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herzWer Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 88. Dienstag, den 31. Juli IVOÖ.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 30. Juli 1906.
Der Herr Regierungspräsident hat mich bis auf Weiteres mit der Vertretung des beurlaubten Herrn Landrats von Grunelius beauftragt.
Trott z u S o l z, Regierungsreferendar.
Hersfeld, den 27. Juli 1906.
Die zweite Schulstelle in Obergeis wird vom 1. August d. Js. ab frei. Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1000 M. Grundgehalt; der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 M.
Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen bis zum 15. August d. Js. bei dem Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer G a m b in Obergeis oder dem Unterzeichneten einreichen.
Der Schulvorstand:
von Grunelius,
I. 6094. Königlicher Landrat.
Saatenstand um die Mitte des Monates Juli 1906 im Kreise Hersfeld»
Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittet, 4 = gering, 5 = sehr gering (Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I d 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten
Durchschnitts-
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen
noten
für den
Staat
Reg.-Bez. Cassel
1
11
2
Note ”3 <mI
4
4
6
Winlerweizen Sommerweizen Winterspelz Winterroggen Sommerroggen Sommergerste Hafer . . Kartoffeln . Klee . . . Luzerne. . Wiesen: Bewäfferungs- Andere
König
2,3
2,4
2,3
2.5
2,6
2,3
2,2
2,5
2,3
2,2
2,1
2,4 liebes
2,1
2,5
2,5
2,5
2,4
2,3
2,5 1,0
2,1
1,9
2,1 latistische
5 9
3ur
3
1
1
1
1
3
2
4
2
3
5
eau
1
3
3
1
1
1
1
1
2
1
2
2
3
1
Dr
. 2
31
e n
Hersseld, den 26. Juli 1906.
Die unter der Schafherde des Schäfers Johannes Dippel
Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel.
(Fortsetzung.)
In gemäßigtem Tempo setzte sich der Braune mit seiner Doppellast in Bewegung, der Heckensprung unterblieb zwar, aber der brave Reitersmann, der Kopf und Herz auf dem rechten Flecke gehabt hatte, als es galt, seinen Leutnant zu suchen, bahnte sich mit dem Geretteten einen anderen Weg und brächte ihn ohne Unfall zum Regiment zurück.
Unterdessen drang Wrangel mit seiner Brigade, trotz aller Opfer, die den Ansturm forderte, unaufhaltsam vorwärts auf blutiger Bahn.
Üeberall waren die Offiziere, die Mannschaften anseuerud, den anderen voraus. Freiherr von Werbachs elastische Gestalt schien nichts von den Anstrengungen des Tages zu empfinden. Den Kopf hoch erhoben, die Augen leuchtend, und den gezogenen Säbel in der Faust, so bot er ein Bild srischester Jugendkraft.
Seine ganze Abteilung umfaßte der klare Blick des Offiziers, während er unentwegt vorwärts strebte. Ueber jeden einzelnen glitt sein Auge hin. Hier feuerte er durch kernigen Zuruf die Ermatteten an, da warf er ein zündendes Wort hin, das biedere Soldatenherzen zu packen wußte, und dort striff er selbst zu, um einem Erlahmenden über eine steile Böschung zu helfen.
Eisernes Pflichtgefühl, das ihn in jeder Lebenslage leitete, und warmes Empfinden, das all seinem Tun das Gepräge gab, ließen ihn auch in dieser Stunde für seine Untergebenen ein leuchtendes Vorbild sein.
„Werbach", rief ihm Wrangel zu, überanstrengen Sie sich nicht! Wir haben bis zur Höhe noch eine gewaltige Ecke, und es wird barbarisch steil. Sie können doch unmöglich den Mann da, den Sie umklastert haben, bis oben Heraufziehen!"
„Es ist keine Mühe, Exzellenz! Ich helfe ihm hier nur ein paar Schritt, dann verpnstct er sich, und es geht wieder flott weiter," lautete Werbachs rasche Antwort.
zu Raboldshausen, Kreis Homberg, ausgebrochene Räude ist erloschen.
I. 6089. Der Königliche Landrat.
J. V.: T h a m e r.
Hersfeld, den 26. Juli 1906.
Die unter den Schweinen des Landwirts Johannes Diehl zu Kruspis ausgebrochene Rotlaufseuche ist erloschen. I. 6086. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
3m Heimkehr Kaiser Wilhelms.
Kaiser Wilhelm wird am 31. Juli von der Nordlands, reise heimkehren und in Sminemünde den deutschen Boden wieder betreten. Bald nach seiner Rückkehr wird er zum ersten Male den Enkelsohn sehen, der als einstiger Erbe der Krone während der Abwesenheit des Kaiserlichen Großvaters geboren wurde. Ueber den Zeitpunkt und die näheren Umstände der Taufe des Prinzen ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Vermutlich aber wird die Taufe erst in der zweiten Hälfte des Monats August und wohl im engern Familienkreise stattfinden. Fremde Monarchen dazu einzuladen war von vornherein nicht die Absicht. Dem künftigen deutschen Kaiser wird es an gekrönten Paten nicht f.hlen: persönlich aber nehmen diese an der Feier nicht teil.
