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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 93. Donnerstag, den 16. August , 1906.

Amtlicher Ceil.

Verordnung.

Auf Grund des § 3 des Wildschongesetzes vom 14. Juli 1904 wird die Eröffnung der Jagd auf Reb­hühner u n d W a ch t e l n für den Kreis Grafschaft Schaum- burg auf Montag, den 20. August d. Js., für alle übrigen Kreise des Regierungsbezirks Cassel auf

Freitag, den 24. August d. Js. festgesetzt.

Cassel, den 2. August 1906.

(S.) Namens des Bezirksausschusses.

Der Vorsitzende.

(L. 8.) In Vertretung, gez. P i u t t i.

* 1 *

*

Abschrift teile ich zur gefälligen Kenntnisnahnie und weiteren Veröffentlichung ergebenst mit.

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses.

In Vertretung. P i u t r i.

An die Herren Landräte des Bezirks, die Königlichen Polizei- Direktionen hier, Fulda und Hanau a/M. * * Hersfeld, den 13. August 1906.

Wird veröffentlicht.

1. 6487. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

e Berlin, den 14. Juli 1906.

Nach der allgemeinen Verfügung vom 25. Oktober 1882 (Just. Min. Bl. S. 325) sind Gefangene, deren Entlassung aus dem Gefängnisse wegen Geisteskrankheit zu erfolgen hat, regelmäßig der Polizeibehörde des Entlassungsorts zu über­weisen. Diese Vorschrift ist auch auf diejenigen epileptisch veranlagten Gefangenen anzuwenden, welche nachgerichtärztlichem Gutachten die ihnen zur Last gelegten Straftaten in einem die strafrechtliche Verantwortlichkeit nach § 51 des Strafgesetz­buches ausschließenden epileptischen Dämmerzustände begangen haben und bei denen nach jenem Gutachten krankhafte Stör­ungen der Geistestätigkeit vorliegen, die im Hinblick auf die Art der im Dämmerzustände verübten Handlungen und die naheliegende Gefahr der Wiederkehr ähnlicher Handlungen die Gemeingesährlichkeit dieser Personen bedingen.

Die Tatsache, daß diese Personen in dem für die Ent­scheidung maßgebenden Zeitpunkte keine Krankheitssymptome auf physischem Gebiet aufweisen, schließt die Anwendung der gedachten Vorschrift nicht aus.

Aus dieser vom Herrn Justizminister getroffenen Anord­nung folgt aber nicht ohne weiteres, daß die hier in Frage kommenden epileptisch veranlagten Strafgefangenen ausnahmslos den Vorschriften des Runderlasses vom 25. Januar 1887

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel. (Fortsetzung.)

Plötzlich aber wurde es stiller drüben auf dem Biwak­platze. Das Musikkorps trat zusammen und stimmte den Choral an: Nun danket alle Gott. Jeder Laut war bei den ersten Tönen des Liedes verstummt. Die Soldaten schoben die Abendmahlzeit beiseite, die müden Krieger erhoben sich, zogen ihre Mützen, und nun umstanden sie alle in andächtigen Gruppen die flackernden Wachtfeuer. Der Mond, der eben aufgegangen war, goß über dieses ergreifende Bild seine zauber- haste Beleuchtung. Inge stand mit gefalteten Händen am Fenster. Weit vorgebeugt lehnte sie hinaus, mit jedem Nerv und jedem Herzschlage den packenden Eindruck in sich aus­nehmend. Sie wußte es gar nicht, daß Träne auf Träne dabei über ihre Wangen rollte, und war sich gar nicht klar darüber, wie heiß der Dank gegen Gott aus ihrem Herzen empoisticg für das Wort des Arztes, das sie eben vernommen hatte,keine Gefahr."

Die Abreise des Obersten von Wildenfels war, selbst mit Benutzung eines Wagens statt der Bahn, zur Unmöglichkeit geworden, denn noch am Abend des 13. hatten österreichische Bataillone die hessischen Vorposten bei Goldbach abgelöst, und ain 14. traf der Rest dieser Brigade in Aschaffenburg ein und nahm Gefechtsstellung östlich der Stadt.

General von Goeben konzentrierte seine Division am Morgen des 14. zum weiteren Vormarsch auf Aschaffenburg. Dicht hinter Goldbach am Nebergang der Chaussee über die Aschaff traf die Brigade Wrangel schon auf den Feind, der die bebuschten Ufer des Baches besetzt hielt. Der Uebergang wurde genommen, und die Brigade rückte in der Richtung nach der Aumühle weiter vor. Es gelang, die dort gelegene Bergkuppe zu besetzen, um, von da aus weiter vorgehend, durch flankierendes Setter eine Batterie nach der anderen zu nehmen.

Unterdessen war auf dem linken Flügel der Brigade

II. 608 betreffend die Verwahrung der aus den Gefäng­nissen entlassenden geisteskranken Gefangenen Tsiehe Kreisülätt. Nr. 20 d. I. 1887) zu unterwerfen sind. Es bleibt viel­mehr den Polizeibehörde ' überlassen, in den einzelnen Fällen je nach Lage der Umft »e über die erforderlich erscheinenden Maßnahmen selbsiWKg entscheiden. (II a. 4547.)

