des ;o hoch entwickelten Verkehr» doppelt lästig empfunden. Imnerhin ist die Fahrkartensteuer wenigstens für die bloßen Ve.gnügungL- und Erholung-reisenden gewiß nicht so drückend, als dies vielfach darzutun versucht wird. War besagen denn bei einer Erholungsreise, die man ins Gebirge, ins Bad oder sonst wohin unternimmt, die wenigen Groschen Fahrsteuer, die man zahlen muß? Sie machen angesichts aller sonstigen Ausgaben einer solchen Reise wahrhaft wenig genug auS, und selbst wenn die Fahrkarten- steuer in die Mark laufen sollte — wozu aber schon die Zurücklegung einer großen Kilometerzahl erforderlich wäre — so würde sie die ReiseauSgaben für den Vergnügung-- reisenden nicht so erschrecklich vermehren. Etwa» ander» steht allerdings die Sache mit den zahlreichen Geschäfts- reisenden, die jahraus jahrein auf der Eisenbahn liegen und auf ihr nach den verschiedensten Richtungen der Wind- rose taufende von Kilometern zurücklegen. Für Leute dieser Art bedeutet die Fahrkartensteuer allerdings eine nicht unerhebliche Belastung ihrer Reisespesen, die sie selbst« verständlich nicht tragen können, sodaß die Firmeninhaber auch die Kosten der Fahrkartensteuer mit übernehmen müßten. Es ist indessen anzunehmen, daß die Geschäftsfirmen dann versuchen werden, die ihnen erwachsenden Mehrkosten infolge der Fahrkartensteuer ihrer Reisenden möglichst auf die Waren zu schlagen, nachher hätte also da- kaufende Publikum schließlich die Fahrkartensteuer der Geschäftsreisenden zu tragen. Vorerst bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Mirkußg. der neuen Steuermaßnahmen sowohl in dieser Beziehung als auch nach anoeren Richtungen hin äußern wird, wie es z. 8. der vielfach erwartete Uebergang zahlreicher Reisender, die bislang die dritte Klasse benutzten, in die vierte Wagenklaffe, und von bisherigen Passagieren der ersten resp, zweiten Wagenklaffe in die nächstfolgende Klaffe sein würde. Dagegen möchte er schon heute als einigermaßen zweifelhaft erscheinen, ob die Fahrkartensteuer auch auf die Reform der Personensahrpreise der Eisenbahnen, welche für nächste» Jahr geplant ist, von bedenklichem Einflüsse sein wird, wie man hier und da glaubt. Im großen und ganzen muß man aber doch wünschen, daß die Fahrkartensteuer nur ein Provisorium bleibe, da» vielleicht noch durch eine andere Reichssteuer zu ersetzen wäre.
Ae $irmt in Wand.
Die Schwierigkeiten der russischen Kabinettsbildung sind bisher nicht behoben, und es scheint tatsächlich dem Minister« Präsidenten Stolypin nicht gelingen zu wollen, seinem Kabinett die gewünschte Zusammensetzung zu geben. Die Männer des öffentlichen Leben», denen er Ministerporte- feuille» anbot, machen deren Annahme von der augenblicklichen Durchführung neuer liberaler Reformen abhängig, während Stolypin zunächst einmal für Ruhe und Ordnung im Reiche sorgen möchte, die wahrlich bitter not tun.
Moskau, 28. Juli Im Kreise Gori, Gouvernement Tiflis, nimmt die revolutionäre Bewegung zu. In mehreren Gemeinden mußten die Behörden ihre Aemter niederlegen. Die Bauern verweigern die Zahlung der Abgaben. Abteilungen der sogenannten „Roten Hundert' ver jagen die Ernteorb-iter von den Feldern der Gutsbesitzer. Die Bevölkerung wird mit einer besonderen Steuer zugunsten der revolutionärst Organisationen belegt. In Stadt und Kreis Nucha, Gouvernement Jelisawetpol, herrscht völlige Anarchie. Die gesamte Gegend wimmelt von Räubern, welche am hellen Tage Ueberfälle au-führen, Schutzleute entwaffnen und die Einwohner terrorisieren.
