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Hersfelder Armblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8

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Nr. «S Donnerstag, den 7. Juni 1906.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 30. Mai 1906.

Nach der Statistik über die im Jahre 1904 in Preußen zur amtlichen Kenntnis gelangten Bißverletzungen durch tolle oder der Tollwut verdächtige Tiere (365 Fälle) starken an Tollwut von den

330 Geimpften 5 = 1,5 %

13 ärztlich Behandelten 1 = 7,7 %

1? nicht 2 = 11,7%.

Der aus diesen Zahlen sich ergebende erhebliche Schutz der Geimpften gegenüber den nicht Geimpften zeigt die hohe Be­deutung der Behandlung nach der Pasteur'schen Methode.

Die Schutzimpfung kann daher der Bevölkerung nicht dringend genug empfohlen werden.

Die näheren Bedingungen über die Aufnahme in das Königliche Institut für Infektionskrankheiten zu Berlin sind mittelst Ausschreiben vom 4. September 1899 1 5336 (Kreis­blatt Nr. 115) bezw. vom 31. Januar 1900 I 320 (Kreis­blatt Nr. 14) bekannt gegeben worden.

I. 4291. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Die unterm 12. März 11889 (Amtsblatt Seite 60/61) erlassenen AusstchtSmaßregeln gegen die Verbreitung der SchasiSude, neue Fassung laut Bekanntmachung vom 15. März 1898 (Amtsblatt Seite 63/65), letzte Giltigkeitsaus- dehnung am 22. April 1900 (Amtsblatt Seite 135) werden hierdurch aufgehoben.

'Kassel, den YO., Mai 1906.

$er Regterungs-Prästdent. I. V.: gez. M e j e r.

*

Hersfeld, den 4. Juni 1906. Wird veröffentlicht.

Der Königliche Landrat.

I V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 2. Juni 1906.

Herr Direktor Schoppmann der landwirtschaftlichen Winterschule zu Fulda wird im Laufe des Monats Juni in den nochbezeichneten Ortschaften des Kreises öffentliche Wandervorträge halten, und zwar :

1. am Mittwoch, den 6 Juni abends 8 Uhr in Rohrbach. Thema: Die Selbühülfe des Landwirts.

2, am Donnerstag, den 7. Juni abends 8 Uhr in Gittersdorf. Thema: Die Anwendung der künstlichen Düngemittel.

3. am Freitag, den 8. Juni abends 7Va Uhr in Hilperhoufen. Thema: Die richtigsten Grundsätze bei der Züchtung des Rindviehes.

4. am Sonntag, den 10. Juni nachmittags 2Va Uhr.

Sei _"" ' "

Roman von I. Garwin.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Nach drei Tagen erschien Fräulein Hornegg in der Resi­denz auf dem Gerichte. Sie leistete die verlangte Bürgschaft für Richard Burgsdorf und als der Gefängniswärter diesem mitteilte, daß die, welche seine momentane Freilassung veran­laßt hätte, vor dem Gefängnistore mit einem Wagen auf ihn warte, da eilte Richard, zu sehen, wer seine unbekannte Wohl­täterin wohl sei. Als er aber in den Wagen sah und Fräu­lein Hornegg darin erblickte, fuhr er zurück.Sie!" rief er. Sie sind es, der ich meine Freiheit verdanke? Es ist nicht zu glauben!"

Warum nicht?" versetzte sie.Wundert es Sie, daß Ihnen noch ein Freund in der Welt geblieben ist? Sobald ich hörte, daß Sie eine Bürgschaft brauchten, kam ich her, die­selbe für Sie zu leisten, denn ich weiß recht gut, daß Sie unmöglich das Verbrechen begangen haben können, dessen man Sie anklagt." ,

Durch diesen Beweis von Vertrauen und anscheinender Freundschaft ließ Richard sich täuschen, obwohl er sich noch . recht gut ihrer AbschiedSworte bei ihrem letzten Besuch er­innerte. Doch in feiner jetzigen Stimmung war er schon zu­frieden, eine zeitlang aus dem Gefängnis, dessen geschwärzte Mauern ihn so geisterhaft anstarrten, befreit zu sein und mehr für seine Verteidigung tun zu können.

Ich danke Ihnen," sprach er nach kurzem Bedenken. Vielleicht tat ich unrecht, an Ihnen zu zweifeln . . . unter all meinen Bekannten sind Sie die einzige, die mich ausge­sucht hat, um mir einen Dienst zu leisten. Ich bin unschuldig. Meine verzweifelte Lage ist die Folge eines schändlichen Kom­plotts gegen mich, und ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß meine Unschuld einst noch bewiesen werden wird."

Sie begleiten mich doch in mein Hotel?" fragte Fräu­lein Hornegg.Ich möchte Ihnen gern von Nutzen sein. Sie sollen Geld haben, um sich zu Ihrer Verteidigung vorzu-

in Reimboldshausen. Thema: Neue Erfahrungen auf dem Gebiete der Pflanzenernährung.

