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Herrfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 90

Sonnabend, den 4. August

1906

Amtlicher teil.

Hersseld, den 2 August 1906.

Im Monat Juli d. I«. sind diesseits den nachbenannten

Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine.

a. entgeltliche.

am 2/7. dem Techniker Richard Jordan in HerSfeld,

5/7. Gutsbesitzer Wilhelm Seybert in Lauten- Hausen,

7/7. cand. phil. Heinrich Dieterich in HerSfeld,

14/7. Rechtsanwalt Suntheim daselbst,

16/7. , Kaufmann Julius Ghrhardt daselbst,

18/7. Landmesser Rudolf Viereck daselbst,

24/7. Bohrmerster Carl Hantelmann in Herfa,

15/7. Gutspähter Fritz Steinboff in Lengertz,

27/7. Bohrmeister Gotlhils Ziegler in Hersa,

28/7. Ledersabrikanlen Chrrstian Rechberg in HerSfeld,

28/7. Landwirt Valentin Lenz in Seiershausen,

, 30/7. Kaufmann Heinrich Volkenand in Friede- wald,

30/7. Schornsteinseger Johannes Raacke daselbst,

30/7. Kassierer Emil Secherling in Frankfurt a. M., 3177. Major z. D. und Bezirkskommandeur Sieben­bürger in Hersfeld und

31/7. Rittergutsbesitzer Dr. Volbeding in Ober- lengsfeld.

b. u n e n 1 g t. i [ ich c:

4/7. Landgraflichen Hofsekretär Heinrich Claus in Philippsthal,

4/7. Königlichen Forstausseher Kranz in Kirch- heim und

* 13/7. Königlichen Förster Spörec in Meckbach.

8. Tagesjagdscheine.

7/7. Rittergutsbesitzer Schambach in Altbreiten­bach b. Berka a/W., Verwaltungsbezirk Eisenach und

9/7. Polizeisergeanten Wilhelm Vockeroth in Langendreer.

Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Reserendar.

Hersseld, den 1. August 1906.

Nach Verfügung des Herrn RegierungS-Präsidenten vom 20. Juli b. Js. A II. 5780 a, ist der Beigeordnete Kircher in Fulda zum Sachverständigen für die Prüfung von Kraft­fahrzeugen und Erteilung von Befähigungszeugniffen für deren Führer an Stelle des FabrikdirektorS Becker daselbst bestellt worden.

Der Sachverständige Kircher beansprucht an Gebühren für die Prüfung:

a eines Kraftwagens.......10. Mk. b. eines KrastwagenführerS......10. c. eines Motorfahrrades......5. d eines Motorfahrradführers ..... 5. e. für die gleichzeitigePrüfung eines Kraftwagens und dessen Führers.......15. f eines Kraftfahrrades und dessen Führer 7.50 Bei auswärtigen Prüfungen sind außerdem die wirklich verauslagten Reife- pp. Kosten zu vergüten.

Der Königliche Landrat. I. V.:

Trott zu Solz, Regierungs Referendar.

Hersfeld, den 1. August 1906.

Bei den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses über den Justizetat ist im vorigen und in diesem Jahre von ver­schiedenen Seiten darüber geklagt worden, daß bet der Ausstellung des zur Erwirkung des Armenrechts beizu- bringenden Zeugnisses von den zuständigen Behörden nicht mit der erforderlichen Vorsicht und Sorgfalt verfahren werde und daß dies nicht nur für die Gegner der zum Armen- rechte verstatteten Partei, sondern auch für die Gerichte und die Staatskasse bedauerliche Nachteile im Gefolge habe. Hiermit stimmen auch die Beobachtungen der Justizbehörden überein.

Unter Hinweis auf den mittelst Verfügung vom 24. Juni 1887, I Nr. 6549 Kreisblatt Nr. 75 ver­öffentlichten Ministerialerlaß vom 26. Mai 1887, welcher die einschlägigen Bestimmungen enthält, mache ich die Herren Ortsvorstände des Kreises besonders darauf auf­merksam, daß in jedem Falle, in dem über Erteilung eines Zeugnisses zur Erlangung des Armenrecht« zu befinden ist, vorerst eine sorgfältige Prüfung aller in Betracht kommenden Umstände stattzufinden hat, daß dabei namentlich auch die Höhe der durch die beabsichtigte Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung in dem Einzelfalle voraussichtlich

erwachsenden Kosten in Rücksicht zu ziehen ist. Dabei werden aber immer nur die Kosten einer Instanz zu be» rücksichtigen sein, da die Bewilligung des Armenrechts für jede Instanz besonders zu erfolgen hat (§ 119 Z. P. O ). I. 6227. Der Königliche Landral.

J. V.: Trott zu Solz, Regierungs-Reserendar.

Hersseld, den 30. Juli 1906.