Petersburg, 28. Juli. (Petersburger Telegr.- Agentur.) Heute in der sechsten Morgenstunde entstand im Hauptapparatesaale des Telegraphenamts ein Brand, der zwar schnell gelöscht wurde, aber alle Leitungen beschädigte. Der Verkehr mit der Provinz ist ganz unterbrochen, der Kabelverkehr mit dem Auslande ist nicht gestört.
Warschau, 28. Juli. Zwischen Czenstochau und Herby an der preußischen Grenze wurde ein Bahnzug von einer Räuberbande überfallen. Zwei Generale, zwei Beamte und vier Soldaten wurden getötet und 16000 Rubel geraubt. Die Räuber enttarnen.
Warschau, 28. Juli. Auf der Warschau-Wiener Bahn wurde bei Pruszko der von Alexandrowo kommende Personenzug um 8 Uhr abends von einer bewaffneten Bande angehalten. Die Bande zählte etwa 50 Mann. Sie hat den Postwagen beraubt, und 75,000 Rubel Staat-gelder find in ihre Hände gefallen. Verletzt wurde niemand. Der Zug kam mit großer Verspätung in Warschau an.
Das junge Mädchen fühlte sich todmüde, und doch suchte sie noch nicht ihr Lager auf. Aus dem Grunde ihres Koffers holte sie ein verschlossenes Kästchen hervor und öffnete es sorgfältig. Eine kurze filberweise Locke, mit schwarzem Bande zusammengehalten, nahm Inge zuerst heraus.
„Lieber, lieber Vater! flüsterte sie leise mit dem Ausdruck unbeschreiblicher Zärtlichkeit.
Einen Augenblick hingen ihre Augen wie gebannt an dem schneeweißen Haar, dann legte sie diese? teure Andenken mit einem schmerzlichen Seufzer zurück und zog einen Brief aus dem Kästchen hervor.
Feuchten Blickes las sie:
drei sehnt
„Meine Inge! Du Freude meines Herzens! Noch Tage, dann bin ich wieder bei dir, und mehr als je sich mein altes Herz danach, mein vielgeliebtes Kind wieder
in die Arme schließen zu können. Ich habe viel erlebt in diesen Wochen, sehr viel, Dinge, die mich bis in das Innerste erschütterten, und ich habe mir vorgenommen, dir das alles haarklein zu erzählen, wenn ich bei dir bin. Du liebes junges Ding, an meiner Hand sollst du dann einen Blick tun auf die Höhen und in die Abgründe des Lebens. Bon mir sollst du erfahren, daß nicht alles Gold ist, was glänzt, damit du lernst, die Augen offen zu halten, und dich nicht blenden läßt durch einen bestrickenden äußeren Schein. Wenn ich wieder zu dir komme — so schrieb ich dir — wollte ich dir alles erzählen, und doch kann ich es nicht lassen, dir schon heute davon ^u sagen. Wer kann wissen, ob er das Morgen erlebt ? Seitdem ich vor ein paar Tagen einen häßlichen Anfall meines alten Herzleidens hatte, geht es mir durch den Kopf, u ^ ““$ nnmal schnell mit mir zu Ende sein kann. Dieses aber lall't du noch vorher erfahren, entweder durch meinen Mund oder durch den Brief.
^ ^ Talismans, den' ich trug, und weißt auch welche Bewandtnis es damit hat. Nun, wohl, schwere, furchtbar schwere Erfahrungen habe ich mit diesem ^uaenb- freunbe gemacht. Meine ^eun^a^
bem Herzen reißen, denn ein Ehrloser verdient sie nicht. Der Augenblick, als ich dm Talisman von meiner Uhrkette löste,
Sewastopol, 29. Juli. Das Marine-Kriegsgericht sprach heute das Urteil über die wegen der militärischen Unruhen zu Ende der vorigen Jahres unter Anklage gestellten Matrosen. Die vier Hauptangeklagten wurden zum Tode verurteilt, einer zu lebenslänglicher, 32 zu Zwangsarbeit von verschiedener Dauer. 50 Matrosen erhielten Gesängnisstcasen, 6 wurden sreigesprochen.
