Beziehungen gelockert werden könnten, hob sehr zutreffend der deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich bei einem vom Lord Mapor gegebenen Lunch hervor, daß, wenn man den Erfolg erreichte, beide Völker einander näher zu bringen, ein solches Resultat vielleicht die stärkste Gewähr für den europäischen Frieden bilden würde, ohne dabei im geringsten den Freundschaften Einhalt zu tun, welche jeder von beiden Teilen mit anderen Völkern etwa geschloffen habe oder noch zu schließen wünsche.
Die italienischen Kammern haben einen Gesetzentwurf betreffend die Konversion der italienischen Rente angenommen, und zwar soll diese große Transaktion sofort durchgeführt werden. Es handelt sich um 8 Milliarden Lire 5- und 4proz. Rente«, die in eine Schuld umgewandelt werden sollen, welche bis 1912 mit 3S 4 und von da an mit BVa v. H. zu verzinsen sein wird. Die Transaktion stellt einen wichtigen finanziellen und mora« lischen Erfolg dar. Die Ersparniffe, die der Staat macht, find beträchtliche. Ihre Last wird in erster Linie von den italienischen Kapitalisten getragen werden, da, wie bekannt, in den letzten Jahren ein sehr starker Rückfluß italienischer Rente aus dem Auslande stattgefunden hat. Daß Italien unter Mitwirkung der internationalen Bankwelt bei dem jetzigen steifen Geldstand an die Durchführung einer solchen Transaktion zu denken vermag, stellt einen moralischen Erfolg des wirtschaftlich aufblühenden Landes dar, der nicht minder wichtig ist.
Die innere Lage in Rußland ist noch immer sehr ernst. Tag für Tag richtet die Duma ihre Anklagen gegen die bestehende Regierung; eine Jnterpallation folgt der anderen, und die Tonart, in der nicht nur die Linke, sondern die Majorität des Hauses gegen die Regierung spricht, wird zusehends schärfer. Dieser bedauerliche Gegensatz hindert das gedeihliche Fortschreiten der notwendigen Reformarbeit, die Regierung und Duma in Angriff genommen hatten, und in deren Mittelpunkt die Agrarfrage steht. Gleichzeitig fehlt es nicht an Meldungen, welche von Gärungen in verschiedenen Teilen von Heer und Flotte zu berichten wissen. Diese Gärungen haben nun auch die Garde ergriffen, und der Zar hat das Bataillon, das seinen Namen trägt, zur Linie degradieren müssen. Dieses Vorkommnis ist jedenfalls das bedenklichste Moment in der inneren Lage Rußlands während der letzten Woche.
Aus > und Ausland.
Berlin, 5. Juli 1906.
Aus Bergen, 5. Juli, wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser ist um 10 Uhr vormittags vor Bergen ein» getroffen. Die Fahrt verlief bei schönstem Wetter vortrefflich, an Bord alles wohl.
Wie aus Berlin berichtet wird, ist unter den amSchul - k o m p r o m i ß beteiligten Parteien eine Einigung über die Bestimmungen betreffs der Lehrerwahl erfolgt, der hoffentlich auch das Herrenhaus beitreten wird. Es wird den kleinen Gemeinden eine weitergehende Mitwirkung bei der Lehrerwahl, als sie das Herrenhaus vorgesehen hat, cingeräumt, jedoch so, daß die Initiative bei der Schul- auffichtSbehörde bleibt. Doch werden weitergehende Rechte sowohl bei der Lehrerwahl wie bei der Rektorenernennung erhalten. Die letztere Bestimmung erfährt insofern eine wertvolle Erweiterung, als nicht nur das immerhin zweifelhafte Recht, sondern auch die in den letzten 5 Jahren unbeanstandet gebliebene Uebung den Gemeinden rechtlich gesichert wird.
Ein schlsfisches Blatt hatte behauptet, daß die aus nationalen Gründen getroffene Anordnung der Regierung, wonach die polnischen landwirtschaftlichen Saisonarbeiter aus Rußland und Galizien in den Wiutermonaten wieder in ihre Heimat zurückkehren müssen, aufgehoben sei. Diese Nachricht wird halbamtlich als völlig unzutreffend bezeichnet. Mit Rücksicht auf die in diesem Jahre besonders große Leutenot in der Landwirtschaft hat der Minister des Innern angeordnet, daß die Beschäftigung ausländisch-polnischer Arbeiterfamilien, die bisher nur ausnahmsweise in den vier östlichen Grenzprovinzeu zulässig war, allgemein bis auf weiteres nicht verhindert werden solle, sofern die Familien keine schulpflichtigen Kinder mit sich führen und die allgemeinen Zulassungsbedingungen erfüllt find. Selbstverständlich müffsn diese Familien ebenso wie die alleinstehenden Arbeiter in den Wintermonaten in ihre Heimat zurückkehren.
