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Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 83. Dienstag, den 17. Juli 1806

Amtlicher teil.

An dem Schulorganismus in Friedewald wird vom 1. Oktober d. Js. ab eine Lehrerstelle frei.

Das Einkommen derselben besteht neben freier Wohnung in 1100 M. Grundgehalt. Die Alterszulage beträgt 130 M.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 15. August d. Js. bei dem Königlichen Orts- und Kreisschulinspektor Herrn Pfarrer Dr. Bötte in Friedewakd oder dem Unterzeichneten einreichen.

Hersfeld, den 13. Juli 1906.

Namens des Schulvorstandes:

von Grunelius,

I. 5471. Königlicher Landrat.

Hersseld, den 13. Juli 1906.

Die Schulstelle in Eitra, deren competenzmäßiges Ein­kommen neben freier Wohnung unb einschließlich der Kirchen- dienstvergütung von 150 Mk. in 1150 Mk. Grundgehalt besteht, kommt infolge Versetzung des jetzigen Inhabers vom 1. Oktober d. Js. ab zur Erledigung.

Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche nebst Zeugnissen bis zum 15. August d. Js. bei dem Königlichen Ortsschulin- spektor Herrn Pfarrer Werner in Wippershain oder dem Un­terzeichneten einreichen.

Der Einheitssatz der Alterszulage beträgt 120 Mk. Der Schulvorstand: von Grunelius,

1. 5671. Königlicher Landrat.

Hersseld, den 12. Juli 1906.

Unter dem Schweinebekande des Maurers Johannes Müller zu Frielingen ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 5659. Der Königliche Landrat.

I. $.:

T h a m e r.

Asnigliches Landratsamt.

Sprechstunve: Täglich von 912 Uhr an den Wochentagen vormittags.

nichtamtlicher teil.

Ler

her IrcijfuWre.

In den letzten Tagen ist in Frankreich die soviel Staub

ouswtibelnde Angelegenheit des ehemaligen Kapitäns Dreysus,

Kampf.

Eine Geschichte aus bewegter Zeit von A. von Liliencron geb. von Wrangel. (Fortsetzung.)

Jgne antwortete ihm nicht darauf, sondern wandt« den Kopf zur Seite. Nach einer kleinen Pause fragte sie:Was hört man vom Feinde? Weißt du auch darüber etwas!"

Er zuckte die Achseln.Wollen hoffen, daß die Sache sich noch nicht so verhält. Eine Depesche soll die Nachricht gebracht haben, daß die kaiserliche Nordarmee bei Königgrätz geschlagen sei, und zwischen Oesterreich und Preußen bereits Waffenstillstandsverhandlungen angekuüpst würden."

Unmöglich", murmelte Inge und sah ihn mit erschrockenen Augen an.

Ich glaube es selbst nicht," beruhigte er sie,und hätte darüber geschwiegen, wenn du mich nicht danach gefragt hättest. Nun, die nächsten Stunden müssen ja Aufklärung und sichere Depeschen bringen."

Inge schöpfte lief Atem.Mir wird ganz beklommen zu­mute bei dem Gedanken, daß das wahr sein könnte! Und was hast du von den peußischen Truppen hier bei uns gehört?"

Der Feind soll aus seiner Stellung bei Lengsseld aus­gebrochen sein. Noch einmal, Inge, laß dir's jagen, es wird auch hier bald zum furchtbaren Ernste kommen. Du darfst dich nicht leichtsinnig allen möglichen Gefahren aussetzen. Bei Gott, ich hätte keine ruhige Stunde, wüßte ich dich in einer schwierigen Lage und könnte dir nicht zur Seite stehen."

Wie gut du bist I Wie du für mich sorgst," unterbrach ihn Inge, und leiser, mit einem bittenden Blicke, fügte sie hinzu:Sei auch weiter gut und verzeihe mir das übereilte Wort von vornhin. Ich tat dir unrecht, ich wußte es gleich hinterher!"

