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Herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Donnerstag, den 26. Juli
1906.
Amtlicher Ceil
Hersfeld, btn 24. Juli 1906.
Der Befähigungsausweis der nochüehend genannten Stlacblvieh- und TrichinenbefLauer:
1. Witwe Rohrbacb in Mecklar,
2. Heinrich Jäger I. in Motzseld,
3. Johannes Vaupel in Untergeis,
4. Johannes Bücking in Landershausen,
5. George Wiegand in Harnrode,
6. George Otto in Frielingen
ist erloschen. Die Genannten sind zur ferneren Ausübung der Geschäfte eines Schlachtvieh- und Trichinenbeschauers nicht mehr befugt.
Bis auf Weiteres werden die Gefchäfte^mitverfehen:
1. für die Gemeinde Mecklar von dem Beschauer Möller zu Meckbach,
2 für die Gemeinde Motzseld von dem Beschauer Deiseiolh zu Hilmes,
3. für die Gemeinde Untergeis von dem Beschauer Groll zu Sitte» Söorf,
4. für die Gemeinde Landeishausen von dem Beschauer Mohr zu Conrode,
5. für die Gemeinde Harnrode von dem Beschauer Bran- benstein zu HeimboldShauien,
6. für die Gemeinde Fri,trugen von dem Beschauer Schwerer daselbst. Letztere Gemeinde besteht fortab nur aus einem Bezirk.
Die Herren DrtSoorstänbe der beteiligten Gemeinden haben Vorstehende« alsbald zur Kenntnis der OrlSeinwohner und der Beschauer zu bringen.
I. 3373. Der Königliche Landral.
I. V.:
T h a m e r.
Königliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher Ceil.
Irr AsW in IeuM-Mwtsi-Wka.
S r. Majestät dem Kaiser ist auf Bitte der im Süden des südwestasrikanischen Schutzgebiete» angestebelten Deutschen durch den Gouverneur v. Lindequist aus Windhuk folgende Kundgebung telegraphisch übermittelt worden: „Euer Majestät gestatten sich die heule aus Anlaß der
Kampf.
Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wränget.
(Fortsetzung.)
Da hörte er seinen Rittmeister rufen: „Leutnant von Tettenborn!"
Er schüttelte den lähmenden Druck von sich und ritt an seinen Vorgesetzten heran. Es betraf eine dienstliche Meldung, die er an die in Kissingen aufgefahrene Batterie Schuster bringen sollte. Wie ein Blitz durchzuckte Tettenborn der Gedanke, daß er bei diesem Ritt an dem Hause vorüber kam, wo Inge weilte. Wenn er Glück hatte, konnte er da ein Wort, einen Blick von ihr erhäschen. Er sprengte davon. Vor der ihm so teuren Villa mäßigte er den Galopp seines Pferdes und spähte mit scharfen Augen nach den Fenstern. Die Gardinen wurden zurückgeschoben, der Fensterflügel hastig geöffnet. „Geht es los, Hans?" rief der Onkel ihm zu.
„Du wirst bald die Kanonen hören. Wo ist Inge?"
„In der Lindcsmühle! Junge, sage mir . . ."
Aber Tettenborn war schon weiter gejagt. Seine Meldung sollte keinen Aufschub erleiden, doch ruhigeren Herzens konnte er nun in den Kampf des Tages eintreten, wußte er doch jetzt, daß Inge, die vielgeliebte außerhalb Kissingens weilte, an einem Platze, wo sich schwerlich das Gefecht hinziehen würde. Noch folgten die Augen des alten Obersten dem da- vonsprengenden Neffen, als knatterndes Gewehrfeuer den Beginn des Gefechtes verkündigte. Es mochte etwa gegen acht Uhr sein. Preußische Reiter, aus Garitz kommend, waren aus eine feindliche Patrouille gestoßen, aber durch deren Feuer zurückgejagt worden. Doch nun drang auch preußische Infanterie von dort her vor, ging plänkelnd weiter und zwang sowohl die feindliche Patrouille wie deu Halbzug, der in dem Hause zur Seite der Brücke postiert war, hinter die Saale zurückzu- gehen.
Die Vorstadt von Kissingen wurde von diesen Vortruppen besetzt, während weitere zwei Bataillone ans Garitz verrückten. Zugleich aber eröffneten die Batterien vom Sinnberge aus ihr
Ablehnung des Eisenbahnbaue« zusammengekommenen Einwohner von Keetmanshoop ehrfurchtsvoll zu huldigen und auch weiterhin um Euerer Majestät gnädigen Schutz zu bitten. Im Austrage: Dr. Forkcl, Dr, Merensky, Busch, Britze, Wiltmann."
Se. Majestät der Kaiser hat daraus dem Gouverneur aus Molde folgendes Antworltelegramm zugehen lassen:
„Ich beauftrage Sie, der deutschen Bevölkerung des Südens für die Bekundung patriotischer Gesinnung Meinen Kaiserlichen Dank auszusprechen und hinzuzufügen, daß Ich der Wohlfahrt und den Interessen seiner Bewohner auch fernerhin Meine Fürsorge widmen werde.
Wilhelm I. R."
