Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. vq
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 Psg. Reklamen die Zeile 25 psg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.ns^^sns
herssel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 102.
Sonnabend, den 1. September
1906.
Bestellungen aus das
Bersfelder Kreisblatt
werden für den Monat
September
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher Ceil
Unter Bezugnahme auf meine Bekanntmachung vom 27. v. MlS. — A. II. 6555 — (abgebrudt in Nr, 32 des Amtsblatts vom 8. d. Mt».), bringe ich hiermit zur öffent lichen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch Erlaß vom 14. ds. MtS. III. B. 3. 761 M. d. ö. A. „ 'H7S000 M. d. I iUt ^""'°ichnung von Kraft- fahrzeugen für den Regierungsbezirk Merseburg die weiteren Nummern 3001—3500 überwiesen haben. (A. II. 6688 )
Cassel, am 14. August 1906.
Der Regierungs-Präsident.
3- V.: gez. M e j e r.
HerSield, den 23 Auguff 1906. Wird veröffentlicht.
I. 6766 Der Königliche Landrot.
I. SB.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 30. August 1906.
Ein dem Landwirt Johannes Reinhard in Hilmes gehöriger Ochse ist an Milzbrand verendet. I. 6939. Der Königliche Landrat.
I. SB.: Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Saatenstand um die Mitte des Monates August 1906 im Kreise Hersfeld.
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I d 3646 M. d. I. —)
Fruchtarten
Durchschnittsnoten für den Staat Reg'-B-z.
Wasser
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
■INI 1 05 1 |.O|
1^2U3UI4UI5
Winterweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer . . Kartoffeln . Klee . . . Luzerne. . Wiesen: Brwäfferung«.
Andere König
2,3
2,4
2,2
2.6
2,7
2,4
2,2
2,7
25
2,3
2,2
2,7
iche«
2,1
2,4
2.8
2,5
2 4
2,1
2,8
1.9 2,0 ,
1.9 2,0
latistifche
0 2
1
1
4 3
1
6
1
4
5
s Bureau.
2 1
1
5 ;
3 2 1
1
1
2
Dr. 8 I
n
k.
nichtamtlicher Ceil.
Politischer Wochenbericht.
Heller Freudenglanz ging während der veifloffenen Woche vom deutschen Kaiserthron aus und überstrahlte unser Vaterland in allen seinen Gauen und Stämmen. Der erstgeborene Sohn des Kronprinzen empfing unter Teilnahme bet Mitglieder des Kaiserhauses und einer glänzenden Versammlung von Fürstlichkeiten und Vertretern aller Staaten Europa» das heilige Sakrament der Taufe 6» wurden ihm die Namen Wilhelm Friedrich Franz Josef Christian Olaf beigelegt. Au» Millionen und Abermillionen treuer Untertanenherzen stiegen für den hohen Täufling Gebete zum Herrn der Heerscharen empor, daß er den künftigen Lenker der Geschicke Deutschlands in seine gnädige Obhut nehmen und ihm eine fegentoode Leben», und Laufbahn bescheren möge. Diesen Wünschen schließen auch mir und voller Inbrunst an.
Der Katholikentag in Essen hat, wie immer die allgemeinen Katholikenversammlungen, einen äußerst glänzenden Verlauf genommen und der Welt von neuem ein imposantes Bild der im katholischen Lager herrschenden Einigkeit geboten. Von dieser Einigkeit könnte der Protestantismus zweifellos manches lernen. Sehr sympathisch berührten auf dem Essener Tage die von verschiedenen Seiten, insbesondere auch von dem Kölner Kardinalerzbischof Fischer, angeschlagenen warmen Friedenstöne gegenüber den Evangelischen. Hier liegt in der Tat eine der Hauptaufgaben unserer Zeit.
Wohin am letzten Ende jene gottentfremdete, rein im Diesseits wurzelnde Gesinnung führt, das haben die letzten Mordtaten in Rußland, vor allem das Attentat aus den Ministerpräsidenten Stolypin, wieder einmal in wahrhaft grausiger Weise bargetan. Von Gottes unsichtbarer Hand beschützt, entging der Ministerpräsident dem ihm zugedachten Schicksal, aber zahlreiche unschuldige Personen fielen der Zerstörungswut elender Bombenwerfer zum Opfer. Es wäre vergeblich, auch nur nach einem Fünkchen Sinn und Verstand in diesem Verbrechen zu suchen. Kaum jemals wohl hat Rußland einen besseren Mann an seinem politischen Steuerruder gesehen als gegenwärtig. Die ganze Amtsführung Stolypins hat bisher bewiesen, daß er ein entschiedener Freund besonnener Reformen und des gesetzmäßigen Fortschrittes ist. Ein Russe, der gegen ihn die lösliche Bombe schleudert, versündigt sich daher an seinem Vaterlande.
