wurden. Bei 20 Abgeordneten lagen Spielschulden, bet 62 Abgeordneten Wechselschulden vor.
Nach einer Meldung der „Daily Telegraph" aus Tokio hat ein einflußreicher Koreaner vor kurzem den Kaiser von Korea zu bestimmen versucht, die Grenzprovinz Hando an Rußland ab,»treten. Die japanischen Beamten haben aber von diesem Plan Wind bekommen, und es finb infolgedessen verschiedene Verhaftungen vorgenommen worden. Unter den Verhafteten befinden stch der Vizeminister des Innern, ein Mitglied des Geheimen Rats und ein General. Aus den in Söul beschlagnahmten Papieren geht hervor, daß Rußland nicht in die Angelegenheit verwickelt ist.
Der Revifionsprozeß vor dem Pariser Kafsationshose in der Dreifußaffäre dürste zu einer völligen Rehabilitierung deS Der Spionage anaeklagten ehemaligen Artillerie- hauplmannes Dreifuß führen. In der Montag-verhandlung des Gerichtshofes ergriff der GeneralstaatSanwalt förmlich die Partei Dreifuß, er erklärte denselben für unschuldig und richtete dafür scharfe Angriffe aus den Senatsr Mer- cter, den ehemaligen Kriegsminister. Offen warf der Generalstaatsanwalt letzterem vor, Verbrechen auf Verbrechen gehäuft zu haben, um die Verurteilung von Dreifuß durch- zusetzen; es kann demnach kaum mehr bezweifelt werden, daß die Verhandlung des Pariser KossationhoseS mit der völligen Freisprechung deS Dreifuß enden wird.
Aus Provinz u. Nachbargebiet.
* V o m 1. Juli ab werden bekanntlich die zurzeit im Ort- und Nachbarortsverkehr bestehenden Ausnahmetarife für Postkarten, Drucksachen, ®e= schästspopiere und Warenproben aufgehoben. Von diesem Zeitpunkt ab find die bezeichneten VersendungSgegen- stände des Orts- und NachbarortSverkehrs nach der Ferntoxe zu frankieren. Diese beträgt bei Postkarten im Frankierungs- salle 5 Psg. für die einfache Postkar.e oder für jeden der beiden Teile Postkarte mit Antwort, im Nichtfrankterungssalle das Doppelte; bei Drucksachen bis 50 Gramm einschließlich 3 Pfg, über 50—100 Gr. 5 Psg., über 100—250 Gr. 10 Psg., über 250—500 Gr. 20 Psg., über 500 Gr. bis 1 Kilogr. einschl. 30 Psg. Bei Geschästrpapieren bis 250 Gr. einschl. 10 Psg., über 250 bis 500 Gr. 20 Psg., über 500 Gr. bis 1 Kilogr. einschließlich 30 Psg. Bet Warenproben bis 250 Gr. einschl. 10 Psg., über 250—350 Gr 20 Psg. Bei Vereinigung von Drucksachen, GeschästS- popieren und Warenproben bis 250 Gr. einschl. 10 Psg., über 250—500 Gr. 20 Psg., über 500 Gr. bis 1 Kilogr. einschl. 30 Pfg. Im weiteren wird vom 1. Juli ab die Gebühr für außergewöhnliche Zeitung-beilagen für 25. Gr. jedes einzelnen Beilageexemplartz von V- Pfg. auf Va Pfg. erhöht. Die blauen Postkarten können unter Aufhebung von Freimarken zu 3 Pfg. weiter verwendet werden.
* (Beitrag zur Landwirtschaftskammer.) Die zwölfte Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Gaffel hat mit Genehmigung der Herrn Landwirlschaflsministers beschlossen, für das Rechnungsjahr 1906 zwei Drittel Prozent des Grundsteuer-Reinertrags als Beitrag zu den Unkosten der Landwirtschaftskammer zu erheben.