Die Untersuchung wegen der angeblichen Indiskretionen in der Kolonialabteilung zieht immer weitere Kreise. Neuerdings haben wieder bei mehreren Kolonialbeamten Durchsuchungen stattgefunden, und zwar sowohl in den Räumen der Kolonialabteilung wie in ihren Privatwohnungen. Auch andere nicht beamtete Personen find der Freifinnigen Zeitung zufolge von Haussuchungen betroffen worden, so ein Journalist, der für franzöfische Blätter korrespondiert.
Der Hauptschlag, der in diesen Tagen gegen die Aufständischen in Natal geführt werden sollte, ist miß. lungen. Das geht aus folgender amtlichen Meldung hervor: Der Kommandierende der Nataltruppen berichtet, daß Mangel an Führern einen vollständigen Zusammenschluß der den Kraal des Häuptlings Mefini umgebenden britischen Truppen verhindert hat, so daß die Operationen weniger erfolgreich waren, als sie es hätten sein können. Eine Anzahl Aufständische wurde abgeschnitten. Häuptling Mefini soll über 8000 Krieger verfügen. Die beteiligten englischen Kolonnen sind die aus Transvaalern bestehende Kolonne des Obersten Mackenzis, Leuchars und Sir A. Wocle-Sampson.
In der Kapkolonie werden zurzeit, wie der Teims aus Kapstadt telegraphiert wird, 2106 männliche und weibliche Herero und andere eingeborene Flüchtlinge aus dem deutschen Gebiet detiniert. Die Kosten ihrer Erhaltung werden der deutschen Regierung präoumerando abgesordert.
Der neue Dreibund für Abesfinten ist fertig. Der „Ageuce Havas" wird aus London gemeldet, der italienische Minister Tittoni und der franzöfische Botschafter zur Abfassung des englisch-sronzöfisch-italienischen Vertrags über Abessinien im englischen Auswärtigen Amte erschienen. Minister Tittoni gedenke am Montag nach Rom zurückzurersen.
Die Unruhen in Südchina find nach einer Meldung der Londoner „Tribune" durch Räuberbanden, die der unter dem Namen „Großes Messer" bekannten Geheim- geseuichast angehoren, hervorgerufen worden und haben den Charakter eines Aufftander angenommen. In Hfi-Tscheng bei Hangkau in der Provinz Schantung seien 5000 Aus- rührer gefangen genommen worden, den Rest versuchten die kaiserlichen Truppen einzuschließen. Die städtischen Behörden von Hfi-Tscheng waren durch Mitglieder der Gesellschaft
vom „Großen Messer" ermordet, die protestantische und die katholische Kirche zerstört worden.
Unruhen in HM-Wrika.
Berlin, 5. Juli. Nach einem Telegramm des Gouverneurs aus Dar es salam hat die im Süden des Schutzgebietes operierende Kompagnie Schönberg am Kiturika und Luvegu Widerstand gefunden und am Dapits den Gegner Überfällen. Nähere Meldungen fehlen noch. —
In Jraku haben sich die Dötachemets aus Kilimatinde, Mpapua und Moschi am 25. Juni vereinigt. Der Ausstand ist zurzeit auf Jraku beschränkt, die Aufständischen stehen an der Karawanenstraße bet Dagave. Das Detache« ment Hirsch aus Tabora sollte am 28. Juni in Jraku ein- treffen.
Sie MMe in WM.
Ein Tagesbefehl des Zaren, der heute im Rußkij Jn- walid veröffentlicht wird, macht den Oberkommandierenden des Petersburger Militärbezirks und der Garde Großfürsten Nikolaus aus den Mangel an innerer Ordnung und Disziplin beim ersten Bataillon des Preobraschenskischen Leib-Garde-RegimentS aufmerksam und spricht dieserhalb Verweise für den Kommandeur des Gardekorps, der 1. Infanterie-Division und der 1. Brigade aus. Ein zweiter Tagesbefehl enthält die Verabschiedung des Kommandeurs des Preobraschenskischen Regiments und des Kommandeurs der 1. Garde-Jnfanterie-Division sowie die Enthebung des Kommandeurs bes Gardekorps Fürsten Wassil- tfLikow von seinem Posten unter Belassung der Würde als Generaladjutant. Das Kommando des Gardekorps erhielt Gensraladjutant Danilow, die übrigen freigemorbenen Stellen find mit Offizieren von der Linie besetzt worden. — Auch heute fehlt es nicht an Meldungen über neue Fälle von Insubordination.