Unter dem Schweinebeftande des Landwirts Adam Wiegand zu Ellingshausen Kreis Homberg ist die Rotlaus­seuche ausgedrochen. I. 6202. Der Königliche Landrat.

3- V.: Trott zu Solz, RegierungS-Referendar.

HerSfeld, den 1. August 1906.

Die Räude unter den Schafen des Viktor Hüter zu Den« Kreis Rotenburg ist erloschen. I. 6242. Der Königliche Landrot.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Reserendar.

Hersfeld, den 2. August 1906.

Der Landwirt Georg Altmüller in Hilperhausen ist zum Stellvertreter des Bürgermeisters daselbst ernannt worden. Seine eidliche Verpflichtung ist heute erfolgt. A. 2954. Der Königliche Landrat.

J. V.:

Trott zu Solz, Regierungs-Reserendar.

nichtamtlicher Ceil.

Politischer Wochenbericht.

In der verflossenen Woche ist die Entscheidungin H a g e n - S ch w e l m um dar parlamentarische Erbe Eugen Richters gefallen: Der Oberbürgermeister Dr. Cuno hat mit etwa dreitausend Stimmen Mehrheit den Sozialdemokratin König geschlagen und den von der Sozialdemokratie arg bedrängten Wahlkreis für die Freisinnige Volkspartei ge­rettet. Aber dieses Wahlresultat, das an sich deshalb er­freulich ist, weil das Bürgertum über die Sozialdemokratie den Sieg davon getragen hat, gibt der Freisinnigen Volks­partei nicht den geringsten Grund, sich stolz in die Brust zu werfen und zu rufen:Der Freisinn steht auf sich allein!" Denn nur dem einmütigen Zusammengehen der bürgerlichen Parteien ist der Sieg zu verdanken. Das Zentrum hat einen bemerkenswerten Beweis politischen Ver­ständnisses gegeben, da es sich nicht von Gefühlen der Rache, sondern von nüchtern politischen Erwägungen leiten liefe und danach seine Maßnahmen traf. Da« Resultat der Hagener Wahl hat aber zugleich den Beweis geliefert, daß trotz Mißstimmungen und Parteigegensätzen ein Zusammen­gehen aller bürgerlichen Parteien recht gut möglich ist, wenn es sich darum handelt, die Revolutionspartei als den ge. meinfamen Gegner der bürgerlichen Gesellschaft zu bekämpfen.

Die Meldung von der vorzeitigen Entbindung der Königin Wilhelmina der Niederlande ist in allen Kreisen Deutschlands mit lebhafter Teilnahme für die junge Herrscherin, ihren Gemahl und die niederländische Re­gierung wie für das Volk ausgenommen worden. Schlagen der jugendlichen Königin doch gerade bei uns viele Herzen voller Liebe und aufrichtiger Verehrung entgegen, verbindet die beiden Völker doch ein treues Band verwandtschaftlicher Freundschaft. Bei allem schwerem Geschick haben aber die Kinder der Niederlande immer dessen gedacht, der über den Sternen thront und bei dem kein Ding unmöglich ist, und das läßt ihnen die zuversichtliche Hoffnung nicht rauben, daß hinter den Schatten der Trübsal die Sonne der Freude nimmer ganz verschwindet.

In England haben Friedenskonferenzen getagt und sich theoretisch mit der Abrüstung beschäftigt. Aber Ironie des Schicksals in demselben Augenblicke, in dem der erste Minister die Friedensdelegierten bewill­kommnete, setzte die Regierung eine Flottenverstärkung im Parlamente durch. Wenn aber England seine Seemacht nicht verringert, sondern verstärkt, so werden die übrigen Mächte auch nicht zu solchen Abrüstungen bereit sein, und noch weniger werden sie an ihrem Landhere Abstriche machen lassen. Wie die Welt nun einmal ist, ruht die Erhaltung des Friedens aud) weit sicherer, als sie durch weichliche Ab­rüstung gesichert werden könnt-, in der Erkenntnis gereifter Völker, daß es keine verantwortungsvollere Entscheidung gibt als die über Krieg und Frieden. Diese Erkenntnis wird sich hoffentlich auch trotz der Rüstungen bei unsern

Nachbarn jenseits des Kanals stärker .erweisen, als ihre ge­legentlichen Kriegshetzereien.