5. am Sonntag, den 10. Juni abends 7% Uhr in Niederaula. Ueber Schweinezucht.

6. am Mittwoch, den 13. Juni abends 8 Uhr in Sieglos. Thema: Die Rindviehzucht.

Der Zutritt ist jedermann unentgeltlich gestattet.

Die Herren Bürgermeister der Ortschaften, in denen der Vortrag stattfindet, haben rechtzeitig für ein geeignetes Lokal zu sorgen.

Die Herren Bürgermeister, sowohl der VortragSorte wie der Nachbargemeinden, ersuche ich, für gehörige Bekannt­machung der gedachten Wandervorträge Sorge tragen zu wollen.

I. 4390. Der Königliche Landral.

J. V.: T h a m e r.

Hersfeld, den 1. Juni 1906.

In den Monaten März, April u. Mai d. I«. stnd dies« feits den nachbenannten Persönlichkeiten Jagdscheine erteilt worden:

A. Jahresjagdscheine:

1. entgeltliche:

am 24/3. dem Königlichen Landrat von GruneliuS hier,

, 4/4. dem Kaufmann Reinhard Effertz in Heringen, . 23/4. dem Ober-Postassistenten Ernst Valentin Klebe hier, mit Gültigkeit vom 1/5, 1906 ab,

26/4, demLandwirt Valentin Meister zuHof BeierSgraben, 4/5. dem Gutsbesitzer August Niemeyer in Tann,

4/5. dem prakt. Arzt Dr. Niemeyer in Plauen im Vogtlande,

. . 7/5. dem Agenten JohS. Simon Volkenand in Heringen, 7/5. dem Wilhelm Paul in Willingshain,

10/5. dem Schneider Johannes Bock in Heimboldshaufen, 10/5. dem Buchhalter Fritz Luther in Bacha a/W.

14/5. dem Holzhändler Peter Schlößler hier,

16/5. dem Gerichts-Aktuar Albrecht Siegmann hier,

15/5. dem Wilhelm Steinweg jun. hier,

15/5. dem Gutsbesitzer Georg Pachten zu Hof Kühnbach,

, 16/5. dem Bürgermeister Georg Lotz in Lengers,

16/5. dem Maurergesellen Wilhelm Steinertin Frielingen, 16/5. dem Landwirt und Schmied Johannes Horn in HedderSdorf,

16/5. dem Bierbrauereibefitzsr Heinrich Engelhardt hier.

16/5. dem Voloutair Emil Gustav Werls zu Eichhof, 17/5. dem Musikus Wilhelm Wenz-l in Rotterterode, 17/5. dem O-konomenAugust Hoßbach zu Hof Weißenborn, 17/5. dem Zimmermeister Adam Becker in MengShausen,

17/5. dem Landwirt Georg Denner in Meisebach.

17/5. dem Hermann Reuß hier,

21/5. dem Amtsrichter Brückner in Feldberg (in Mecklen­burg),

bereiten und sich auch einen guten Advokaten dafür auszu- suchen. Ich kann Ihnen auch Nachricht von Fräulein Wal- ther geben."

Von Ägnes?"

Ja," erwiderte sie.

Da zögerre Richard keinen Augenblick länger. Er stieg in den Wagen, derselbe fuhr eilends davon, und die Gouver­nante war allein mit dem Mann, den sie wahnsinnig liebte.

Was haben Sie von Agnes zu sagen?" fragte Richard dann ruhig.

Sie verließ das Haus ihrer Eltern, weil sie eine selt­same Krankheit erfaßt hatte. Sie ist bei Freunden gewesen, die ärztlichen Rat zugezogen haben, aber ihr Zustand spottet dieser studierten Männer. Der Fall steht ganz vereinzelt in der Medizin da. Sie werden mir kaum glauben, wenn ich Ihnen sage, daß sich Fräulein Walthers Hautfarbe völlig ver­ändert hat; ihr einst so schöner zarter Teint ist ganz schwärz­lich geworden, man könnte sie fast für eine Negerin halten."

Ein Lächeln spielte um Richards Lippen, ein Lächeln der Ungläubigfeit, denn wie hätte er auch einer so seltsamen Ge­schichte Glauben schenken können?Sie erzählen mir da ein Märchen, Fräulein Hornegg," sagte er.

Keineswegs. Sie sollen selbst urteilen!"

Wann? Wo kann ich sie sehen?" fragte Richard erregt.

Wir fahren jetzt in mein Hotel, genießen etwas, und dann können wir sofort aufbrechen. Nur um eines möchte ich Sie bitten: denken Sie nicht so schlecht von mir wie bisher. Ich habe nicht viel, aber alles, was ich besitze, steht Ihnen zur Verfügung."

Er drückte ihr dankbar die Hand.

Das war das erste Zeichen seiner freundlichen Empfindung für sie, und seine Berührung durchzuckte sie wie ein elektrischer Schlag.

Wie die Zeit mir Ihren wahren Charakter offenbart, so sollen auch meine Gefühle für Sie sich in ihrem wahren Lichte zeigen. Vorläufig sind Sie mir noch ein Geheimnis. Ich warte aus dessen Offenbarung."

