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Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 93. Sonnabend, den 11. Ängnst 1906.

W Die heutige Nummer umfaßt

8 Seiten.

Erft-s Statt.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 7. August 1906.

Der zum stellvertretenden GutSvoisieher der GulSdeziikS Hof Engelbach besirllle Verwalter CaA Mayer zu Hof Engel­bach ist als solcher von mir widerruflich bestätigt und heule eidlich verpflichtet worden.

A. 3008. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, RegierungS-Referendar.

HerSfeld, den 9. August 1906.

Unter den Schweinen des Landwirts Valentin Wittich zu Asbach ist die Rotlaufseuche auSgebrochen. I. 6417. Der Königliche Landrat.

I V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

Zum 16. Oktober ds. I«. können noch junge Leute im Alter zwischen 17 und 20 Jahren in Unteroffizier- schulen eingestellt werden.

Ebenso können junge Leute, die bis zum 15. Oktober ds. Js. 15 Jahre alt werden, körperlich gut entwickelt sind und eine gute Schulbildung besitzen, vorzugsweise zur Ein« stellung in die U nt e r o s s iz i e r v or s ch u le n im Ok­tober ds. Js. Berücksichtigung finden.

Die näheren Bestimmungen können beim Bszirksseldwcbel eingesehen werden.

Meldungen haben alsbald zu erfolgen. Hersfeld, den 6. August 1906.

Königliches Bezirks-Kommando.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In die verflossene Woche fiel ein allerdings wenig rühm- voller Gedenktag in der deutschenGeschtchte. Denn ein 6. August war eS, an dem vor hundert Jahren Kaiser Franz II. den Titel eines Kaisers des heiligen römischen Reiches deutscher Ration niederlegte, und der damit das Ende brächte eines Reiches, das fast auf ein Jahrtausend ruhmvollen Bestehens zurückblickte. Viele GS schlechter wechselten auf dem Kaiserthrone des Reiches, dem erst Napoleons I. einzigartige europäische Machtstellung den Zerfall brächte. Die Länder des von ihm gegründeten Rhein­bundes hatten sich losgesagt vom Reiche, und auf dem Regensburger Reichstage hatte Napoleon erklären lassen, daß er ein Deutsches Reich nicht mehr anerkenne. Daher legte Kaiser Franz, der nicht mehr einen Titel führen wollte, dem jede innere Berechtigung fehlte, die deutsche Kaiserkrone nieder und nannte fich fortan nur Erbkaiser von Oester­reich, Wenn wir heute zurückblicken auf jene Zeie tiefster deutscher Erniedrigung, so dürfen wir indessen nicht ver­gessen, daß gerade ste dazu beitrug, die geschichtliche Ent Wickelung in die Bahnen zu lenken, denen wir später die Schaffung der neuen deutschen Einheit verdankten. Freilich zwei Menschenalter mußten dahin gehen, ehe Deutschland wieder mit einem Kaiser an der Spitze ein politischer Macht- faktor wurde. Aber die Wiedergeburt des einigen Deutsch­lands schuf ein Deutsches Reich aus deutscher Kraft, und deshalb werden mir heute dem rühmlosen Zerfall des alten römischen Reiche« deutscher Nation kaum noch eine Träne nachweinen. ,

Die vergangene Woche ist arm gewesen an politischen Ereignissen, und daher ist es einigermaßen begreiflich, wenn ein Teil der Presse sich so eifrig mit angeblichen Mißstünden in unserer Kolonialverwal- t u n g beschäftigte, wobei zugleich von der Regierung die Ver. öffentlichung des einschlägigen Materials verlangt wurde. Eine solche Veröffentlichung während der Dauer der Unter­suchungen wäre aber nickt nur etwa« ganz Ungewöhnliche«, sondern etwa« absolut Ungehörige«, da in ihr leicht eine Beeinflussung der Richter gefunden werden könnte. E« ist nicht der mindeste Grund vorhanden, warum dieOeffent- lichkeit" nicht bis zu den Gerichtsverhandlungen warten kann. Die vorzeitigen verwirrenden Veröffentlichungen in einem Teile der Presse kann man bedauern, aber nicht ver­hindern. Daß aber die Regierung diesen Unfug mitmachen soll, ist ein geradezu hochsommerliches Verlangen. Von

der Absicht, durch eine durch die Umstände gebotene Zurück- Hrltung irgend etwa« zuvertuschen", kann gar keine Rede sein, nachdem in allen zur Kenntnis der Regierung gelangten Fällen.der vorgeschriebene Instanzenweg beschulten worden ist.

Vom Auslande ist es besonders Rußland, das von sich reden machte. Namentlich verdient eine Meldung her­vorgehoben zu werden, derzufolge die Arbeitergruppe und die sozialdemokratische Fraktion der aufgelösten Duma einen Aufruf an die Armee und die Flotte veröffentlicht hab.n, in dem zum Kampfe gegen die Regierung aufgefordert wird, die durch eine Verständigung mit Oesterreich und Deutsch­land über eine eventuelle Einmischung sich des Landesver­rats schuldig gemacht habe." Diese Meldung wirst ein helles Licht auf die Absichten, die mit der Verbreitung der Lüge von der geplanten Einmischung in die innern Ange­legenheiten Rußlands verfolgt werden.

