Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, v»
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hersMer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Silage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8 ;
Nr. 76
Dienstag, den 3. Juli
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Bestellungen auf das ßersfelder Kreisblatt werden für
das dritte Quartal
von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 30. Juni 1906.
Diejenigen Herren Bürgermeister, welche noch nicht die Nachweisung über den am 1. Juni b. I». fefigeßeOten Bestand an Kühen und deckfähigen Rindern sowie an sprung- fähigen Bullen eingesandt haben, werden hieran mit Frist bis zum 5 Juli d. I«. erinnert.
I. 2455 Der Königliche Landrat.
3 V.:
Thomer.
Hersfeld, den 28. Juni 1906.
Am 13., 14. und 15 Juli d. Js wird die mit Tierschau und landwirtschaftlicher Ausstellung verbundene 19. Generalversammlung des Vereins-Ausschusses der Land- wirtfchaftSkammer für den Regierungsbezirk Cassel in Schlüchtern abgchalien werden. Es kommen hierbei namhafte Prämien zur Verteilung. Das Nähere hierüber kann in dem hier vorliegenden Programm von Interessenten eingesehen werden.
Die Herren OrtSvorstände des Kreise« werden ersucht, auf eine rege Beteiligung an der Ausstellung rc. bei den Landwirten des Kreises hinzuwirken.
I. I. 5146. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 28. Juni 1906.
Der Herr Oberpräsident hat durch Erlaß vom 13. b. MtS. Nr. 5841, dem Gefchäftsausschusse der von dem Casseler Gartenbauverein in Aussicht genommenen Jubiläumsausstellung 1906 zu der am 5. September d. I«. beab- sichtigten Verlosung von silbernem Tafelgerät, Tafelservice aus Porzellan, Gartengeräten, Gartenmöbeln, Pflanzen usw. zum Besten der Unterstützung der Aussteller und der Ge
Set gestohlene Iiamantenschatz.
Roman von J. G a r w i n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Darüber werden wir unS sehr rasch einigen. Monsieur Gellimier," antwortete Richard.
„Hier ist Ihre Uhr!" sagte Gellimier. „Nun wir Freunde sind, denke ich nicht daran, sie zu behalten. Einen Freund bestehle ich nie. Sie gaben mir etwas Geld und ich habe Lust, es auszugeben. Wollen Sie mit mir in ein Weinlokal hier in die Nähe gehen? Ich leide in letzter Zeit an einem kaum zu stillenden Durst."
„Ja", versetzte Richard, „ich will Euch meine Instruktionen geben und keine Zeit ist dazu besser geeignet als die jetzige."
Sie schritten ruhig nebeneinander her, bis sie ein kleines Wirtshaus erreichten. Dort setzten sie sich an einem Tische, etwas abseits von den übrigen Gästen, die rauchten, tranken und Karte spielten, nieder.
Richard bestellte eine Flasche Wein und über eine Stunde unterhielten sie sich ernst mit einander. Als Richard ausstand, um fortzugehen, sagte er: Ihr versteht mich vollkommen?"
„Vollkommen! Ich soll die Baronin Sunderland . . ."
„Still!" unterbrach Richard ihn. „Habe ich Euch nicht gesagt, Ihr sollt vorsichtig sein?"
„Der Kuckuck hole meine Zunge !" rief Gellimier aus. „Ich merke mir schon den Namen. Jeden Morgen um zehn Uhr komme ich zu Ihnen, Bericht zu erstatten."
„Ich brauche also nichts weiter zu sage»?
„Kein Wort. Verlassen Sie sich ganz auf mich. Lassen Sie mir nur vierzehn Tage Zeit, unb Sie werden sehen, daß Sie sich über nichts zu beklagen haben."
„Gut! Ich bin es zufrieden," erwiderte Richard. „Ihr kommt Eurem Versprechen nach und ich werde das meinige erfüllen. Hier habt Ihr etwas Geld als Anzahlung."
Gellimier griff hastig nach einigen Banknoten und wünschte mit halb vertraulichem, halb ehrerbietigem Gruß seinem neu» gefundenen Beschützer Gute Nacht.
winnung eines Beitrags zu den Ausstellung-kosten die Genehmigung erteilt.
Das Absatzgebiet der Lose erstreckt sich auf die Provinz Hessen-Nassau.
Die OrtSpolizeibehörden werden ersucht, dafür zu sorgen, daß dem Vertrieb der Lose keine Schwierigkeiten bereitet werden.
I 5199. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
HerSfeld, den 31. Mai 1906.
Unter den Schweinen des SpinnmeisterS Louis Kirschner zu Her-feld ist die Rollaufseuche erloschen. I 5198. Der Königliche Landrat.
I. V.?
T h a m e r.
Hersfeld, den 29. Juni 1906.