Kamenez Podolrk, 28. Juli. In dem Dorfe Tschenpowka im Kreise Proskurow fand gestern infolge der Verhaftung der Urheber der Unruhen ein Zusammenstoß zwischen Bauern und Dragonern statt, wobei 12 Dragoner durch Steinwürse und Stockschläge verletzt, 5 Bauern getötet und eine Anzahl verletzt wurden.
Bus > und Busland.
Berlin, 29. Juli 1906.
Von der Nordlandsfahrt Sr. Majestät bei Kaisers wird gemeldet: Utne, 27. Juli, Locm : Die Fahrt von Merok bis hier in den Hardanger Fjord war oom herrlichsten Wetter begleitet. Ankunft in Odde heute mittag. — An Bord alles wohl. Odde, 27. Juli. Die Fahrt der Hamburg nach Odde wurde bei dem denkbar schönsten Wetter durch den Nordfjord, dann durchs offene Meer und den lieblichen Hardangee Fjord fortgesetzt, wo um ein Uhr zu Anker gegangen wird. Odde, 27. Juli, Nachts. Das wundervolle Wetter hat den Tag über ange- halten, und Se. Majestät der Kaiser unternahm von Dobe aus einen vierstündigen Spaziergang, der der Wafferfälle halber höchst lohnend war. Morgen soll eine Partie nach dem Laalesos stattfinden. — An Bord alles wohl.
Der Bundesrat hat in einer seiner letzten Sitzungen vor den Ferien beschlossen, die Einfuhr von Pökelfleisch fortan nur noch zu gestatten, wenn an dem Fleisch die zugehörigen Lymphdrüsen noch vorhanden sind, damit eine völlig einwandfreie Untersuchung dieses Fleisches gewährleistet werden könne.
Für die Errichtung einer deutschen Kalo» n i a l a r m e e tritt da» GeneralstabSwerk über den Herero« krieg ein. Da« Fehlen dauernd vorhandener für überseeische Zwecke stets verwendbarer Truppen sei von allen Seiten während bes Krieges in Südwestafrika besonders unangenehm empfunden worden. Die zutage tretenden Umstände lehrten, daß da» Reich eine Kolonialtrupps in der Heimat dringend nötig habe, um den Anforderungen überseeischer Machtentfaltung genügen zu können. Hierzu schreibt die sozialdemokratische Magdeburger „VolkSstimme" : „Es muß von vornherein zugestanden werden, daß die Forderung, vom rein militärischen Standpunkte betrachtet, in den Erfahrungen der südwestafrikanischen Kriege» eine gewisse Begründung erfahren hat." Trotzdem ist das Blatt gegen die Schaffung einer Kolonialarmee, weil es vom sozialdemokratischen Standpunkt jede Kolonialpolitik überhaupt ablehnt. — Die staatSerhaltenden Parteien, die ohne Ausnahme es als eine Ehrensache für das Reich ansehen, daß die mit so viel deutschem Blut gedüngten Kolonien uns erhalten bleiben, werden angesichts der Haltung der Sozialdemokratie hoffentlich mit um so größerem Eifer dahin wirken, daß, wenn eine Kolonialarmee gefordert wird, diese Forderung eine freundliche Ausnahme im Reichstage findet.