Im europäischen Orient gärt eS wieder einmal an allen Ecken und Enden. Zwar hat der Zwischen« fall zwischen Rußland und Bulgarien eine schnelle Erledigung im gütlichen Sinne gefunden, dafür erscheint der Konflikt zwischen Bulgarien und der Türkei desto schärfer zugespitzt. Auf die von der Türkei wegen der griechenfeindlichen Ausschreitungen in dem zu Offrumelien gehörigen Orte Anchi- aloS erhobenen Beschwerden hat die bulgarische Regierung eine geharnischte Note nach Konstantinopel gerichtet, in der sie der Pforte das Recht abspricht, sich in die innern Angelegenheiten Bulgariens zu mischen. ES kann nicht geleugnet werden, daß der Ton dieser Kundgebung sehr herausfordernd klingt und den Anschein erweckt, als suche Bulgarien einen Streit vom Zaune zu brechen. Demgegenüber hat die Pforte bisher eine anerkennenswerte Mäßigung an den Tag gelegt und es steht zu hoffen, daß er dieser Mäßigung gelingen wird, auch weiterhin den Frieden zu bewahren, zumal der bulgarische Tatendrang gegen die Türkei von Frankreich nach Beilegung der DjanetstreileS schwerlich eine Aufmunterung erhalten dürste.
Auf Kuba ist eine Revolution auSgebrochen, die g-ößers Dimensionen anzunehmen droht. Die Leitung des Auf- standes dürfte auf der nahe bei Kuba gelegenen Insel Jsla de Pinor (Fichteninsel) zu suchen sein, wo sich viele DankeeS angesiedelt haben. Im übrigen ist die Lage noch zu un» geklärt, als daß sie irgend ein gesichertes Urteil ermöglichte. Jedenfalls stellt der nach so kurzer FreiheitSepoche aus. gebrochene Ausstand eine Entlastung und Rechtfertigung der Spanier dar, deren angeblicher Mißwirtschaft von der öffentlichen Meinung die früheren kubanischen Revolutionen zugeschrieben wurden; das Revolulionsmachen scheint den Kubanern vielmehr im Blute zu liegen.
5um 2. September.
Tag des SiegeS ohnegleichen,
Tag des höchsten Jubel« voll,
Steigt empor ihr Flammeszeichen,
Eines Volke» Opfrizoll,
Baum der Freiheit, Baum der Einheit,
Breite schützend dein Geäst,
Wahre de» Triumphe« Reinheit,
Weihe un« da« Sedanfest!
so fang Ernst Scherender», so singt jeder wahre Vaterland«- freund, und so werden noch die kommenden Geschlechter fingen, bei der Wiederkehr diese« großen, ewig unvergeß. lichen Tage«. Ja, ewig unvergeßlich wird der Tag von Sedan fortleben in der Geschichte unserer deutschen Vaterlandes; fiel doch hier der entscheidende Schlag, welcher einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte einleitete und die neue Machtstellung des durch unfern greifen Heldenkönig Wilhelm I. geeinigten und zum Siege geführten Deutschlands dauernd begründete.
Als es heute vor 36 Jahren zum letzten verzweifelten Ringen kam, konnte trotz des Opfers vieler Tausende da» Gebäude des Bonapartismus, da» scheinbar vorzüglich war, nicht mehr behauptet werden. Aus den Feldern von Seban zerschellte der französische Leichtsinn an der deutschen Kern- Hasligkeit. Mit kalter Berechnung wurde hier der französischen Armee da« Netz geworfen. Zug um Zug wurde sie hiaeingewiesea; kunstgerecht wurde sie von dem Soldaten au« dem vieiverspottete« Volke der Denker, der da» Schwert Siegfried» schwang, vernichtet, und ehe noch die goldene
Abendsonne unter den Gesichtskreis sank, war das Trauer, spiel, wie es die Weltgeschichte kaum jemals vorher großartiger geboten hatte, ausgespielt.
Aus tiefer Schmach und Schande, aus Nacht und Bruderzwist ist ein Reich der Macht und des Glanzes erstanden, ein einiges und starkes Deutsches Reich, und wenn wir uns jährlich auf« neue rüsten, um den 2. September festlich zu begehen, so leitet uns dabei nicht das geringste feindselige Gefühl gegen unsern westlichen Nachbarn. Kein Mensch denkt in Deutschland bei der Feier des Sedantages daran, Frankreich herauszufordern ober auch nur irgenlwelche Spitze gegen die dritte Republik zu richten; .im Gegenteil wünschen wir alle auf das lebhafteste, ein gutes nachbarliches Verhältnis zu den Franzosen zu erhalten, und die fortgesetzten Bemühungen unserer amtlichen Kreise zur Erreichung dieses Zieles entsprechen durchaus den Empfindungen die das teutsche Volk Frankreich gegenüber hegt. Was uns zur Sebanfeier veranlaßt, ist lediglich der vor» bildliche Wert, den eine solche Rückschau auf dem Gebiete der vaterländischen Erziehung und der Ausbildung und Pflege der patriotischen Tugenden hat.
