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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt“ und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 63.
Donnerstag, den 3h Mai
1906.
Amtlicher Ceil.
Hersfeld, den 28. Mai 1906.
Der Befähigungsausweis des Fleisch- und Trichinenbe- schauers Lorenz Wiegand zu Philippsthal ist erloschen. Der Genannte ist somit zur ferneren Ausübung der Geschäfte eines Fleisch- und Trichinenbeschauers nicht mehr befugt.
Der Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer H. Eiberr daselbst ist zur alleinigen Versehung der Geschäfte bis auf Weiteres befugt. In Verhinderungsfällen wird er von Reinhard Wiegand zu Röhrigshöfe vertreten
I. 4317. Der Königliche Landrat von Grunelius.
Hersfeld, den 28. Mai 1906.
Der Straßenmeister Hensell in Volkmarsen ist vom 1. Juli 1906 ab in den durch Pensionierung des Straßenmeisters Ehrhardt in Hersseld freigewordenen Straßenmeister-Auf- sichtsbezirk versetzt worden.
A. 1998. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ceil.
At AWnW des 6tüslt$fcrretnrint§ für Hit Almen.
Der Reichstag hat mit einem argen Mißklang seine Arbeiten beendigt, nachdem es ihm gelungen war, in einer mühevollen Sitzungsperiode wichtige Aufgaben zu lösen. Die Reform der Kolonialverwaltung iß im letzten Augenblicke gescheitert. Von vornherein war der Plan, die Kolonialabteilung vom Auswärtigen Amt abzutrennen und zu einem selbständigen, nur vom Reichskanzler abhängigen Reichsamt zu machen, auf Widerstand gestoßen. Sachlich wurde gegen den Plan geltend gemacht, daß ein selbständiges Kolonialamt leicht in Reibungen mit dem Auswärtigen Amt geraten und kolonialer Ueberetfer Schwierigkeiten und Verlegenheiten für die auswärtige Politik bereiten könnte. Bei einem Teile der Opposition mögen auch persönliche Motive mitgespielt haben; der für das neue Slaatssekke- tariat in Aussicht genommene Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg, der seit Weihnachten die Kolontalabteilung ruhig und sachlich verwaltet hatte, wurde als Gegner des Zentrums beargwöhnt. Gleichwohl war es dem Fürsten Bülow, sechs Tage vor seiner Erkrankung gelungen, in der zweiten Lesung durch eine überzeugende Rede eine Mehrheit für das neue Staatssekretariat zu erlangen.
Um so überraschender war die Ablehnung des Postens
Her Miene Hinmntenschntz.
Roman von I. G a r w i n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Mit vor Freude strahlendem Gesicht eilte Conti in das Zimmer, in welchem Fräulein -Hornegg ihn erwartete. Er war eine zu praktische Natur, um sich irgendwie romantischen Ideen hinzugeben. Er hatte friitjer einmal einen kleinen Laden gehabt, in welchem er Schönheitswasser und verschiedene Mittel zur Verschönerung des Teints verkauft hatte. Auf solche Mittel in der Chemie verstand sich Conti ausgezeichnet. Vielleicht, dachte er, ist die Dame eine Bekanntschaft aus jener Zeit, und er könnte ein Schönheitsmittel verkaufen.
Als er eintrat, schlug die Fremde ihren Schleier zurück, und Conti sah sofort, daß er es hier mit einer ernsten, wenig skrupulösen Frau zu tun habe, die Gehorsam verlangte, aber auch gut bezahlen würde, wenn man ihren Befehlen auf den Buchstaben nachkam.
Sie forderte ihn auf, Platz zu nehmen, und sagte: „Ich habe mit einem gewissen Möller von Ihnen gesprochen."
„Ein sehr achtenswerter Freund, Madame!" versetzte Conti. „Ich hoffe, es geht ihm gut?
„Er befindet sich in den Händen seiner alten Feinde, der Polizei", lautete Fräulein Homeggs Antwort. „Erschrecken Sie nicht! Ich habe nichts mit diesen Leuten zu tun . . . aber ich bin mit Möller bekannt und derselbe hat Sie mir als einen Mann genannt, der für Geld wohl zu manchem bereit ist.
