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hersfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 78. Sonnabend, den 7. Juli 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 3. Juli 1906.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche meine Verfügung vom 29. Juni 1880, I. 7650, KreiSblatt Nr. 52, betreffend Einreichung der Berzeichniffe über die im Saufe dieses Jahres in ihren Gemeinden ge­borenen, von Privathengsten abstammenven Füllen noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.

I. I. 5422. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 4. Juli 1906.

Diejenigen Herren Bürgermeister, welche meine Ver> fügung vom 15. April 1879, I. Nr. 4433, KreiSblatt Nr. 31, betreffend Hagelversicherung, noch nicht erledigt haben, werden hiermit erinnert.

I. I. 5421. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 4. Juli 1906.

Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche meine Verfügung vom 15. März 1900, I. I. 1732, Kreisblatt Nr. 33, betreffend Sollauskommen an Beiträgen zur Landwirtschaftskammer, noch nicht erledigt haben, werden hieran erinnert.

J. I. 5423. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 3. Juli 1906.

Diejenigen Herren Orlsoorstände und Gutsvorstände, welche meine Verfügung vom 5. November 1892, J. 7380, Kreisblatt Nr. 133, betr. Zurückziehung bezw. Herabsetzung polizeilich erkannter Strafen im Kalenderjahr 1905 noch nicht erledigt haben, werden hierdurch erinnert.

I. 5395. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 3. Juli 1906.

Unter dem Schweinebestande des Fabrikarbeiters Johannes Trinter in Hersfeld ist die Rotlaufseuche ausgebrochen. I. 5350. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Nachrichten für diejenigen jungen Leute, welche in die Unter- offiziervorfcknlen einzutreten wünschen.

1. Die Unteroffiziervorschulen haben die Bestimmung, geeig­nete junge Leute von ausgesprochener Neigung für den Unter- offizierstand in der Zeit zwischen dem Verlassen der Schule nach beendeter Schulpflicht und dem Eintritt in das wehrpflichtige Filter derart fortzubilden, daß sie für ihren künftigen Beruf tüchtig werden. Bei militärischer Erziehung sollen sie dort Gelegenheit finden, ihre Schulkenntnisse soweit zu ergänzen, wie dies nicht nur im Hinblick auf den militärischen Beruf, sondern auch für ihre spätere Verwendbarkeit im Militär-Verwaltungs- bezw. Zivil­dienst wünschenswert ist. Daneben wird der körperlichen Ent­wickelung und Ausbildung, unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Anforderungen des Militärdienstes, besondere Aufmerksamkeit zugewendet.

2. Die Ausbildung in den Unteroffiziervorschulen dauert in der Regel 2 Jahre.

3. Bei dem Nebertritt in die Unteroffizierschule hat der Frei­willige den Fahneneid zu leisten und steht dann wie jeder andere Soldat des Heeres unter militärischen Gesetzen.

4. Nach der in der Regel 2 Jahre dauernden Ausbildung in der Unteroffizierschule werden die in den Unteroffiziervorschulen vorgebildeten Unteroffizierschüler an Infanterie, Jäger-, Marine- Infanterie- und Artillerie-Truppenteile überwiesen, und zwar die­jenigen Unteroffizierschüler, welche die Befähigung hierzu erworben haben, als Unteroffiziere.

5. Wer in eine Unteroffiziervorschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich, nachdem er mindestens 14vs Jahre alt geworden ist, begleitet von seinem Vater oder Vormund persönlich bei dem für feinen Aufenthalt zuständigen Bezirkskommando oder bei dem Kommando einer Unteroffiziervorschule vorzustellen, und hierbei folgende Papiere vorzulegen;

1) ein Geburtszeugnis,

2) den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,

3) ein Unbeschollenheitszeugnis der Polizei-Obrigkeit,

4) etwa vorhandene Schulzeugnisse,

5) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäfti- gungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.

ß. Bei der Gestellung zum Eintritt in die Unteroffizier«»» schule müssen die Einberufenen mit einem paar guten Stiefel und zwei neuen Hemden sowie mit 6 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.

Das zum Lebensunterhalt Notwendige wird unentgeltlich ge­währt.

7. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Bezirks fcldwcbel eingesehen werden.

8. Die Erziehung findet unentgeltlich statt.

Nachrichten für diejenisten Freiwilligen, welche in die Unteroffizier- schulen eingestellt zu werden wünschen.

1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge,

Leute, welche sich dem Militärstande widmen wollen, zu Unter­offizieren heranzubilden.

2. Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert in der Regel 3, bei besonderer Brauchbarkeit 2 Jahre, in welcher Zeit die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und solchen Unterricht erhalten, welcher sie befähgit, bei besonderer Tüchtig­keit auch die bevorzugteren Stellen deS Unteroffizierstandes ^Feld­webel etc.), des Militärverwaltungsdienstes (Zahlmeister etc.) und des Zivildienstes zu erlangen.

Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigung aller Arten von Dienstschreiben, mili­tärische Rechnungsführung, Geschichte, Geographie, Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen sowie Gesang.

Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonett­fechten und Schwimmen.

3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes; sie stehen wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahnen­eid zu leisten.

4. Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.

Der Einzustellende soll mindestens 154 Zentimeter groß, voll­kommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehm­baren Anlagen zu chronischen Krankheiten sein und die Brauch­barkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.

5. Der Einzustellende muß sich tadellos geführt haben, latei­nische wie deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und die ersten Grundlagen des Rechnens mit unbenannten Zahlen kennen.

6. Der Einberufene muß mit ausreichendem Schuhzeug, zwei Hemden und mit 6 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein. Im klebrigen ist die Ausbildung lastenfrei; die Unteroffizierschüler werden bekleidet und verpflegt wie jeder Soldat des aktiven Heeres.

7. Wer in eine Unterossizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich bei dem Bezirkskommandeur feines Aufenthalts­ortes oder bei dem Kommandeur einer Unterossizierschule (z. Z. in Potsdam, Jülich, Biebrich, Weißenfels, Ettlingen und Marienwerder) persönlich zu melden und hierbei folgende Papiere vorzulegen;

1) einen von dem Zioiloorsitzenden der Ersatzkonimission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,

2) . den Konfirmationsschein bezw. einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion.

3) etwa vorhandene Schulzeugnisse,

4) eine amtliche Bescheinigung über die bisherige Beschäf­tigungsweise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.

Eine Einstellung findet indessen bei den Unteroffizierschulen in Potsdam, Jülich, Weißenfels und Ettlingen nicht mehr statt, da dieselben sich aus Unteroffizicrvorschülern ergänzen.

8. Die Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder sollen, soweit angängig, berücksichtigt werden.

9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober statt.

10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffiziersberuf erweisen, werden aus den Unteroffizierschulen entlassen.

11. Während ihrer Dienstzeit in der Unterossizierschule er­halten bei guter Führung diejenigen Unteroffizierschüler, welche in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reise-Ent­schädigung.

12. Die ausführlichen Bestimmungen können bei dem Be­zirksfeldwebel eingesehen werden.

Die Erziehung geschieht unentgeltlich.

nichtamtlicher Ceil.

Still tonliriiistii eilt Sein geboren.

Eine frohe Nachricht kommt aus Potsdam:

Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Frau Kronprinzessin ist am Mittwoch vormittag 9 Uhr 15 Minuten von einem Prinzen entbunden worden.

Hierzu schreibt dieN. A. Zig.": Weithin, in allen deutschen Gauen, wird diese Kunde mit innigster Freude vernommen werden. Denn die Geschicke, die das Kaiser­haus angehen, trübe wie heitere, sind in der Nation von jeher mit aufrichtigster Anteilnahme verfolgt worden Der junge Vater, Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Kronprinz, und seine anmutreiche Gemahlin haben es ver­standen, wo sie auch nur erschienen, die Herzen zu gewinnen. Und so werden unter dem Eindruck der Potsdamer Bot­schaft vom 4. Juli freudigste Wünsche für den Kronprinzen des Deutschen Reiches und von Preußen, wie für das Wohlergehen der hohen Mutter und des neuge« borenen Prinzen überall, wo Deutsche wohnen, die Herzen erfüllen.

Sehen wir doch die schönste Hoffnung verwirklicht: ein Sohn ist dem Herzensbunde entsprossen, der im Rosen- monat der Jahres 1905 unter bewegter Teilnahme weiter Volkskreise geschloffen wurde. Die Thronfolge des Hauses Hohenzollern ist wiederum in der dritten Generation gesichert. Unser erlauchtes Kaiserprac nennt einen ersten Enkel sein eigen. Wir danken dem Allmächtigen für das Glück, das dem Herrscherpaare beschteden ward. Wir teilen bewegt die hohe Freude, die das frohe Ereignis für die Majestäten bedeutet. Und wir bringen unsere ehrfurchtsvollsten Glück, und Segenswünsche dar dem Kaiser und Könige, der Kaiserin und Königin!

Möge der junge Sproß der Hohenzollerndynastie, unter deren Kaiserlicher Herrschaft das Deutsche Reich zu ge­bietender Macht und neuer Blüte gelangt ist, heranwachsen, seinen allerhöchsten Großeltern und erlauchten Eltern zu Freude und Segen, der Nation zu einer glücklichen Zukunft. Gott schütze und erhalte den Kaiser und die Kaiserin, das Kronprinzlichs Paar und den neugeborenen Prinzen.