Unter dem Schweinebeftande des Schuhmachers Jakob Jber zu Niederhülsa, Kreis Homberg, ist die Schweineseuche ausgebrochen. I 5226. Der Königliche Landrat.
3 V: TbaMer.
HerSfeld, den 30 Juni 1906
Die Räude unter der Schafherde III in Ulfen, Kreis Rotenburg a/F. ist erloschen. I. 5265. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher teil.
FmkmP Sorgen um WM.
Die französische Regierung und die französischen Volksvertreter in den Kammern sind im allgemeinen politisch zu klug, um über die großen Sorgen etwas laut werden zu lassen, die ihnen die trostlosen Zustände in Rußland machen, aber eine Tatsache ist, daß die Sorgen der Franzosen wegen Rußlands Zukunft und den immer wahrscheinlicher werden^ den großen politischen und finanziellen Krach in Rußland von Tag zu Tag wachsen. Denn wo soll in Rußland Deckung und Zinsen für die etwa acht Milliarden Franc« Anleihen Herkommen, welche die Franzosen den Russen seit zwanzig Jahren geliehen haben? Was soll ferner baS Bündnis Frankreichs mit Rußland noch für einen Wert haben, wenn in Rußland die große Revolution ausbricht und den morschen Zarenstaat wegfeat?
Sechsundzwanzigstes Kapitel.
Baronin Sunderland pflegte ihre Equipage jeden Morgen um neun Uhr zu bestellen und nach dem Bois de Boulogne zu fahren; dort stieg sie aus, promenierte eine Weile umher und kehrte bei Zeiten zurück, um mit ihrem Gemahl, der später aufzustehen pflegte, das Frühstück einzunehmen. Eines Morgens, wenige Tage nach dem soeben erzählten Vorfall, stellte sich am Hause des Barons Sunderland ein Mann ein und verlangte James, den Kutscher zu sprechen. Der Fremde sah wie ein Stallknecht aus, und James, der schon früher in Frankreich gewesen war und französisch sprechen konnte, verließ bald darnach mit dem Fremden den Hof. Die Knechte sahen voll Verwunderung den Kutscher, der ungewöhnlich ernst war, mit dem Fremden in ein Wirtshaus gehen. Ungefähr um halb neun, gerade zu rechter Zeit, um für die Baronin anzuspannen, kam James zurück und stieg auf den Bock, während die Pferde geschirrt und angespannt wurden. Man bemerkte, daß er sich nur mit Mühe auf seinem Platz halten konnte.
Nach wenigen Minuten kam die Baronin, sie stieg ein und der Wagen rollte davon.
Die Knechte und ein Diener, welcher der Baronin den Kutschenschlag geöffnet hatte, sahen voll Verwunderung wie James, ein ausgezeichneter Kutscher, sehr scharf um die Ecke bog Anstatt das Tor zu schließen, liefen sie auf die Straße und schauten ihm neugierig nach. Da sahen sie, daß er von einer Seite auf die andere und überhaupt.« ganz wunderlich und anders als gewöhnlich fuhr. An der Straßenecke stieß er an den ©offenstem, daß der Wagen beinahe umfiel. Nach kaum zwanzig Minuten kehrte er im Zickzack zurück und stieß mit dem Wagen,so^hestig an das Gitter, daß das Spritzleder abbrach.
Die Baronin stieg offenbar sehr ärgerlich und unzufrieden aus und begab sich rasch in ihre Zimmer.
JameS stieg vom Bock herunter und sah mit nichtssagendem Blicke zu, wie der Knecht die Pferde abschirrle; dann meinte er, er müsse schlafen gehen, stieg die kleine Leiter hinauf, die in seine Stube über dem Stall führte, wo er in einen tiefen Schlaf sank.