Um die Mitte des August tritt König Eduard von England seine Badereise nach Marienbad an und sein Weg führt ihn durch Deutschland. Damit rückt der Zeitpunkt für die seit Neujahr nie mehr zweifelhaft gewesene Begeg« nung des Königs mit Kaiser Wilhelm heran. Eine persönliche Entfremdung der beiden Monarchen, die ihrem Zusammentreffen hinderlich sein könnte, besteht nicht mehr, und sachlich, b. h. für die Pflege der deutsch englischen Beziehungen wird e« allen ruhig urteilenden Kreisen diesseits und jenseits des Kanals nur erwünscht sein, datz durch die Zusammenkunft eine im vorigen Jahre peinlich wirkende Lücke ausgefüllt wird. Politische Neuerungen werden nirgends erwartet; aber der europäischen Lage entspricht es, daß, nachdem in letzter Zeit zwischen Deutschland und England so viele private Kundgebungen für die Bewahrung von Friede und Freundschaft ausgetauscht worden fino, auch die Oberhäupter beider Staaten ein persönliches Wiedersehen und eine offene Aussprache herbeiführen.
Was die Form der Begegnung betrifft, so würde ein förmlicher Staatsbesuch mit festlicher Einholung des britischen KönigS in eine der Residenzstädte Kaiser Wilhelms nach
Der General nickte ihm wohlwollend zu. „Denken Sie aber auch daran, daß ich Wert darauf lege, daß mir solche frische Jungen, wie Sie sind ..."
Weiter kam Wrangel nicht. Ein Schuß hatte sein Pferd in die Brust getroffen Die schöne, goldhaarige Jsabeau bäumte hoch auf, drehte sich auf den Hinterbeinen herum und stürzte rückwärts in die tief eingeschnittene Chaussee herunter.
Der General hatte noch Zeit gefunden, sich abzuwerfen. Werbach war gleich an seine Seite geeilt, richtete ihn auf und sah zu seiner Beruhigung, daß der Unfall für Wrangel keine ernsten Folgen hatte, und er mit einer nur leichten Kontusion davongekommen war.
Das Leben der schönen, schwer verletzten Jsabeau endigte ein Gnadenschuß, der General aber konnte schon nach einer Viertelstunde auf einem anderen Pferde die Leitung des Gefechts fortführen.
Mit stürmischem Jubel und lautem Hurra rückten die Preußen immer weiter aus dem Sinnberge vor, und als auf der Paßhöhe der Hauptstoß gelang, wurde die bayerische Front durchstoßen und Fühlung mit den Truppen aus dem Schlegelsberge hergestellt.
Wrangels beherzter Entschluß und die über alles Lob erhabene Tapferkeit der Truppen waren von einem glänzenden Erfolge gekrönt, als sie jetzt auf den eroberten Höhen Halt machten. Eine Leistung, wie dieser Sturm aus den Sinnberg mit den aufs äußerste erschöpften Truppen, war nur durch moralische Kraft zu erreichen. So brav sich aber auch die Angreifer machten, die Verteidiger standen ihnen nicht nach in Zähigkeit und Heldenmut, so daß dieser Kampf für Freund und Feind eine der ruhmvollsten Waffentaten bleiben wird.
Die Truppen bezogen jetzt ein Biwak bei Winkels, das aber wenig Erquickung bringen konnte, denn Heu und Stroh fehlten, sowie jegliche Verpflegung. Erst gegen Morgen langte einiger Proviant an. Die Anstrengungen deS Tages waren aber so groß gewesen, daß ein wohltätiger Schlaf sich bald auf die meisten Augen senkte, obwohl die müden Glieder nur aus der harten Erde lagen und das Wimmern der Verwundeten die Stille der Nacht traurig belebte.
allgemeinem Empfinden wohl nicht den Umständen, vergangenen wie gegenwärtigen, angepaßt sein. Es erscheint richtiger, daß die Monarchen sich in ungezwungener Weise und ohne ein das Gespräch unter vier Augen beengendes Zeremoniell zusammenfinden. Die Einleitungen dafür, daß Kaiser Wilhelm und König Eduard sich als Verwandte an einem zu vertraulicher Unterredung geeigneten Orte begrüßen können, dürften schon getroffen werden. Denn wahrscheinlich wird das Wiedersehen während der Hinreise des britischen Herrschers nach Marienbad stattfinden, also gleich nachdem König Eduard auf deutschem Gebiet angelangt ist. Der Zeitpunkt würde dann wohl Mitte August, der Ort vielleicht Schloß Friedrichshof bei Cronberg im Taunus sein, an das sich für den Kaiser wie den König ernste Erinnerungen an die Mutter und an die Schwester, die Heimgegangene Kaiserin und Königin Friedrich, knüpfen.