«Die soll nicht lange auf sich warten lassen", antwortete Fräulein Hornegg.

am 21/5. dem Post-Assistenten Karl Stelzner hier,

22/5. dem Schreiner Heinrich Wenzel in Rotterterode, 22/5. dem Sattler Jakob Gluth in Asbach,

22/5. dem Müller Johannes Raacke in Schenksolz,

23/5. dem Techniker Karl Bätza hier,

23/5. dem Landwirt Georg Heuser in Lautenhausen,

25/5. dem Landwirt Heinrich Burghard Rüger in Unter- weißenborn,

25/5. dem Landwirt Konrad Glebe in Nua,

25/5. dem Ziegelmeister Johannes Kraus in Kleinensee,

25/5. dem Installateur Wilhelm Raacke in Schenksolz, 28/5, dem Rentier Johannes Harnickel hier,

30/5. dem Bergassessor Jungeblodt in Vacha a/W. u.

30/5. dem Gutsbesitzer Heinrich Frank zu Meisebach.

2. unentgeltliche:

am 11/5. dem von Baumbach'schen Waldwärter AdreaS Kehl in Goßmannsrode,

12/5. dem Königlichen Förster Kaul in Biedebach,

12/5. dem Königlichen Hilfsjäger Kurz hier und

25/5. dem Königlichen Förster Schmidt in Friedewald.

B. Tagesjagdscheine.

Keine!

Der Königliche Landrat von GruneliuS.

Gefundene Gegenstände:

Ein Regenmantel für AutomobUfahrer. Meldung deS Eigentümers bei dem Oitsvorstand in ReilyS.

In Rohrbach, Kr. Hersfeld ist eine Telegraphen­anstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Ferufprech- stelle in Wirksamkeit getreten.

Caffel, 30. Mai 1906.

Kaiserliche Ober«Postdireklion. J. V. B u ch h o l z.

nichtamtlicher teil.

In Stand der AritzsAatten und slotten- tauten der AMM

Da die Flottenfrage wegen der damit zusammenhängenden Seeherrschaft und Freiheil der HandelSbewegung nicht aus der öffentlichen Diskussion und der Aufgaben und Sorgen der Regierungen verschwinden wird, dabei aber immer wieder von den Gegnern Deutschlands die ränkevolle Be­hauptung in die Welt gesetzt wird, daß Deutschland auch nach der größten Flotte und der beherrschenden Seemacht strebe, so ist es wichtig nach einer der neuesten statistischen Untersuchungen einmal festzustellen, wie viele Streitkräste zur See jede der in Frage kommenden Großmächte besitzt

Während der Eisenbahnfahrt nach der dem einsamen Turm zunächstgelegenen Station sprachen Richard und Fräulein Hor­negg noch viel von der unglückseligen Verhaftung und Fräu­lein Hornegg stimmte ihm in seiner Vermutung bei, daß er in dem Bankhaufe einen geheimen Feind haben müsse, der, um den Verdacht von sich selbst abzuwenden, in so teuflischer Weise denselben auf ihn gelenkt habe.

Auf einem schmalen Wege, nahe dem Bahnhof erwartete sie ein Wagen. Als sie in demselben cingestiegen waren, sagte Fräulein Hornegg:Nun müssen Sie mir aber erlauben, daß ich Ihnen die Augen verbinde!"

Warum?" fragte er überrascht.

Ich habe meine Gründe dafür, und wenn Sie sich weigern, werden Sie Agnes nicht sehen . . . dann müssen Sie mich verlassen und in die Stadt zurückkehren."

Nun, ich will ja gehorchen", sagte er, sich ergebend.

Darauf verband sie ihm sorgfältig die Augen und sie fuhren mehrere Meilen weit, ohne daß er wußte in welcher Richtung. Endlich stieg er aus und wurde ein Stück Weges geführt, bis er an eine Treppe kam, die er Hinaufstieg. Dann wurde ihm die Binde von den Augen genommen.

Er befand sich in einem einfach ausgestatteten Zimmer mit weiß angestrichenen Fenstern, so daß er die Umgebung nicht sehen konnte. Neben ihm stand Fräulein Hornegg. In der einen Ecke befand sich eine dunkle Gestalt, auf die sein Auge fiel.

Da ist Ihre Geliebte, Fräulein Walther," sprach Fräulein Hornegg.

Agnes!" drang es von seinen Lippen.

Schluchzend kam die Gestalt auf ihn zu und warf sich in seine Arme.

Er aber stieß sie von sich.

Richard! Richard!" rief Agnes aus.Kennst Du mich nicht mehr ? Ich bin Agnes Walther . . . das Mädchen das Du einst liebtest. Ich habe mich vielleicht sehr verändert, und dies ist nach allem, was ich in letzter Zeit durchgemacht habe, kein Wunder, aber wiedercrkenncn muß Du mich doch?"

Richard konnte nicht daran zweifeln, daß dieses häßliche Geschöpf . , , das aus einem Akt der Grausamkeit auch noch