Die ReichStagSstich wahl für Hagen- S ch w s l m hat zum Siege der freisinnigen Kandidaten Bürgermeister» Cuno geführt. Für Bürgermeister Cuno (frf. Vp.) find 21 593, für Arbeitersekretär König (Soz.) 18 717 Stimmen abgegeben worden. Bei der Hauptwahl am 19. Juli b. Js. hatten erhalten Cuno 11 189, König 16 292, Becker (Z.) 5086, Moldenhauer (nl.) 4545, Mumm (christl.-soz) 2158 und Cohzewiki (Pole) 149 Stimmen. Bei der Stichwahl im Jahre 1903 wurde Eugen Richter mit 20 988 gegen 15 018 Stimmen gewählt, die der Sozial» demokrat Timm erhielt.
Die Bevölkerung beS Deutschen Reiches ist im Statist. Jahrbuch für das Deutsche Reich nach dem Stande um Mitte b. I. auf 61 102 000 Köpfe berechnet. Da die Volkszählung vom 1. Dezember 1905 nach bet vorläufigen Feststellung eine Bevölkerung-zahl von 60 605183 ergeben hatte, hat in den letzten 7 Monaten eine Zunahme um nahezu eine halbe Million stattgefunden. In zehn Jahren hat sich, die Bevölkerung des Deutschen Reiches um 8,35 Millionen vermehrt, in zwanzig Jahren hat sie um 13,47 Millionen zugenommen. Seit der Gründung der Deutschen Reiches hat die Bevölkerungszunahme 20,1 Millionen Köpfe oder 49 v. H. betragen.
um dem Gewissenlosen dieses Pfand zurückzuschicken, war für mich einer der bittersten.
Den Namen sollst du auch jetzt erfahren, denn es könnte geschehen, wenn ich nicht lebte, daß sein Sohn, der junge Mensch, den Gott, wie seinen Vater, mit allen äußeren und inneren Gaben geziert hat, sich um die reiche Erbin bewerben möchte. Es war die Verbindung unserer Kinder ja einst der Lieblingsplan der Studienfteunde! Eben dieser Gedanke bildete auch mit den Grund, daß ich dir des Freundes Namen verschwieg, damit du einst seinem Sohne ganz unbefangen be- gegnen solltest, völlig unbeeinflußt durch das Band, das die Väter knüpften.
Nie darf aber jcht von einer Verbindung mit dir und dem Sohne meines früheren Freundes die Rede sein.
Versprich es mir heilig, Inge, daß, komme, was da wolle, du nie solchen Bewerbungen Gehör schenken willst, denn der Sohn ist des Vaters getreues Ebenbild. Trotz seiner Jugend hat er . . ."
Hier war der Brief abgebrochen. Ein langer Sttich mit der Feder über das Papier zeigte, daß die Hand des Schreibenden wahrscheinlich willenlos darüber fortgeglitten war.
Inge versank in tiefes Nachdenken, ihre Rechte fuhr über die Augen, als wolle sie dort ein Bild verwischen. Hastig schloß sie dann den Brief ein und begab sich zur Ruhe.
Am anderen Morgen erschien Bella Smith, die junge Engländerin aus der Villa von nebenan, bei Inge.
„Wir gehen in Begleitung meines VaterS nach Winkels hinaus," erzählte sie. „Mehrere unserer bekannten Familim find schon dahin aufgebrochen mit ganzen Körben voll Wein und Lebensmitteln für Preußen und Bayern, die da verwundet liegen. In einer Stunde werden wir die nötigen Vorräte zusammen haben, und -dann wandern wir los. Wollen Sie uns begleiten?"
Ob sie es wollte. In der Lindesmühle am Lager der Verwundeten hatte sie es wie eine Wohltat empfunden, daß sie imstande gewesen war, treuen Kämpfern eine Linderung zu verschaffen. Mit einem fast leidenschaftlichen Verlangen war der Wunsch nach einer folgen Tätigkeit am Morgen wieder in ihr erwacht, als der erste Blick aus dem Fenster auf das
Der Finanzminister erläßt folgende Verfügung an die Provinzialsteuerdirektoren: Es find hier mehrere Gesuche von Brauern eingegangen, in denen darum gebeten wird, Vorräte an Ersatzstoffen, insbesondere Reis, deren Verwendung durch da» neue Brausteuergesetz allgemein ober für die von den betreffenden Brauern hergestellten Biere verboten ist, noch nach dem I.Jult d. I. aufbrauchen zu dürfen. Im Einvernehmen mit dem Herrn Reichskanzler (Reichsschatzamt) benachrichtige ich Euer Hochwohl- geboten ergebenst, daß derartigen Gesuchen nicht entsprochen werden kann, weil es hierzu an einer gesetzlichen Ermächtigung fehlt. Etwa dort eingehende Gesuche sind mit Bezug auf diese Verfügung abzulehnen.