Conti dachte, daß er in diesem Augenblick mit einer sehr kleinen Summe zu erkaufen sei. „Es gibt wenig, Madame," erwiderte er, „das ich für Geld nicht tun würde."
„Das freut mich zu hören. Nun, lassen Sie uns einander recht verstehen. Ich verlange zweierlei von Ihnen, wovon ich für jedes fünfhundert Mark gebe. Das erste ist leicht erklärt. Sie sind Chemiker, wie ich hörte?"
„Es gibt wenig Geheimnisse in der Chemie, in die ich nicht eingeweiht bin. Ich habe dieses Fach mehr zu meinem
in dritter Lesung. Es fehlte der Reichskanzler, die parlamentarische Geschicklichkeit der Fürsten Bülow, die deutlich in die Augen springt, wenn man das glänzende Ergebnis der zweiten Lesung, bei der er selbst eingriff und das Ergebnis dar dritten Lesung, bei der er stch nicht selbst vor den Riß stellen konnte, vergleicht. Allerlei Mißverständnisse — so bei der Rede des Obersten v. Deimling — und Zufälligkeiten — die Rechte war in der Sitzung schwächer vertreten als die Mitte und die Linke — kamen hinzu, um in der Hast des letzten Augenblicks vor Torschluß eine erregte und widerspruchsvolle Situation zu schaffen. Am Sonnabend war noch von dem Abgeordneten Gröber ein Unterstaatssekretär statt des Staatssekretärs beantragt worden, am Montag jedoch zog stch das Zentrum auf den Kolonialdirektor, d. h. auf den bisherigen Zustand, zurück. Wir glauben, daß die Rechte und die Nationalliberalen richtig gehandelt haben, indem sie stch der Stimme enthielten und damit bekundeten, daß sie eine Verantwortung für die Fortdauer der bestehenden Verhältnisse nicht mit tragen wollten. Nachdem nicht ohne Grund so viel über schwere Schäden in der Kolonialverwaltung geredet worden ist, mußte auch ein Anfang zu durchgreifenden Reformen gemacht werden. Was ist ferner nach der Erkrankung des Fürsten Bülow alles über eine Entlastung des obersten Reichsbeamtin geschrieben worden! Viel Verkehrtes. Hier aber wäre eine praktische Gelegenheit gewesen, eine gewisse Entlastung zu bewirken.
Die Haltung des Zentrums scheint uns auch von seinem eigenen Parteistandpunkt nicht klug zu sein. Nachdem es an den großen Gesetzen der Flottenvermehrung, der Steuerreform und der Pensionen für die Armee mitgeholfen hat, hätte es sich nicht in eigenwilligem Widerspruch zu der gerade von Zentrumsabgeordneten geübten, mitunter zu scharfen Kritik der Kolonialschäden als ausschlaggebende Partei gegen einen wichtigen Schritt zur Besserung zu erweisen und sich damit dem Vorwurf einesMißbrauchs seiner parlamentarischen Machtstellung auSzusetzen brauchen.
Jer W in WStotWii.
Berlin, 28. Mai. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Wie bereits berichtet, hatte sich jene H o t t entöl t e n b a n d e, die Anfang Mai aus den Kleinen Karas- bergen ausgebrochen war, zunächst nach dem Gr. Fischfluß gezogen. Die verfolgenden Truppen hatten festgestellt, daß am 10. Mai der Kapitän der BondelS Johannes Christian Morris und ein dritter Führer namens Vielding ihre Leute bei Rostnbusch vereinigt hatten. Die Hottentotten verfügten über etwa 300 Gewehre, dennoch entzogen sie sich dem Angriff unserer Truppen. Am 15. Mai verließ der Gegner das Fischflußgebiet in östlicher Richtung und wurde am 19 b. bei GaiS von Leutnant Engler, der mit wenigen Rettern seiner Spur gefolgt war, angegriffen. Hierbei
Vergnügen, als zu meinem Beruf studiert, und da ist es mir, wie vielen Liebhabern einer Kunst, sehr bald gelungen, jene, welche Chemie berufsweise trieben, zu überflügeln", erklärte Conti mit verzeihlichem Stolze, denn er hatte es wirklich weit in dieser Wissenschaft gebracht.