Eine Folge, dieses Aufrufs waren denn auch die jüngsten Meutereien in der russischen Armee und Marine; denn in ihm wird die Regierung als eine un­gesetzliche bezeichnet und zum tätigen Widerstände gegen sie ausgesordert. Die Soldaten und Seeleute sollten Rußland von einer Regierung befreien, die das Land verraten habe, da, durch sie veranlaßt, j-tzt deutsche Truppen bereit ständen, die zu ihrer Verteidigung einrücken würden. Für die mora, lische Qualität früherer Duma-Abgeordneten ist es wieder einmal recht bezeichnend, daß sie mit den gröbsten Lügen operieren, wenn sie sich davon Nutzen versprechen.

Der schweizerischeBundesrat geht gegenüber ausländischen Revolutionären mit fester Entschlossenheit vor und weist jeden Ausländer aus, welcher sich entweder der antimilitartstifchen Propaganda oder der Verhetzung schul­dig macht. Die Ausweisungen erfolgen auf Grund des Art. 70 der Bundesverfassung, welcher dem Bundesrat das absolute Recht verleiht, die Revolutionäre ohne gerichtliche Kognition aus dem einfachen Notrecht des Staates heraus aus der Eidgenossenschaft auszuweisen. Ein Rekursrecht an die Bundesversammlung oder eine andere obere Instanz ist unzulässig, so daß hier der Bund sich in einer völlig geroaltfreien Sphäre bewegt. An einem einzigen Tage sind fünf italienische Anarchisten und Sozialdemokraten ausge wiesen worden, und viele Komplizen, welche selbst zur Ueber­zeugung kommen, daß ihnen dasselbe Los beschieden sei, drücken sich in der Regel frühzeitig genug, sonst würde sich die Zahl der Ausweisungen verdoppeln. ES darf daher erwartet werden, daß die Schweiz nicht mehr als beliebter Unterschlupf für verbrecherische revolutionäre Anschläge aus- ersehen wird.

Französische Stnitonnp.

Seit langer Zeit ist Frankreichs auswärtige Politik nicht wie gegenwärtig von einem ungewissen Tatendrang beherrscht gewesen. Wir sagen ungewiß, weil diese Rührig­keit doch nicht den Entschluß zu einer ernsten politischen Unternehmung zeitigt, sondern sich mit mancherlei Anläufen begnügt. In denjenigen französischen Kreisen, die das Ein­vernehmen mit England als ihr Werk betrachten, wächst die Ungeduld, greifbare Erfolge der neuen, als so vorteilhaft angkpriesenen Verbindung ausweisen zu können, und auch die Pariser Regierung kann sich dieser Stimmung nicht ganz entziehen. Denn eine kleine aber tätige Gruppe kolo­nialer Politiker ist unbefriedigt und in ihrer Presse ertönt immer weniger schüchtern der Vorwurf, die gegenwärtigen Machthaber seien nicht fähig, die durch Englands Freund­schaft und Rußlands Lähmung geschaffene Gunst der Eng­länder für die Vergrößerung des überseeischen Frankreich auszunutzen.

In diesem Zusammenhang muß der jüngste französisch- türkische Zwischenfall betrachtet werden, der durch die von beiden Seiten ausgegangene Geltendmachung eines Besitz- rechteS an der Oase Djanet im Hinterlands von Tripolis hervorgerufen worden ist. Die Frage, wer bei den letzten Flaggenhissungen mehr im Recht ist, mag streitig fein. Ein unparteiischer Beurteiler wird nicht vergessen, daß auch die Türkei, seitdem sie sich von dem russischen Druck befreit fühlt, in allen Grenzfragen schärfer als sonst austritt. Dagegen müssen wir es uns entschieden verbitten, wenn auch bei dem Streit um Djanet wieder Deutschland als Popanz herhalten soll, nur um damit in England, nament­lich aber in Italien die Aufmerksamkeit von weitergehenden französischen Bestrebungen abgelenkt wird. Wir stehen den Besitzveränderungen im Hinterlands von Tripolis ohne un­mittelbares Interesse gegenüber. Italien aber mag auf* passen, daß nicht bei der Schneidigkeit, die in verdächtigen Ratschlägen der französischen Politik gegen die Pforte em­pfohlen wird, etwas von den Zusagen abbröckelt, die man in Rom gerade mit Beziehung aus tripolitanische Hoffnungen aus Paris eingeheimst zu haben glaubt. Im übrigen wird durch den Zwischenfall von Djanet der Weltfriede nicht ge­stört werden. Der Minister des Aeußeren Bourgeois will zunächst mit dem türkischen Botschafter Mumir Pascha die rechtliche Seile der Frage studieren.