Die Pläne der englischen Heeresverwaltung betreffend Reduktion in der Wehrmacht haben in der öffentlichen Meinung Japan» kein freundliches Echo erweckt. Es werden in der Presse des ostastatischen Verbündeten Englands mehr oder minder lebhafte Zweifel darüber geäußert, ob die beabsichtigte Verminderung der Ausgaben für das Heer ohne Schmälerung der militärischen Leistungsfähigkeit des Landes durchführbar ist. Diese Auffassung gelangte u. a. im „Nippon", „Jiji Shimpo' und „Asahi" zum Ausdruck. Speziell gibt sich, wie Londoner Blättern berichtet wir, in den führenden Organen auch mit Rücksicht auf die Stellung Indiens, bezüglich dessen Japan eine schwere Verantwortung vor allem in Hinblick auf das chinesische Turkestan auf sich genommen habe, Unbehagen wegen der erwähnten Pläne kund. 's
Bus Provinz u. Nachbargebiet.
* Ueber den SaatenstandimDeutschen Reich um die Mitte des Monat» Juli veröffentlicht das Kaiserliche Statistische Amt folgende Angaben, wobei Nr. 1 sehr gut, Nr. 2 gut, Nr. 3 Mittel (durchschnittlich), Nr. 4 gering, Nr. 5 sehr gering bedeutet, und die Zahlen des Juni in Klammeen beigefügt find: Winterweizen 2,2 (2,2), Sommerweizen 2,3 (2,4), Winterspelz 2,1 (2,3), Winterroggen 2,4 (2,5), Sommerroggen 2,3 (2,3), Sommergerste 2,2 (2,3), Hafer 2,2 (2,2), Kartoffeln 2,4 (2,6), Klee 2,2 (2,0), Luzerne 2,0 (2,0), BewäfferungSwiesen 2,0 (1,9), andere Wiesen 2,2 (2,1). — Diesen Zahlen werden u. a. solgende Bemerkungen hinzugefügt: Während de» abgelaufenen BertchtS- monats — Mitte Juni bis Mitte Juli — war die Wltternng meist günstig für das Wachstum der Feldfrüchte. Zahlreiche Gewitterregen brachten den Pflanzen fast überall, in manchen Teilen des Reich» allerdings erst im Laufe des Juli, ausreichende, teilweise sogar überreiche Feuchtigkeit. Leider waren die Gewitter verschiedentlich von Sturm und wolken- brucharttgen Regengüssen, stellenweise auch von Hagel begleitet, so daß zum Teil erheblicher Schaden durch Lagerung, Ver- schlämmung, Ueberschwemmung und Hagelschlag angerichtet wurde. Durch die reichlichen Niederschläge wurde bit Entwicklung des Unkrauts in Getreide» und Kartoffelfeldern sehr gefördert, auch traten Rost und Brand stellenweise stärker auf, während tierische Schädlinge sich weniger lästig machten. Nur in einigen wenigen Gegenden wurden Mäuse und Schnecken durch maffenhaftes Vorkommen zur Plage. Der Stand des Wintergelreive» findet im allgemeinen eine recht günstige Beurteilung. Mit dem Schnitt des Roggens war zurzeit der Berichterstattung in vielen Gegenden bereits begonnen, und zwar zum Teil erheblich früher als in sonstigen Jahren, in einigen anderen dagegen, z. B. in Württemberg, ist das Getreide noch ziemlich grün, so daß die Ernte dort später al» gewöhnlich eintreten dürfte. Auch die Sommerhalmfrüchte haben im großen und ganzen ihren günstigen vormonatigen Stand teils behauptet, teils noch etwas ver- bessert, obwohl auch bei ihnen, wie bei dem Win ergetreide, Lagerung, Verunkraulung, Rost