„Ich habe eine Nebenbuhlerin", ergriff darauf Fräulein Hornegg wieder das Wort, „ein Mädchen, das mir die Liebe des Mannes raubt, der mein sein muß. Gibt es kein Mittel, dieses Mädchen, so häßlich zu machen, daß er sich voll Abscheu von ihr wenden muß?".
Ein teuflisches Lächeln glitt über des Italieners Gesicht. „Ich kann ihre Haut gelb, blau, schwarz machen, wie Sie wollen," versetzte er, „und ich meine, daß ein Deutscher sich kaum in eine Dame verlieben wird, die das getreue Seiten- stück einer Negerin ist, mit der einzigen Ausnahme, daß ihr die breitgedrückten Züge und das wollige Haar fehlen. Die Züge kann ich nicht ändern, aber ich kann Ihnen eine Per- rücke geben, die, wenn Sie ihr den Kopf rasieren lassen, sie den Töchtern Afrikas noch bedeutend ähnlicher machen würde."
„Eine ganz ausgezeichnete Idee!" sagte Fräulein Hornegg. „Wie viel Zeit werden Sie zu Ihren Vorbereitungen brauchen ?"
„Ungefähr drei Wochen. Eine kleine Dosis von der Flüssigkeit täglich ist hinreichend. Aber erlauben Sie mir eine Frage! Auf welche Weise gedenken Sie sich dem Gericht zu entziehen? Die Freunde der jungen Dame werden bei dem allmählich zu Tage tretenden Wechsel doch Verdacht schöpfen?"
„Ihre Freunde stehen in keinem Verkehr mit ihr," erwiderte die Hornegg kurz. „Sie ist meine Schutzbefohlene und ganz in meinen Händen. Es kann sie niemand sehen, wenn ich es nicht wünsche. Sie brauchen nicht zu fürchten, Signor Conti, daß Sie es mit einer schwachen Frau zu tun haben, die nicht vorher alle Möglichkeiten bedenkt und zu rechter Zeit die nötigen Vorsichtsmaßregeln trifft."
„Ich bin von Madames Talent überzeugt," gab Conti mit einer tiefen Verbeugung zur Antwort. „In drei Tagen," fuhr er daraus fort, „soll die Mixtur für Sie bereit sein, Madame, und Sie werden sich überzeugen, daß meine chemischen Kenntnisse meinen vorherigen Lobreden alle Ehre machen."
fielen Leutnant Engler und ein Reiter. Die Hottentotten zogen nach dem Gefecht weiter nach Osten ab und kreuzten am 20. b. die Pad nördlich Kalkfontein.
Am 21. b. wurde unweit Kalkfontein ein Reiter erschossen. Oberleutnant von Milczewski, der mit seiner Funkenstation unterwegs war, hörte da« Gewehrfeuer und eilte herbei. Er stellte bei Kubub eine starke Hottentottenbande fest und. griff sie an. In dem Gefecht fielen drei Reiter. Noch am selben Abend gelang es Oberleutnant o. Milczewski, Lichtverbindung mit der Abteilung des Major« Rentel aufzunehmen, den er bei NoibiS vermuten konnte. Die Verständigung glückte. Major Rentel trat sogleich den Vormarsch an, holte nach beschwerlichen Märsche« am 23. Mai den Gegner ein und stellte ihn zwischen Amas und SprtngpütS zum Kampfe. Nach heftigem Widerstand räumte der Feind seine Stellung und zog in der Nacht nach Süden ob, anscheinend in Richtung auf Tsawab. Unsere Verluste betrugen 1 Offizier und 15 Reiter verwundet, 4 Reiter sind g e- f allen. Major Rentel setzte am 24. Mai die Verfolgung fort.