Ae Fahrklickiifttlitr.
Am 1. August d. J. tritt bekanntlich die vom Reichstage bei der Reichsfinanzieform beschlossene Fahrkartensteuer in Kraft, welche sowohl den Verkehr auf den Eisenbahnen wie auch auf den Straßenbahnen und den Dampfschiffen in ihr Bereich zieht. Was speziell die Besteuerung der Fahrkarten auf den Eisenbahnen anbelongt. so beträgt bei einem Fahrpreise von 60 Pfennig bis 2 Mark dieselbe für die dritte Klaffe 5 Pfennige, für die zweite Wagenklaffe 10 Pfennige, für die erste Wagenklaffe 20 Pfennig; von mehr als 2 Mark Fahrpreis bis zu 5 Mark beträgt die Steuer in jeder Wagenklaffe das doppelte und so fort. Die vierte Wagenklaffe ist steuerfrei geblieben, was auch von den Schülerfahrkärten und noch mehreren anderen Spezialsorten von Fahrkarten gilt. Der jährliche Ertrag aus der Fahrkartensteuer ist auf 55 Millionen Mark veranschlagt, und diese verhältnismäßig bedeutende Summe macht es begreiflich, wenn sich die verbündeten Regierungen entschieden weigerten, auch die Fahrkartensteuer aus ihrem dem Reichstage präsentierten Steuerbukett wieder auszu- scheiden, wie es mit der Quittungssteuer und der AnfichtS- postkartensteuer geschehen ist. Auch der Reichstag sah in seiner Mehrheit die Notwendigkeit ein, das Projekt der Besteuerung der Fahrkarten beizubehalten, da sich kein anderer annähernder Ersatz für den sonst zu erwarten gewesenen Ausfall der 55 Millionen Mark barbot; nur fetzte er an Stelle des von der Regierung ursprünglich vorge- schlagenen FixstempelS die Besteuerung der Fahrkarten im Verhältnis zu den zurückgelegten Kilometern fest.
Gegen die Fahrkartensteuer hat sich nun aus den Jn- tereflenkreisen ein ebenso lebhafter Widerspruch erhoben, wie gegen fast alle neue Steuern, was ja auch ganz natürlich ist. Es gibt wohl keine Steuer, die ohne Widerspruch seitens der hiervon Betroffenen ins Leben getreten wäre, und nun zumal Verkehrsüeuern werden in unserer Zeit
Beim grauenden Tagesanbruch fing der Soldat an zu kochen, und als Wrangel erwachte, wurde ihm an Stelle des Morgenkaffees eine Specksuppe gereicht, aber zugleich die tröst- liche Aussicht gebracht, daß bald noch etwas Besseres als diese Fettbrühe erscheinen würde. Was sich in dem von seinen Einwohnern verlassenen Winkels an Eßbarem und Trinkbarem vorfand, wurde herzrigeschleppt, und nun sah man alle möglichen Tiere unter den Händen der Soldaten verenden und, notdürftig gerupft, in den brodelnden Kochkesseln verschwinden. Obgleich die Heißhungrigen nachher nur mit Mühe das zähe Fleisch von den Knochen abreißen konnten, so verzehrten sie es doch mit Wohlbehagen.
Fünftes Kapitel.
In später Abendstunde deS 10. Juli hielt der Lindesmüller mit seinem kleinen Wägelchen vor der Villa des Obersten von Wildenfels. Inge, die er ungefährdet heimgebracht hatte, drückte ihm die Hand und sagte ihm Dank. Sie sah bleicher noch als sonst aus und tiefernst. Die Eindrücke des Tages und der Anblick der zerschossenen Stadt hatten sie mehr ergriffen, als sie sich eingestehen wollte.
Der Onkel war schon zur Ruhe gegangen, ließ sie aber zu sich rufen, als er von ihrer Ankunft erfuhr. Sie mußte ihm über alles berichten, und er selbst hatte ihr viel zu sagen. Sein weiblicher Kamerad sollte nicht nur genau seine militärischen Eindrücke erfahren, sondern auch die ganze Stufenleiter seiner Empfindungen, die er an diesem ereignisreichen Tage durchgemacht hatte.
Der Schlußsatz, der etwas zögernd und mit einem Stoßseufzer vorgebracht wurde, lautete: „Es ist jammerschade, daß die Bayern und Preußen sich gegenüberstehen. Ich glaube, wenn die einmal zusammengingen dann würden sie was Großes zurechtkriegen. Famos ist es, wie die Offiziere mit ihren Leuten umgehen. Ich habe das hier beobachten können."
Inge gab keine Antwort. Vor ihr geistiges Auge trat die schlanke Gestalt des jungen preußischen Offiziers, wie er seinen Soldaten über die gefährliche Stelle der Brücke an der Lindesmühle hinüberhalf.
ES war spät geworden, als der Onkel sie endlich entließ.