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hersfelder Kreisblatt
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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 101.
Donnerstag, den 30. August
1906.
Amtlicher Ceil.
Hersseld, den 24. August 1906.
Noch einem Erlasse des Herrn Ministers des Innern vom 1. Jun» 1899, II. 1636, soll es hinsichtlich der Behandlung und Kontrolle, sowie der alljährlichen Abschiebung der ausländisch-polnischen Saisonarbeiter beim Abschluffe der ÄrbeitSsaison bei den die Regelung dieses Gegenstandes betreffenden besonderen Vorschriften verbleiben. Dieser Regelung liegt zur Zeit der Runderlaß vom 4. September 1899 — II 7327 — zu Grunde, nach dessen Ausführungen zu D, E unb F Absatz 4 es die Ausgabe der Polizeibehörden ist, darüber zu wachen,
1. daß die ohne gehörige Legitimation ins Inland kommenden Arbeiter der genannten Kategorie wieder zurückge- schoben werden,
2. daß die Arbeiter nach Schluß der Saison das Inland verlassen,
3. daß die Arbeiter, welche aus anderen Bezirken nach Ausgabe ihres dortigen ArbeitSverhältnisseS zuwandern, sich nicht festsitzen. Sofern zur Durchführung dieser Maßnahmen ein formelles Ausweisungsverfahren erforderlich ist, bedarf es nach den Bestimmungen des eingangs erwähnten Erlasses vom 1. Juni 1899 hierzu nicht der Zustimmung des Regierungspräsidenten.
In den oben angeführten Fällen zu Nr. 1 und 2 ist durch Ministerial-Erlaß vom 21. Februar d. J. den Ortspolizeibehörden die selbstständige AuSweisungS, Befugnis eingeräumt worden, da sowohl bei der Zurückschiebung ungenügend legitimierter Arbeiter, als auch bei der Abschiebung der Arbeiter nach Schluß der Saison (20. Dezember) die die Ausweisung bedingenden tatsächlichen Verhältnisse im allgemeinen ohne jede Schwierigkeit sestzu- stellen sind. In d-n Fällen unter Nr. 3 ist die Ausweisung dagegen von hier aus zu verfügen. Von jeder Zuwanderung fremdländischer Arbeiter aus anderen Bezirken nach Aufgabe ihres dortigen ArbeitSverhältnisseS ist mir seitens der Ortspolizeibehörden des Kreises zwecks deren Ausweisung, unter Vorlage der Personalpopiere ungesäumt Anzeige zu erstatten.
J. I. 2517. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 27. August 1906.
Infolge Versetzung des Königlichen Hegemeisters Weege in Hersseld aus der Königlichen Oberförsterei HerSseld- WipperShain in die Königliche Obersörsterei Hersseld ist der demselben in meiner Verfügung vom 28. September 1901 I. I. Nr. 5392 (Kretsblatt Nr. 117) erteile Auftrag zur aushülssweisen Mitwirkung bei Ausübung des Jagdschutzes in bin Jagdbezirken Roßbach, Kohlhausen, BingarteS und Unterhaun incl.desUnterhauner JnteressentenwaldeS erloschen.
Es wird deshalb/ebenfalls infolgeMtellenwechselS in
Sie Glichdiebe.
(Lustige Pennälergeschichte von August Heinz.) (Nachdruck verboten.) (Schluß.)
Ein Donner — zu war die Kommode, verschlossen, und der Zettel flog in Wilders Rocktasche. Im Nu waren beide Schelme unten, hatten ihren Kaffee heruntergegossen und spornstreichs das Gymnasium erreicht. Die tiefe Ruhe, die sie vor ihrer Klassentür umfing, kündete ihnen an, daß Herr Wamper schon längst seinen Einzug gehalten hatte. Wie zwei reuige Sünder, die sich verraten und verkauft sahen, traten sie ein, von halb lautem Lachen der Klasse empfangen. Dann schlichen sie sich zum Katheder und entschuldigten sich wegen ihrer Verspätung. Der Herr Oberlehrer blickte sie finster an, sodaß beiden das Blut zum Kopse drang. Daraus hielt er ihnen eine keineswegs scherzhafte Standpauke und schrieb sie zum Schluß wegen Unordlichkeit ins Klassenbuch ein.
