Einzelbild herunterladen
 

räumige neue Turnhalle nicht alle Besucher zum Begrüßungs- abend zu fassen vermag, so haben in erster Linie nur Zutritt der Ehrenausschuß, die mitwirkenden und die auswärtigen Sänger, ferner die Damen des Quartettvereins, welche an diesem Abend ein Banner stiften werden, sowie die Mitglieder des Festausschuffes. Soweit es der Raum der Turnhalle gestattet, haben auch die mit Dauerkarten ver­sehenen Personen Zutritt mit einem kleinen Preiszuschlag. Im Uebrigen setzte man die Eintrittspreise wie folgt fest: für Sonnabend 30 Pfg. (berechtigt nur zum Besuche des Festplatzes), für Sonntag 75 Pfg- und für Montag 50 Pfg. Der Preis einer Dauerkarte für eine einzelne Person be* trägt 1,50 Mk., für Familienkarten 2 Mk., Kinder unter 14 Jahren sind frei, dagegen müssen sich: solche über 14 Jahren ZuschlagSkaiten lösen, und zwar Söhne zu 75 Pfg. und Töchter zu 50 Pfg. Der Wohnungsausschuß konnte berichten, daß eine Anzahl Freiquartiere bereit gestellt seien und hoffe er, den an ihn gestellt werdenden Anforderungen zu genügen. Was die Beleuchtung der Festhalte und des ganzen Festplatzes anbetrifft, so hat sich der Bauausschuß für sogenanntes Runge'sches Oelgaslichl entschieden. Die Wirlschaftsbuden sind an die Herren Carl Brack, Wilhelm Heil und an die Brauerei F. L. Steinweg vergeben worden und zwar in der Weise, daß Herr Brack die Turnhalle, Herr Heil die Halle längs der August Gottlieb-Straße und die Brauerei Steinweg die Halle der Geis entlang über­nimmt. Die eigentliche Festhalle kommt längs der Wehne- bergerstraße zu stehen. Nach einem Bericht des AuSschmück- ungs-Ausschusses sind die Arbeiten in vollem Gang und verspricht die Ausschmückung eine großartige zu werden. Für den Sonntag Abend ist bereits ein schönes Feuerwerk bestellt. Die Festschrift, welche eine interessante zu werden verspricht, ist bereits im Druck. Auch gehen nach einem Bericht des Redaktionsausschusses in den nächsten Tagen Reklamen süc das Fest an verschiedene Hessische Zeitungen ab. In zwei Wochen findet wieder eine Versammlung der einzelnen Festausschüsse statt, welche die letzte vor dem Fest sein wird.

* Abänderung der Bestimmungen über die Naturalleistungen für die Truppen find be­kanntlich durch Reichsgesetz eingeführt worden. Das Ge­setz hat jetzt die kaiserliche Bestätigung erhalten. Die Ver­gütung für Naturalveipflegung beträgt danach für Mann und Tag:

mit Brot ohne Brot

für die volle Tageskost . 1.20 M für die Mittagskost . . 0.60 für die Abendkost . . 0.50 für die Morgenkost . . 0 25

1.05 M

0.55

0.45

0.20

Bei außergewöhnlicher Höhe der Preise der Lebensmittel kann

der Bundesrat die Vergütungssätze zeitweise für das ganze Bundesgebiet ober für einzelne Teile angemessen erhöhen. Die nächste Revision der Vergütungssätze erfolgt mit Wirkung

vom 1. April 1918 ab.

Cassel, 22. Juni. (Schwurgericht.) Am heutigen Freitag kommen wieder 2 Fälle zur Verhandlung Zuerst wird verhandelt gegen den Hausmetzger Karl Grebe aus Oberlistingen wegen gefährlicher Körperverletzung und Mein­eides und dann beginnt die auf 2 Tage berechnete Ver. Handlung gegen den Dienstknecht Heinrich Sippel VI von Hersfeld wegen Mordversuchs an seiner eigenen Ehefrau. Die Verteidigung führt Rechtanwalt Heeren.

Gaffel, 20. Juni. (Getreide-, Futter- und Düngermarkt.) Besuch schwach, Tendenz flau. Wir notieren: Weizen von 17.9018.10 Mk., Roggen von 17.00 Mk., Hafer von 16 6018.00 Mark. Alles von 100 Kilo ab oder Parität Cassel bei Ladungen von 10 000 Kilo.