Eine russische Republik würde nicht *^ Vorjahrs Pfennig an Frankreich zu zahlen, und . „ld)t nachweisbar Kämpfe, Unruhen, Hungersnöte, ©esc. nacherhoben Mißernten wirtschaftliches ruiniertes a 11 e t werden' neue RegierungSformnit oder ohne einen i fiskalischen Ober.' bekommen, ist auch zahlungsunfähig. Z bescheinigen^daß muß es also in Rußland unter allen U., bem betreffenden und jeder Deutsche, der irgend noch ruffi besitzt, mag dieselben nur schleunigst an b 4e ganbtaL an die guten Freunde der Russen verkaufen.^ roerben noch ihr Strafgericht an ihrer Ri' j t> erleben, und zwar aus moralischen Gründ _J_________ Bündnis Frankreichs mit Rußland beruht auf .. , Basis ES ist entstanden in der Hoffnung, i, . einst bei p issender Gelegenheit mit F onk^icb ^dr eine über Deutschland Hersullen und Frankreich fein,^"^ 6em endlich an Deutschland kühlen können Diese« fe ^^nen russische Bündnis ist aber auch unmoralisch und ""' unvernünftig an sich, denn eine freie Republik, die urenn- die erste Verteidigerin der Menschenrechte aufspieli,^""^ sich nicht mit einem despotisch regierten Staate verbiß ® dessen Verwaltung erbärmlich, habsüchtig und unehrli^. und die ersten Menschenrechte, Freiheit und Anspruch , Gerechtigkeit, mit Füßen tr>tt. Tatsächlich hat die gt?“ Bereitwilligkeit der Franzosen, der russischen Regieru ' Millionen und immer wieder Millionen zu borgen, der ge funden, freiheitlichen Entwicklung in Rußland sehr geschadet, denn wenn Rußland seit zwanzig Jahren nicht immer so leicht bei den Franzosen hätte Geld borgen können, dann wäre die Erbärmlichkeit und Schwäche des russischen Regie- rungSsystem» viel eher zu Tage getreten und den Russen der anmaßende GroßmachtSkitzel ausgegangen. Was hält man denn von einem Menschen, der nur immer Geld borgt, aber nie an das Zurückzahlen denkt? — Glaubt man in Frankreich, ungestraft gegen Moral und Vernunft sündigen zu können?! — Nun, die Weltgeschichte wird eS lehren was Frankreich noch mit feinem Bündnisse mit Rußlaw erleben wird. Die Sorgen der französischen Kapitalist» um ihre russischen Papiere, und der Wunsch, daß die fra zösische Regierung in Petersburg Vorstellungen ma'__ möge, um schweren Konflikten in Rußland vorzube^ zeigen schon jetzt, was für schlimme Seiten die franz^z in russische Freundschaft hat. Bald wird aber das G Rußland wieder fehlen! Dann darf man gespannt^ sein, wie sich Frankreich bei neuen russischen Anltz'z.
halten wird.
1906.
Sie Vorgänge in MW«^
In Warschau ereignete sich am Freita politisches Attentat. Gegen den Senbarmerie/ ~anDiat. wurde abend« in der Vorstadt Praga eine r Der Oberst wurde leicht verwundet. @in m c r'
„ m . - . lassen", dachte das
«m Nachmittag ließ Baronin Sunbeu^ rufen und brummend und gestikulierend ich habe die Ehre, zurück. Ich bedauere
Am folgenden Tage kam basfelbe Snbu^ V,vn§ sollen dieselbe Szene wiederholte sich. James war' c= nj^t .lt mal betrunken; als er aber am dritten ^-^en im Grunde mit seiner neuen Bekanntschaft zurückkehi^^.^ m ^ man Sunderlands Haushofmeister im Hof und,m um' die Ruhe entlassen sei. _ cu, Madame 1 Ich
James stieg trotz seiner Entlassung auf abermals höflich Härte, daß er trotz allem fahren würde.
ein einziges Glas getrunken, und zwar mit ? Ä ihm nur wohl wolle und ihm, wenn er gc £ Richtuua wolle, dazu verhelfen werde, einen großen
ju übernehmen. -erkor die Baronin
Mit Mühe wurde der Kutscher vom B^ich- aber auch aus dem Hose gestoßen; seine Kleider und sh- r: , ,; .^ .. er sich holen, wenn er wieder nüchtern sei. ,’ cin ^„^ ^^
Wenige Stunden später kam ein Mann i ..„s Haushofmeister zu sprechen. Diesem sagte er, i(t ” ^ und momentan außer Stelle; nun habe er gei J ‘ Sunderland einen Kutscher suche und sei he§h«luttoortctc die sich anzubieten.
Er brächte ausgezeichnete Zeugnisse, und der Ha froh, sich die Mühe, nach einem neuen Kutscher... <?1,tMlfr müssen, sparen zu können, hielt es für das beste, ih Woche auf Probe zu engagieren. ' « : ,
Die Knechte glaubten eine auffallende Sehnlichkeit dein neuen Kutscher und dem Individuum zu bemerken, ^jcllcr James zum Trinken verleitet und dadurch dessen Entii tbcv J verursacht hatte, aber sie waren ihrer Sache nicht sicher biu sagten dem Haushofmeister nichts davon, als sie sahen, ,n der neue Kutscher gut mit den Pferden umzugehen wußte un außerdem ein gutmütiger, anspruchsloser Mann war, der sich ohne große Mühe bei jedem beliebt zu machen verstand.
Der neue Kutscher befriedigte nach jeder Weiser hin und als er ungefähr eine Woche im Dienste des Barons stand, erhielt er Befehl, den Wagen um halb acht Uhr abeitds bereit zu halten, um die Baronin in das Theater zu fahren.