* *

Der Deutsche Reichsanzeiger und Königlich Preußische StaatSanzeiger bringt in einer heute mittag erschienenen Sonderausgabe folgende Bekanntmachung:

Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Frau Krön- Prinzessin des Deutschen Reiches und von Preußen ist heute vormittag 9 Uhr 15 Minuten im Marmorpalais zu Potsdam zur Freude Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin und des ganzen Königlichen Hauses von einem Prinzen glücklich entbunden worden.

Dieses erfreuliche Ereignis wurde der hiesigen Ein­wohnerschaft durch die üblichen Kanonenschüffe bekannt ge­geben.

Die hohe Wöchnerin, sowie der neugeborene Prinz be­finden sich in bestem Wohlsein.

Berlin, den 4. Juli 1906.

Der Minister des Königlichen Hauses.

v. Wedel.

* * *

Ein heute nachmittag 12% Uhr in Potsdam veröffent­lichtes Bulletin besagt:

Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Kronprinzessin befindet sich nach gut verbrachter Nacht heute Morgen recht wohl. Auch das Befinden des Kindes ist vortrefflich.

gez. B u m m. Keller.

Politischer Wochenbericht.

Jubel und Freude ist im Hoh enzo lle rn . hauseeingezogen. Aber nicht dem Hohenzollernhause allein, nicht nur dem jungen Paare, das dereinst berufen ist, die deutsche Kaiserkrone zu tragen, ist Glück und Heil widerfahren, sondern dem gesamten deutschen Volke, das unter dem Zepter Kaiser Wilhelms II. in ruhiger Sicher­heit den Segen des Friedens genießt und zugleich jedem deutschen Herzen, das auf dem weiten Erdenrund an der Treue zum Vaterlande festhält und sein Leid und seine Freuden mitempfindet. Dem jugendlichen Kronprinzen des deutschen Reiches ist ein Sohn geboren worden, ein Knäb- [ein, das unter dem göttlichen Schutze blühen und reifen möge zum stattlichen Manne, damit es zum Segen des Volkes fähig werde, das schwere Amt ganz zu erfüllen : Ein Führer und Schirmherr der Nation zu werden, in Weis­heit und Tüchtigkeit zu walten, das Erbe der Väter zu hüten und zu mehren.Der Fürsten Häupter glänzen er, hellt, und Aurora berührt sie mit den ewigen Strahlen als die ragenden Gipfel der Welt." Auch auf dem Haupte des jungen Prinzen, der jetzt geboren wurde, liegt ein besonderer Schimmer; denn er soll dereinst der Herrscher eines mäch« tigen Volkes, der Führer im Kampfe, die Schutzwehr in Gefahren, der Hort der Bedrängten. Die Stütze der Wanken» den fein, tausend Hoffnungen richten sich an ihm empor, und aus Millionen Herzen steigen Gebete um das Glück seiner Zukunft zum Himmel. Die Friedensklänge der Glocken und der Donner der Kanonen mischen sich nach altem Brauche beim Eintritt durch die Pforte des Lebens zur Begrüßung eine» Hohenzollernprinzen: eine ernste Symbolik. Denn auch das Leben eines Fürsten gleitet nicht dahin auf ebenen, stets sonnenbeglänzten Bahnen, sondern auch ihm sind Kämpfe beschieden, und der Schützer des Friedens muß zu­gleich das Schwert an der Seite tragen. So möge denn der jüngste Sproß des Hohenzollernhause«, unter dessen kaiserlicher Herrschaft das Deutsche Reich zu neuer Blüte und achtunggebietender Macht gelangt ist, heranwachsen, seinen erlauchten Eltern und Großeltern zur Freude, der Nation zu einer glücklichen Zukunft! Gott segne den jungen Prinzen, den künftigen deutschen Kaiser! Gott segne das junge Paar, aus dessen Liebesbunde er entsprang! Gott segne und schütze das ganze Hohenzollernhaus!

Der Besuch derdeutschenZeitungSverlreter in London, der auf eine Einladung desEnglisch­deutschen FreundschaftskomiteeS" erfolgte, ist mit einer Kette glänzender Festlichkeiten in harmonischer Weise verlaufen. In den Reden und Ansprachen, die ausgetauscht wurden, klang stets der Gedanke vor, daß die britische und deutsche Nation keinen ernsthaften Grund hätten, einander feindlich gesinnt zu sein, und daß das Erscheinen deutscher Journa­listen in England, ihr Bekanntwerden mit den dortigen maßgebenden Persönlichkeiten, mit Einrichtungen und An schauungen dazu beitragen möchte, die Wege zu gegenseitiger Annäherung zu ebnen. Aehnliche Anschauungen haben auch die meisten einflußreichen englischen Zeitungen zum Ausdruck gebracht. Gegenüber der Besorgnis derTimes", daß durch den Besuch der deutschen Presse die französisch-englischen