Gleich zu Anfang des Unterrichts wurde Wilder mit der Repetitionsaufgabe bedacht. Der erste Teil, den er übergeschrieben hatte, fiel zur allgemeinen Zufriedenheit aus ; doch dann kam das dicke Ende, das im „goldenen" Schweigen bestand.
Wamper räusperte sich und lies zum Zeichen seines Un= willens durch die Klasse, daß sie dröhnte. Dann trat er zu dem furchtsamen Jüngling, und der Hauch seines schweren Atems drang diesem ins Gesicht.
„Sieh mich an! Wo warst du gestern Abend . . .?
Wie vom Schlage getroffen, stand Wilder da, und seine Kniee zitterten. Seine Farbe wechselte sich. Ebenso erging es Strips, der seine Röte hinter des Vordermanns breitem Buckel verbarg.
Schnell sammelte sich Wilder, und mit verstellter, fester Stimme flunkerte er:
„Ich war zu Hanse."
„Und warum lernst du nichts du Faulpelz?" donnerte ihn Wamper au, „da soll doch gleich ein Kanonenrohr reinfahren zu solch einer Trägheit und Bummelei. Schämst du dich
Abänderung meiner vorbezeichneten Verfügung mit der aus» hülfsweisen Ausübung des Jagdschutzes bis auf Weiteres beauftragt:
1. bet Königliche Förster Schaake in Unterbaun bezüglich der Jagdbezirke Unterhaun einschließlich des UnterhaunerJnteressentenwaldeS, Bingartes, Kohlhausen, Roßbach und
2. d er Königliche Förster Mainz in fier s« penhausen bezüglich der Jagdbezirke Oberhaun, einschließlich des Oberhauner JnteressentenwaldeS, Hil- verhaufen, Roßbach und Kerspenhausen.
I. 6834. Der Königliche Landrat.
J. V. :
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersseld, den 27. August 1906.
Die unter dem Schweinebestande des Maurermeisters Robert Wölbing in Hersfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 6823. Der Königliche Landrat.
3 V.:
Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.
Hersfeld, den 24. August 1906.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Valentin Wittich zu Asbach ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 6786. Der Königliche Landrat.
J. V.:
Trott zu Solz,
Regierungs-Referendar.
nichtamtlicher teil.
N Lrimllage.
Die Lage im europäischen Orient hatte sich in der letzten Woche stark verdüstert; sie beginnt jetzt, wenn auch nicht aus allen Punkten, sich wieder aufzuhellen. Der bulgarisch- russische Zwischensall, den der auswärtige Minister des Fürsten Ferdinand, General Petrow, durch Verletzung völkerrechtlicher Höflichkeitsformen hervorgerufen hatte, ist beigelegt und mehr noch fällt ins Gewicht, daß durch gütliche Erledigung des Streites um den Besitz der Oase Djanet im Hinterlands von Tripolis die Türkei ihre Beziehungen zu Frankreich erheblich verbessert hat. Auch daß König Georg von Griechenland seine aus politischen Rücksichten verschobene Badereise nach Aix-les-Bains nunmehr angetreten hat, wird von der griechischen Regierung selbst als ein Beweis dafür ausgegeben, daß unmittelbare ernstere Nachwirkungen der jüngsten griechenseindlichen Treibereien Bulgariens nicht mehr zu besorgen sind, wie nicht minder dafür, daß die Gereiztheit zwischen Griechenland und den
nicht, so unvorbereitet zur Schule zu kommen? Sitzen bleibst du, das hast du davon, unb morgen geht ein Brief an deinen Vater ab, daß er dich wegnehmen und Steineklopfer werden lassen soll. Solche Lümmel dulden wir hier nicht.