Auch innerhalb Europas gibt Frankreich, mit dem Rücken an England gelehnt, neue Zeichen eines alten, nur zeit­weilig zurückgedrängten Ehrgeizes. Während der bekannt­lich von Herrn Rsvoil, dem Vertreter der Republik auf der Konferenz in AlgeciraS, ^geführten Handelsvertragsver­handlungen mit der Schweiz war viel von zollpolitischen Plänen Deutschlands die Rede, denen Frankreich und die Schweiz vereint begegnen müßten. Jetzt weist der in Kraft tretende neue Handelsvertrag beider Länder Bestim­mungen auf, die gegen deutsche Interessen wirken könnten. Sollten solche Wirkungen beträchtlich hervortreten, so dürfte Herr Rsvoil bald merken, daß er die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat, und zwar ohne den schweizerischen wie ohne den deutschen. Denn einem handelspolitischen An­schluß an Frankreich mit deutsch-feindlicher Spitze stellen sich schwerwiegende Interessen der Schweiz selbst in den Weg.

Auf gleiche Hindernisse stößt das französische Siebes« werben auch in Belgien und den Nieverlanden. Die Vor­liebe für französisches Wesen ist zwar in beiden Staaten nicht geringer geworden, und ihre Presse, namentlich die belgische, unterliegt in steigendem Maße französischen wie auch britischen Einflüssen. In praktischen Fragen aber will man in Brüssel wie im Haag der scheinbar so wohl­wollenden Bevormundung durch die Westmächte nicht recht trauen. Ein vomTempS" veröffentlichter Artikel des französischen SenatorS LangloiS, worin Belgien und die Niederlande zum wirtschaftlichen und militärischen Zu­sammenschluß ermähnt werden, findet wenig Gegenliebe. Gerade aus holländischen Militärkreisen ist vor kurzem der Gedanke, den sicherest Rückhalt. den die Neutralität der Niederlande an Deutschland hat, durch Andänveleien mit Belgien zu schwächen, sehr bestimmt zurückgewiesen worden.

Str Wnil in Ituisch-Fiiöivtsl-Asrika.

Ueber die Gesundheitsverhältnisse der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika wird amtlich folgendes bekanntgegeben:

Nach den auS Südwestafrika eingetroffenen Meldungen hat sich der Krankenstand in der Schutztruppe bedeutend ver­ringert. Der Höchstbestand in diesem Jahre war im Monat Mai mit insgesamt 1388 Kranken zu verzeichnen. Hiervon entfielen aus Verwundete 39, Typhus 176, Malaria 67, an­derweitige Krankheiten 1106. Anfang August betrug der Ge- samtkrankenstand nur noch 889, also 499 Kranke weniger. Von der Gesamtsumme entfielen auf Verwundete 21, auf Typhus nur noch 91, auf Malaria 18, auf andere Krank­heiten 759. Die vorstehenden Zahlen sprechen wohl beredt für die Tatsache, daß trotz der großen Verpflegungsschwierig- keiten alle Anstrengungen gemacht werden, um den Gesund­heitszustand der Truppe zu heben. Zwar ist auch im vorigen Jahr Ende Juli und Anfang August eine Verringerung des Krankenstandes zutage getreten, aber in erheblich geringerem Maße wie in diesem Jahre: der Unterschied betrug nur 196 Köpfe. Im Norden des Schutzgebietes ist der Gefundheits- zustand dank der besseren Verbindungen und des besseren Ver­pflegungsnachschubes ein recht guter. Im Süden dagegen leidet er unter der mangelhaften Verpflegung und Unterbring­ung sowie der schwierigen Nachfuhr an Bekleidung und Wäsche, da die jetzige Beschaffenheit des Baiweges, trotz äußerster An­strengung, noch eben erlaubt, das Allernotwendigste den Truppen nachzufüheen.

Hnrnlitn in Jentsch-Lßafrika.

Berlin, 8. August. (Amtliche Meldung.) Nach einem Telegramm des Gouvernements aus Dar-s-Salam vom 8. August traf der Major Johannes am 25. Juli mit dem Hauptmann von Kleist zusammen. Er hält die Lage in Upangwa noch nicht für geklärt. Im Bezirke von Sfongea schritten die Unterwerfungen fort, letztens unter« warfen sich die drei ältesten Söhne von Schabruma. Auch aus Jraku werden Unterwerfungen gemeldet, jedoch wurden die Führer noch nickt ausgeliefert. Die 15. Kompagnie ist von Kilosso nach Ussumbura abmarschiert.

M Mut in Wand.

Angebliche AbdankungSabsichten des Zaren Nikolaus werden von englischen Blätern verbreitet, zugleich mit einem Auszugs aus einem Briefe der Zarin, worin diese die Befürchtung ausspricht. das Unglück könne hereinbrechen, ehe die Zarenfamilie Rußland zu verlassen vermöchte. Inwieweit Die Gerüchte begründet sind, das läßt sich natürlich nicht mit Bestimmtheit nachweisen, zweifellos empfindet aber der Zar das Mißliche feiner Si­tuation immer mehr. Die Bildung des neuen Ministeriums Stolybin ist noch immer nicht gelungen, da sich der geplante Eintritt liberal gesinnter Vertreter in das Kabinet zerschlagen hat. Als unbegründet werden von Petersburger offiziöser Seite die Gerüchte bezeichnet, wonach die Ernennung des Großfürsten Nikolai Rikolajewitsch zum Generalissimus der