Um seine Lippen zuckte es. Verhaltene Wehmut, auf- steigende Bitterkeit klang aus seinen Worten, als er sagte: Den Sporn, den du mir geben wolltest, war unnötig. Du brauchtest mich nicht an meine Pflicht zu mahnen. Alle nötigen

die jenseits der Vogesen die politischen Leidenschaften mehr wie einmal von Grund aus aufgewühlt und die Republik beinahe an den Rand des Verderbens gebracht hätte, defi­nitiv zum Abschluß gebracht worden. Einstimmig hat der oberste Gerichtshof Frankreichs, der Pariser KaffationShof, in der RevisionSverhandlung des Prozesses DreyfuS den Exkapitän Dreysus von der Anklage des Landesverrates freigesprochen und hiermit das ungerechte Urteil des Militär, gertchlS von RenneS, welches DreyfuS auf Grund eines teilweise gefälschten AnklagematerialS für schuldig erklärte, kassiert. Und noch dem erfolgten Freispruche des höchsten Gerichtshofes ist der gew sene Gefangene der Teufelsinsel aus tiefer Erniedrigung um so rascher wieder emporgehoben worden auf eine glänzende Höhe, denn die französische Regierung hat sich beeilt, Alfred DreysuS vor aller Welt zu rehabilitieren. Sie ließ dem Parlament im sofortigen Anschlüsse an die Verhandlungen des KassationshofeS eine Vorlage zugehen, welche die Wiedereinfiellung des Kapitäns Dreysus in das französische Heer, seine Beförderung zum Major und seine Ernennung zum Offizier der Ehrenlegion aurspricht, und das Parlament hat dieser Rehabilitierung deS schwergeprüften Mannes mit großer Mehrheit zuge­stimmt. In der Deputiertenkammer ist dies allerdings nicht ohne große Spektakelscenen abgegangen, denn dort gerieten DreyfuSsreunde und Dreysusaegner nochmals scharf an­einander, es kam sogar zu Ohrseigenscenen und wüsten Schlägereien. Zugleich mit DreyfuS ist auch der Ent» lastungszeuge im Prozeß von RenneS, der ehemalige Oberst Picquart, vor der Oeffentlichkeit gerechtfertigt worden; beide Häuser des Parlaments haben auch die auf Picquart bezügliche Regierungsvorlage, wonach er ebenfalls wieder in die Armee eingestellt, zum Brigadegeneral befördert und zum Offizier der Ehrenlegion ernannt wird, angenommen.

Man darf getrost behaupten, daß die weit überwiegende Mehrheit des französischen Volkes mit diesem Ausgangs »es »Falle« DreyfuS" durchaus zufrieden ist und daß sie nichts mehr von einer Wiederaufwärmung dieser leidigen Affäre wissen will. Dieselbe hat wahrlich auch lange genug gespielt. Denn im Jahre 1894 war es, daß der damalige Artillerie-Kapitän Dreysus unter der Beschuldigung des versuchten Verrates militärischer Geheimnisse an eine fremde Macht, nämlich an da« Deutsche Reich, zum ersten Male verurteilt wurde, zur Degradation und zur lebenslänglichen Deportation nach der berüchtigten Teufelsinsel. Dieser erste DreysuSprozeß rief in ganz Frankreich eine ungeheure Aufregung hervor und teilte die gesamte Ration in zwei Lager, in zwei große Parteien, in jene der unbedingten DreysuSgegner, welche fest die Schuld des Verurteilten behaupteten und jene der Dreykussreunde, welche ebenso bestimmt seine Unschuld versochten. In leidenschaftlichster Weise wogte der Kamps zwischen den beiden Parteien hin und her, er riß auch die Regierung in seinen Strudel und die Republik drohte in ihrem Bestand mehr wie ein.

Schritte sind getan, noch heute abend reite ich zu meinem Regiment."

O Hans! Und das sagst du erst jetzt!" warf Inge vor­wurfsvoll ein.