Sie Krisis in WM.
Die Auflösung der Duma in Rußland ist zwar ziemlich plötzlich von dem Zaren befohlen worden, aber diese Plötzlichkeit hat nicht reinigend auf die schwüle politische Atmosphäre in Rußland gewirkt Das notwendige politische Reformwerk ist durch die Auslösung der Duma mindestens um ein Jahr hinaus verzögert worden, während die poli' tische Erregung und die Neigung zur Revolution in Ruß- land durch die Auslösung der Duma verstärkt worden ist' Zwar ist nicht zu bestreiten, daß der Zrr Ursache hatte, die Duma aufzulösen, da die Mehrheit der Mitglieder der Dmna sich souverän fühlte und ohne den Zaren und ohne seine Regierung bis Gesetze allein machen, ja die Geschicke deS ganzen russischen Volke» lenken wollte, worauf die ur= sprüngliche Absicht der Duma, in Sachen der Reformen ein Manifest an das russische Volk richten zu wollen, deutlich genug hinweist. Es ist also richtig, daß die russische Regierung mit der Duma in ihrer j tzigen Zusammensetzung keine Gesetze machen konnte, zumal die russischen Minister von der Duma gar nicht ruhig angehört, sondern nur immer aufgefo bert wurden, ihre Entlassung zu nehmen, also moralisch aus den Sitzungen der Duma hinaurgeworfen wurden. Das Unheil Rußlands besteht also, wie schon oft betont wurde, vor allen Dingen batin, daß sich die Regierung und das Volk nicht mehr verstehen und unter diesen Umständen an eine parlamentarische Arbeit nicht mehr gedacht werden kann. Politisch und selisch läßt sich dieser furchtbare Zustand aber wohl nicht anders erklären, daß zwischen der Regierung und dem russischen Volke nicht das geringste Vertrauen mehr besteht und daß der Argwohn und das Mißtrauen in den Kreisen des Volkes wie auch in denjenigen der Regierung so schlimm geworden ist, daß man gutes im Volke nicht mehr von der Regierung erwartet und in den RegierungSkreisen das Schlimmste seitens der Volksvertreter befürchtet. Das ist aber klipp und klar der unheilvolle Zustand, der im Jahre 1789 in Frankreich zu der großen Revolution geführt hat, und wenn in Rußland keine neuen großen Moments in der Regierung
Feuer auf die Preußen, deren Geschütze jetzt am Hange des Staffelberges auffuhren und mit den gegenüberstehenden bayerischen Batterien den Geschützkampf aufnahmen.
Um zehn Uhr begann diese Kanonade, während im Tale das Kleingewehrfeuer ununterbrochen fortdauerte. Kühnes Vordringen der Preußen, hartnäckiges Verteidigen der Bayern, und aus beiden Seiten tapferstes Kämpfen. So vergehen zwei Stunden. Da will es dem Generalleutnant von Zoller erscheinen, als wenn der Angriff des Feindes erlahme. Das gibt ihm Mut, an einen günstigen Umschwung des Gefechts zu glauben. Doch inzwischen haben die Preußen eine neue Bewegung eingeleitet.
Wrangel, der an der Lindesmühle das Brückengerippe bedecken ließ, überschreitet mit seinen Truppen die Saale. Schwierig und gefahrvoll ist das Unternehmen, das unter dem Feuer des Feindes ausgeführt wird. Viele brave Preußen stürzten verwundet zusammen oder ertrinken in dem Flusse. Aber trotzdem lösen die Truppen die schwere Aufgabe mit völliger Ordnung.
Bayerische Jäger und Jnfanteriebataillone eilen nach den bedrohten Stadtteilen, nisten sich in die Häuser ein und überschütten die Anrückenden immer heftiger mit einem Hagel von Geschossen. Doch, unterstützt durch das Feuer ihrer am Ufer stehenden Plänkler, setzen diese den Ucbergang fort, sammeln sich diesseits des Flusses und rücken zum Angriffe gegen Kissingen und den StationSberg vor.
