zufall" wurde viel besprochen, mehr aber noch infolge dieser Notiz belacht. Aber in sehr geschickter Weise schwächte Oskar Berger diesen Bericht durch eine andere Notiz desselben Blattes ab, in der es hieß:
„Wohltätigkeitsbericht. Von Herrn Leutnant OSkar Berger