Wehrda, (Kreis Hünseld), 19. Juni. Bei dem schweren Gewitter, das gestern über unseren Ort zog, hat es zweimal auf Hohenwerda eingeschlagen, zum Glück jedoch ohne zu zünden. Der erste kalte Schlag traf das Schloß und zer­störte die elektrische Leitung; das zweite Mal fuhr der Blitz in das Dach des Pferdestalles und schlug hier ein etwa 1 Meter großes Loch in das Ziegeldach. (C. T.)

Marburg, 19. Juni. Der außerordentliche Professor der Kirchengeschichte Dr. Fr. Wiegand (ein gebotener Hanauer) hat einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Greifswald erhalten und wird demselben auch Folge leisten.

Marburg, 19. Juni. Ein vereidelter Studenten­streich erregt hier große Heiterkeit. Wie alljährlich zur Zeit des Stiftungsfestes derTeutonia" sollte auch diesmal wieder zu nächtlicher Stunde der Schwan vor derSchwanen- Apotheke seinen blauen Anstrich erhalten. Diesmal hatten die nächtlichen Maler ihre Rechnung ohne den Apotheker gemacht, denn bereits gestern abend ließ dieser seinen schönen weißen Schwan vom Sockel nehmen und ersetzte ihn durch ein hölzernes, blau angestrichenes Brett, das wie ein Schwan geschnitten war. Als nun vergangene Nacht die Färberei ganz heimlich vor sich gehen sollte, war die Ar­beit schon gemacht. Nichtsdestoweniger erhielt heute der hölzerne Schwan, wie auch der Bär auf dem Bärenbrunnen seine blau-rot-goldene Dekoration.

Fulda, 20. Juni. Die Klagen über die Verderbtheit unserer heutigen Jugend sind leider nur allzu berechtigt. So müssen hier drei 15jährige Bürschchen demnächst schon Bekanntschaft mit dem Staatsanwalt machen wegen Unter­schlagung, Wechselfälschung und Betrug. Der eine fälschte auf den Namen seines Lehrherrn Wechsel im Betrage von 2700 Mark und flüchtete mit dem Gelde und mit zwei Schulkameraden nach Stuttgart. Dort aber wurden sie festgenommen. Von der veruntreuten Summe fehlten 77,67 Mark.

Aus dem Kreise Marburg, 20. Juni. Gestern abend entluden sich über den Kreis Marburg mehrere schwere Gewitter mit wolkenartigen Regengüssen. In der Gemarkung Michelbach war der Regen so heftig, daß das Wasser in die Häuser und Ställe drang und verschiedentlich Schweine und Ziegen in den Fluten ertranken. Bei Oberrosphe tötete der Blitz zwei Pferde des Landwirts Peter, die sich vor einem mit Heu beladenen Wagen befanden. Der daneben gehende Knecht wurde gelähmt und zwei Mädchen, die vor den Pferden Hergingen, kamen mit dem Schrecken davon. In Leidenhasen am Ebsdorfer Grund mußte eine Frau in deren Nähe der Blitz in einen Baum geschlagen hatte, naß &aufe getragen werden. Sie hat sich indessen unter ärztlichem Beistand wieder soweit erholt. Auch sonst haben die Fluten durch Wegschwemmen der Ackerkrume an den Berghängen hier und da, besonders aber in der Michel­bacher Gemarkung, großen Schaden angerichtet.

Bad Orb, 20. Juni. Bei dem gestrigen Gewitter wurde in dem bayrischen Orte Obbach ein Bauer, der auf dem Felde arbeitete, vom Blitze erschlagen.

Schmalkalden, 19. Juni. Dem Fuhrmann und Viehhalter Roßbach schlug der 20jährige Sohn in der Trunken­

heit die Schädeldecke entzwei. An dem Aufkommen des schwer Verletzten wird gezweifelt. Der Täter wurde nach einer Hetzjagd verhaftet und da er sich widersetzte, geschlossen dem Gesängnis eingeliesert.

Langenselbold, 20. Juni. Der an einem Neubau in Klein-Steinheim beschäftigte 19jährige Bauhandwerker Basser- mann von hier rutschte beim Ausschlagen des Daches aus und stürzte in die Tiefe. Die erhaltenen Verletzungen waren derart, daß sofort der Tod eintrat.

Hanau, 19. Juni. Im benachbarten Rödelheim er­hängten sich der 55jährige Bahnarbeiter Wagner und seine 16jährige Tochter gemeinsam. Die Beweggründe für die Tat sind unbekannt.

