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kersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-^lnschlutz Nr. 8

Nr. 857 Dienstag, den 24. JM 1906.

Amtlicher Leib

HerSfeld, den 20. Juli 1906.

Mit der aushilfsweisen Mitwirkung bei Ausübung der Jagdpolizei in dem Gemeindejagdbezirke Meckbach habe ich bis auf Weiteres die Königlichen Förster Troch und Spörer in Meckbach sowie den Königlichen Hilfsjäger Sliebeling in HerSfeld beauftragt.

I. 5820. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 20. Juli 1906.

Die Gewerkschaft Wintershall z« Heringen a/W hat, nachdem das alte, im Jahre 1903 hier eingereichte Projekt wegen geplanter anderer Einrichtungen bis jetzt nicht ausgeführt worden ist, ein neues Projekt zum Bau einer

Chlorkalium-Fabrik

auf ihrem Zechenplatzs (Kartenblatt 1 und 10 Parzelle

Nr. der Gemarkung Heringen) eingereicht.. Die Ab- Wässer sollen in die Werra abgeleitet werden.

Die Zeichnungen nebst Beschreibung liegen zur Ein- Rit der Beteiligten im GeschäftSlokal des LandratSamtS während der Dienststunden offen.

Etwaige Einwendungen gegen das Projekt können innerhalb 14 Tagen bei dem Unterzeichneten schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll angebracht werden. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr geltend gemacht werden.

Ueber die etwa rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird behufs mündlicher Erörterung Termin auf

Iieistilii, tat 11 August ). U

vormittags 10 Uhr in das Geschäftslokal des Landralsamtes hier anberaumt.

Im Falle des Ausbleibens der Unternehmers oder der Widersprechenden wird gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden.

A. 2706. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenban.

Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Lehranstalt 1) ein ObstverwsrtungSkursuS für Männer in der Zeit vom 13. bis 25. August d. Js, 2) ein Obstver- wertungskurfus für Frauen in der Zeit vom 27. August bis 1. September b. Js. abgehalten werden. Die Kurse beginnen jedesmal an den zuerst genannten Tagen vormittags 9 Uhr. Der Unterricht wird theoretisch und praktisch er­teilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die ver­

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel.

(Fortsetzung.)

Inges Augen starrten auf die Uhr in seiner Hand. Ihre Lippen öffneten sich, als wollten sie etwas sagen, um sich dann gleich wieder fest zu schließen. Ihre kampfsuchende Stimmung schien verflogen zu sein, sie verlor ihre stolze, selbst­bewußte Haltung.

Der junge Offizier steckte die Uhr ein und wandte sich an Frau Werner.

Die Entschuldigung für mein eigenmächtiges Vorgehen wird, so hoffe ich, von Ihnen im rechten Lichte ungesehen werden. Ich will mich jetzt nach meinen Soldaten umtun und spreche nur noch mein Bedauern aus, daß ich in so un­erquicklicher Weise hier eindringen mußte."

Es ist nicht immer leicht, seine Pflicht zu tun, aber da muß man eben durch," meinte Frau Werner freundlich.

Die blauen Augen desUnwillkommenen" blickten voll Ehrerbietung auf die schlichte Matrone. Sein achtungsvoller Gruß sagte' ihr, daß das Wort ihm wohlgetan habe. Als er an Inge' vorbeischritt, blieb er einen Augenblick stehen.

Damit Sie wissen, Gräfin, welchem plündernden Feinde Sie heute Ihre» Zorn entgegengeschleudert habe», darf ich mich wohl Ihnen Vorsteven. Mein Raine ist Freiherr von Wer- bach!" Er verbeugte sich leicht und verließ das Zimmer.

Das Mädchen sagte kein Wort, sie setzte sich still an das Fenster und blickte hinaus.

Jetzt schritt der Freiherr unten über den Vorplatz, aber diesmal sah er nicht herauf wie vorhin. Er erteilte hierhin und dorthin Befehle und faßte dann selbst mit an, um die Bretter auf das Brückengerippe zu schaffen.