Das zündete, zumal die Worte mit solchem Nachdruck gesprochen waren. Zudem war noch ein Fünkchen Ehrgefühl in Wilders Brust, der eigentlich nur auf Antrieb seines Freundes zum Dicbstahl gestern Abend verleitet worden war, „und seine Tränen fließen, wie's Büchlein auf der Wiesen." Doch als er sein Taschentuch herauszog, fiel ihm plötzlich der Gänse- zettel auf die Bank.
Der Herr Oberlehrer erkannte sofort das kleine Papierchen mit seinem roten Druck. —
„Ha! Was ist das!" rief er ausgeregt, und noch ehe Wilder danach griff, war der Zettel in Wampers Fingern.
„Eduard Waldhaus, Delikateßgeschäft 8Va Pfd. Gänsebraten, 5,20 Mk! — Was heißt das?"
Ein brausendes Gelächter erscholl.
Doch schnell faßte sich Wilder.
„Habe meiner Mutter zum Geburtstag gestern eine Gans geschickt, davon stammt der Zettel."
„So? DaS ist ja nett! Nicht wahr, eine billige Gans, die nichts kostet."
Da wurde es Wilder furchtbar zu Mute. Doch er ließ sich nichts anmerken, und sagte kühn:
„O doch, über fünf Mark kostete sie."
Wamper mußte schon das Fehlen der Gans am Fenster bemerkt haben, benn er wurde mit einem Male rot vor Zorn unb Erregung und hob drohend den Arm in die Höhe. Da — ein langes „Ach . . .1" erscholl durch die Klasse; gleich daraus erfolgte ein Hinsalle» eines schweren Körpers — Strips war in „Ohnmacht" gefallen . . .
„Was ist los!" rief Wamper, bleich vor Schrecken, und der Zettel fiel ihm ans der Hand. Dann lief er auf Strips zu, der den Anfall gut zu spielen begann, denn er lag unter der Bank mit verschlossenen Augen unb offenem Munde. Mit Hilfe seiner Nachbarn wurde er aus seiner Lage befreit und vorsichtig emporgehoben.
„Bringt ihn nach Hause!" sagte Wamper ängstlich, dachte
vier kretenfischen Schutzmächten wegen einer Neuordnung der Verhältnisse auf der Minos-Jnsel milderen Stimmungen gewichen ist.
Diesen lichteren Ausblicken der Orientlage stehen aber noch tiefe Schatten gegenüber. In Serbien find weder die inneren Verhältnisse noch die auswärtigen Beziehungen fest geregelt. Das eigentliche Fragezeichen der nächsten Entwickelung auf dem Balkan liegt jedoch in einer neuen Spannung zwischen der Türkei und Bulgarien.
Seit General Petrow Minister des Aeußeren in Sofia ist, hat sich die Tonart der bulgarischen Diplomatie gegen die Pforte beständig verschärft. In allerletzter Zeit sollen die Beschwerden der Türkei wegen der griechenfeindlichen Ausschreitungen in dem zu Ostrumelien gehörigen Orte Anchialos so mißachtend behandelt worden sein, daß man sich in Konstantinopel fragt, ob Bulgarien einen Streit vom Zaun brechen will. Bewegungen bulgarischer Truppen an der türkischen Grenze haben Aussehen erregt, und wer eine friedliche Weiterbehandlung der mazedonischen Frage wünscht, muß froh sein, daß die Pforte der Versuchung, auch ihrerseits die militärische Bereitschaft in Mazedonien durch Heranziehung von Reserven zu verstärken, bisher widerstanden hat. Eigenartig berührt es auch, daß der alte Nalschewitsch, der in den letzten Jahren als Vertrauensmann Bulgariens am goldenen Horn ausgleichend gewirkt hat, beim Beginn einer neuen Krisis seine Entlassung genommen hat und nicht zum Ausharren auf dem gerade jetzt bedeutungsvollen Posten in Konstantinopel zu bewegen ist.