) :( Hersfeld, 27. Juni. Dem heutigen V i e h m a r k t waren 271 Stück Rindvieh und 260 Schweine zugetrieben. Der Handel bet Rindvieh ging flott, besonders wurden Jung- und Schlachtvieh bei hohen Preisen gehandelt. Die Schweincpreise waren noch die alten, der Handel war flau.
p . Hersfeld, 27. Juni. (Siebenschläfer.) Der Siebenschläfer, der 27. Juni, ist wohl der gefürchteste Tag des ganzen Jahres. Gar ängstlich blickt der Landmann von Zeit zu Zeit nach dem Himmel. Selbst die drei gestrengen Herren im Mai wirken nicht so schreckhaft auf die Gemüter wie der heutige Siebenschläfer. Die alte Volkswetterregel will es nun einmal, daß auf einen regnerischen Siebenschläfer eine fiehenwöchiche Regenzeit folge. Hier liege, so meint man, eine alte, unumstößliche Erfahrung vor, und die sei mehr wert, als alle meteorologischen Beobachtungen aller Stationen miteinander. Gegen solch einen eingewurzelten Wetteraberglauben läßt stch nur sehr schwer ankämpfen, denn die Rechtgläubigen des Siebenschläfers wollen stch ja durchaus nicht überzeugen lassen. Aber vielleicht trägt es dennoch hier und da zur Beruhigung der aufgeschreckten Sommerphantasie unserer reiselustigen Stadtkinder und nicht weniger auch der erntelustigen Landleule bet, wenn wir die Tatsache hervorheben, daß nach den meteorologischen Aufzeichnungen einer langen Reihe von Jahren der Regen nach einem verregneten Siebenschläfertage sehr häufig aus» geblieben ist, während in anderen Jahren einem trockenen sonnenhellen Siebenschläfer eine andauernde Regenzeit folgte. Darum wollen wir uns vor einem Siebenschläferoberglauben nicht ängstigen sondern gleichviel ob schönes Wetter, ob Regen heute uns beschert wird, mit voller Zuversicht auf die kommenden Tage des Sommers blicken. Die Legende von den Siebenschläfern, deren Gedächtnis die katholische Kirche beule feiert, ist in mannigfaltigen Formen weit durch den Orient, in welchem die Urheimat der Sage zu finden ist, wie auch im Abendlande verbreitet. Sieben Jünglinge — die Zahl 7 galt als eine heilige Zahl — flüchteten zur Zeit der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Decius in eine Höhle. Sie schliefen dort ein und wurden aus Befehl des Kaisers eingemauert. Fast zweihundert Jahre lagen sie in dem todesähnlichen Schlafe, bis unter Kaiser Theodosius II. ihre Höhle zufällig entdeckt und geöffnet wurde. Da erwachten sie und glaubten, nur eine Nacht geschlafen zu haben. Als aber einer von ihnen in die Stadt ging, um Nahrung zu holen, fand er alles verändert. Auf die wunderbare Mär hin kamen der Bischof Martin und der Kaiser herbei, um sich von dem Wunder zu überzeugen, worauf die Siebenschläfer, die als Heilige verehrt wurden, nach dem Befehle Gottes ihren Geist ausgaben. Die Sage knüpft höchstwahrscheinlich an eint geschichtliche Tatsache an, bestehend im Tode einer Anzahl verfolgter Christen in einer Höhle zur Zeit der römischen Kaisers Decius.
Gaffel, 27. Juni. Ein furchtbares Verbrechen, da« anscheinend bereite am Sonntag verübt wurde, ist jetzt entdeckt worden. Gestern nachmittag wurde die Leiche eines kleinen 13 Jahre alten Mädchens. im Schilf am linken Ufer der Fulda in der Nähe des sogenannten Damms oberhalb der Karls-Aue gefunden. Es scheint, daß das unglückliche Kind als Opfer eines Verbrechens den Tod gefunden hat. Die Leiche hat im Schlamm des Flußbettes gesteckt und wies verschiedene Verletzungen am Körper auf, die anscheinend von groben Mißhandlungen herrühren. (T )
Gaffel, 27. Juni. Ein hiesiger Bäckermeister unternahm vorgestern eine fidele Bierreise und lernte in einem Restaurant eine „Schöne" kennen, die den Rest des Abends in entgegenkommendster Weise mit ihm beschloß. Durch den übermäßigen Alkoholgenuß ermüdet, ruhte unser Bäckermeister aber bald
in Morpheus Armen und diese Gelegenheit benutzte die Demimondaine, um dem Schlafenden das Portemonnaie mit 140 Mk. Inhalt zu stehlen und dann sich zu empfehlen. Das Erwachen des Mannes soll kolossal ernüchternd gewirkt haben, denn er begab sich bald zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Gestern wurde die Maid festgenommen und hinter Schloß und Riegel gesetzt.