Petersburg, 5. Juli. Die Petersburger Tele- graphen-Agentur meldet aus Uman im Gouvernement Kiew, daß es auf einem benachbarten Gute zu einem Zusammenstoß ausständiger Bauern mit der Polizei und Kosaken kam. Als die zur Auslieferung der Rädelsführer gestellte Frist abgelaufen war, schritten die Kosaken zur Durchsuchung des Dorfes. Der ganze Ort geriet in Erregung, die Sturmglocke wurde geläutet. Mit Zustimmung des Geistlichen erbrachen die Kosaken die Tür des Glockenturms, um das Sturmgeläute zu verhindern. Aus dem Turm wurden zwei Schüsse auf die Kosaken abgefeuert, von rückwärts drängte sich eine erbitterte Menge heran. Um diese zu zerstreuen, gaben die Kosaken eine Salve ab, wobei eine Frau und ein Bauer getötet wurde.
Kowno, 5. Juli. Aus Schaulen wird gemeldet, daß in dem dortigen Gefängnis die Gefangenen die Wärter entwaffneten und unter Abfeuern von Schüssen die Flucht ergriffen. Außerhalb der Stadt legten sie Kleider von Feldarbeitern an, die auf dem Felde lagen. Es find 22 Gefangene geflohen.
Aus Provinz u. naebbargebiet.
* (Personal-Chronik.) Ernannt: der Gerichts- assessor Nöll zum Amtsrichter in Brttenberg, der Gerichts- assessor Gisrsbsrq zum Amtsrichter in Steinberg-Hallenberg, der Gerichlsaffeffor Zuschlag zum Amtsrichter in JeSberg, der Stellanwärter Greif zum GerichtSdiener bei dem Amtsgericht in Salmünster, der Hilfshoboist König zum Schutz- nann bei der Königlichen Polizeiverwaltung in Caffel. — Versehen : dem Rsgisrungskanzlisten Münck anläßlich seines lebertritts in den Ruhestand der Titel Kanzleisekretär. — In den Ruhestand versetzt: der Kreissekretäc, Kanzleirat Brunner in Ziegenhain vom 1. Juli d. I. ab unter Ver- eihung des Roten Adlerordens 4. Klaffe, der Regierung«- anzlist Münch, der unwiderruflich angestellte Kanzleigehilfe Wolfram bei dem Amtsgericht in Caffel. — Entlassen: der Gerichlsaffeffor Friedrich Wagner auf seinen Antrag aus )em Justizdienste, der Referendar Korsch behufs Ueberttitts n den elsaß-lothringenschen Justizvorbeceitungsvienst aus dem preußischen Justizdienste, der Schutzmann Schöffow bei der königlichen Polizeiverwaltung zu Fulda auf Antrag.
* (Internationale Ballonfahrt.) Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, den 4., 5. und 6. Juli anden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt. Es stiegen Drachen, bemannte und unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorg» ältig birgt und an die angegebene Adreffe sofort telegraphisch Nachricht sendet.
* Für die Jägerprüfung find vom LandwirtschastS- minifter neue Bestimmungen getroffen worden. Die Prüfung zerfällt in eine zweitägige Prüfung im Walde und eine kürzere im Zimmer. Die Prüfung im Walde soll ergeben, ob der Prüfling eine auf lebendiger Anschauung und praktischer Uebung beruhende Bekanntschaft mit den Waldge- schästen eines Försters sich erworben hat, feine Kenntnisse in Unterscheidung und Benennung der einheimischen Holzarten und ihrer Keimlinge und Sämereien, sowie der sich vorfindenden wichtigsten Forstunkräuter, seine Fertigkeit im Säen und Pflanzen nebst allen dabei auszuführenden Arbeiten und Handgriffen, seine Bekanntschaft mit der Fällung, Aufarbeitung, Messung und Klassenbildung des Holzes, feine Uebung im Ansprechen der Länge, Stärke, des Massenge- haltes liegender und stehender Stämme, sowie in der Handhabung der gebräuchlichsten Meßinstrumente darzulegen usw. Im Zimmer wird über Waldbau, Forstbenutzung, Forstschutz und Jagdwesen geprüft. Der Prüfungsausschuß besteht aus einem Oberforstmeister, einem Regierung-- und Forst- rat, sowie vier Forstmeistern oder Oberförstern.