Tettenborn beugte sich zu ihr nieder.Ist es dir nicht gleichgültig, ob ich komme oder gehe? Wirst du mich vermissen, wenn ich weg bin, Inge? Wirst du meiner gedenken? Wirst du um mich bangen?" Hastig, fast überstürzend hatte er die Fragen hervorgesprudelt, sein Atem ging schnell, und bange Erwartung sprach aus seinem Blick.

Des Mädchens Wimpern senkten sich tief. Sie war blaß geworden, und in peinlicher Verwirrung suchte sie ihm zu entschlüpfen.Du hast mir noch nicht gesagt, daß du mir meine unbedachten Worte verzeihst," murmelte sie. Er ließ sie nicht weiter sprechen und griff nach ihrer Hand.Inge, Inge, du weißt, ein freundlicher Blick, ein Wort von dir, und alles ist vergessen, was mich kränkte! Mädchen, ahnst du denn nicht, was du mir bist, und ivas ich für dich fühle?" Jetzt war der Augenblick der Entscheidung gekommen, aber zum Glück oder Unglück für Tettenborn wurde Inge der Antwort enthoben. Die Tür ging aus, und Frau Werner trat ein. Sie hatte die letzten Worte gehört, Blick und Haltung des jungen Offiziers, sowie die augenscheinliche Befangenheit ihres Lieblings verrieten ihr, wie die Sachen hier standen. Doch zeigte sie das mit keiner Miene, sie rief nur der ihr folgenden Elfy zu:Lasse dir doch von der Grete ein paar Stück Zucker für den Goldfuchs deS Herrn Leutnants geben!" Dann sagte sie zu diesem gewandt mit freundlichem Lächeln:Robert hat das Pferd vorgeführt, und der Wagen für die jungen Damen wird auch gleich kommen. Aber ich will nur nachsehen, daß die Kleine nicht die ganze Zuckerdose plündert!"

Um keinen Preis wollte Inge jetzt mit dem Vetter allein bleiben, und eilig versuchte sie hinter Frau Werner Hinauszu- schlüpfen, als diese das Zimmer verließ.

Doch Tettenborn vertrat ihr den Weg.So darfst du nicht gehen. Hast du keine Antwort für mich? Ich muß Klarheit, Wahrheit haben!"

Sie lehnte ihm gegenüber an dem Türpfosten. Ein Aus­weichen war nicht mehr möglich, so wollte sie ihm denn ant­

mal durch den DreysuSlärm ernstlich gefährdet zu werden. Nach vier Jahren brachten es einflußreiche Freunde de« Dreysus, unterstützt durch die reichen Geldmittel bet Familie Dreysus, dahin, daß der Pariser Kassationshof das erste Urteil gegen DreyfuS aushob unb die Sache an ein anderes Kriegsgericht, an das zu RenneS, zur nochmaligen Ver­handlung verwies. Dieses gelangte durch ein höchst faden­scheiniges BeweiSverfahren, in welchem gefälschte Schrift­stücke und falsche Zeugen eine bedenkliche Rolle spielten, zu einer erneuten Verurteilung DreyfuS, indessen mit Zubilltg, ung mildernder Umstände. Wiederum ging eine liefe Erregung durch das Land, und um ihr ein Ende zu be­reiten, entschloß sich der Präsident zur Begnadigung des unterdes von der Teufelsinsel nach Frankreich zurückge- brachten Exkapitäns DreyfuS. Nun setzten die Freund« desselben eine nochmalige Revision seines Prozesses vor dem Pariser Kassationshofs durch, sie hat jetzt feine glänzende Rechtfertigung vor aller Well zur Folge gehabt; nicht nur im eigenen Interesse des ehemaligen Gefangenen der Teufelsinsel, sondern auch im Interesse der französischen Republik ist es jedenfalls nur mit Genugtuung zu begrüßen, daß der Fall DreyfuS jetzt seine befriedigende Beilegung erfahren hat.

Unruhen in IM-LsM«.