Kassel, 27. Juni. (Zur Wildunger Mordaffäre.) Nach einer Meldung aus Hamburg ist der Dampfer „Blücher" mit den wegen Mordverdachtes verfolgten Möbelhändler Meyer und dessen Begleiterin Sophie Christiant an Bord gestern nachmittag von Newyork eingelroffen. Meyer wird in den nächsten Tagen nach Gaffel transportiert werden. Im Hamburger Stadthause wurde Meyer gestern vernommen. Ec erklärte, er habe feine Tante, als er von einem Ausfluge zurückkehrte, tot in ihrem Schlafzimmer gesunden, Aus Angst, des Mordes verdächtig zu werden, habe er die Leiche erst einige Tage in der Wohnung behalten, ohne die Behörden vom Tode der Frau in Kenntnis zu setzen. Dann habe er die Leiche in einen Koffer gepackt und mit Kleidungsstücken überdeckt. Den Koffer mit dem Leichnam sandte er schließlich nach Frankfurt. Nach Amerika sei er nicht aus Furcht vor Strafe gereist, sondern wegen zerrütteter Ge- schästSverhältnisse. Er habe beabsichtigt, den Behörden von boit aus Nachricht übet den Verbleib der Leiche zu geben, sei aber durch seine Verhaftung daran gehindert worden. Aus das Bestimmteste leugnet Meyer, den Mord verübt zu haben.
Von der Lahn, 26 Juni. Der auf Urlaub weilende Solvat Oll aus Meerenberg, der mit Heumachen beschäftigt war, nahm im dortigen Weiher ein Bad und ertrank vor den Augen seiner Eltern.
Marburg, 26. Juni. Ein erbitterter Kampf spielte sich zwischen den Zigeunern auf dem Viehmarkte zu Delbrüc infolge Differenzen beim Handel ab. Es kam zu einer Schlägerei, bei der auch mit Messern gestochen unb geschossen wurde, mehrere Personen wurden verletzt. Der Pferdehändler Schlicht aus Soest erhielt einen tätlichen Revolverschuß, zwei andere Händler wurden von Kugeln in Arme und Beine getroffen.
Marburg, 24. Juni. In der Nähe des Südbahnhofs scheuten die Pferde eines Wagens aus Gisselberg. Eine Frau und ein Mädchen wurden beim Abspringen aus dem Wagen schwer verletzt. Die erste wurde in die Klinik gebracht.
Hanau, 23. Juni. Heute nachmittag ist in der Dotzheimerstraße ein Automobil, in dem sich dessen Chauffeur und das sechsjährige Söhnchen des Schlossergehilsen Schmidt von hier befanden, mit einem Kerichtwagen zusammengestoben. wobei das Auto in Trümmer ging und die Insassen herausgeschleudert wurden. Der Chauffeur, der in rasendem Tempo gefahren sein soll, wie das Kind wurden augenscheinlich tätlich verletzt in das städtische Krankenhaus gebracht.
Hanau, 25. Juni. Gestern abend explodierte auf dem Festplatze des Arbeiterfängerbundes eine Spirituslamps, wobei der Arbeiter Lenwald, aus Frankfurt, der mit der Besorgung der Beleuchtung betraut war, so schwer im Gesicht verbrannt wurde, daß er ins Krankenhaus verbracht werden mußte.