Göttittgen, 21. Juni. In einer hiesigen Privatklinik erschoß sich heute früh gegen 7 Uhr ein Herr aus Eschwege, der sich hier aujhielt, um sich wegen eines Leidens behandeln zu lassen. Er gehörte einer angesehenen, wohlhabenden Familie Eschweges an, war Inhaber einer bedeutenden Gerberei und Reserveoffizier eines Artillerieregiments. Wie es heißt, hat er deshalb seinem Leben selbst ein Ende gemacht, weil er glaubte, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden.

Göttingen, 19. Juni. Das Schwurgericht verurteilte heute den Postverwalter Wilhelm Borchers aus Bodenfelde wegen Unterschlagung amtlicher Gelder in der Höhe von rund 14000 Mark zu einem Jahr Gefängnis. Dem Angeklagten wurden mildernde Umstände zugebilligt. Auch wurden ihm zwei Monate Untersuchungshaft angerechnet.

Scherfede, 19. Juni. Ein Unglück hat sich wieder einmal infolge unvorsichtiger Handhabung von Schußwaffen in Hüsten ereignet. Ein junger Bursche hantierte im Hause mit einem geladenen Gewehr, als plötzlich der Schuß sich entlud und unglücklicherweise den Vater so schwer verletzte, daß er blutüberströmt zusammenbrach und in das Land­krankenhaus befördert werden mußte. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Auch der Bruder, welcher in der Nähe stand, wurde durch den Schuß getroffen und schwer verletzt. Nur mit Mühe konnte der unglückliche Schütze davon zurück­gehalten werden Hand an sich selbst zu legen.

Heiligenstadt, 19. Juni. Vom Zuge überfahren und getötet wurde in letzter Nacht auf der Eisenbahnstrecke Halle-Cassel, zwischen Pustleben und Wolkramshausen, der Bahnwärter August Jbold aus Pustleben. Er wurde erst am andern Vormittag um 9 Uhr mit gespaltenem Schädel neben den Geleisen aufgefunden. Der Verunglückte war aus seinem auf freier Strecke nach Wolkramshausen zu belegenen Posten gegangen, wo er bei Annäherung eines durchfahrenden Zuges mit dem Anhängen von Nummern beschäftigt war. Hierbei ist er wahrscheinlich von einem kreuzenden Schnellzüge erfaßt worden.

Eisenach- 20. Juni. Ein rötlicher Unglücksfall ereig­nete sich heute Mittag aus dem hiesigen Bahnhöfe. Ein bei dem Eisenbahnbau beschäftigter italienischer Arbeiter wurde von dem mittags gegen 1 Uhr aus der Richtung von Golha hier eintreffenden Zuge ersaßt, und ihm der Kopf buchstäblich vom Rumpfe getrennt.

Mainz, 20. Juni. Vor einigen Wochen schleppten an einem Sönnlag nachmittag zwei Burschen das vierjäh­rige Töchterchen einer in der Synagogenstraße wohnenden Familie in den Gonsenheimer Wald und taten ihm dort Gewalt an. Als Täter wurden der Schuhmacher Weber und der Küfer Faulhaber ermittelt. Heute standen die beiden Wüstlinge vor der Strafkammer. Weber wurde zu fünf, Faulhaber zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

Die Haltung des Berliner Getreidemarktes ist in der am 20. Juni beendeten BerichtSwoche ziemlich stark schwankend gewesen. Amtliche wie private Berichte über den Saaten- stand in Rußland und in Oesterreich-Ungarn meldeten eine Verschlechterung, ein Arbeiterautstand in dem russischen Hafen Nicolajew hinderte dort die Verschiffungen, was namentlich für das Geschäft in Roggen von wesentlicher Bedeutung war. In Deutschland rief nasses, kaltes Wetter Befürchtungen für die Ernte wach. Unter diesen Verhält­nissen erfuhren die Preise der Brotfrüchte im ersten Teil der Woche eine ziemlich starke Steigerung, der aber späterhin nach Eintritt warmen, sonnigen Wetters eine Abschwächung folgte. Die Landwirtschaft kam bei dem Tendenzumschwung in Weizen mit starkem Angebot von Herbstlieferung heraus, was umso mehr aus den Weltstand drückte, als auch die amerikanischen Märkte wegen günstigeren Wetters in Mattig­keit verfielen. Eine Stütze hatten die hiesigen Weizenpreise aber in dem Umstand, daß sie unter Berücksichtigung des Zolles gegen den Weltmarktpreis zu niedrig stehen. Die Aussuhrlätigkeit dürfte darin wohl Wandel schaffen. Roggen hob sich anfangs besonders wegen des Ausstandes in Stico» lajew im Preise und schwächte sich ab nach seiner Beendig­ung. Am letzten Tage war die Haltung wieder ziemlich fest infolge der Zurückhaltung der Verkäufer. Angeblich erwartet man einen wenig günstigen preußischen Saaten- standsbericht. Hafer war im Lokogeschäft weiter recht fest, da in diesem Artikel von Königsberg aus lebhafte Ausfuhr nach England und Schweden erfolgte. Der inländische Konsum war eher zurückhaltend. Käufe russischen Hafers seitens der westeuropäischen Länder wirkten befestigend auf die Auslandsofferten, wodurch hier der Preis für Herbst­lieferung gegenüber den glänzenden inländischen Ernteaus­sichten gestützt wurde. In Rußland, den Donauländern und Amerika sollen die Ernteaussichten für die Haferernte weniger gut sein. Das Maisgeschäst nahm ruhigen Verlaus bei eher nachgiebigen Preisen. Für Juli-Lieferung wurden schließlich nachstehende Preise festgestellt: Weizen 183,00 Mark, Roggen 158,55 Mark, Hafer 165,25 Mark, Mais 131,25 Mark.