In Rußland hat seit der Auflösung der Duma äußer­lich verhältnismäßige Ruhe geherrscht, und die Regierung hat inzwischen mehrere bemerkenswerte Kundgebungen er­lassen, durch die sie erklärt, daß sie fest entschlossen sei, durch Beseitigung und Aenderung der alten, ihren Zwecken nicht mehr entsprechenden Gesetze auf gesetzlichem Wege Hilfe zu schaffen, aber ebenso auch gegenüber den revo­lutionären Bestrebungen die Ordnung mit allen Mitteln aufrecht zu erhalten. Freilich hat es auch an Alarmnach­richten nicht gefehlt. Es gibt Blätter, die dem Zarentum ein baldiges Ende und ein neues Aufl suchten der Revo­lution prophezeien. Aber in diesen Prophezeiungen ist zu oft schon der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen, als daß man bereit wäre, ihnen ohne weiteres zu trauen. Auch in Hinsicht der militärischen Maßregeln hat die Re­gierung von Anfang an ganz geschickt operiert, insofern sie alles, was an zuverlässigen Truppen verfügbar war, in erster Linie auf die beiden Hauptstädte konzentrierte. Solange aber Petersburg und Moskau im festen Besitz der Zentral- gemalt sind, so lange haben alle Ausschreitungen in der Provinz nur den Charakter lokaler Verbrechen ; den Bestand des Reiches vermögen sie nicht zu gefährden.

Wörth und Spichern.

Die Augusttage versetzen die alten Krieger immer von neuem in die große Zeit zurück, die bei Weißenburg, Wörth und Spichern eingeleitet wurde. Ihr Haar ist allmählich gebleicht, denn mehr als ein volles Menschenalter liegt zwischen der Gegenwa.t und der Sircangen^jt. Doch wer an jenem 4. und 6. August mit treuer opferbereiter Hingebung mitgekämpft hat für die Ehre der deutschen Erde, für die Einheit, Freiheil und Sicherheit des bedrohten Vaterlandes, Der fühlt sich heute noch als Jüngling. Der Zahn der Zeit läßt zwar keinen unverfchonl, das alte Fleisch hält nicht mehr stand, wenn der Mann über die Schwelle der ersten fünf Jahrzehnte geschritten ist, aber der Geist bleibt frisch bei denen, welche vor sechsunddreißig Jahren in jugendlicher Begeisterung imstande waren, die Fahnen Preußens und Alldeutschlands mit unvergänglichen Lorbeeren zu schmücken und einen übermütigen, sieggewohnten Gegner niederzuwerfen.

Ihr Geist bleibt jung und mit ihm die Erinnerung an die unvergeßlichen Stunden der opferbereiten Hingebung für das teure Vaterland, der überstandenen Anstrengungen, der Mannesprüfungen im Feuer, der Freude über den errungenen Sieg. Aber nicht nur dies ist es, was die Brust der alten Krieger freudig schwellt, sondern die beseligende Gewißheit, daß sie einst Schulter an Schulter mit ihren Kameraden in dräuender Gefahr gestanden haben, durchdrungen von dem einen Gedanken, für die Ehre und Sicherheit der teuern Heimat das Beste darzubringen, die deutsche Treue zu wahren bis zum letzten Atemzüge. Die Männer, die diese Probe bestanden haben, sind in der Not bewährte Stützen unseres erlauchten Kaiserhauses. In ihrer Brust schlägt es deutsch, sie find die treuen Hüter des Ruhmes und der Machtstellung des Vaterlandes. Und wenn neue Stürme der Zeit die Grundfesten des Vaterlandes bedrohen sollten so alt sie find, und so grau der Bart ihr Antlitz beschattet, keiner von ihnen wird fehlen, sobald unser Kaiser seine Stimme an sie zur Verteidigung des heimatlichen Bodens laut werden läßt. Dann geht auch heute nochein Ruf wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Wogenprall" durch die Reihen der allen Kameraden, die freilich schon arg gelichtet sind, und genau so wie damals, als unser greifet Held Wilhelm I. durch welschen Uebermut verletzt und herausgefordert wurde, würden sie ihr Leben dahingeben zur Ehre des deutschen Namens. Mit namenloser Wonne blicken die alten Krieger zurück auf jene große Zeit, da unser Volk in beispielloser Einmütigkeit und Opserfreude dastand, wo es weder hoch noch niedrig, weder reich noch arm gab, sondern nur das eine hehre Streben: Alle für einen, einer für olle. Mit gerechtem Stolz blicken sie aus diese herrliche, von der sittlichen Größe unseres Volkes verklärte Errungenschaft und erneuern an den großen Ge­denktagen ihren Treueid zu unserem kaiserlichen Herrn.

Aber die Siegesfanfaren von Wörth und Spichern tönen alljährlich nicht nur für sie. Ihr Ruf wendet sich auch an das Ohr der jüngeren Kameraden, und darüber hinaus an das gesamte lebende Geschlecht im Deutschen Reich mit der eindringlichen Mahnung, daß auch sie der Ruhmestaten der deutschen Heere aus den vaterländischen EinigungSkriegen eingedenk bleiben und in einträglichem Zusommenstehcn über die Erhaltung des durch sie Erreichten wachen. Wohlan denn, du deutsches Volk, stähle deine Kraft in der Erinne­rung an die Größe deiner Väter!

llnrnlitn in IMMaftika.

Aus Deuts ch-Ostafrika sind folgende amtliche Meldungen eingelaufen: Nach einem Telegramm der Gou-