Es tut wahrlich bitter not, uns in die ruhmreichen Tage unserer nationalen Wiedergeburt zu versenke», den nationalen Pflichtgedanken zu vertiefen und der Heranwachsenden Jugend die Tugenden hingebender Vaterlandsliebe und patriotischer Aufopferungsfähigkeit einzuimpfen. Geht doch ein böser vateriandsseinvlicher Geist in den deutschen Landen um, ein Geist der Aufruhrs und des Haffes wider alle Autorität, her neuerdings sogar eine planmäßige Wühlerei unter unserm jungen Nachwuchs entfachen will, um diesen zur Disziplinlosigkeit und Robot- mäßigkeit in militärischen Dingen zu erziehen und dadurch das feste Gefüge unseres Heere«, des ruhmreichen Bollwerks unserer nationalen Einheit zu lockern.
Hnjtrt eoMtn in MvMrik«.
Hauptmann Bayer im Großen Generalstobe, bis vor kurzem im Generalstabe unserer Schutztrupps in Südwest- afrika, hat soeben eine ausgezeichnete Schrift über den Krieg in Südwestafrika und feine Bedeutung für die Entwicklung der Kolonie veröffentlicht. Aus dem hochinteressanten Inhalt fei hier ein Abschnitt wiedergegeben, der die Stellung der Offiziere zu den Mannschaften beleuchtet:
Ich möchte hier — so sagt Hauptmann Bayer — auf eine Frage eingehen, die oft an mich gestellt wird, nämlich ob ich auf Grund meiner afrikanischen Erfahrungen als ein Gegner des Drills und der straffen militärischen Erziehung unserer FriedenSauSbildung aus Afrika heimgekehrt fei. Es wird vielleicht manchem wunderlich klingen, wenn ich sage: Nein, im Gegenteil — und das klingt noch erstaunlicher, wenn man weiß, wie wenig wir in Südwest auf alles Parade- mäßige, auf äußere Formen usw. Wert legen konnten. Wir Offiziere haben ja doch drüben in Afrika mit unseren Mannschaften am selben Feuer gesessen, mit ihnen aus demselben Kochtopf unseren Reis gegessen, mit ihnen alle Strapazen und Entbehrungen, Hunger und Durst geteilt, im Lagerleben die gleichen Arbeiten verrichtet wie sie. Unser Pferd trug schließlich nicht mehr als das der Mannschaften, Handpferde waren selten zu finden. Hatten also die Mannschaften nichts mehr, stand es bei uns Offizieren ganz ebenso. Jeder von uns hat Wasser geholt, Holz gesucht, Kraale gebaut, Pferde getränkt, ja auch auf Posten haben wir Offiziere stehen müssen.
Einer Nacht muß ich dabei gedenken. Er war noch vor dem Gefecht am Warterberg. Das Hauptquartier war auf dem Marsche ohne besondere Bedeckung. Wir hielten in dichtem Busche. Die Möglichkeit eines Ueber fall» lag nahe, und er mußten, da e« an Mannschaften fehlte, wie schon so häufig, die Offiziere mit auf PoLen ziehen. Ich hatte ‘bie Nummer von zwei bis drei Uhr nachts. Dann ging ich, um meine A -ö>o»g zu wecken. Der Betreffende lag in ein paar Decken eingehüllt unter einem Baume. Ich weckte ihn, wie man das eben so macht und sagte: .Exzellenz, es ist Zeit zum Posteostehen." Darauf stand Generalleutnant von T-otha, der wie wir alle vollständig bekleidet und mit bet Waffe dicht neben sich dagelegen hatte, vom Boden aus, nahm baS Gewehr unter den Arm und übernahm das Pofienstehen im östlichen Teile des Lager«. Eine Stunde später kam der Chef des Stabes, Oberstleutnant von Beaulieu. an die Reihe, dann Major Quade, der erste Generalstadsoffizier, und inzwischen war e» Zeit geworden, die Pferde zu satteln und weiter zu marschieren.
Nicht einen einzelnen besonderen Fall, nicht eine Anek- dote habe ich erzählt, sondern etwas UeblichcS Der Offizier wurde während der Dauer des Kriege« als .Gewehr" ge» rechnet und mußte im Felde überall mit zufaffen. Wir haben es gern getan, da mit sahen, es war nötig und ich glaube, wer von Südwest zurückkommt, wird mit Freuden von dem herzlich-kameradschaftlichen VethälluiS sprechen, da« unter dem Einfluß beS Feldledru» bei unserer Truppe zwischen Reiter und Vorgesetzten entstand. Dir Grenze zwischen Offizier und Mann verwischt sich unter solchen Um-