Bacha, 25. Juni. Die Eisenbahndireklion Erfurt ist mit Vorarbeiten zum Bau einer Bahn von Geisa bis Tann beauftragt worden.
Franken««, 25. Juni. Seit Freitag vormittag 8 Uhr ist ein gut situierter Landwirt von hier spurlos verschwunden. Mehrere Tage vor seiner Abreise hat er seiner Frau sämtliche für sie notwendigen Sachen gezeigt und an die Aufbewahrungsstellen erinnert. Vorgestern abend fand man einen von ihm abgesagten Schriftsatz im Tischkasten, welcher besagt, daß niemand nachzuforschen brauche, seine sterblichen Ueberreste würden sie später erblicken.
Laugenselbold, 25. Juni. Die 18 Jahre alte Fabrikarbeiterin Häsnec von hier ertränkte sich in einem Wasserlache. Der Beweggrund für die Tat ist unbekannt.
Marburg, 24. Juni. Aus eine schauervolle Weise hat der hochgradig nervöskranke Postassistent Elling aus Berlin, welcher zur Kur in Bad Oeynhausen weilt, seinen Tod gesucht. In einem unbewachten Augenblick lief E. zum Nordbahnhofe, übersprang das Sperrgitter des Bahnsteiges und stürzte sich unter den in voller Fahrt befindlichen Güterzug, von dem er bis zur Unkenntlichkeit zermalmt wurde.
Wiesbaden, 26. Juni. Ein im Sekretariat der Königl. Regierung beschäftigter Diätar namens Ullrich wurde wegen Verrates militärischer Geheimnisse verhaftet. Der Verhaftete hat von zahlreichen geheimen Mobilmachungsakten Abschriften angefertigt, um sie einer auswärtigen Macht zu verkaufen.
Darmstadt, 26. Juni. Das Brandunglück aus dem Grirsheimer Truppenübungsplatz bei Darmstadt, dem, wie wir seinerzeit meldeten, 31 Dienstpferde im Gesamtwerte von etwa 45,000 Mark außer dem Stallgebäude zum Opfer fielen, bildete den Gegenstand einer Verhrndlung vor dem Kriegsgericht der 21. Division in Frankfurt a. M. Der fahrlässigen Brandstiftung angeklagt waren die Ulanen Schwab und Stroh vom Hanauer Ulanen-Regiment, die in der Unglück-nacht vom 30. zum 31. Mai d. J. die Stallwache hatten; sie haben vermutlich durch ein achtlos weggeworfenes Streichholz, das noch brennend in das Stroh gefallen war, die schwere Katastrophe verursacht. Das Urteil lautete gegen Schwab auf sechs Monate, gegen Stroh auf fünf Monate Gefängnis.
Darmstadt, 25. Juni. Der 43 Jahre alte verheiratete Postsekretär Albert Böhm aus Worms, der am Samstag von bet Disziplinarkammer des Oberlandesgerichts Darmstadt wegen unsittlichen Vergehen, begangen im Dienst mit Telephonistinnen, zu Dienstentlassung ohne jede Pension verurteilt worden war, hat sich am Samstag abend direkt nach der Rückkehr von Darmstadt in feiner Wohnung erschossen.
Homburg v. d. Höhe, 25. Juni. Ein Patient im Sanatorium für Nervenkranke „Hohemark", namens Fritz Schöneberg aus Berlin, ließ sich bei einem Spaztergang mit feiner Wärterin, ehe diese es verhindern konnte, von der Kleinbahn Oberursel—Hohemark übersatten. Schöneberg war sofort tot.
Aus dem Kreise Höchst, 26. Juni. Zwei Jungen aus Sossenheim, im Alter von 8 und 13 Jahren, hantierten an einer Gewehrpatrone herum; diese explodierte und Per» etzte den jüngeren derartig an den Augen, daß er sofort n die Augenklinik nach Wiesbaden verbracht werden mußte; der ältere wurde auch erheblich, aber nicht so gefährlich im Gesicht verl-tzt.