Fürst Ferdinand befindet sich inzwischen zur Kur in Marienbad in Böhmen und soll dort täglich mit König Eduard von England zusammen gesehen werden. Kein Zweifel, daß der britische Monarch auf die Entschließung des Fürsten großen Einfluß ausüben kann. Wir hoffen, die Ereignisse werden beweisen, daß 'dies in ehut für-die Erhaltung des Friedens günst'g-n Sinne geschieht. Von Frankreich dürfte na# her Beilegung des DjanetstreiteS der bulgarische Tatendrang gegen die Türkei keine Aufmunterung erhallen.
In W in M’Blo Wo.
Ueber den Fortgang der Operationen liegen folgende Meldungen vor:
Nachdem Hauptmann Bech am 18. August eine starke Abteilung Hottentotten bei Noibis südlich der Nareob» Berge geschlagen hatte, setzte er mit feiner Abteilung, bestehend aus 1., 8., 9. Kompagnie 2. FeldregimentS und 7. Batterie, die Verfolgung ununterbrochen fort. Er stellte den Gegner am 22. August bei Aos am Bok-Revrer in den östlichen Ausläufern der Gr. Karas-Berge und warf ihn aus starker Stellung; die Verfolgung wird fortgesetzt Die Verluste des Feindes sind noch nicht zu übersetzen. Unserseits wurde ein Reiter schwer und einer leicht verwundet.
er doch an die schlimmen Eigenschaften eines Ohnmachtanfalles, die dieser haben konnte. Sofort sprang Wilder, der sein Weinen in verbissenes Lachen verkehren mußte, von seinem Platze fort, hob unbemerkt den Zettel aus und geleitete triumphierend mit noch einem anderen Schüler den „Todkranken" nach Hause, hatte er doch das meiste Recht auf seinen Stuben- genoffen. Ja, todkrank, bis man um die Ecke der Anstalt war und das Auge des Herrn Oberlehrers die drei nicht mehr sehen konnte. Dann besaß Strips wieder soviel Kraft, allein zu gehen, zum größte» Gaudium der beiden andern. Lachend bedankte sich Wilder bei seinem Freunde für den wunderbaren Einfall.
Als die drei nun das Wohnhaus betraten, kam ihnen die Pensionsmutter aufgeregt entgegen. — Ein neuer „Ohnmachtsanfall !"
„Was ist los? Himmel! Was fehlt dir denn, Kurt Strips?"
„Er ist ohnmächtig geworden," erklärte Wilder mit erzwungenem Ernste und biß sich dann auf die Zunge, um nicht herauSzulachen. Doch Strips nrachte das elendeste Gesicht von der Welt.
„Großer Gott! Gleich ins Bett!" stöhnte die Hausfrau, und dann schleiften vier Personen den „Kranken" in sein Zimmer, das glücklicherweise unten im ersten Stock sich befand. Der eine Begleiter mußte Wamper die Botschaft bringen, daß der OhnmachtSanfall nicht viel zu sagen habe und Strips sich im gewärmten Bette befände. Wilder blieb bei ihm.
Unter der Pflege der Pensionsmutter kam Strips allmählich die „Besinnung" zurück, sodaß die Frau alle Gefahr ver- schwunden sah und sich wieder an ihre häusliche Beschäftigung wagen durfte. Darauf hatten die beiden Gauner nur gewartet. Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, so verriegelten sie es, zogen die Kommode auf, nahmen die Gans heraus, zerrissen den Bindfaden, an dem sie hing, und steckten den verführerischen Zettel wieder in die Gänsebrust, nach dem sie zuvor das 8h 2 Psd. in 5Vs Pfd., und die 5,20 M. in 3,20 M. verwandelt hatten.
Dann mußte Wilder aus Strips Vorschlag und unter dem Vorwande, für den „Kranken" Apselsinen zu holen, einen Hut