Frau Werner und Grcte sprachen miteinander über den jungen Offizier. Er hatte ihnen gut gefallen, sie lobten sein artiges Wesen, seinen ruhigen, freundlichen Ton und bewun­derten jetzt, wie geschickt er die Arbeit an der Brücke leitete, während er selbst bald hier, bald da Hand anlegte.

schiedenen Verwertung-methoden einzuüben. Der Unter­richt umfaßt: Obstweinbereilung und Behandlung desselben im Keller, sowie Behandlung kranker Weine, Bereitung von Effig, Branntwein, Beerenwein, Schaumwein und alkohol­freier Getränke; Untersuchung von Reinhefen, Kahmhefen und Schimmelpilzen, sowie de» Moste» auf Zucker, Alkohol und Säure; Bereitung von Mus, Gelee, Marmelade und Pasten, Herstellung und Aufbewahrung von Konserven und Obstsästen, Dörren des Kern- und Steinobstes und der Gemüses; Obsternte, Aufbewahrung und Verpackung frischen Obstes, Gurken-, Kraut- und Bohnensäuerung. Das Honorar beträgt 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk. Unter­kunft für die Frauen besorgt die Direktion, an die auch die Anmeldungen zu den Kursen bis spätesten« 14 Tage vor Beginn derselben zu richten sind. Alles Nähere enthalten die von der Direktion erhältlichen, kostenfreien Satzungen.

Geisenheim a. Rhein, den 25. Juni 1906.

Die Direktion der Königl. Lehranstalt.

Betrifft: Viehmaikt zu Grebenau. Wir bringen hier­mit zur öffentlichen Kenntnis, daß der für den 30. Juli d. Js. in Grebenau vorgesehene Viehmarkt nicht abgehalten wird, da an demselbenTag in AlSfeldPrämtenmarkt stattfindet.

Alefeld, den 17. Juli 1906.

Grobherzogliches Kreisamt Alsfeld. Dr. Melior.

nichtamtlicher teil

Keine 3 ' " i in ROM.

Schon in den Tagen der Monarchenbegegnung von Schönbrunn wurde von Wien aus hartnäckig die Fabel verbreitet, Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef oder auch ihre diplomatischen Begleiter hätten sich über die Zweckmäßigkeit eines gemeinsamen Verhaltens gegenüber den Ereigniffen in Rußland, ja sogar über den Fall eines militärischen Eingreifens vertraulich ausgesprochen. Die Folge solcher Falschmeldungen konnte nur sein, daß dem­gegenüber der Entschluß der beiden mitteleuropäischen Kaisermächte, jede Einmischung in die russischen Wirren zu vermeiden, von berufener Stelle um so bestimmter kundge­geben wurde. Mit besonderer Entschiedenheit geschah die« im Namen der deutschen Politik. E« kann nicht der ge­ringste Zweifel darüber bestehen, daß wir bei aller Teil­nahme für die schwierige Lage de« russischen Kaiserhauses und bei allem Verständnis für die Fährlichkeiten, mit denen die russische Regierung zu kämpfen hat, die revolutionären Zuckungen in dem großen Slavenreich nur als eine Krank­heit behandeln können, die Rußland in sich selber zu über» winden hat. Fremde Parteinahme, gleichviel in welchem Sinne, würde nur Oel ins Feuer gießen und internatio­

Inge konnte es kaum noch ertragen, immer von dem Manne sprechen zu hören, der sie durch seine kühle Abwehr ge- demütigt hatte, und von dem sie sich doch heimlich angezogen fühlte. Sie durfte nicht länger stumm dasitzen, sondern mußte dem Gespräche eine andere Wendung geben.Das wird der General Wrangel sein, der jetzt an der Brücke hält und dem Uebergange der Soldaten zusieht," meinte sie.Der fremde Offizier nannte ja den Namen, und mich interessiert der, weil ich vom Onkel weiß, daß Wrangel gut Kamerad war mit unserem Tann. Da sind aus zwei Waffenbrüdern Feinde ge­worden."