übet, (Eichsfelb), 26. Juni. Von mehreren Kindern, üe in einer Scheune unseres Dorfes spielten, fiel ein 13« übriges Mädchen von dem Scheunenboden durch bie Bodenluke auf die Runge eines darunter stehenden Wagens so un» glücklich, daß es im buchstäblichen Sinne aufgespießt wurde.
Die Runge war dem unglücklichen Kinde völlig durch bett Körper gegangen und hatte ihm Darm und Blase zerrissen. Nur mit Mühe konnten Erwachsene, die aus das Geschrei der anderen Kinder herbeigeeilt waren, die Bewußtlose aus der grauenvollen Lage nehmen. Das Kind wurde durch einen herbeigeeilten Arzt verbunden und dann sofort nach Göttingen in die chirurgische Klinik geschafft. Die dort alsbald von Geheimrat Prof. Dr. Braun und seinen Assistenten vorgenommene Operation verlief so erfolgreich, daß man hoffen kann, das Leben des Kindes zu retten.
Vermischtes.
— In Sterkrads schössen bei einem Streit zwei Bergleute in eine Menschenansammlung, wodurch ein Knabe getötet und ein älterer Mann lebensgefährlich verletzt wurde.
— Allenstein, 26. Juni. Der Allensteiner Zeitung zufolge erfolgte gestern gegen Abend in dem zur Kaserne des 73. Artillerie-Regiments gehörigen Fahrzeughause eine bisher unaufgeklärte Explosion. Zwei Artilleristen wurden schwer, ein vorübergehender Unteroffizier und ein von diesem begleiteter Arrestant sind leicht verletzt.
— (Der schüchterne Liebhaber,) Dem zu Hamm erscheinenden Wests. Anz. zufolge wurde dieser Tage einem jungen Mädchen von einem Unbefangen folgende Karte zugesandt: „Jnniggelibtes Freulein! Indem das ich sie libe und ich so viel schichtern bin dhätts ich mich freien mir ein Stelltichein zu geben, indem mit kein Zaun zu hoch ist verbleibe ich ihr sie liebender N. N." Das Mädchen hat dem liebeglühenden Jünger, der doch picht gan^so „schichtern" zu sein scheint, wie er sich hinstellt, überlassen, seine Turn- künste über Zäune anderswo zu probieren....
— (ZweiMenschenalsWildangeschossen.) Sonntag abend machte ein Student aus Hannover mit der Tochter eines Bürgers aus dem benachbarten Linden einen Spaziergang nach dem Walde zwischen Devese und Glendorf. Sie setzten sich am Rande bes Waldes nieder, um das mitgebrachte Abendbrot zu verzehren. Plötzlich krachte ein Schuß und beide Personen stürzten schwer verletzt zu Boden. Der Jagdaufseher, der im Walde auf Rehböcke jagte, hatte die Personen für Wild gehalten und auf sie geschossen. Nach längerer Zeit, als Dorfbewohner herbeigeholt waren, gelang es, die Schwerverletzten in ein Krankenhaus zu befördern. An dem Aufkommen des Studenten wird gezweifelt; die Verletzungen des Mädchens find schwer, doch wird es am Leben erhalten werden können.
— (EinitalienifcherGastvoneinemWirt erschossen.) Als die Tochter des Gastwirtes Rittel in Boppard, bei dem fast ausschließlich Italiener verkehren, einem betrunkenen Italiener, der bei dem Bahnbau Boppard- Castellaun arbeitete, Bier verweigerte, wollte dieser sich selbst einschenken. Der Gastwirt Rittel, der in sehr erregter Stimmung war, zog ein Revolver und schoß den Italiener nieder. Rittel wird zur Zeit verhört, während zahlreiche Italiener den Platz vor dem Gericht besetzt halten, um ihn zu lynchen. Man befürchtet von feilen der erregten Leute Unruhen.
— I n einem großen Heuhaufen erstickt ist der Maurer Franz Bielan in Nicolai, der sich auf das Heu zum Schlafen gelegt hatte. Sein Kollege war infolge des Heuduftes in eine tiefe Ohnmacht gefallen, doch waren bei letzterem die Wiederbelebungsversuche von Erfolg begleitet.