und Brand verschiedentlich ziemlich stark austraten und in manchen Gegenden die bis in den Juli hinein anhaltende Trockenheit auf die Entwicklung ungünstig eingewirkt Hot. Nach zahlreichen Berichten waren die häufigen und starken Niederschläge für das Wachstum der Kartoffeln nicht sehr günstig. Besonders die frühen Sorten starben infolge der Nässe vielfach vorzeitig ab und sind zum Teil erkrankt. Trotzdem weist der größere Teil der Kartoffeln doch noch einen so günstigen Stand auf, daß die Reichrnote von 2,6 im Juni auf 2,4 steigen konnte. Der erste Schnitt von Klee und Luzerne brächte fast überall gute, teilweise sogar besonder« reichliche Erträge, die auch meist geborgen werden konnten. Mehrfach wird allerdings berichtet, daß durch große Nässe hier und da nicht alles Heu beizeiten unter Dach gebracht werden konnte, und daß das Futter dadurch an Güte eingebüßt hat. Der zweite
hart mitgenommene Kissingen ihr von neuem die Schrecken des Krieges vor Augen führte. Hier bot sich nun Gelegenheit, den Tapfern einen kleinen Liebesdienst zu leisten, und lebhaft, wie die junge Engländerin die kühle Gräfin selten gesehen hatte, versicherte diese ihr, daß sie sich mit tausend Freuden ihnen anschließen würde. Der Onkel stellte Inges Wunsche keinen Widerspruch entgegen, ja er erklärte sogar, daß er für den Tag seinen Diener nicht brauche, und daß dieser ihr einen gehörigen Korb mit Wein nachtragen solle, denn allein könne sie doch nicht all das Gute schleppen, was er den braven Kerls gönne. „Freund und Feind, Inge, hörst du ? Sie verdienen es beide," war der Schluß seiner Rede gewesen.
Das Mädchen hatte dazu genickt und ihm warm die Hand gedrückt. Sie fühlte sich dem Onkel jetzt innig verbunden. Durch den Ernst der Tage war bei diesem die Wichtigkeit, die er seiner eigenen Person gern beilegte, völlig zurückgetreten. Er dachte, lebte und handelte zum Besten anderer, und das war zu einer Quelle des Verständnisses geworden für ihn und Inge.
Länger, als es der Ungeduld der jungen Gräfin lieb war, dauerte es, bevor die englische Familie zum Ausbruche fertig war. Endlich hatte man alle Vorbereitungen getroffen und machte sich auf den Weg. Auf einem Handwagen fuhren die Diener etliche Körbe und Kiepen nach, die mit lauter trefflichen Sachen vollgepackt waren. Außerdem aber belud sich noch jeder einzelne der kleinen Gesellschaft reichlich mit allerhand verheißungsvollen Paketen. Heiß brannte die Sonne, aber wen kümmerte das heute? Man dachte kaum daran, wie sengend ihre Sttahlen waren, und wie lang sich der Weg bis nach Winkels ausdehnte.
(Fortsetzung folgt.)
— Der Königlich sächsische Vermeffungsaffisiont, Ingenieur Kurt Säblet aus Dresden wurde in dem in Weimar von Erfurt eintreffenden Schnellzuge erhängt ausgesunden.
— N e w N o r k, 29. Juli. Aus der Southern Pacafic- Bahn kollidierte ein Passagier,ug nahe Pasadena (Kalifornien) mit einem Wagen der elektrischen Paciftc-Bahn. Drei Personen wurden getötet, sechzig verletzt.