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Hersfelder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Kernsprech-Knschlutz Nr. 8
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Nr. 81. Sonnabend, den 14. Juli 1906.
Amtlicher teil.
Gaffel, den 3. Juli 1906.
Die Regierungs-Hauptkasse ist angewiesen, den Standesbeamten des Bezirks die von dem Königlich Statistischen Landesamt in Berlin sestgestelltenKopialienentschädigungen für die im Rechnungsjahr 1905 eingereichten Zählkarten über Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle zu zahlen.
Ich ersuche, die Standesbeamten Ihres Kreises hiervon alsbald mit dem Bemerken in Kenntnis zu setzen, daß, wenn die Abhebung der Beträge bet den betreffenden Kreiskaffen nicht binnen Monatsfrist erfolge, die Zustellung durch die Post portofrei geschehen werde, soweit die Standesbeamten nicht am Amtssitze der Kasse wohnen.
Der RegierungS-Prästdent.
J. V.: M e j e r.
An die Herren Landräte des Bezirks und an die Magistrate hier und in Hanau. A, I. 2402.
* *
Hersfeld, den 12. Juli 1906
Vorstehende« bringe ich zur Kenntnis der Herren Standesbeamten des Kreises.
A. 2591. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Hersseld, den 11. Juli 1906.
Der Befähigungsausweis des Fleisch- und Trichinenbe- schauers Justus Schmidt zu Allendorf ist erloschen. Der Genannte ist somit zur ferneren Ausübung der Geschäfte eines Fleisch- und Trichinenbeschauers nicht mehr befugt. Bis zur Anstellung eines neuen Beschauers finb die Beschaugeschäfte von dem Fleisch- und Trichinenbeschauer Jakob Fink zu Gershausen zu versehen. Im Uebrigen haben stch die Beschauer in Gershausen und Kemmerode gegenseitig zu vertreten.
Die beteiligten Ortsvorstände haben die betreffenden Beschauer hiervon in Kenntnis zu setzen.
I. 5625. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
Hersfeld, den 12. Juli 1906.
Die Herren Orlsvorstände erhalten in den nächsten Tagen die Rekrutirungsstammrollen von den Jahrgängen 1884, 1885 und 1886 zurück. Dieselben sind mit den Anlagen in der Gemeinderepositur gemäß 8 46 12 d. W. O. sorgfältigst aufzubewahren.
I. M. 847. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Asnigliches Landratsamt.
Sprechstunde: Täglich von 9—12 Uhr an den Wochentagen vormittags.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Unser Kaiser hat auf seiner Nordlandsfahrt auch der alten Krönungsstadt der Norwegerkönige Drontheim einen Besuch abgestattet und mit dem Könige Haakon VII. Gruß und Handschlag ausgetauscht. Kurz nach der Ankunft des Kaisers begab sich König Haakon auf das Kaiserschiff, und es fand ein sehr herzlicher Empfang statt; die Monarchen umarmten und küßten sich wiederholt, die Schiffe im Hasen donnerten ihren ehernen Gruß, und die Musik spielte die norwegische Nationalhymne. Später fuhr der Kaiser und der König, von der Bevölkerung stür- misch begrüßt, an Land, wo der uralte prächtige Dom, dessen Wiederherstellung der Kaiser selbst eifrig gefördert hat, be- sichtigt wurde und im Stiftshofe eine Galatafel stattfand, bei der herzliche Ansprachen zwischen beiden Herrschern gewechselt wurden. Müßig freilich dürfte es fein, der Begeg- nung, wie es von verschiedenen Seiten geschieht, eine große politische Tragweite beizumeffen. Sie war ein Akt der Höflichkeit; unser Kaiser wollte nicht unterlassen, den neuen Herrscher des Lande«, in dem er als Gast weilte, zu begrüßen.