Und ans Feinden werden oftmals die besten Freunde," erklärte Mutter Gertrud. Doch ehe sie ihre Auffassung deut­licher machen konnte, setzte der Enkel, den sie neben sich in den Wagen gesetzt hatte, ein so kräftiges Geschrei ein, daß Grete den kleinen Weltbürger auf die Arme nahm und mit ihm abzog, um ihm ein Fläschchen zu bereiten.

Inge sah noch immer hinaus, obgleich da jetzt wenig zu sehen schien. Der General war fortgeritten, die Soldaten hatten die Brücke überschritten. Knatterndes Gewehrfeuer ließ sich in geringer Entfernung hören, und dabei rollte fortwäh­rend dumpfer Kanonendonner, so daß die Scheiben erzitterten.

Mutter Gertrud, entsinnst du dich des Talismans in Goldfassung, den mein Vater an der Uhrkette trug ? fragte Inge plötzlich.

Frau Werner wunderte sich zwar über diesen völlig un­vermittelten Gedankensprung, aber ihr kam das eben recht. Die schroffe Art, wie das junge Mädchen dem Fremden be­gegnet war, hatte sie peinlich berührt. Sie kannte zwar ihres Lieblings trotzigen Stolz, wußte aber auch, wie sich die empor- schäumenden Wellen ihres erregbaren Temperaments am besten ebneten int Gedanken an den von ihr so heiß geliebten Vater. Bereitwillig ging sie daher auf ihre Frage ein.Gewiß, Töchterchen. Der rote Karneol mit den wunderlichen Zeichen, die darin eingegraben waren, und darüber die Krone mit den neun schweren Goldperlen. Ich erinnere mich dessen noch ganz genau."

Inge nickte gedankenvoll.Der Vater erzählte mir, es sei das Geschenk eines Studenten, mit dem er das eine Jahr zu­

nale Verwickelungen herbeiführen. Von dieser Einsicht sind die Regierungen der an Rußland grenzenden Staaten durch­drungen, die Völker scheinen es nicht überall zu fein. Denn, abgesehen von den neuerdings zahmer gewordenen Auf­rufen in der deutschen Sozialistenpresse zu bewaffneter Unterstützung der russischen Umstürzler, gewinnt man den Eindruck, als ob auch gewissen Kreisen der österreichischen Polen ein Vormarsch auf Warschau, selbstverständlich zu­gunsten ihrer in Kongreßpolen lebenden Blüver durchaus nicht unwillkommen wäre. Gerade auf polnische Quelle scheinen jene früheren Unwahrheiten über die Möglichkeit des Auftretens deutscher und österreichischer Truppen auf russischem Boden zurückzuführen sein.

In den letzten Tagen hat nun aber Herr Petrunkewitsch, ein hervorragender Führer der konstitutionellen Demokraten in der russischen Reichsduma, in offener Sitzung das Ge­spenst einer deutsch-österreichischen Invasion zur Unter­drückung der russischen Freiheitsbewegung als ernsthafte Wirklichkeit ausgeben wollen, nachdem unmittelbar vorher in ein russisches Regierungsblatt jene schon früher wider­legten Behauptungen über angebliche Abreden zwischen Berlin und Wien abermals eingeschmuggelt worden waren. Die russische Regierung beeilte sich, diese» Manöver un­schädlich zu machen, und von deutscher wie österreichischer Seite hat eine amtliche Zurückweisung de» dreisten Märchens nicht auf sich warten lassen. Der Zwischenfall beweist aber, daß in Rußland nachgerade jedes Mittel als recht gilt, wenn man glaubt, damit die nationale Leidenschaft des russischen Volkes entflammen zu können. Es wird auch durch diese neueste Erfahrung nur bestätigt, zu welchen Treibereien gegen unsere auswärtige Politik eine vor Klärung der inneren Lage Rußland« erfolgenden Zusammen­kunft Kaiser Wilhelm« mit dem Zaren mißbraucht werden könnte, und wie sachgemäß e« ist, daß diese Begegnung vorläufig unterbleibt.