vermischter.

Berlin, 20. Juni. Im Hauptrestaurant der Landwirtschaftlichen Ausstellung, das von etwa 190,000 Menschen besucht wurde, wurden in sechs Tagen 240 Kälber, 2000 Gänse, 147 Schweine und 58 Rinder verspeist. Ge­trunken wurden 200,000 Hektoliter Bier und 30,000 Flaschen Wein. Angestellt waren 250 Kellner, 27 Köche, 36 Ab- räumet. Außerdem waren noch 3 andere Restaurants und 1 Kantine auf dem Platz, die zusammen 40,000 Hektoliter Bier ausgeschenkt haben.

(Attentat eines Verurteilten auf d en O b e r a m t s r i ch t e r.) In Burglengenseld in der Ober­pfalz attackierte der vom Schöffengericht wegen Rauferei zu längerer Freiheitsstrafe verurteilte Wagner Schaller den Vorsitzenden Oberamtsrichter Burgartz in dessen Wohnung und verletzte ihn schwer mit Stock und Messer. Die Nachbarn und Gendarmerie mußten den Rasenden in heftigem Kampf überwältigen.

(Der entflohene Ballon Captif.) Eine unfreiwillige Ballonfahrt über die Nordsee haben drei belgische Sportsleute gemacht. Sie hatten sich nach Blanken- berge begeben, um dort eine Auffahrt mit einem Fesselballon zu machen; und waren bis zu einer Höhe von einigen Hundert Metern ausgestiegen, als plötzlich das Seil riß und der Ballon in die Lüfte entschwebte. Keiner der drei Sportsleute war mit der Führung eines Ballons vertraut, und weder Proviant noch Wasser fanden sich in der Gondel vor. Der Ballon stieg immer höher und höher und geriet schließlich in eine südöstliche Luftschicht, die ihn rasch nach Nordwesten zu auf das offene Meer hinaus trieb. Die unfreiwilligen Insassen der Gondel waren in Todesangst, als die Nacht hereinbrach und sie sich noch immer über den Wellen der Nordsee befanden. Plötzlich blitzten Lichter auf und der Ballon schwebte in nicht allzugroßer Höhe über einer großen Stadt hinweg. Die belgischen Aeronauten faßten wieder Mut, als sie festes Land unter sich erblichen. Inzwischen hatte sich die Spannung des Gases in dem Ballon verringert, und langsam begann er zu sinken, bis er schließlich in einem Gehölz sich in den Kronen einiger Bäume verfing. Mit der größten Vorsicht gelang es den Insassen, ihre Landung zu bewerkstelligen. Sie sahen in geringer Entfernung die Stadt, die sie eben überflogen hatten, vor sich liegen, und erfuhren auf der Landstraße, daß sie sich in Schottland befänden. Die Stadt war Edinburgh. Sie Hallen also, ohne es zu wollen, eine Ballon­reise gemacht, die viele wissenschaftliche Lustschiffer zu unternehmen sich kaum unterfangen würden. Sie waren über die ganze Nordsee, die englische Küste entlang, eine Strecke von etwa 1100 Kilometer, in wenigen Stunden geflogen. Gänzlich erschöpft stiegen sie in Edin burgh in einem Hotel ab, um sich am nächsten Tage nach Belgien zurückzubegeben,

Beim Hantieren mit Kanonenschlägen wurden zwei Jäger des 9. Jägerbataillons infolge einer Explosion schwer, mehrere andere leicht verletzt.