Im ostafrikanis chen Schutzgebiet haben wieder zahlreiche Stämme ihre Unterwerfung angezeigt, so daß zeitweilig die Feindseligkeiten und die militärischen Märsche eingestellt werden konnten. Ob freilich diese Ruhe von Dauer sein wird, kann füglich bezweifelt werden, da die rebellischen Anführer nicht ausgeliefert warben sind und erfahrungsgemäß die Unruhen wteoe» au^üv^caeti pflegen, sobald die deutschen Truppen den Rücken wenden.

D a r e S s a l a m, 13. Juli. Oberleutnant Abel hatte seit dem 18. Juli mehrfache Zusammenstöße mit den Auf­ständischen. Während diese zunächst auswichen, änderten sie später ihr Verhalten und griffen am 22. Juni morgens in Nebel und Busch die Marschkolonne und am Abend desselben Tages das Lager an. Oberleutnant Freiherr v. Reitzenstein meldete am 29. Juni die erfolgreich durchge­führte Konzentration der Detachement« Kiltmatinde, Mofchi und Mpwopwa. Die Aufständischen haben daraufhin ihre Unterweisung angeboten, doch haben die RädeSlführer sich noch nicht gestellt. Die kriegerischen Operationen find vor. läufig eingestellt worden.

At Vorgänge in Wack

Moskau, 14. Juli. Eine neue große Militär­revolte ist dieser Tage in Tambow ausgebrochen. Die Ursache ist folgende: Drei arretierte Soldaten eines Kavallerie- Regiments wurden in Begleitung einiger unter dem Kommando

worten, und zwar wie er es verlangte, und wie es auch in ihrer Natur lag, in rückhaltloser Offenheit.Dein liebes, treues Gesicht nicht mehr zu sehen, wird mir fehlen Hans," sagte sie langsam, als wäge sie jedes Wort, das sie aussprach. Ich werde dich mit meinen Gedanken begleiten, werde beten, daß Gottes Engel dich behüten mögen, und werde auch bangen und sorgen um dein Leben."

Das alles ist noch nicht Liebe, Inge, Liebe, wie sie mich allein beglücken kann. Du mußt mir noch viel, viel mehr geben, als was du mir so trocken vorzählst!"

DaS Mädchen schüttelte den Kopf.Ueber mehr habe ich aber wirklich nicht zu verfügen, Hans!"

Und du meinst, damit sollte ich mich zufrieden geben?" Sie schwieg und sah an ihm vorbei in die Ferne.

Inge, Inge! Du spannst mich auf die Folter, so rede doch!"

Da seufzte sie leise.Quäle mich nicht, Hans, und laß es bei der Freundschaft zwischen uns bleiben. Ich bin dir gut, aber Liebe, das, meine ich, ist noch etwas ganz, ganz anderes."

Er wechselte die Farbe.Sage mir auch weiter die schonungslose Wahrheit. Ist dir ein anderer Mann teurer?

Ihre dunklen Augen sahen ihn ruhig und klar an.Nein", antwortete sie fest.

Da atmete er aus, griff nach ihrer Hand und küßte sie leidenschaftlich.So kann noch alles gut werden," flüsterte er.

Hans, dein Fuchs ist ungezogen! Den Zucker hat er ge- fressen, aber die Kunststücke will er nicht machen; das mußt du ihm befehlen." Elfy war mit diesem Rufe die Treppe herausgestürmt und stand nun vor den beiden. Tettenborn hatte sich gefaßt. Etwas wie Hoffnungsfreudigkeit war über ihn gekommen, als ihm die Gewißheit wurde, daß er keinen Nebenbuhler zu fürchten habe. Bereitwillig folgte er der Kleinen zu seinem Pferde und ging freundlich auf ihr Geplauder ein.

Inge verharrte in ihrer träumerischen Stellung, und erst als Frari Werner heraustam, um nach ihr zu sehen, ging sie dieser langsam entgegen. Die Matrone nahm liebevoll ihre Hand.

Komteßchen, überlege es dir einmal still in deinem Kämmer-