Der Minqier des Innern.

I. B. gez.: von Bischosfshausen.

* *

Hersfeld, den 13. August 1906.

Die Ortspolizeibehörden werden angewiesen, in Zukunft nach diesen Anordnungen zu verfahren.

I. 6481. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersseld, den 13. August 1906.

Unter dem Schweinebestande bet Witwe Oswald Stein Hauer zu Wüstfeld ist die RotlaufseuLe ausgebrochen. I. Nr. 6497. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Referendar.

Hersfeld, den 13. August 1906.

Unter dem Schweinebestande der August Pfaff zu Ober­geis ist die Rotlaufseuche ausgebrochen.

1. Nr. 6505. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz,

Regierungs-Referendar.

nichtamtlicher Ceil.

Air KM-tHlWn RmrWtMW.

Die Betrachtungen, die der am 16. d. M. stallfindenden Zusammenkunft zwischen Kaiser Wilhelm und dem König von England in Schloß Friedrichshos vorauSgeschickt werden, schießen in der deutschen wie in der Londoner Presse weit über das Ziel hinaus. Die russische, die türkische, die ägyptische, die Bagdadbahn-Frage und noch anderes find als Gegenstände der Friedrichshofer Unterredungen genannt worden. Dabei steht noch garnicht fest, ob die beiden Herr? scher bei einem Zusammentreffen im Verwandtenkreise, wo nicht einmal der eine Gast des andern, sondern beide Gäste der Schloßherrin von Friedrichshos, der jüngsten Schwester unseres Kaisers, Prinzessin Margarethe von Hessen, find, überhaupt stch mit politischen Dingen näher besassen wollen. Von Kaiser Wilhelm glauben wir zu wissen, daß er an

Kummer nach heftigem Kampfe die Wegnahme der Fasanerie gelungen, und der General führte persönlich sein Infanterie- Regiment Nr. 53 durch die vom Feinde noch besetzten Vor­städte zum Sturm aus den Eingang der inneren Stadt. Der Angriff gelang vollkommen und wurde noch dadurch unter­stützt, daß die Brigade Wrangel auf ihrer ganzen Front zum Angriff vorging. Der Bahnhof, den österreichische Jäger aus das tapferste verteidigten, wurde erstürmt, und auch von dieser Seite drangen nunmehr die Truppen der Brigade Wrangel in die Stadt.

Aschaffenburg war somit in der Hand der Preußen. Gene­ral von Goeben folgte den Feinden nicht, sondern ordnete in Aschaffenburg einen Ruhetag an. Den Truppen war das zu gönnen, denn die Division hatte in sieben Tagen etwa zwan­zig Meilen ohne Ruhetag zurückgelegt, das Röhn- und Spes- sartgebirge überschritten und dabei drei siegreiche Gefechte ge­liefert.

In der Villa des Fabrikherrn Wacker übernahm Inge als etwas Selbstverständliches von früh bis spät die Pflege der Verwundeten. Der Oberst war damit nicht nur einverstanden, sondern schlug auch energisch jeden Einwand des Hausherrn nieder, der befürchtete, daß die Anstrengung über die Kräfte der jungen Dame gehen könnte.

Wozu sind denn die Frauenzimmer da, wenn sie solche Dienste nicht leisten sollten?" schnitt Wildensels die Bemerkung des sorglichen Wirtes ab.Untertaxieren Sie mir die Inge nicht," fuhr er stolz fort,das ist kein bleichsüchtiges Mond­scheingespenst, sondern das Mädchen ist wie eine Damaszener- Klinge, echter Stahl, der bricht nicht so leicht."

Und Inge machte dem Lobe ihres Onkels Ehre. Sie war rastlos tätig und schien keine Ermüdung zu kennen. Doch war dies wohl nicht allein ihrer elastischen Natur zuzuschreiben, sondern mehr noch ihrer gehobenen Stimmung, die sie gleich­sam aus Flügeln über die Anstrengungen Hinwegtrug. Ganz erfüllt von dem Glücke, wiederholt ain Tage mit dem ge liebten Manne zusammensein zu können, versank für sie jede körperliche Anspannung in ein wesenloses Nichts.

Werbach hatte die Schwäche, die der starke Blutverlust verursacht hatte, leidlich überwunden und war heute außer

diesem Tage es durchaus vM den Wünschen seines Onkels -iilibns^mtrarerr'^srb, auf welche Gegenstände stch die Unterhaltung, falls es zu einem Gespräch unter vier Augen kommt, beziehen soll. Auch wenn aber König Eduard poli­tische Fragen anschneiden sollte, müßten beide Monarchen geradezu Hexenmeister sein, um während eines Beisammen­seins von wenigen Stunden alle die Ausgaben zu erledigen, die ihnen der Uebereifer englischer und deutscher ZeilungS- Politiker gestellt hat.