Altona , 20. Juni. Ein Automobil Überfuhr den Hamburger Lederhändler Krey. Dieser wurde tätlich verletzt; das Automobil ist entkommen.

Eine Rabenmutter wurde in Köln in der Person einer Stundenarbeiterin verhaftet. Sie hatte ihr drei Monate altes Kind eingeschloffen und ohne Nahrung liegen lassen, bis es verhungert war.

Pasewalk, 21. Juni. Heute mittag brach in der Pasewalkstraße im Ferdinandshof Feuer aus, das sich mit großer Schnelligkeit verbreitete, sodaß nach 2 Stunden 25 Wohnhäuser und 3040 Nebengebäude niedergebrannt sind, ohne daß es gelungen wäre, der Feuersbrunst Einhalt zu tun.

Temesvar, 20. Juni. Infolge eines großen Wolkenbruches fand heute bei Oravicza ein Bergrutsch statt; das Wasser der Bäche trat aus und überflutete die Stadt. Zwei Kinder sind ertrunken. In Kellerräumen wurden viele Waren vernichtet. Zwei Häuser sind eingestürzt; weitere Einstürze werden befürchtet.

Paris, 21. Juni. Auf dem Bahnhof von Argen- teuil bei Paris traf heute nacht ein Militärzug ein. Zwei Offiziere, die Leutnants Gilmann und Magefu, betraten das Gleise, als plötzlich ein Nachtzug cinfuhr. Gilmann wurde getötet, der andere Offizier schwer verletzt.

(Die Opfer von Courrieres.) Bis jetzt sind, wie berichtet wird, 902 Leichen von den bei dem Grubenunglück von Courrieres umgekommenen Bergleuten zutage gefördert worden, so daß noch 193 Leichen aus den Gruben zu bringen sind. Die Arbeiten zur Wieder­herstellung der Schächte und Gänge in dem Bergwerk nehmen raschen Fortgang.

(Ei n Rekord im W a lzertanzen.) Ein gewisser Corsini Guttiero hat sämtliche Tänzer von Paris eingeladen, mit ihm in einem bekannten öffentlichen Ballsaal um den Ruhm zu ringen, wer am längsten Walzer tanzen könne. Unter den vielen, die sich meldeten, befanden sich schließlich neun ernst zu nehmende Mitbewerber. Einer von diesen walzte ununterbrochen zwei Stunden; mehrere andere hielten es länger als drei Stunden aus; ein Mädchen von 11 Jahren beteiligte sich vier ganze Stunden lang an dem tollen Drehen und Wirbeln. Einige hielten es sogar sechs Stunden aus, bis sie atemlos Hinsanken, und die dauerhaftesten brachten es bis auf neun Stunden. Der gefährlichste Gegner Corsinis drehte sich ununterbrochen elf Stunden im Walzer­takt, aber sie alle übertanzte der kühne Herausforderer selbst, und als der letzte seiner Mitbewerber bald ohnmächtig den Schauplatz verließ, tanzte er triumphierend fort. So hielt er es noch zwei Stunden aus und verlor erst den Atem, als er ohne Rast 13 Stunden Walzer getanzt hatte.

Eetzte Nachrichten.

Der russische Minister des Innern S t o l y p i n erklärte in der Duma, daß bisher während der Unruhen 288 Poli­zeibeamte getötet und 388 verwundet wurden.

In Songudak am Schwarzen Meer haben vierzig Personen infolge einer Ueberschwemmung den Tod gefunden. Viele Häuser sowie die Kirche des Orts sind eingestürzt.

London, 21. Juni. Lloyds Agentur meldet aus Dover : Der Schuner Bertha, von Rio de Janeiro nach Hamburg unterwegs, sank gestern abend bei South Goodwin infolge eines Zusammenstoßes mit dem von Rotterdam kommenden Dampfer American. Nur der Sohn des Kapitäns Nord­holm wurde gerettet; acht Mann sind, wie man glaubt, er» trunken.

Kirchliche Nachrichten.

Sonntag den 24. Juni.

Vormittags 9 Uhr: Herr Pfarrer M e tz von Kirchheim.

Vormittags Voll Uhr: Kindergottesdienst (Sonntagschule.)

Nachmittags 2 Uhr: Herr Pfarrer Bier schenk.

Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst in Petersberg.

Wettervoraussage -es Wetterdienstes der Landwirt- schaftsschule zu Weilburg für Sonnabend den 23. Juni.

Schwache westliche Winde, ziemlich trübe, vielfach Regen, etwas kühler.

Hierzu eine Beilage und Nr. 25 desJllu- strikten Sonntagsblattes".