Der p r e u ß i s ch e L a n d t a g hat in der vergangenen Woche, nachdem er acht Monate lang versammelt war, seine Pforten geschloffen. Das eigentliche Kernstück der Arbeit bildete das Schulunterhaltungsgesetz, das in beiden Häusern eine Mehrheit gefunden hat und, wie mit Bestimmtheit er- wartet werden darf, der preußischen Volksschule zum Segen gereichen wird. Nächst dem Schulunterhaltungsgesetz bot natürlich der Etat die Hauptarbeit für das Parlament, der recht
zeitig eiledigt werden konnte. Die Abänderung des Einkommen- und ErzänzungSsteuergesetzeS bedeutet eine nicht zu unterschätzende R-sorm, und daß der Landtag in Uebereinstimmung mit der Regierung bei den Gesetzen über die Teilung einzelner Landtagswahlbezirke und über die Aenderung einiger Vorschriften des Wahlverfahrens, unbekümmert um die revolutionären Putsche der Sozialdemokratie, an der verfassungsmäßigen Grundlage des DreiklassenwahlsystemS festhielt, wird ihm sicherlich die Geschichte zum Ruhme an= rechnen. Noch eine große Anzahl anderer Gesetze, wie der Entwurf über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst, die Hercyniavoclage, den Entwurf betreffend die Verbesserung bet Wohnungsverhältnisse staatlicher Arbeiter, das Gesetz betreffend die Zulassung einer VerschuldungSgrenze für land, und forstwirtschaftlich genutzte Grundstücke u. v. a. hat der Landtag erledigt, so den Abgeordneten nach der reichen Arbeitszeit nunmehr die Ferienruhe aufrichtig zu gönnen ist.
England hat den 70. Geburtstag Josef Chamberlains gefeiert. Freilich sah dieser Tag den einstigen Kolonialsekretär nicht mehr auf der Höhe seiner Macht. Der in England so populäre Mann ist stiller geworden, seit die Wahlen zum Unterhaus- seine Hoffnungen jäh durchkreuzten und der von ihm geschaffenen Tarifreformbewegung eine unzweideutige Niederlage brachten. Man hat ihn einst vergöttert, und die Orchidee, mit der er stets das Knopfloch seines grauen GehiockS schmückte, ist in England fast ebenso populär gewesen wie baß Monokle, durch das sein kluges Auge blickte. Ist ihm und seiner Tatkraft doch vor allem die Besitznahme von den beiden südafrikanischen Republiken zu danken, ist doch auch seinem Kopfe die Idee entsprungen, das britische Mutterreich und seine Kolonien mit eisernen Reifen zu umschlingen und dem Imperialismus eine Ausdehnung und einen Inhalt zu geben, wie sie nur die kühnste Phantasie ersinnen kann. In den Dienst dieser Gedankens, dessen Grundlage ein einheitliches Wirtschaftsgebiet und ein gemeinsames Heerwesen bilden muß, hat Chamberlain auch seine Tarifpolitik gestellt, und ist er auch gerade an dieser gescheitert, so bleibt er doch immerhin einer der bedeutendsten Männer de« britischen Insel- reiche«.
Um dem Umsichgreifen der Gärung in der russischen Armee entgegenzutreten, hat die höchste Militärobrigkeit in Rußland alle Hände voll zu tun. Die Ver- setzung von Offizieren der Armee in die Garde scheint gegen- wärlig zum Grundsatz erhoben zu sein Der jüngsten Ernennung von Generalmajoren au« der Armee für verschiedene Posten im Preobraschenzen Regiment ist die Ernennung de« Kommandeurs des Regiments Wilna, Generalmajors Gerzik, zum Kommandeuer des Pawlowschen Garde-Regiments gefolgt, dessen bisheriger Kommandeur einen andern Posten erhielt. Gerzik hatte sich seinerzeit bei der Unterdrückung der Unruhen infolge der Potemkin-Angelegenheit ausgezeichnet. Beide Musikkorps des Preobrafchenzen-RegimentS, von denen die Gärung ihren Anfang nahm, sind zusammen mit dessen erstem Bataillon aufgelöst und in die Armee versetzt worden, der Kapellmeister wurde entlassen. Nach neueren Meldungen scheint die Gärung im Heere sich weiter auszu breiten, und die Gesamtlage deutet darauf hin, daß neue Erschütterungen dem Zarenreiche bevorstehen, deren Ausgang nicht abzusehen ist.