Man lasse stch doch an der einfachen Tatsache genügen, daß die Herrscher von Deutschland und Großbritannien ihre persönlichen Beziehungen in verwandtschaftlichem und freund­schaftlichem Geiste erneuern. Politische Wandlungen können sich an dieses kurze Wiedersehen nicht knüpfen und werden auch in den maßgebenden Kreisen, namentlich auf deutscher Seite, nicht erwartet.

Es heißt übrigens, daß ohne Zusammenhang mit der Friedrichshofer Monarchenbegegnung Sir Charles Hardinge, Unterstaatssekretär im Londoner Auswärtigen Amt, früher britischer Botschafter in St. Petersburg, während der nächsten Tage durch Homburg v. d. H. reist und Gelegen­heit zu einer Unterredung mit einem deutschen Staatsmanne finden möchte. Sollte ein dahingehender Wunsch bei König Eduard bestehen, so würde sich, da der Staatssekretär des Auswärtigen Amts v Tschirschki in der Nähe des Kaisers weilt, ein Zusammentreffen in Homburg mit dem britischen Unterstaatssekretär leicht ermöglichen lassen.

Ae Krieltzchttze in Hchllcku.

Noch dauern in Mazedonien die gegenseitigen Abschlach- lereien zwischen bulgarischen/ ferörfcher- und griechischen Banden fort, noch tobt in dieser türkischen Provinz der Nationalitätenkampf zwischen Serben, Griechen, Kutzo- wallachen und Bulgaren fort und nun ist auch in dem benachbarten Bulgarien eine ernste Rassenbewegung ous- gebrochen. Schon seit etwa zwei Wochen waren aus Bul­garien Berichte über blutige Ausschreitungen gegen die griechische Btvölkerung einer ganzen Reihe von Orten zu verzeichnen, jetzt haben nun diese antigriechischen Exzesse auf bulgarischem Boden offenbar ihren Höhepunkt erreicht durch die Vorgänge in der meist von Griechen bewohnten Stadt Anchialos oder Anchialo an der türkischen Grenze. Sie wurden von den bulgarischen Landbewohnern der Um­gegend, mit denen sich der bulgarische Pöbel von Anchialo vereinigte, angegriffen, wobei es zu einem grimmigen Kampfe mit den sich erbittert verteidigenden Griechen kam; es fall in dem Kampfe zahlreiche Tote und Verwundete gegeben haben. Zugleich zündeten die bulgarischen Banden die Stadt an verschiedenen Punkten an, infolgedessen sie fast gänzlich eingeäschert wurde; der griechische Bischof Wassilios kam in den Flammen um. Aus Burgas requi­riertes Militär machte schließlich den Mordbrennereien und

Bett. Im bequemen Lehnstuhl am Fenster sitzend, blickte er wiederholt nach der Uhr, ungeduldig der Zeit entgegenharrend, wo die junge Gräfin zu ihm zu kommen pflegte. Dies Zu­sammensein mit ihr bildete nicht nur den Lichtpunkt seiner Tage, sondern er fühlte, wie diese Stunden ihre Herzen immer fester und unauflöslicher verbanden. Wäre nicht der Krieg gewesen und er selbst nochein Krüppel", wie er sich nannte, so hätte er längst gesprochen, um von Inges Lippen sich eine Antwort zu holen, die er schon längst in ihren Augen ge­lesen zu haben meinte. Wie lange war's her, daß er sie kennen gelernt hatte, daß er sie liebte? Beides fiel ja in eins zusammen. Er holte seinen kleinen Taschenkalender hervor und sah hinein.Dienstag, am 10. Juli war Kissingen," mur­melte er,da sah ich sie in der Lindesmühle. Und heute ist der 17., wieder ein Dienstag."

Jetzt klang auf dem Flur ein leichter Schritt, Inge trat in das Zimmer.

Endlich!" entfuhr es dem jungen Offizier.Ich klage die Zeit an, sie handelt ungerecht!" erklärte er lachend.Sie fliegt mit Windeseile davon, solange Sie hier sind, Gräfin, und sobald Sie den Rücken kehren, begnügt sie sich mit der Schneckenpost!"

»Wenn es den Kranken anfängt, besser zu gehen, dann werden sie ungeduldig," neckte Inge.

Ja, wissen Sie denn nicht, daß ich aus Ihr Kommen so sehnsüchtig warte, wie das Kind auf den Weihnachtsbaum", rief er in verhaltener Erregung. Aber sich rasch zusammen- nehmend, fügte er ruhiger hinzu:Ich habe mich durch meine Ungeduld um den Morgengruß von Ihnen gebracht. Seien Sie lieb! strafen Sie mich nicht, geben Sie mir die Hand und sagen Sie mir ein gutes Wort." i

Snge war an ihn herangetreten und hatte ihm die Hand gereicht, die er ehrfurchtsvoll küßte. Sie stand so, daß er ihr nicht in das Gesicht sehen konnte, er hörte nur, daß ihre Stimme etwas unsicher klang, als sie sagte:Ich freue mich von Herzen, daß ich Sie schon im Lehnstuhle sitzend finde."

Ob ihr wohl auch das Herz klopfte, so wie ihm?

Heute ist es gerade eine Woche her, daß wir uns zuerst