Von den in jener Gegend verfügbaren Truppen find die Wasserstellen von Ukamas, Rababis, Bkydeverwacht, Jerusalem und Ondermaitje besetzt worden, um dem Gegner ein Ausbrechen nach der Ostgrenze oder nach dem Oranje zu verwehren. Die Abteilung des Majors v. Freihold, die bereit« Aiaie am Großen Fischfluß erreicht hatte, kehrt nach der Gegend von Ramanstrift zurück, wo wieder ein Hottentottenkommando gemeldet ist. Die wichtigeren Punkte aus Gr. Fischfluh, sowie die Großen und Kleinen Karas- berge werden von unseren Truppen besetzt gehalten. Weitere Gefechte werden soeben gemeldet.
Die Fortsetzung des Kampfes wird in einem zweiten Gefechtsbericht in folgender Weise geschildert:
Wie gemeldet, hatte Major Rentel nach dem Gefecht zwischen Ama« und Springpüts die Verfolgung am 24. Mai nach Süden fortgesetzt. Major Siebert, der in der Gegend von Hudab stand, war auf den Kanonendonner los« marschiert und erreichte am 24. nachmittags die Abteilung Rentel unweit Groendoorn. Beide setzten vereint den Vormarsch nach Süden fort. Am 25. früh wurden in Tsamab Leutnant Fürdringer und achtReiter erschossen ausgefunden. Sie waren anscheinend bei Herstellung der Signallinie Kubub—Ukamas am 24. d. Mt«. abends überwältigt worden.
Am 25. nachmittag« erreichte Major Sieberg gemeinsam mit der Abteilung Rentel den abziehenden Gegner bei Nukai« am Ham-Revier und hatte ein erfolgreiche« Gefecht bis zur Dunkelheit. Der Gegner zog nach Osten ab. Leutnant Zollenkopf undvierReiter wurden v er - mundet. Die Verfolgung wurde am folgenden Tage fortgesetzt.
Die Gesamtverluste auf deutscher Keile in den Gefechten
„Drei Wochen also genügen, für den Wechsel, sagten Sie?" fragte Fräulein Hornegg nochmals zerstreut.
„Ungefähr . . . ja . . . aber halten Sie die betreffende Dame vom Spiegel fern, da es leicht auf ihren Geist einwirken könnte, wenn sie die Veränderung gewahr wird."
„Um so besser!" versetzte die schlimme Person. „Aber nein ! Erst muß er sie gesehen haben. Erst will, ich Zeuge seiner Seelenqual und ihrer Bestürzung sein, wenn sie einander wiedererkennen unD sie die schreckliche Wahrheit von seinen Lippen vernimmt."
„Und was ist Ihr zweiter Wunsch, Signora?" fragte Conti nach einer kleinen Weile.
„In der Friedrichsstraße ist ein Bankgeschäft Walter u. Comp. Dort finden Sie einen Herrn namens Richard Burgsdorf."
Conti nahm sein Notizbuch aus der Tasche und notierte sich die Namen.
„Es wird Ihnen nicht schwer fallen," fuhr Fräulein Hornegg fort, „einen unehrlichen Menschen zu finden. Veranlassen Sie diesen, das Bankhaus zu bestehlen, und veranlassen Sie es, daß Herr Burgsdorf als der Dieb angeklagt wird. Verstehen Sie mich?
„Vollkommen! Nichts ist einfacher als das! In ungefähr vierzehn Tagen soll Herr Burgsdors vor dem Kriminalgericht stehen," sprach Conti.
„Sie werden etwas Geld brauchen . . . mit diesem ärmlichen Anzug werden Sie wenig Vertrauen erwecken."
„Allerdings würde ich gern eine kleine Abschlagssumme annehmen, Signora," versetzte Conti.
Fräulein Hornegg zählte ihm drei Hundert-Marknoten aus und entgegnete: „Nehmen Sie dies für Ihre Auslagen! Die versprochenen fünfhundert Mark sollen Sie ohne Abzug erhalten, wenn Sie Ihre Ausgabe gut erfüllen. In zehn Tagen komme ich wieder hierher, um zu hören, was Sie inzwischen in meinem Interesse getan haben. Ich hoffe, daß Sie mir alsdann befriedigenden Bericht geben können."
Darauf wünschte Fräulein Hornegg dem Italiener guten Abend, bat ihn in fast befehlendem Tone, Platz zu behalten, da sie den Weg allein finden könne und verließ das Zimmer.