% Vorgänge in RnßlmL.

Das Mißlingen der Bildung eines Kabinetts aus kon­stitutionellen Demokraten, worin man in Peterhof den besten Ausweg aus der verwickelten Lage erblickte, scheint zu einer vollständigen Sinnesänderung bei Hofe geführt zu haben. Es festigte dort den Entschluß, selbst vor den entschiedensten Mitteln nicht zurückzuschrecken. Auch derVerband der russischen Leute", die Kämpfer gegen die Revolution, warten, wie der Petersburger Korrespondent der Kölnischen Zeitung meldet, ungeduldig auf den Augenblick, da die zunehmende Reaktion ihre Hände entfesselt und ihnen gestattet, den Bürgerkrieg zu beginnen. Als Beweis dafür dient eine Meldung aus Kiew, wonach dieVerbände des russischen Volks" den Plan zu einem riesigen Gemetzel entworfen haben sollen, dem eine Kundmachung unter dem Titel:Revolution, steh still!" vorangehen soll. Sie würden den Sozialisten,

sammen in Heidelberg studierte. Sie hatten sich Freundschaft . geschworen und Treupfänder ausgetauscht. Der Vater hatte dem andern einen alten Ring mit einem Opal geschenkt und von ihm den Talisman bekommen, den ein Vorfahre der Familie aus dem Orient mitgebracht haben sollte. Aus den Runenzeichen in dem Karneol meinten die Gelehrten das Wort zu entziffern: Segen ruht auf der Treue. Mein Vater ließ dasselbe Wort in den Ring eingraben, und die beiden Freunde gelobten sich, die ansgetauschten Pfänder immer zu tragen, als eine Mahnung, in Treue nach allem zu streben, das groß, rein und edel wäre. Sollte aber einer von ihnen von der vorge­zeichneten Bahn abweichen, dann müsse der andere ihm das gegebene Pfand zurückschicken, um ihn an das Gelübde zu er­innern. Zugleich aber auch als ein Zeichen, daß das Band zwischen ihnen zerrissen sei und nicht eher wieder angeknüpft werden dürfe, bis der Gefallene das Pfand mit ehrlichem Ge­wissen zurücksenden könne. Das heißt, wenn er in bravem Ringen sich wieder durchgearbeitet hätte."

Und wer war dieser Freund?" erkundigte sich Frau Werner; Inge zuckte die Achseln.Ich weiß es nicht. Als ich den Vater einmal danach fragte, sagte er mir: ich habe dir die Geschichte nur erzählt, um dir zu zeigen, auf welchen Grundlagen wir damals unsere Jugendfreundschaften zu schließen pflegten, Namen tun nichts zur Sache. Sie könnten hier nur schaden und, wenn es geschehen sollte, daß ich den Talisman fortgeben müßte, Dinge auszuplaudern, die geheim bleiben sollen."

Warum trägst du ihn nicht, Inge? Ich habe deinen Vater oft sagen hören:Der Talisman bringt Glück I" Er würde ihn gern an dir gesehen haben."

Das Mädchen gab keine Antwort, und Frau Werner fuhr fort :Ich bin nicht abergläubisch, Kind, denke daS nicht. Meinem Komteßchen möchte ich nur gern alles Liebe und Schöne, was sie besitzt, um- und anhängen. Solche stete Er­innerung an den Heimgegangenen immer bei sich zu tragen, denke ich, würde feinem Töchterchen anch gut tun, wenn, wie es ja oft im Leben kommt, ihr die Dinge einmal wider den Strich gehen."

Fast heftig fuhr Inge herum.Glaubst du denn, ich