Las neue »rechische VolWnlM.
Die endgültige Annahme des preußischen VolkSschul- unterhaltungSgesetzeS hat die Arbeiten beß Landtages gekrönt und ist mit entschiedener Befriedigung zu begrüßen. Von prinzipiellen Aenderungen, die das Herrenhaus an der Gesetzesvorlage vorgenommen hatte, sind folgende wieder beseitigt worden: die Sicherung des bisherigen Umfange« der Beitragsfreiheit der Großgrundbesitzer zu den Schullasten, die Unabhängigkeit der Kreisausschüsse bei Verteilung der Staatsbeiträge zu den Schullasten, sowie die Erhaltung der Patronatsrechte bei den Lehrerberufungen. Angenommen wurde die Streichung der Bestimmung, wonach konfessionelle Schulkommiffionen auch auf Anordnung der Schulaufsichtsbehörde eingesetzt werden können, sowie die Bestimmung, daß die Zusammensetzung beß Lehrkörpers sich nach der Konfession der Schüler richten solle. Neugeregelt wurde die Frage der Lehrerund Rektorenberufung. Hiernach soll eß bei der vom Herrenhause wieder eingefügten Unterscheidung zwischen Schulgemeinden mit mehr und solchen mit weniger als 25 Schulstellen sein Bewenden haben. Allen Gemeinden mit mehr alß 25 Schulstellen wird da« freie Wahlrecht für die Lehrer gegeben; in Schulverbänden mit 25 ober weniger Schulstellen erfolgt die Wahl aus 3 von der Schulaufsichtsbehörde als befähigt Bezeichneten. Eine Resolution v. Heydebrand-Frhr. von Zedlitz zu den Schluß- und Uebergangsbestimmungen, die Regierung zu ersuchen, vom Tage beß Inkrafttretens beß Gesetzes ab die Staatr- zuschüffe aus Grund der Gesetze über die Erleichterung
der Volksschullasten für alleinstehende und erste Lehrer in Schulverbänden mit nicht mehr als 7 Schulstellen von 500 auf 800 Mark zu erhöhen, wurde mit der Aenderung angenommen, daß statt 800 Mark 700 Mark gesagt wurde.
Wenn die Reden der konservativen Parteien in beiden Häusern des Landtag« vor der Schlußabstimmung eß noch einmal als ein Verdienst des Gesetzes hervorhoben, daß die konfessionelle Schule eine wertvolle Sicherung erhalten habe, so können wir uns dieser Auffassung nur anschließen. Freilich hat die konfessionelle Schule in Preußen eine stärkere Sicherung durch baß Bestehen der konfessionellen Schulsozietäten besessen, die nunmehr aufgelöst werden und deren Vermögen im Betrage von annähernd 600 Millionen Mark auf die interkonfessionellen Gemeinden übergeht. Aber es handelte sich eben darum, für diese tatsächliche Sicherung einen Ersatz zu schaffen, und das ist gelungen.
Aber auch die Freunde der Simultanschule können mit dem neuen Gesetze zufrieden sein; denn für diese ist, wenn auch mit gewissen Einschränkungen, nunmehr eine gesicherte Grundlage hergestellt. Während nach dem ersten Entwürfe der Geltungsbereich der Simultanschule auf den bisherigen Umfang beschränkt bleiben sollte, dürfen nach dem nunmehr angenommenen Gesetze unter bestimmten Voraussetzungen überall Simultanschulen errichtet werden. Ferner sind die Abänderungen des Herrenhauses aufrecht erhalten, wonach der subjektive Anspruch der Minorität der Konfessionen gegenüber der Simultanschule erst nach Ablauf von fünf Jahren geltend gemacht werden kann. Endlich können die konfessionellen Schulkommiffionen nur durch freiwilligen Beschluß der Gemeinden eingeführt werden. Auch einer der am meisten umstrittenen Punkte beß Gesetze«, die Mitwirkung bei der Anstellung der Lehrer, ist in einer Weise geregelt worden, daß es selbst den Vertretern der großen Städte im Herrenhause möglich war, dafür einzutreten. Da« Gezeter der links stehenden Blätter, die baß Gesetz als „reaktionär" und „kulturfeindlich" bezeichnen, ist also vollkommen überflüssig und ungerechtfertigt.