Die bedeutende Erhöhung dieses Berges, aus dem die Schloßruine Bodenlaube liegt, erschwert um ein bedeutendes das Vorwärtsdringen der Soldaten. Das weiche Erdreich, der unaufhörliche Wechsel der Böschungen und die üppigen Getreidefelder machen das Ersteigen der Höhe und das Führen des Gefechts nicht nur zu einem Bravourstücke, sondern auch zu einer physischen Anstrengung. Nur durch Behendigkeit und taktisches Verständnis kann die Infanterie hier zum Ziele gelangen und ihren Erfolg sichern, indem sie nach Wegnahme der Bodenlaube in die linke Flanke des Feindes fällt. Von allen Seiten dringen jetzt die Preußen in Kissingen ein, daS sehr kriegsgerecht und vorteilhaft besetzt ist. Es wird auf das hartnäckigste verteidigt. Fast jedes größere Haus muß einzeln
und in den Volksführern sich geltend machen, die zu einer Verständigung führen, so müssen die Dinge in Rußland entweder auch zur großen Revolution treiben oder eine furchtbare Reaktion muß baS unglückliche Land in seiner natürlichen Entwickelung hemmen. Das Ansammeln von Tausenden von Soldaten in Petersburg und die Verstärkung der Garnisonen in allen größeren russischen Städten zeigt, daß die russische Regierung allen radikalen Elementen beweisen will, daß sie die Macht noch in den Händen hat. Bei dieser Entschlossenheit und Strenge der Auftretens der russischen Regierung braucht man trotzdem nicht an dem guten Willen derselben ganz zu verzweifeln, daß der Zar und seine Minister mit Ernst und Ausdauer das große Reformwerk für Rußland weiter führen wollen. Der Zar hat ja auch erklärt, daß er an dem Grundgesetze, welches dem Lande eine Volksvertretung gewährt, fest halten wolle, und daß er die Mitwirkung des Volkes an den Sieformarbeiten von der neuzuwählenden Duma erwartet. Der Zar glaubt in seinem letzten Manifest auch darauf Hinweisen zu müssen, daß man in Rußland auf das Erscheinen von Riesen des Gedankens und der Tat rechnen kann, die durch ihre emsige Arbeit die notwendigen Reformen vollenden werden. Auch hat der neuernannte Ministerpräsident Stolypin den Grundsatz der bürgerlichen Gleichberechtigung und des allgemeinen Wahlrechts verkünden lassen. Mau kann daher nicht gerade behaupten, daß die russische Regierung schon vollständig im Fahrwasser der Reaktion rudere. Aber von diesen Theorien und Konzessionen im volksfreundlichen Sinne bis zu rettenden Taten der russischen Regierung ist noch ein weiter Weg, und die Männer, welche der Zar und seine Berater als Riesen des Gedankens und der Tat für das Reformwerk herbei- wünscken, sind noch nicht sichtbar, unb sie werden bei dem rückständigen Zustande der Volksbildung und der Kultur in Rußland wohl auch so bald nicht in die Erscheinung treten. Die Zukunft Rußland« bleibt also schwierig und dunkel.
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Die heute vorliegenden Meldungen berichten nichts von ernsten Ruhestörungen aus Anlaß der Auslösung der Reicha- buma. In den Arbeitervierteln von Petersburg machte sich gestern allerdings eine starke Gärung bemerkbar; daher wurden sofort die Truppen erheblich verstärkt. In der Residenz ist gegenwärtig eine Truppenmacht von 22 000 Mann konzentriert. Die Bahnhöfe werden scharf von Militär bewacht.
Aus Jn« und Ausland.
Berlin, 25. Juli 1906.
Aus Molde, 24. Juli, wird gemeldet: Gestern nachmittag fand bei günstiger Witterung im hiesigen Fjord eins
gestürmt werden. Ein blutiges Ringen und erbitterte Kampfszenen spielten sich in jeder Straße ab. Doch bei dem einheitlichen Vordringen der Truppen ist es den Bayern nicht möglich, standzuhalten. Von großer Ueberzahl zurückgeworfen, vielfach umgangen und abgeschnitten, müssen sie einen Platz nach dem anderen räumen. Von feindlichen Geschossen überschüttet, bahnen sie sich durch die Häuser und Gärten einen Weg ins Freie. Auch die braven Verteidiger der steinernen Brücke sind gezwungen, ihren Posten zu verlassen. Die Barrikaden werden fortgeräumt, Tonnen und Wagen über das Geländer gestürzt, und siegreich dringen auch hier die Preußen in Kissingen vor, um nun mit vereinten Kräften die letzten bayerischen Soldaten aus dem Städtchen zu vertreiben.
Es war halb zwei Uhr geworden, als die Sieger sich allmählich in der Stadt ausbreiteten: den Bayern blieb jetzt nur noch der Kirchhof, den sie besetzt hielten. Hinter ihm sammelten sich die aus der Stadt Zurückweichenden und ergänzten ihre Munition aus den eben von Winkels herbeigeschafften Patronenwagen.
An dem Fenster seiner Villa stand der Oberst von Wilden- fels. Er dachte heute nicht an sein Leiden, er fühlte es auch nicht, denn die gewaltsame Anspannung der Nerven und die hohe Gemütserregung hielten ihn aufrecht. Noch keine Stunde war eS her, daß in dem unteren Geschosse seines Hauses ein heißes Ringen hin und her gewogt hatte. Auch hier, aus seinen Fenstern waren von bayerischen Jägern Schüsse aus die stürmenden Preußen gefallen, und er selbst hatte mit zitternder Hand den Landsleuten die Munition gereicht.
Dann, als Kolbenschläge unten die Haustüre zertrümmerten, als man die Sieger auf der Treppe hörte, waren die bäuerischen Jäger aus dem Zimmer gestürzt, um sich auf die Feinde zu werfen.
Der Oberst war allein zurückgeblieben mit seinem alten Diener. Stumm und starr hatten sie einander angesehen und auf das Stimmengewirr und die knatternden Schüsse gelauscht, die von unten herauf schallten.
Eine Weile hatte das so fortgedauert, dann war es stiller geworden, und Johann hatte mit der Hand nach dem Fenster gewiesen, stöhnend: „E§ ist vorbei — die Preußen setzen sich