P Hersfeld, 6. Juli. (Ferien.) Ferien! Laut jubeln dies Wort Tausende von jugendlichen Kehlen, wo nach wochenlangem Drucke des Schulzwanges endlich wieder die goldene Freiheit lacht. Ein langer Monat voll Lust, Sonnenschein und Freiheit steht bevor, und ehe das Gespenst der Schule wieder ernst drohend in den Gesichtskreis der fröhlichen Nichtstuer tritt, können immerhin einige Wochen vergehen. Nicht einmal die strengen Ermahnungen, die diesem oder jenem aus der ferienfreudigen Schar zur Abkühlung mit auf den Weg gegeben werden, machen einen tieferen Eindruck. Der Augenblick gehört der Jugend, und was aus der nächsten Zensur wird, daran zu denken wäre unzeitgemäß. Die Eile, mit der die Schulbücher in die Ecke geworfen werden, um dort endlich einmal die Größe des Unmuts zu erfahren, der sich gegen sie aufgehäuft hat,
st eigentlich keine Schmeichelei für das Institut, welches ich offiziell ^Schule" nennt, von feinen Besuchern aber mit andern, wenig schmeichelhaften Bezeichnungen bedacht wird. Die Freude, mit der jede Unterbrechung des Schulunterrichts durch die Ferien von den zukünftigen Staatsbürgern begrüßt wird, teilen auch selbst die strengsten Lehrer, die in ihrem Berufe aufgehen; auch sie empfinden die Unterbrechung des ewigen Einerlei« der Jugenderziehung keineswegs unangenehm, und doch haben für sie die Ferien lange nicht die Bedeutung, wie für aus ihrer Schulhaft befreite Knaben, Jünglinge und Mädchen. Jedes Alter hat das Recht, in dem Gange des Lebens als etwas in seiner Art Fertiges und Ganzes betrachtet zu werden, und es ist keineswegs richtig, die jüngeren Lebensalter ausschließlich als eine Vorbereitungsstufe für die späteren zu betrachten. Die Jugend aber — und wer will ihr das verdenken — sieht die Pflichten der Schule im ganzen nicht als einen Teil der ihr zugemeffenen Lebensfreude an; sie strebt nach Freiheit, um die Kräfte, die ihr zu Gebote stehen, auch einmal nach der Richtung hin zu üben, die ihr die angemessene erscheint. Freilich verzichtet auch während der Ferien die Schule noch nicht ganz darauf, ihren Willen geltend zu machen, aber Ferienarbeiten, wie man sie früher kannte, existieren jetzt glücklicherweise meist blos noch in der Idee und werden gewöhnlich von den Jungen hergebrachtermaßen mit ziemlicher Geringschätzung behandelt. Die Ferienfreude löten sie im allgemeinen weniger als die Ungunst des Wetters, die nur zu häufig die schönsten Ferienträume buch- iäblich zu Wasser werden läßt. Deshalb wünschen wir allen, welche entweder zu Hause oder draußen an den Küsten )e& Meeres, in Bergen und Wäldern Erholung und Erfrischung suchen, schöne und fröhliche Ferien.
):( Hersfeld, 6. Juli. Zum Sprechverkehr mit HerSfeld ist Bingen und RüdeSheim zugelassen. Die Sprechgebühr beträgt je 1 Mark.
):( Hersfeld, 6. Juli. Das VI. Hessische Sundes-Sängerfest steht nun unmittelbar bevor. In der am Mittwoch abgehaltenen Schlußsitzung der einzelnen Festausschüsse wurde nochmals Bericht erstattet, woraus zu ersehen war, daß die Arbeiten zum größtenleil vollendet inb, und hiernach zu urteilen, ein gutes Gelingen des Festes außer Frage steht — vorausgesetzt, daß baS Wetter eben- all» seine Schuldigkeit tut, und uns goldenen Sonnenschein iu den Festtagen bringt. Im Laufe des Abends gedachte der Vorsitzende des Festausschusses, Herr Apotheker Becker auch des freudigen Ereignisses in unserem Kaiserhause und brächte ein dreifaches Hurra auf den neugeborenen Prinzen und das Hohenzollernhaus aus. Mit Worten des Dankes an die Mitglieder der Ausschüsse, sowie mit dem Wunsche für ein gutes Gelingen des Festes schloß der Herr Vorsitzende die Sitzung. — Auf dem Festplatze wird feit einigen Tagen angestrengt gearbeitet, um die Sängerhalle sowie Wirt- chastsbuden auszustellen. — Mit der Ausschmückung der Straßen, durch die der Festzug geht, ist heute begonnen worden, und verspricht dieselbe eine großartige zu werden. Hoffentlich trägt auch die Einwohnerschaft ihr Teil mit dazu bei, um unserer Stadt ein festliche« Gewand zu geben. Der Ausschmückungs-Ausschuß ist gern bereit, Tannen und Guirlanden zu diesem Zwecke abzu- geben. — Der Festzug wird bekanntlich auf dem Turnplatz an der Hainstraße ausgestellt und bewegt sich von hier aus durch die Breitenstraße, Weinstraße, Linggplatz, Marktplatz, Obere Frauenstraße nach dem Festplatz. — Mög^s- >en vielen Fremden, die voraussichtlich zu den Festlagen ommen, recht gut hier gefallen, damit sie stets mit Freuden an die schön verlebten Stunden in der altenLulluSstadt zu- rückdenken!