Wer sich alles dies vergegenwärtigt, wird, selbst wenn ihm die eine oder die andere Bestimmung des Gesetzes widerstrebt, erkennen, daß damit eine neue Bahn glücklicher Entwickelung für die preußische Volksschule geschaffen ist, und diese Erkenntnis wird sicher allmählich auch in diejenigen Kreise einbringen, die vorläufig dem Gesetzgebungs > werke abgeneigt gegenüberstanden. Wir aber begrüßen die Annahme beß Gesetzes mit besonderer Genugtuung, da wir nicht geringes Gewicht auf die Erhaltung der Christlichkeit der Volksschule legen.
Aus In- und Ausland.
Berlin, 12. Juli 1906.
Von der Nordlandsfahrt Sr. Majestät des Kaisers wird gemeldet: H a r st a d (Norwegen), 11. Juli. Bis zum Abgang diese« Telegramms sehr angenehme Fahrt nach Tromsö. An Bord alle« wohl. Gez. Lynckec, Ober- Hofmarschallamt. — TromSö, 11. Juli. S e. Majestät der Kaiser traf heute abend 8V4 Uhr an Bord der Hamburg hier ein. Eine große Menschenmenge hatte sich am Kai versammelt und brächte dem Kaiser lebhafte Huldigungen dar. Die Fahrt hierher war durchaus ruhig. Nässe und Kälte nahmen aber je weiter nördlich zu. — Tromsö, 11. Juli. Im Laufe beß heutigen Tages hörte S e. Majestät der Kaiser einen kriegsgeschichl« lichen Vortrag beß Oberstleutnant« Dickhuth. Das Wetter ist regnerisch und kühl. An Bord alles wohl. — Christiania, 11. Juli. Seine Majestät der Kaiser hat durch den hiesigen deutschen Gesandten seine außerordentliche Befriedigung aursprechen lassen über die ihm während seines Besuches in Drontheim von allen Seiten zu teil gewordenen Aufmerksamkeiten.
Ueber die Regelung der Lehrerbesoldungs- frage hat Kultusminister Dr. von S t u d t folgende Verfügungen an die Bezirksregierungen erlassen: „Durch den Staatshaushaltsetat für das laufende Etatsjahr find unter Kapitel 121 Titel 34 neue Mittel zu laufenden widerruflichen Staatsbeihilfen für leistungsschwache Schul- verbände zu dem Zwecke bereit gestellt worden, tunlichst eine Erhöhung des Mindestgrundgehaltes der ersten und alleinstehenden Lehrer auf 1100 Mk., der übrigen Lehrer auf 1000 Mk., der Lehrerinnen auf 800 Mk. und beß Mindestsatzes der Allerszulagen für sämtliche Lehrer auf 120 Mk. und der Lehrerinnen auf 100 Mk. herbeizuführen. Die Maßnahme zielt daraus ab, auf dem Gebiete des Besoldungswesens der Volksschullehrer und -Lehrerinnen eine größere Gleichmäßigkeit und Stetigkeit herzustellen und der Landflucht der Lehrer entgegenzuwirken.
Wie dem L. A. von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist mit Bestimmtheit zu erwarten, daß dem Reichs tage schon im nächsten Winter das neueZivilpensions- g e s e tz zugehen wird, Bekanntlich hat der Reichstag bei