— Von einemSchneefeld a d g e st ü,r z t ist am Stockhorn (2192 Meter) im B<.rner Oberland gestern der 25jährige Tourist Marti aus Bern. Er war auf dem Schneefeld, das er unvorsichtigerweise abfahren wollte, ins Rutschen gekommen, über eine 40 Meter hohe Felswand gestürzt und sofort tot.
— Erschlagenaufgefunden wurde in Seucken- dorf gestern der 23jährige ledige alleinwohnende Fahrradhändler Walther in seinem Fahrradlager, in das er am Vorabende aus einer benachbarten Wirtschaft von einigen Personen gerufen worden war. Neben der Leiche lag eine blutbesudelte Wagenkipf. Die Wohnung war ausgeraubt; die Mörder sind unbekannt.
— Paris, 25. Juni. Aus Nimes wird ein furchtbares Ebedrama berichtet. Zwischen dem Ehepaare Alibert kam es infolge einer Familienszene zu einer Rauferei, wobei eine Petroleumlampe umgeworfen wurde. Die Kleider der Frau fingen Feuer. Anstatt das Feuer zu löschen, drückte der Mann feine Frau zu Boden, sodaß die Frau entsetzliche Brandwunden erlitt, daß sie bald darauf starb. Altbert wurde verhaftet.
— Einen unangenehmen Hochzeitstag mußte Herr Adolf G., ein wohlhabender Handelsagent in Paris, Rue Myrrha, erleben. Er hatte sich mit Frl. Berta L, feiner schönen Nachbarin, trauen lassen. Es war eine Liebesheirat. Nach der Trauung nahmen die Neuvermählten in zahlreicher Gesellschaft ein Frühstück in einem Boulevardrestaurant und dann ging man in die Wohnung der Eltern der jungen Gatten, wo die Festlichkeit einen würdigen Abschluß finden sollte. Gegen sechs Uhr abends, als eben der HauSpoet die unvermeidliche geistreiche Rede über die Ehe im allgemeinen losließ, hauchte die junge Gattin einen Kuß auf die Stirn des geliebten Mannes und bat ihn, er möge die Gesellschaft einstweilen allein unterhalten, sie habe im Schlafzimmer der Schwiegereltern noch eine kleine Angelegenheit zu besorgen. Nach einer halben Stunde wurde die junge Frau vermißt; der Gatte ging nach dem Schlafzimmer, um sie zu holen. Das Zimmer war verschlossen. Er pochte und rief vergeblich, er erhielt keine Antwort. Mit einem kräftigen Ruck seiner Schultern sprengte er, von Besorgnis getrieben, die Tür aus dem Schloß. Er fand das-Zimmer in größter Unordnung. Auf einem Stuhl lag das Hochzeitskleid der jungen Frau. Die Schränke und Echubläden waren erbrochen und ausgeplündert, alles, was sich an Schmucksachen und Wertpapieren in der Stube befunden hatte, war verschwunden — zugleich mit der liebenden jungen Gattin. Herr G. requierierte gebrochenen Herzens die Polizei, die alsbald feststellte, daß Fräulein Berta L. mit einem jungen, schwarzgekleideten Manne die „Hochzeitsreise" angetriten hatte. Ein Steckbrief und eine Scheidungsklage bilden bas tragische Ende dieser Liebesheirat.
— (MassenerkrankungennachGenußvon Konserven in Frankreich.) Wie aus Paris gemeldet wird, ist im Melun (Departement Seine et Marne) die erste Kompagnie des 31. Infanterie-Regiments infolge 'es Genusses von verdorbenem Konfervenfleisch unter schweren Vergiftungserscheinungen erkrankt. Der Zustand von 15 Soldaten ist bedenklich._______________________ Wettervoraussage des Wetterdienstes der Landwirt- schaftsschule zu Weilburg für Donnerstag den 28. Juni.
Veränderliche Winde, veränderliche Bewölkung, vielenorts Gewitter, etwas kühler.