):( Hersfeld, 5. Juli. (Schöffengericht.) Wegen Körperverletzung wurde ein hiesiger Arbeiter mit 3 Wochen Gefängnis bestraft. — Ein Einwohner aus Friedlos erstell wegen Körperverletzung 2 Wochen Gefängnis. — Wegen Mißhandlung wurde ein Einwohner von Sorga zu 15 Mk. Geldstrafe ev. 3 Tagen Gefängnis verurteilt.
):( Hersfeld, 6. Juli. Aus einer Anzahl mit Fahnen und frischem Grün schön geschmückten Leiterwagen, auf dessen erster ein Trommler- und PseiferkoipS saß, hatten heute die S ch u l k i n b e r von Heringen a. W. in Begleitung ihrer Herrn Lehrer einen Ausflug hierher ge» macht.
Schmalkalden, 3 Juli. In der Nähe des benach- rarten Ortes Grumbach trat ein Njähriger Knabe beim Wenden der Heuhaufen auf eine Kreuzotter und wurde er von dieser gebissen. Trotz reichlicher Menge Alkohol, der von dem Bürgermeister von Grumbach in kurzer Zeit be • chafft war und dem Knaben eingeflößt wurde, konnten LähmungSerscheinungen nicht verhindert werden. Das Bein des Knaben, der barfuß gewesen war, schwoll in kurzer Zeit derart an, daß der bedauernswerte Junge dem Landkrankenhaus in Schmalkalden zugeführt werden mußte. Dieser Fall mahnt namentlich für Beerensucher zu doppelter Vorsicht, zumal in diesem Jahre während der letzten heißen Tage eine außergewöhnlich große Zahl junger Kreuzottern ausgekommen sein soll.
Von der Werra, 4. Juli. Ein schwerer Unglücks- fall ereignete sich heute nacht in einem Pferdestalle zu Wahl- Hauseu. Der 18jährige Knecht Eduard Ulrich erhielt von einem Pferde, das sich von feinem Standort losgerissen hatte, einen Hufschlag gegen den Kopf, sodaß die Schädeldecke zertrümmert wurde. Außerdem trug der Verl-tzte beim Fallen noch bedeutende Verwundungen am Hinterkops davon. Der Verunglückte wurde sofort in das Johanniter-Kranken- Haus nach Heiligenstadt geschafft. An seinem Auskommen wird gezweifelt.
Vom Maine, 4. Juli. In Altheiden brannte um die Mitternachtstunde dar Wohnhaus des Landwirts Maulner nieder. Die Ehefrau fand dabei in den Flammen ihren Tod. Die Leiche wurde verkohlt aufgesunden. — In Mönchs- ambach schlug gestern der Blitz in da« Wohnhaus des Bürgermeisters Röckelein. Dieser, seine Frau und sein Kind wurden gefährlich vom Blitzstrahl getroffen. In Rent- weinSdorf bekam der Dienstknecht Georg Bergner einen Schlag von seinem Pferde in die rechte Seite. Er starb an der erlittenen Verletzung. — In Bobing wurde auf freiem Felde ein Landwirt samt seinem Sohne vom Blitze getroffen und getötet. Der Fall ist um so trauriger, als der Mann eine Witwe mit 13 Kindern hinterläßt.
Bensheim, 3. Juli. Im nahen Retchenbach spielten im Holzschuppen des Ed. Hochgenug kleine Kindex mit Zünd, hölzern. Alsbald stand der Schuppen in Flammen, die auch die Kleider des 4jährigen Töchterchen» des Hochgenug ergriffen hatten. Der Großvater eilte herbei und wollte bas Kind retten, was ihm jedoch nicht gelang. Das Kind starb nach gräßlichen Schmerzen und bet alte Mann erlitt solch schwere Brandwunden, daß an seinem Auskommen gezweifelt wird.